Die Gedächtniskirche in Berlin. (Quelle: dpa/de Simone)
Bild: dpa/de Simone

#wirsindda - Was sich die Kirchen ohne Gottesdienste einfallen lassen

Podcasts, Livestreams, Handzettel: Religionsgemeinschaft lassen sich derzeit einiges einfallen, um Menschen zu erreichen und ihnen Beistand zu leisten – in geistlichen Dingen, aber auch in Fragen, die mit der Corona-Krise zusammenhängen. Von Josefine Janert

Was Sie jetzt wissen müssen

Mit Einschränkungen in der Corona-Krise haben auch Kirchen und andere Religionsgemeinschaften in der Region zu kämpfen. Denn seitdem Versammlungen von mehr als 50 Personen verboten sind, wurden auch die allermeisten Gottesdienste und Konzerte in Kirchen, Synagogen und Moscheen abgesagt. Nur wenige Veranstaltungen finden noch statt – immer dann, wenn der Raum so groß ist, dass Menschen ausreichend Abstand zueinander halten können.

Das Berliner Stadtkloster hat so einen Raum: Es lädt am 19. und 26. März jeweils ab 20 Uhr zu einer "Meditation in der Kirche" [stadtklostersegen.de] ein. Auch die Marienkirche bietet an vielen Tagen um 12 Uhr eine Andacht an. [marienkirche.de]

Einige Kirchen sind zum stillen Gebet geöffnet

Corinna Zisselsberger, Pfarrerin der Marienkirche, ärgert sich darüber, dass jetzt häufig von einem "Verbot der Gottesdienste" die Rede ist: "Gottesdienst bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass Menschen dicht an dicht in Kirchenbänken sitzen." Es gelte, in Krisenzeiten neue Formen zu finden. "Unser Ziel ist es, die Kirche so weit wie möglich offen zu halten als Ort der Einkehr und der Zuflucht", sagt die Theologin.

Auch in Brandenburg bleiben einige evangelische und katholische Kirchen zum stillen Gebet geöffnet – so die Oberkirche St. Nikolai in Cottbus sowie die St. Nikolai-Kirche und die Friedenskirche in Potsdam.

Der rbb bietet im Hörfunk regelmäßig evangelische oder katholische Gottesdienste an: Bei rbbKultur, jeden Sonntag von 10 bis 11 Uhr.

#wirsindda

Unter dem Hashtag #wirsindda gibt die evangelische Kirche in den sozialen Medien und auf Internetseiten einen Überblick über ihre Angebote in Coronazeiten.  

"Viele Gemeinden entwickeln gerade kreative Ideen, wie sie die Gläubigen weiter erreichen können", sagt Superintendent Carsten Bolz vom Evangelischen Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf. Beispielsweise gebe es im Norden Berlins eine Pfarrerin, die mutmachende Worte aufschrieb und die Zettel an einer Leine rund um die Kirche befestigte.

Gottesdienste per Livestream

Pfarrer, die ihre Predigten schon seit längerem zum Nachlesen oder Nachhören ins Internet stellen, sind nun klar im Vorteil. Dazu gehören die Berliner Marienkirche und der Pfarrsprengel Oderland-Spree-West, außerdem das freikirchliche Berlinprojekt sowie eine Baptistengemeinde in Potsdam.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche plant nun auch, Gottesdienste per Livestream zu übertragen. Für den 22. März, 10 Uhr, hatte die Gemeinde ohnehin einen Gottesdienst für pflegende Angehörige geplant. Der findet auch statt – allerdings ohne Gemeinde. "Wir sind gerade dabei, den Livestream zu organisieren", sagt Pfarrer Martin Germer. Und die rund 1.500 Personen, die den Newsletter der Gemeinde beziehen, sollen künftig Predigten zum Nachlesen erhalten.

Segnung per Audiodatei

Auch die Gemeinde von St. Marien in Berlin-Mitte arbeitet daran, am Sonntag einen Podcast auf der Homepage zu veröffentlichen – mit Predigt, eventuell mit Gesang. Schon jetzt finden Gläubige dort Texte für Gebet und Meditation daheim sowie eine Audiodatei mit einem Segenswunsch, begleitet von Chorgesang. "Dieses Angebot wollen wir ständig weiter ausbauen", sagt die Pfarrerin Zisselsberger.

Jeden Tag läuten die Glocken zum Angelus-Gebet

Täglich um 18 Uhr läuten jetzt in den katholischen Kirchen im Erzbistum Berlin die Glocken. Sie laden die Gläubigen dazu ein, innezuhalten und das Gebet „Der Engel des Herrn“ (Angelus) zu sprechen. "Die Priester feiern privat die tägliche Eucharistie stellvertretend für die Gemeinden", heißt es in einer Mitteilung des Erzbistums Berlin. "Der Erzbischof oder ein Mitglied der Metropolitankapitels feiert täglich stellvertretend die Heilige Messe in den Anliegen der Gläubigen unseres Erzbistums Berlin."

Katholikinnen und Katholiken können in Zeiten der Corona-Pandemie eine besondere Fürbitte sprechen, die auf der Homepage des Deutschen Liturgischen Instituts steht. Erzbischof Heiner Koch fordert die Gläubigen auf, sich besonders um ältere und kranke Menschen zu kümmern, sie anzurufen und ihnen Briefe zu schreiben.

"Der Glaube wirkt beruhigend"

Meho Travljanin ist Vorsitzender des Islamischen Kulturzentrums der Bosniaken in Berlin-Kreuzberg. "Zu unseren Veranstaltungen am Freitag, Sonnabend und Sonntag kommen immer mehr als 50 Besucher", sagt er. Daher seien sie alle abgesagt worden. Angebote für einen kleineren Personenkreis wolle man vorerst nicht machen, damit man nicht in die Verlegenheit komme, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aussuchen zu müssen. Mitglieder der Gemeinde, die Gesprächsbedarf haben, könnten sich allerdings täglich von 12 bis 13 Uhr telefonisch melden.

"Wir halten uns an die Verordnung des Senats", sagt auch Birol Ucan, Vorstand der Omar Ibn Al-Khattab-Moschee in Kreuzberg. In einem "dynamischen Prozess" entwickele die Gemeinde Ideen, wie sie kreativ mit der Situation umgehen kann.

"Wir arbeiten daran, Vorträge ins Internet zu stellen", sagt Karim Gouider, Vorstand der Seituna-Moschee in Charlottenburg. Bislang würden sich die Mitglieder der Gemeinde vor allem über einen Messenger-Dienst und über soziale Netzwerke austauschen. "Weltweit haben Menschen Angst vor dem Virus – natürlich auch in unserer Moschee", sagt Gouider. "Doch der Glaube wirkt beruhigend."

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