Warten auf Zulassung - Kalayci zu Corona-Impfungen: "Wir sind startbereit"

Dilek Kalayci (SPD, r), Berliner Gesundheitssenatorin, und Projektleiter Albrecht Broemme erläutern am 04.12.2020 die Funktionalität des zukünftigen Impfzentrum in der Arena Berlin in Treptow. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Audio: Radioeins | 16.12.2020 | Interview mit Dilek Kalayci | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Pflegeheime zuerst, so die Strategie von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci beim Thema Impfungen. Berlin sei vorbereitet, sobald ein Corona-Impfstoff verfügbar sei, kündigte sie an. Allerdings nannte sie eine geringere Zahl an bereitstehenden Impfdosen als zuletzt berichtet.

Berlin ist nach Worten von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) auf die geplanten Impfungen gegen das Coronavirus gut vorbereitet. Sobald der Impfstoff da sei, könne jederzeit geimpft werden, sagte Kalayci am Mittwochmorgen dem rbb. Die Ärzte stünden dann bereit und auch die Strukturen. "Wir sind startbereit", so die Senatorin auf Radioeins.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, dass Deutschland zwei bis vier Tage nach Zulassung des Impfstoffes in der EU mit den Corona-Impfungen beginnen könne. "Wenn ein Impfstoff da ist, dann werden Ärzte da sein, dann werden auch Strukturen da sein, dass geimpft wird", verprach nun Kalayci für Berlin.

Pflegeheimbewohner und Senioren haben Priorität

Mit Blick auf die Todeszahlen sagte die Senatorin, es sei am allerwichtigsten, zuerst in Pflegeheimen zu impfen. Dafür habe man bereits Teams und Routen festgelegt. Auch Pflegekräfte und über 80-Jährige sollten schnell geimpft werden.

Noch sei aber unklar, wie viele Impfdosen Berlin erhalten werde, so Kalayci. Derzeit sei die Rede davon, dass Deutschland in den ersten drei Monaten 13 Millionen erhalte, umgerechnet auf Berlin wären das 585.000 Impfdosen. Zuletzt hatte die Gesundheitsverwaltung noch von etwa 720.000 Impfdosen gesprochen, die Berlin in einem ersten Schritt bekommen werde. Die Impfungen werden auf freiwilliger Basis durchgeführt.

Kalayci setzt auf Hausarztpraxen

Falsche Hoffnungen wolle sie aber nicht machen, sagte Kalayci weiter. Zwar sei man in Deutschland startbereit, die Impfzentren seien fertig, genau wie die mobilien Teams. Allerdings stellten sich alle Bundesländer darauf ein, dass erst Mitte 2021 eine weitreichende Immunisierung stattfinden könne.

Man wolle die gesamte Bevölkerung impfen, so Kalayci. "Das schaffen wir über das Regelsystem, die Hausärzte - und da stellen wir uns alle darauf ein, alle Länder, dass Mitte des Jahres hoffentlich das Impfen ganz normal in den Praxen stattfindet", sagte die Senatorin. "Bis dahin müssen wir durchhalten."

Kommenden Montag will die Europäische Arzneimittelagentur ihr Gutachten zum Corona-Impfstoff von Biontec und Pfizer vorlegen - acht Tage früher als ursprünglich geplant. Laut Gesundheitsminister Spahn könnte es auch in Deutschland nächste Woche mit den Impfungen losgehen.

Rund 1.000 Freiwillige für Impfteams

Vor dem Start von Covid-19-Impfungen in Berlin muss aber erst der Einsatz von Ärztinnen und Ärzten noch einmal umgeplant werden. "Die KV Berlin ist aktuell dabei, die bisherigen Planungen an die neue Situation anzupassen", teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presseagentur mit

Die KV hatte erst am Freitag erklärt, sie gehe vom 4. Januar als Starttermin für die sechs in Berlin geplanten Impfzentren aus - statt wie zuvor gedacht vom 15. Dezember. Als Grund wurde die erwartete verzögerte Anlieferung von Impfdosen genannt. Bereits daraufhin sollte die Dienstplanung geändert werden. Für die Impfzentren sind nach KV-Angaben pro Tag 180 Schichten und für die mobilen Teams 32 Tagesschichten zu besetzen.

Seit Ende November konnten sich KV-Vertragsärzte in Dienstpläne eintragen. Zuletzt erweiterte die Organisation den Aufruf auf Nicht-Vertragsärzte - das können beispielsweise Ärzte im Ruhestand, angestellte Ärzte in Praxen, Krankenhäusern oder Behörden und auch Privatärzte sein. Auch ein Zwei-Schicht-System für die Zentren wurde eingeplant - so sollen Impftätigkeit und Praxisbetrieb besser vereinbar sein. Die KV spricht von weiterhin großer Resonanz. Bislang hätten sich knapp 1.000 Mediziner gemeldet.

Die Ärzte sollen in den Zentren Impfwillige aufklären, die Impfungen medizinisch überwachen oder selbst übernehmen und diese zudem dokumentieren. Der Einsatz wird bezahlt. Die mobilen Teams sollen etwa in Alten- und Pflegeheime fahren und dort impfen.

Sendung: Radioeins, 16.12.2020, 09:30 Uhr

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26 Kommentare

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  1. 26.

    Aus welchen Gründen sich auch immer einige oder auch viele nicht impfen lassen wollen will ich nicht beurteilen aber zu erwarten das 70 Mio oder mehr aus Rücksicht auf einige wenige ihre eigenen Bedürfnisse oder Vorbehalte verzichten halte ich dann doch für Utopie und recht fragwürdig.
    Denn auch Leute die sich nicht impfen lassen wollen machen das nicht aus jux und dollerei oder um anderen eins auszuwischen sondern haben dafür ihre eigenen Gründe und die sollten ebenso berücksichtigt werden.

  2. 25.

    Wie bei jeder Impfung gibt es Personen die sich nicht impfen lassen können, um auch diese zu schützen sollte eine Mindestmenge an Personen geimpft sein (meistens so > 90%). Dadurch kann auch erreicht werden, dass die Krankheitserreger, weil sie keinen Wirt mehr finden, aussterben. Bei manchen Krankheiten hatte man das fast erreicht, aber dann kamen die Impfgegner und schwupps gingen die Fallzahlen wieder in die Höhe und leidtragend waren nicht, die die sich nicht haben impfen lassen, sondern die welche nicht geimpft werden konnten. Zum Beispiel bei Masern, Mumps und Röteln sind das die unter einjährigen, diese können noch nicht geimpft werden, aber können von nicht geimpften Kindern angsteckt werden.
    Ja Egoismus und Selbstbestimmung ist toll aber in einer Gemeinschaft leben, heißt sich auch hin und wieder mal Gedanken darüber machen, wie mein eigenes Verhalten, die anderen schädigt.
    Und es ist nicht gut für jeden Einzelnen, es ist gut für die Allgemeinheit.

  3. 24.

    ...und ?
    Wer sich schützen will lässt sich impfen und kann nicht mehr krank werden. Wer sich nicht impfen lässt riskiert eben eine Erkrankung.
    Kann jeder selbst entscheiden .... da muss die Regierung nicht anfangen den Leuten aufzudrücken was sie meinen was gut für jeden einzelnen ist.

  4. 23.

    Jeder der sich nicht Impfen lässt sollte solange in seinen eigenen 4 Wänden ohne staatliche Unterstützung bleiben müssen bis die Pandemie vorbei ist.
    Angeblich befürwortet hier die Mehrheit die Maßnahmen, dann aber auch Impfen.

    Es sollte schnellstmöglich eine Impfpflicht eingeführt werden. BASTA

  5. 22.

    Ich arbeite im sozialen Bereich, bin gern verantwortungsvoll, gesundheitsfürsorglich....und lass mich NICHT impfen! Bin gespannt, was mich erwartet....

  6. 21.

    " Gibt's erst genug Impfstoff wird's auch eine Pflicht, "

    was ist daran kritikwürdig ? gegen Pocken, Diphtherie , Tetanus , Pertussis etc wird auch geimpft , zum Wohl der Menschen

  7. 20.

    " Also entweder freiwillig impfen lassen oder es gibt als Strafe die Maske ..... "

    wenn sich die Mehrzahl nicht impfen lässt wird Corona sein Unwesen weiter verbreiten können, und mehr als die bisherigen Regeln gibt es nicht

  8. 18.

    " ein seeeeehr hohes Vertrauen "

    ja, in die herkömmlichen Impfungen , das Vakzin von Biontech ist aber ein Novum , schon verständlich, dass viele Menschen skeptisch / ängstlich sind. Wenn dann von genetischen Bruchstücken und mRNS die Rede ist wird die Verunsicherung noch größer

  9. 17.

    Ne Andreas... Lockdown für die nächsten hundert Jahre... oder Dornröschenschlaf... oder indirekte ImpfPFLICHT...bei
    Eintritt in Schule, Uni, Schwimmbad, Arbeit ... Ich sage nur Masernimpfung. Gibt's erst genug Impfstoff wird's auch eine Pflicht,
    sh. MNS.

  10. 16.

    Na was haut denn da Frau Merkel vor dem Bundestag raus....
    „Wenn sich 40,50,60, oder 70% nicht impfen lassen dann werden wir noch sehr lange Maske tragen müssen.“
    Also entweder freiwillig impfen lassen oder es gibt als Strafe die Maske .....

  11. 15.

    Ob jeder die Funktion der mRNA-Inpfung kapiert, bei vielen Kommentatoren auf dieser Plattform habe ich da meine Zweifel

  12. 14.

    Was will denn Frau Kalayci machen wenn sie die Berliner nicht mehr belehren und kritisieren darf? Vielleicht ein Empathieworkshop

  13. 13.

    Na da.... Freiwillige vor... Ich lasse mein Kind und mich bestimmt nicht Impfen. Es ist noch nicht mal bekannt ob man das Virus trotz Impfung weitergibt... Nein Danke, und bevor irgendwelche klugen Ratschläge kommen mein Kind hat bis jetzt alle Impfungen bekommen...

  14. 12.

    Sollen die Politiker voranschreiten sich impfen zu lassen, die hatten ja auch die massiven Infektionen und nicht die arbeitende Bevölkerung.

  15. 11.

    Ich würde mich sofort mit dem Biontec-Impfstoff ímmunizieren lassen.
    Ich habe als langjährig impfender Kinderarzt (ca 35000 Impfungen wähende meine Praxistätigkeit) ein seeeeehr hohes Vertrauen.

  16. 10.


    Dann sollten die, die eine so schnell aus dem Boden gestampfte Impfung anordnen oder empfehlen diese auch zuerst testen dürfen.

  17. 9.

    In diesem Jahr sollen noch 50 Millionen Impfdosen nach China gehen. Ich frage mich, wann wir dann dran sind und warum China nicht den eigenen Impfstoff oder Sputnik5 nimmt? Da sind doch 585000 Dosen für Berlin in drei Monaten wirklich lächerlich. Der Frühling ist auf jeden Fall wesentlich früher da.

  18. 8.

    Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass alle unsere Vorturner, die uns Impfen schmackhaft machen wollen, mit gutem Beispiel vorangehen. Ich lasse Ihnen den Vortritt, weil es auch mit 73 kein ewiges Leben gibt.

  19. 7.

    Ich hoffe nur, dass zuerst medizinisches Personal, Pflegekräfte und Erzieher die Impfung angeboten bekommen. Es kann doch nicht sein, dass diese Menschen ständig ihre Gesundheit riskieren. Danach gerne Risikopatienten und ältere Menschen.

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