Besucher der Digitalkonferenz re:publica sitzen im Salon Helga und hören unter Hauben Titel der ARD Audiothek, Berlin, 2. Mai 2018. re:publica 2018 (Quelle: imago/Martin Müller).
Bild: imago stock&people

6.-8. Mai in Berlin - Fünf Fakten zur Internetkonferenz re:publica in Berlin

Drei Tage, 27 Bühnen, 1.000 Speaker: Die re:publica lädt wieder zum jährlichen Stelldichein von Netzaktivisten, Bloggern und Journalisten in Berlin. Doch ist die Konferenz nur etwas für Nerds? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

"Ein Weiterbildungsprogramm für gesellschaftliche Debatten" nennt Mitgründer Markus Beckedahl die re:publica vor deren 13. Ausgabe. Debattiert werden kann wieder viel auf Europas größter Digitalmesse. Das Themenspektrum reicht in diesem Jahr von Netzpolitik und -aktivismus, über digitale Nachhaltigkeit, Fake News und Datenjournalismus bis hin zu Virtuellen Realitäten und Cyberwar.

Das klingt wirr? Ist es auch jedes Jahr aufs Neue. Doch mehrere Tausend Teilnehmer wird es wieder in die Station Berlin am Gleisdreieck ziehen, um ein bis drei Tage lang über die digitale Zukunft zu diskutieren. Interessieren Sie sich auch fürs Netz, haben aber Zweifel, ob die re:publica etwas für Sie ist? Anhand von fünf Fakten helfen wir bei der Entscheidungsfindung.

Muss man was mit Medien machen, um auf die re:publica zu kommen?

Nein. Zwar werden Sie umzingelt sein von Journalisten und anderen Medienschaffenden, aber keine Angst: Diese Menschen können sehr nett sein, wenn sie wollen. Und wenn genug Kaffee zur Verfügung steht. Laut Organisatoren gibt es aber auch Vertreter aus dem Kulturbetrieb und dem Bildungs- oder Gesundheitssektor, wenn Sie mit diesen besser klarkommen.

Empfehlenswert wäre es aber schon, ein Smartphone mitzubringen, um das ein oder andere Foto in den sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Gerne mit einem ironischen Antexter. Twitter ist für sie allerdings #Neuland? Halten Sie sich einfach kürzer als bei Facebook und verpassen Sie Ihren Einträgen unbedingt den Hashtag #rp19 oder - falls sie direkt durch Insiderwissen punkten wollen - #tldr. Doch dazu gleich mehr.

Gibt es ein spezielles Motto auf der re:publica?

Nach LOL und POP kommt nicht etwa SOS, wie wir im vergangenen Jahr vermutet hatten, sondern: tl;dr (too long; didn't read). Die re:publica-Macher bleiben ihrem Stil der letzten Jahre also insofern treu, lieber kryptisch und mehrdeutig zu bleiben, als mit früheren Oberthemen wie "Leben im Netz" zu langweilig und allgemein zu klingen.

Tl;dr bezieht sich hier aber nicht etwa auf ewig lange WhatsApp-Romane oder Facebook-Einladungstexte, sondern auf das Kleingedruckte und den kritischen Umgang damit. Auf die AGB, die jeder von uns direkt wegklickt, um nicht genervt zu werden. Oder wie es einer der re:publica-Gründer Markus Beckedahl im rbb-Interview sagt: "Wir müssen auch die Menschen mitnehmen, die keine Zeit oder Lust haben, sich mit komplexen Zusammenhängen zu beschäftigen." Hoffentlich war das jetzt nicht zu komplex.

Welche Stars werden erwartet?

Es stimmt zwar, in der Geschichte der Konferenz stand etwa schon David Hasselhoff auf der Bühne und gab seinen Hit "Looking for Freedom" zum Besten. Auch Auftritte der Whistleblowerin Chelsea Manning oder die überdimensionale Live-Schalte von Jan Böhmermann im vergangenen Jahr sind unter der Kategorie "Main Act" zu verbuchen. Vergleichbarer Andrang wird es in diesem Jahr sicherlich bei re:publica- und Erdboden-Rückkehrer Alexander Gerst geben. Und auch der einst verlorene Sohn Sascha Lobo bemüht sich im dritten Jahr in Folge um re:publica-Konstanz.

Die eigentlichen Stars der Szene sind jedoch andere: Männliche wie weibliche Gründer, Netzaktivisten, Wissenschaftler, Journalisten, Blogger, YouTuber und Tüfftler, die als Redner bei der re:publica auftreten, um ihre Projekte und Ideen zur Diskussion zu stellen. Neben diesen sogenannten "Speakern" gibt es ganz unterschiedliche Podiumsdiskussionen, Workshops und Aktionen. Eine Übersicht des kompletten Programms gibt es hier [externer Link zur re:publica-Seite].

David Hasselhoff bei der re:publica 2014 (Quelle: imago)Er war 2014 ein ungewöhnlicher "Main Act" auf der re:publica: David Hasselhoff.

Wie politisch ist die re:publica?

Die ernüchternde Nachricht zuerst: Die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), fehlt auch 2019 im Programmheft. Dafür spricht in diesem Jahr mit Frank-Walter Steinmeier erstmals ein deutscher Bundespräsident auf der re:publica. Seine Eröffnungsrede teilt er sich mit der kenianischen Politologin Nanjira Sambuli.

Ähnlich spannend wie diese Kombination dürfte die Diskussion mit dem Wegbereiter der EU-Urheberrechtsreform Axel Voss - seitdem Hassfigur vieler Netzaktivisten - sowie die Ausführungen von EU-Kommissarin Margarethe Vestager werden. Nachdem sie sich wie niemand vor ihr mit den Silicon Valley-Riesen Google und Co. angelegt hatte, genießt sie in digitalen Kreisen sowas wie Popstar-Status.

Auch die Berliner Politik wird mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Klaus Lederer (Linke) auf der re:publica vertreten sein. Zudem hat sich die ehemalige Neuköllner Bezirksbürgermeisterin und jetzige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) angekündigt.

Ihrer seit Jahren eingeforderten politischen Strahlkraft könnte die Konferenz also in diesem Jahr durchaus näherkommen. Mehr Politprominenz gab's in der Vergangenheit jedenfalls nie.

Was ist neu bei der re:publica 2019?

Auch wenn wieder alle dienstältesten re:publicaner mit von der Partie sind, betrifft die größte Neuerung die jüngere Generation: Erstmals findet das von re:publica-Gründer Johnny Haeusler initiierte Jugendfestival Tincon im Rahmen der Digitalkonferenz statt. Der Eintritt zur Tincon ist für 13- bis 21-Jährige kostenlos und berechtigt ebenfalls zum Besuch der re:publica. Hier findet beispielsweise eine eigene kleine Messe zur Berufswahl statt.

Für die Tincon genutzt werden dabei - und das ist ebenfalls eine Neuerung - die Räume des benachbarten Deutschen Technikmuseums. Mehr Platz ist auch bitter nötig: Zwischen 2008 und 2018 ist die Zahl der re:publica-Besucher von 800 auf 10.000 angestiegen. Vielleicht gehören Sie in diesem Jahr ja auch dazu.

#rbbTalkLab: das Programm

  • Montag, 6. Mai

  • Dienstag, 7. Mai

  • Mittwoch, 8. Mai

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    ich meine natürlich die kurzbeschreibung des artikels unter der überschrift. sorry.

  2. 2.

    guter artikel. aber das wort speaker in der überschrift? viele menschen sprechen kein englisch.

  3. 1.

    Danke, rbb.

    Aber tl;dr :-)