Dilek Kalayci (SPD,M), Berliner Gesundheitssenatorin, unterhält sich am 14.05.2020 mit Mundschutzmaske zu Beginn der Plenarsitzung im Abgeordnetenhaus. (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Nach Kritik an "Ampel" - Kalayci will auf Amtsärzte zugehen

Als "medizinisch nicht nachvollziehbar" kritisierten die Berliner Amtsärzte das Corona-Frühwarnsystem des Senats. Gesundheitssenatorin Kalayci kündigt nun im Abgeordnetenhaus an, das Gespräch mit den Medizinern zu suchen.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) will auf die Berliner Amtsärzte nach deren Kritik an fehlenden Informationen zugehen. Die Ärzte hätten gesagt, dass sie das vom Senat vorgestellte System nicht verstanden hätten. Die Gesundheitssenatsverwaltung wolle es daher mit ihnen erörtern, sagte Kalayci am Donnerstag in der Fragestunde des Abgeordnetenhauses. Auch in die Strategie zu Corona-Tests sollten die Mediziner eingebunden werden. "Ich hoffe, dass ich auf das Einverständnis der Amtsärzte und der Bezirke setzen kann", sagte Kalayci.

"Nicht angehört, nicht eingebunden"

Die Berliner Amtsärzte hatten den Senat am Mittwoch in einem offenen Brief scharf kritisiert. Sie warfen Kalayci vor, sie hätten die Informationen zum neuen Berliner Ampel-Warnsystem und zur neuen Berliner Teststrategie ausschließlich aus der Presse erfahren. "Wir Berliner Amtsärzte und Amtsärztinnen machen darauf aufmerksam, dass wir fachlich-medizinisch in keiner Weise angehört wurden oder eingebunden waren", heißt es in dem Brief, der rbb|24 vorliegt. "Bürger und Bürgerinnen wenden sich an uns mit Anfragen, die wir nicht beantworten können." Das führe zu Irritationen und Verunsicherungen in der Bevölkerung.

Bezirke uneins über Kritik der Amtsärzte

In den Berliner Bezirken gehen die Ansichten über die Kritik der Amtsärzte an Kalayci deutlich auseinander. Katrin Framke (parteilos für Die Linke), Bezirksstadträtin für Gesundheit in Lichtenberg, teilte am Donnerstag mit, sie unterstütze die Amtsärzte ausdrücklich. Transparente Kommunikation und das Einbeziehen der Bezirke seien erfolgsentscheidend. Unterstützung für die Position der Amtsärzte gibt es auch in Hellersdorf-Marzahn und Charlottenburg-Wilmersdorf.

Carolina Böhm (SPD), in Steglitz-Zehlendorf für Gesundheit zuständig, bezeichnete die "Ampel" hingegen als einen "guten und richtigen Weg". Ähnlich hatte sich zuvor ihr Kollege Ephraim Gothe, Gesundheitsstadtrat in Mitte, geäußert.  

Die "Ampel" legt Grenzwerte fest

Gesundheitssenatorin Kalayci hatte das neue Berliner Warnsystem für die Corona-Pandemie am Dienstag vorgestellt. In dem Ampelsystem sind die Reproduktionsrate, die Zahl der Neuinfektionen und die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten die entscheidenden Warnfaktoren. Für die drei Kriterien wurden jeweils Grenzwerte festgelegt. Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid hatte daran bereits deutliche Kritik geübt.

Unmut gab es am Mittwoch auch im Abgeordnetenhaus. Der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier kritisierte, der Senat habe dem Rechtsausschuss nicht rechtzeitig die neuen Corona-Beschlüsse zur Beratung vorgelegt. Das sei eine "Riesensauerei".

Sendung: Abendschau, 14.05.2020, 19.30 Uhr

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17 Kommentare

  1. 17.

    Ich mag jetzt mich nicht an dem persönlichen Hick-Hack beteiligen.

    Möchte aber betonen:
    Inhaltlich, zum Thema Amtsärzte, Senatsentscheidung usw. stimme ich Mark hier in diesem thread **vollkommen** zu.

  2. 16.

    ...schon mal mitbekommen, das Sie alleine hier drei verschiedene Leute und deren Kommentare für Blödsinn erklären und nur Ihrer der Richtige ist? Lesen Sie mal Ihre Antworten durch und wiederholen Sie bitte nicht immer das Argument Berlin ist eine Millionenstadt, ich bin hier geboren und aufgewachsen und hab schon einiges hier erlebt. Mitte März hat der Senat die Amtsärzte auch befragt in Thema Club und Diskotheken Schließungen, da ist er diesen Ratschlag gefolgt. Und jetzt hat er eine Entscheidung getroffen, ohne derzeitige Not, ohne die Amtsärzte und ist dann überrascht, dass sich diese zu Wort melden. Schönen Wochenstart....

  3. 15.

    So ein Quatsch! Sie gehen ja nicht einmal auf meine Argumente ein! Sie schwafeln komplett am Thema vorbei. Das sind keine Standpunkte, sondern wirre Statements.

    "Mit Verlaub, Blödsinn! Berlin ist eine engbebaute Millionenstadt. Nicht einmal HH lässt sich mit B vergleichen. Also ist es nur zu logisch dass für B andere Zahlen und Verordnungen gelten müssen, wie z.B. für ein Flächenland wie Sachsen."

    Warum man nicht abwarten kann und Experimente unterlassen sollte haben ich ihnen auch erklärt. Wenn sie nicht diskutieren können oder wollen, dann lassen sie es doch einfach.

  4. 14.

    ...jetzt weiß ich wenigstens wie Sie ticken, andere Standpunkte sind für Sie nicht akzeptabel....
    Sie übernehmen komplett die Argumente der Senatorin und lassen dabei außer Sicht, das es um Beschlüsse des Bund und Länder geht. Glaubwürdigkeit in der Politik sieht anders aus.
    Zu meinen Kommentar 10, da habe ich Bezug auf ihre Anmerkung genommen, wo Sie angeführt hatten, das sich die Amtsärzte nicht einig sind. Aber sei es drum, unsere Kommentare haben jetzt nicht mehr mit den ursprünglichen Artikel zu tun. Bleiben Sie gesund

  5. 13.

    "Unserer Gesundheitssenatorin war die festgelegte Zahl von 50 nicht genehm, "

    Mit Verlaub, Blödsinn! Berlin ist eine engbebaute Millionenstadt. Nicht einmal HH lässt sich mit B vergleichen. Also ist es nur zu logisch dass für B andere Zahlen und Verordnungen gelten müssen, wie z.B. für ein Flächenland wie Sachsen.

    "Warum wird nicht einmal abgewartet" Wollen sie ernsthaft abwarten bis die Zahlen nach oben schnellen? Berlin ist doch kein Ameisenkasten mit dem man Experimente veranstalten kann.

    "Die Fallzahlen pro 100000 sind zur Zeit in Berlin überschaubar," Sind eben deshalb überschaubar, weil man schnell reagiert hat.

    Wirr sind ihre Widersprüche im Kommentar # 10. Sie bestätigen dass sich die Amtsärzte nicht einig sind, wollen aber gleichzeitig diese Amtsärzte, die sich untereinander nicht einig mit "ins Boot holen".

  6. 12.

    Unserer Gesundheitssenatorin war die festgelegte Zahl von 50 nicht genehm, deshalb hat Sie innerhalb weniger Tage nach dem gemeinsamen Beschluss, ohne Not; eine eigene willkürliche Zahl festgelegt.
    Warum wird nicht einmal abgewartet und einen gemeinsam beschlossener Beschluss von Bund und Ländern 14 Tage vorab wieder gekippt?
    Die Fallzahlen pro 100000 sind zur Zeit in Berlin überschaubar, daher hätte man die Entwicklung abwarten können und sich in der Zeit mit weiteren Informationen eindecken können. Was sind an diesen Ausführungen wirr?

  7. 11.

    Äh. "Wenn Sie das Argument anbringen, die Amtsärzte sogar sind sich nicht einig, müssen Sie dann aber auch gelten lassen, das sich die Virologen und Wissenschaftler nicht alle einig sind."

    Genau deshalb mußten Entscheidungen getroffen werden, die auf dem Status quo beruhen. Wozu sollte Kalayci die Amtsärzte "mit ins Boot" holen, die sich nicht einmal einig sind?

    Sorry, sie reden wirr!

  8. 10.

    ..es mussten schnelle Entscheidungen getroffen werden? Bezweifele ich, da ein paar Tage vorher alle 16 Bundesländer eine Quote festgelegt hatten. Man hätte 14 Tage zeit gehabt diese zu beobachten und dann ggf. zu reagieren. Da aber unseren Gesundheitssenatorin die Zahl 50ein Dorn im Auge war, hat Sie mal Ihr Ding gemacht. Hätte Sie die Zeit genutzt, um in der Zeit die Amtsärzte mit ins Boot zu holen, wäre das transparenter.
    Wenn Sie das Argument anbringen, die Amtsärzte sogar sind sich nicht einig, müssen Sie dann aber auch gelten lassen, das sich die Virologen und Wissenschaftler nicht alle einig sind. In diesem Sinne, schöne Wochenende

  9. 9.

    Ach wissen sie, wer schon mit Bild Niveau "Knaller des Tages" anfängt und keine Umgangssprache beherrscht, der sollte doch lieber seine Finger bei sich behalten oder versuchen vor dem Tippen das eigene Hirn zu benutzen.

    Sie schaffen es ja nicht einmal auf die Fragestellung einzugehen. So "lustrig" [sic!], nee?

  10. 8.

    Ja, 5 Sterne!
    Jetzt ist Schluss mit dem Hygiene-Ampel-Irrsinn! Seit September können sich Berliner auf der Internetseite www.berlin.de/sicher-essen informieren, wie sauber und ordentlich es in den Restaurants der Stadt zugeht. Für die Verbraucher sichtbar ist jedoch nur die Punktezahl, die ein Betrieb erhalten hat, und eine Note.18.10.2011

  11. 7.

    Politiker, Führungskräfte, Richter.... müssen keine Fachleute sein.
    Sie müssen Sachverhalte, Probleme, Wesentliches gut erfassen können, egal um welches Thema es geht. Gute Menschenkenntnis haben. Erkennen: wo muss ich aufpassen, wen sollte ich fragen, wem kann ich vertrauen. Ein Kapitän muss kein Boot bauen können, aber er sollte das Meer einschätzen und mit der Mannschaft umgehen können...

  12. 6.

    Sorry Mark. Aber Sie sind wohl der Knaller des Tages. Sorry. Aber Sie greifen frontal jemanden an, der seine Meinung frei äußert und kommen mit RRG "Bashing". OH WOW. Bashing. Ist Ihre Sprache Deutsch, oder Englisch? Bashing. Nachdem was ich von Ihnen gelesen habe fällt mir auch was zur Prügel = Bashing ein.

    Wie auch immer. Um kurz zu Ihrer Statement etwas zu kommentieren, bezüglich Fachleute / Fachkräfte.

    Nein dazu zählen Frau Pop, Frau D. Kalayci und Herr Müller bestimmt nicht.

    ... und jetzt können Sie wieder über das arme RRG "Bashing" (so lustrig) sich auslassen.

  13. 5.

    Es muss zur Zeit so viel in so kurzer Zeit entschieden und kommuniziert werden. Ich finde viele der "Empfindlichkeiten" zur Zeit fehl am Platz, und diese Amtärzte-Geschichte gehört für mich dazu.
    Selbst die Infos zwischen Ministerpräsidenten und ihren Leuten innerhalb des eigenen Bundeslandes fließt offenbar oft über die Presse, wenn mal wieder neue Entscheidungen gefallen sind. Ist nicht toll, das ist klar. Aber ich denke, allzu schnell wird da absichtliches Außenvorlassen unterstellt. Das System ist einfach an allen Ecken und Enden überlastet, und das ist doch auch kein Wunder.
    Ich finde es sogar eigentlich eher gut, wenn jetzt mal *nicht* vorrangig darauf geachtet wird, dass auch JA der "Dienstweg" eingehalten wird.
    Wenn die Amtsärzte wirklich so fundamentale Dinge einzubringen haben, die die Regelung entscheidend verbessern würden - na dann wird halt nachgebessert. Passiert doch gefühlt eh alle halbe Stunde, momentan. Weil sich das Wissen eben auch ständig erweitert.

  14. 4.

    Wieviele Fachleute in der Politik kennen sie denn?

    Und wie soll das gehen, mit dem " kurz schließen" [sic!]? Es mußten schnelle Entscheidungen getroffen werden, zumal sich die Fachleute nicht einig waren. Zu den Fachleuten gehören die Amtsärzte eindeutig nicht dazu. Die fühlen sich nur übergangen und heulen sich jetzt öffentlich aus.

    Die Wissenschaft, also Fachleute, KÖNNEN sich gar nicht einig sein. Der Wissenschaft fehlen verlässliche Daten. Fast jeden Tag werden neue Erkenntnisse gewonnen. Wie wollen sie auf dieser Grundlage schwerwiegende Entscheidungen treffen? Abwarten? Geht nicht.

    Auf Grundlage der vorliegenden Kenntnisse wurde eine Entscheidung getroffen. Außerdem, sie sehen doch, nicht einmal alle Amtsärzte sind sich einig.

    Von daher eine Bitte, unterlassen sie doch einfach dieses dumpfe RRG Bashing. Es führt zu nichts.

  15. 3.

    Das ist in diesem Senat öfter so. Leider sind die Senatoren zum großem Teil keine Menschen die ein Fachwissen für ihre Arbeit vorweisen können, sondern nur nach Partei politik eingesetzt werden.

    Daher wird es mit Leuten an der Basis oft Ärger geben.
    Auch Senats Mitglieder sollten sich zu erst mit Fachleuten kurz schließen.

  16. 1.

    Sind das nicht die Ladenhüter von vor paar Jahren, mit Smiley oder Ampel für die Gastronomie?
    Irgend wo muss man das doch jetzt endlich mal unterbringen. Wenn jetzt wieder nicht, vielleicht irgend wann, später mal. Kann doch nicht sein, dass das niemand gut findet?

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