Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, während einer Pressekonferenz am 06.10.2020. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
dpa/Soeren Stache
Audio: Inforadio | 17.11.2020 | Dietmar Woidke | Bild: dpa/Soeren Stache

Forderung nach Corona-Fahrplan - Woidke sieht in Schulen keine "besonderen Hotspots"

Nach zweiwöchiger Quarantäne steht der Brandenburger Ministerpräsident vor der Rückkehr ins Tagesgeschäft. Im rbb spricht er über seine Erkrankung und über die jüngste Ministerpräsidentenkonferenz. An die nächste Runde knüpft Woidke klare Erwartungen.

Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) fordert für die nächste Ministerpräsidentenkonferenz zum Thema Corona einen Fahrplan für die kommenden Monate. Dieser müsse den Menschen Orientierung "für die Zeit bis zum Jahreswechsel und möglichst darüber hinaus" bieten, sagte Woidke am Dienstag im rbb.

"Die Menschen wollen Sicherheit und nicht, dass jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird", sagte der SPD-Politiker im Inforadio vom rbb. Wichtig dafür sei, dass mit großer Einigkeit agiert werde, denn das steigere die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen in der Bevölkerung.

Woidke: Schulen sind keine Infektions-Hotspots

Woidke verteidigte zugleich, dass bei der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch keine festen Beschlüsse, sondern lediglich Appelle verabschiedet wurden. Das gelte insbesondere für das Thema Schule. Die Länderchefs hatten sich in der Runde gegen das Bundeskanzleramt durchgesetzt und mehrheitlich beschlossen, dass die Schulen im Land geöffnet bleiben.

Die Schließungen der Schulen hätten im Frühjahr sowohl Schülern als auch Eltern eine "riesige Belastung" aufgebürdet, besonders aus sozialer Sicht. Momentan sehe er keine Notwendigkeit, Schulen zu schließen, so Woidke: "In Brandenburg sind von 900 Schulen derzeit gerade mal fünf geschlossen, das entspricht einem Anteil von 0,5 Prozent. Die Zahlen geben es nicht her, dass Schulen besondere Hotspots wären", so Woidke. Er warb vielmehr um Geduld: Man brauche zwei bis drei Wochen, um beurteilen zu können, ob die seit 2. November geltenden Maßnahmen tatsächlich wirkten. "Was die Maßnahmen gebracht haben, darüber werden wir nächste Woche sprechen", sagte der Ministerpräsident mit Blick auf die nächste Runde mit seinen Amtskollegen und Kanzlerin Merkel am 25. November.

"Für mich war das ein Schock"

Woidke war auch am Dienstag noch in häuslicher Quarantäne in Forst (Spree-Neiße). Nach seiner Corona-Infektion verzögert sich seine Rückkehr in die Potsdamer Staatskanzlei. Dort wird er nun am Mittwoch erwartet.

"Für mich war das ein Schock", sagte Woidke im Inforadio-Interview zu seiner Erkrankung. "Ich hatte leichte Erkältungssymptome, leichtes Fieber mit etwas Husten, dann kam die Diagnose. Ich musste mich da erstmal hinsetzen", so Woidke. Denn man kenne ja die unterschiedlichen Verläufe und auch Spätfolgen der Erkrankung. "Ich bin ganz gut durchgekommen. Aber mein Respekt vor dieser Krankheit ist während dieser Zeit noch gewachsen", so Woidke. Wo sich Woidke infiziert hat, ist weiterhin unklar.

Auch Müller fordert Planungssicherheit

Der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD), sprach sich so wie Woidke ebenfalls für längerfristige Beschlüsse aus. Die Menschen bräuchten Planungssicherheit für Dezember, Januar und die folgenden sicher nicht einfachen Wintermonate, sagte Müller am Montagabend nach dem Treffen mit Merkel.

Auch beim Thema Schulen vertritt Müller Woidkes Position, die Infektionsdynamik differenziert zu betrachten. “Je jünger die Kinder sind, desto weniger Infektionen und Krankheitsfälle lassen sich feststellen“, so Müller. Bei der nächsten Konferenz werde es um einen besseren Schutz von Schülern und Lehrern gehen. Konkret nannte Müller Masken und Testverfahren.

Sendung: Inforadio, 17.11.2020, 7:25 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

75 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 75.

    In der MPK ist die vom rbb zitierte Aussage gekommen:

    „Einig sind sich Bund und Länder, dass vulnerablen Gruppen, also vor allem Ältere und Vorerkrankte, besonders geschützt werden müssen. Ihnen sollen ab Anfang Dezember "insgesamt 15 FFP2-Masken (rechnerisch eine pro Winterwoche) gegen eine geringe Eigenbeteiligung" gestellt werden.“

    Diesen Vorschlag hatten wir vor Wochen schon in die Landtagsfraktionen eingereicht und hier auf rbb24 mindestens 3 Dutzend mal.

    Wenn die verantwortliche Ministerin wieder nur an die Risikogruppen in Altenheimen denkt, und diese Festlegung der Kanzlerin wieder verbockt, gibt es diesmal richtig Ärger.
    Es wird auch noch Ärger geben, weil sie vorsätzliche Coronaverstöße gegenüber Hochrisikogruppen nicht ahnden lässt.

    Wir können nicht mehr und wollen so nicht mehr weiter machen. Wir sind Menschen die dieses Land geformt haben und nicht nur steuerzahlende Masse.

  2. 74.

    Und noch ein Wort zum Herrn Müller:"Die Menschen brauchen Planungssicherheit ". Im zweiwöchigen Abstand kommen immer wieder nicht nachvollziehbare Beschlüsse oder Verordnungen. Von welcher Planungssicherheit redet er?

  3. 73.

    Mich würde interessieren wie man die 1,50 Meter Abstand im Schülerverkehr umsetzen will? Mein Sohn wird früh mit dem Schülerspezialverkehr in die Schule gebracht... Das Auto ist immer voll besetzt...

  4. 72.

    Wenn die Oberschulen dann nächste Woche endlich ins Wechselmodell gehen oder geschlossen werden und dann die Zahlen nach 3 Wochen erkennbar absinken, was möchten und Herr W. und die anderen MP dann mitteilen?. Die Bundeskanzlerin hat recht mit ihrer Ungeduld und Frau Kalayci hat in anderem Kontext mit ihrer Aussage über menschliches Versagen ebenso recht. Die MP haben in der Beurteilung der Bedeutung der Schulen für die Ausbreitung versagt, zumal sie im Mai bei im Nachhinein niedrigen Zahlen gegenteilig gesprochen haben. Herr Spahn hat auch recht: viele werden um Entschuldigung bitten müssen. Aber das nutzt dann auch keinem Erkrankten.

  5. 71.

    ...das soll auch so sein. Doch stellen sie sich vor die Schulen und Horte müssen schließen weil schlicht kein Personal mehr da ist. Wir Pädagogen wollen die Schulen und die Betreuung offen halten weil Kinder andere Kinder für ihre Entwicklung brauchen. Doch nicht so. Nicht auf Kosten "unserer" Gesundheit. Wir brauchen endlich mehr Geld für die Bildung. Und zwar jetzt. Corona zeigt den fatalen Mangel mal so richtig auf. Wie wäre es den mit einem Bildungsfond der Aktienunternehmen für die Bildung. Schließlich profitiert die Wirtschaft davon wenn die Schulen offen bleiben. Es geht immer ums Geld nur leider wird in der Diskussion um Schulen immer nur einseitig der moralische Hammer geschwungen. Es geht ja um die Kinder. Ja , aber nicht der Politik. Der geht es um die Wirtschaft.

  6. 70.

    Teil 2: Und die Voraussetzungen fangen damit an, dass den Lehrern und Erziehern die Masken kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Das bei einer Infektion in der Klasse auch die ganze Klasse + Lehrer getestet wird. Wir können das Virus nicht wegzaubern. Nur der Umgang damit sollte auch angepasst werden. Und bevor Sie sich bei Herrn Woidke bedanken, sollten Sie mal hinterfragen welche dieser aufgezählten Maßnahmen der MP bisher umgesetzt hat. Im Frühjahr wurde uns erzählt: Masken schützen nicht( es gab nämlich keine)Heute sagt die gleiche Person, Masken sind ganz wichtig?

  7. 69.

    Ulrike, Ihre Kommentare sind sehr aufschlussreich. Wenn Sie noch lange mit diesem Virus leben möchten, okay. Bei früheren Massenerkrankungen wurden Schulen immer als erste Quelle der Übertragungen ausgemacht. Nur bei Cov 19 ist das alles anders, laut Herrn Woidke. Und wenn immer mehr Lehrer und Schüler in die Quarantäne müssen, liegt das natürlich an den privaten Kontakten? Ich bin eindeutig gegen Schulschließungen, weil das soziale Umfeld für die Kinder/ Jugendlichen wichtig ist. Aber die Voraussetzungen müssen dem auch Rechnung tragen.

  8. 67.

    Ich trage täglich 8 std eine FFP2 Maske, denn ich bin ei Risikopatienten.
    Möchten sie mir sonst noch etwas mitteilen?

  9. 66.

    Dieses Internet-Tool der Technische Universität Berlin (TU) schätzt die Corona-Ansteckungsgefahr in Räumen ein:
    https://hri-pira.github.io/
    Soviel zum Thema "Sicherheit" in Schulen.

  10. 65.

    Immer diese vollkaskomentalität in Deutschland, es wird nun mal niemals einen hundertprozentigen Schutz geben, auch nicht vor diesem Virus, daher selber schützen ffp2 und meinetwegen impfen wer das möchte, aber bitte alle anderen mit seinem egoistischen Kram in Ruhe lassen.

  11. 64.

    Das ist die schwierigste Altersgruppe. „Schlau“ genug um sich nicht mehr alles gefallen zu lassen, aber eben auch in der Phase Abschluss der Schulbildung und Vorbereitung auf Berufsbildung also an einer wichtigen Weiche fürs Leben. Da ein Rotsignal oder eine Bremse einzubauen ist extrem schwierig und hat sehr langfristige Folgen.

  12. 63.

    Nun haben Sie Ihre Verachtung diesen zwei Personen zu genüge gebracht, und jetzt können Sie sich es wieder auf dem Sofa gemütlich machen.

  13. 62.

    Man guckt nicht nur weg, sondern vertuscht auch noch schwere Verstöße. Damit gefährdet man Hochrisikogruppen statt sie zu schützen. Die Bundesregierung erläßt Festlegungen zum Bevölkerungsschutz und die Regierung in Potsdam hebelt sie aus.

    Eigentlich sollte man doch, nachdem man selber infiziert war und angeblich über die Problematik nachgedacht hat, eigene Fehler erkennen. Aber vermutlich ist das alles nur leeres Gerede.

  14. 61.

    Genau das ist eines der Probleme. Man guckt weg, um sich beim Wähler beliebt zu machen. Ein bisschen wie Trump.
    Das Virus unterscheidet aber nicht und selbst wenn man es vielleicht besser wegsteckt und nicht erkrankt, so ist man doch Überträger.
    Pilitiker wie Laschet oder Schwesig züchten mit ihren ständigen Queerschüssen und Sonderwürsten das Chaos und setzten die Akzeptanz im ganzen Land aufs Spiel.

  15. 60.

    Herr woidke und Frau nonnemacher reden so wie man es hören möchte in Berlin

  16. 59.

    Auf dem Schulhof und im Unterricht lassen sich Hygieneregeln noch umsetzten. Das Land war schon vor der Pandemie nicht in der Lage den Schülerverkehr ausreichend zu organisieren. Es macht wenig Sinn in den Schulen Abstand und das tragen der Mund-Nase Bedeckung durchzusetzen wenn sie bei der An- und Abreise sich in volle Busse und Bahnen zwängen müssen, Der nutzen der Mund-Nase Bedeckung sinkt dann gegen Null. Über versetze Schulzeiten wurde schon im Juni nachgedacht, von der Politik ignoriert. Online Unterricht, von der Politik ignoriert. Da dies aufgrund der Technischen Begebenheiten schwer umsetzbar ist Nun versucht man eilig ohne Konzept gegenzusteuern und vom eigenen Versagen abzulenken. Der ÖPNV ist nicht zu unterschätzen, ich und mein Umkreis führen schon lange Tagebuch so wie es die Virologen empfehlen. Jedes mal beim benutzen des ÖPNV zeigt die App Kontakte man mit infizierten Menschen. Zu Hause soll man Kontakte meiden in volle Schulbusse muss man sich zwängen.

  17. 58.

    Nö, nicht daheim einsperren, aber impfen lassen ;-) wie bei Masern und anderem Kruppzeugs. Die Lehrer schaffen das mit Masken, die Schüler völlig unkompliziert und klaglos, die Friseure schneiden nicht nur damit Haare, sie schneiden nicht mal die Strippen durch! Also so schwer kann das nicht sein. Das klappt schon, bis es genügend geimpfte Leute gibt.

  18. 57.

    Ich bin mir dessen schon bewusst, dass es Menschen gibt, die schwer daran erkranken oder sterben. Es könnte mich auch treffen. Es gibt aber auch noch andere Krankheiten, bei denen das ähnlich ist, an denen auch Kinder schwer erkranken und sogar sterben und wegen der Menschen auch jetzt auf den Intensivstationen liegen.
    Ich finde aber, dass man realistisch bleiben muss und dazu gehört, dass wir nicht jede Infektion verhindern können. Das Virus geht nicht mehr weg, es ist überall auf der Welt. Wir können uns nicht alle dauerhaft einschließen und unsere Wirtschaft zerstören. Dann gehen hier auch die Lichter aus. Wer möchte freiwillig seinen Job verlieren? Deswegen müssen wir einen Weg finden, mit dem Virus noch längere Zeit zu leben und die Personen der Risikogruppe, die geschützt werden möchte, dabei schützen.

  19. 56.

    Woidke sieht in Schulen keine "besonderen Hotspots" .
    Na da sollte der Herr Woidke mal schleunigst zum Optiker oder Augenarzt gehen.

Das könnte Sie auch interessieren