Große Hilfsbereitschaft - Frankfurt (Oder) und Cottbus empfangen hunderte Geflüchtete

Fr 04.03.22 | 21:14 Uhr
  7
Ein Teil der Messehalle Cottbus wird für Flüchtlinge aus der Ukraine vorbereitet (Foto: rbb/Jahn)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.03.2022 | Bild: rbb/Jahn

Zahlreiche Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind am Freitag in Brandenburg eingetroffen. In Frankfurt (Oder) und in Cottbus wurden Ankunftszentren errichtet, die private Hilfsbereitschaft ist groß. Der Innenminister nimmt aber auch den Bund in die Pflicht.

Am Bahnhof von Frankfurt (Oder) ist am Freitag der erste Flüchtlingszug aus Polen angekommen. Etwa 300 Menschen aus der Ukraine waren an Bord, vor allem Frauen und Kinder. Die Stadt hat ein Willkommens- und Infozentrum errichtet, wo die Menschen auch von Dolmetschern in Empfang genommen werden. Auf dem Bahnhofsvorplatz stehen Zelte zum Aufwärmen und Versorgen bereit.

Der Beigeordnete für Soziales und Gesundheit, Jens-Marcel Ullrich (SPD), sagte Brandenburg aktuell vom rbb, man kläre zunächst, wer in Brandenburg bleiben wolle und wer Hunger oder gesundheitliche Probleme habe. Deshalb sei der Katastrophenschutz vor Ort. Die Deutsche Bahn stellt ab sofort täglich sechs Sonderzüge für Flüchtlinge von Frankfurt/Oder nach Berlin bereit.

In Frankfurt (Oder) kommen Geflüchtete teilweise zu Fuß über die Stadtbrücke. Die meisten Menschen aus dem Kriegsgebiet reisen von hier aus in Richtung Berlin. Von dort geht es dann in andere deutsche Städte und europäische Länder.

"Mein Mann ist dort geblieben, er kämpft"

"Sehr müde sind wir. Mein Kind weint täglich und hat einen nervösen Tick bekommen. Mein Mann ist dort geblieben, er kämpft", erzählte eine geflüchtete Ukrainerin am Bahnhof von Frankfurt (Oder) dem rbb. Helfer geben den Reisenden warme Getränke und informieren sie über Unterkünfte und Weiterfahrten. Das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz sind vor Ort.

In der Region stehen zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten bereit. Zudem werden Menschen ohne gültigen Aufenthaltstitel aus der Ukraine in die Zentrale Aufnahmestelle nach Eisenhüttenstadt gebracht. Die Stadt Frankfurt hat auch eine Hotline für Hilfsangebote (0151 179 175 23) geschaltet. Sie ist von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr erreichbar.

Geflüchtete am Bahnhof von Frankfurt (Oder)Geflüchtete am Bahnhof von Frankfurt (Oder)

Cottbus richtet Ankunftszentrum ein

In Cottbus bereitet sich der Verwaltungsstab der Stadt auch auf die Ankunft vieler Geflüchteter aus der Ukraine vor. Die Stadt rechnet in den kommenden Tagen mit rund 3.500 Flüchtlingen, die mit der Bahn kommen. Der erste Zug wurde für Freitagabend erwartet, weitere sollen am Wochenende folgen. Am alten Spreewaldbahnhof wurde ein Ankunftszentrum eingerichtet.

Mehrsprachiger Hinweis am Bunten Bahnhof, wo die Flüchtlinge in Empfang genommen werden (Foto: rbb/Jahn)Mehrsprachiger Hinweis am Bunten Bahnhof, wo die Flüchtlinge in Empfang genommen werden

Erst nach der Abfahrt werde klar sein, wie viele Menschen tatsächlich kommen, teilte die Stadt am Freitag mit. "Wir bereiten alles vor, auch wenn wir an vielen Stellen noch im Nebel stochern", sagte Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU). Es werde alles getan, um den Kriegsflüchtlingen zu helfen.

Für die Fahrt nach Deutschland steht unter anderem auch der Kulturzug Berlin - Breslau bereit, der nach aktuellem Stand in den kommenden Tagen zwischen Cottbus und Breslau pendeln wird. Normalerweise fährt er nur an den Wochenenden.

Für die kurzfristige Unterbringung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine steht in Cottbus eine der beiden Messehallen bereit. Für den Transport zwischen beiden Standorten Ankunftszentrum und Messehalle ist ein Shuttlesystem vorgesehen.

Innenminister Stübgen dankt für Hilfsbereitschaft

Der Brandenburger Innenminister Michael Stübgen dankte am Freitag den vielen engagierten Freiwilligen für ihre große Hilfsbereitschaft. "Brandenburg präsentiert sich von seiner besten Seite. Wir empfangen Menschen in Not mit offenen Herzen und offenen Häusern. Der persönliche Einsatz unzähliger Bürgerinnen und Bürger, die spenden, helfen und aufnehmen ist bewegend und von unschätzbarem Wert", betonte der Minister.

Beim Brandenburger Integrationsministerium seien bereits mehr als 240 Angebote für etwa 700 Unterbringungsplätzen für Ukraine-Flüchtlinge eingegangen. Vor allem Privatpersonen meldeten sich bei der am Mittwoch geschalteten E-Mail-Adresse, sagte Ministeriumssprecher Gabriel Hesse am Freitag auf Anfrage.

Die Angebote werden nach den Angaben an die jeweiligen Landkreise und kreisfreien Städte weitergeleitet, die die Unterbringung vor Ort koordinierten. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei überwältigend, hieß es. Sehr viele Menschen wollten helfen, spendeten Geld oder folgten Spendenaufrufen von Hilfsorganisationen und Initiativen.

Stübgen: Bund müsse weitere Antworten liefern

Die Grundlagen zur Bewältigung der Flüchtlingswelle könne aber nur der Bund schaffen, so Stübgen. Es sei gut, dass man sich auf europäischer Ebene endlich auf die allgemeine Anerkennung der Kriegsflüchtlinge geeinigt habe. Nun müsse der Bund aber auch zur Registrierung, Verteilung und Finanzierung der ankommenden Flüchtlinge weitere Antworten liefern.

Bis dahin habe Brandenburg eine Übergangsregelung geschaffen, die Aufenthaltstitel, finanzielle Unterstützung und Gesundheitsvorsorge für die Flüchtlinge absichere, so Stübgen. Besonders entscheidend werde in den kommenden Tagen vor allem eine gut koordinierte Weiterverteilung der Flüchtlinge in die anderen Bundesländer sein. "Bei uns kommen mehr Menschen an, als wir hier vor Ort unterbringen können, da braucht es eine detaillierte logistische Koordinierung. Auch daran arbeitet unser Krisenstab mit Hochdruck", sagte der Brandenburger Innenminister.

Sendung: Brandenburg aktuell, 04.03.2022, 19:30 Uhr

7 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 7.

    Seltsam, dass da der erste Flüchtlingszug ankam. Ich war am 28.02.2022 in Polen, da waren die Züge nach Deutschland schon mit Flüchtlingen überfüllt. Am 01.03.2022 ebenso, weshalb ich zwei Züge von Poznan aus nicht nutzte und dann mit einem Zug bis Rzepin hinterfur, wo ebenfalls Ukrainische Flüchtlinge teilweise privat von Polen in deren Autos und teilweise mit SEV-Bussen von Polregio nach Frankfurt (Oder) kamen.

    Die circa 20 Ukrainer, mit denen ich dann im Reisezentrum Frankfurt (Oder) aufgeschlagen bin, damit sie dort die "HelpUkraine"-Tickets zu ihren Zielorten bekamen, waren auch die ersten, die dort ankamen...

    Der Kulturzug zwischen Wroclaw und Berlin, der im Text genannt wird, fährt übrigens gar nicht, da das Wagenmaterial direkt nach Przemysl geschickt wurde.

  2. 6.

    @RBB: Habt ihr bitte die genannte Email-Adresse zur Verfügung? Wir haben uns schon an einigen Portalen eingetragen, da wir viel Platz und freie Betten haben, aber es hat sich bisher nichts ergeben! Wir möchten sehr gerne helfen, nicht nur durch Sachspenden!

    @Ach Wass - widerlich, was Sie da schreiben und das wird einer Stadt nicht gerecht, die zu 10 % aus Flüchtlingen besteht! Es gibt sehr viele hilfsbereite Menschen in Cottbus! Helfen Sie denn selbst oder verbreiten Sie nur Hass? Ich bin mir sicher, Cottbus ist besser als die Straße und viele Orte in der Ukraine! Mit Nazis kennt man sich dort zudem gut aus!

  3. 3.

    Nee - so isses nich - Auch Flüchtende haben so ihren "Stolz" - und nach Cottbus will wirklich kein Mensch mehr. Die warten da also umsonst.... Man könnte so manchen Bericht aus der kürzeren Vergangenheit als "Beweis" anführen.. muss aber nicht sein......

  4. 2.

    Glückwunsch, die Antwort haben Sie sich selbst gegeben: Es wird gewartet, weil bislang noch niemand angekommen ist!

  5. 1.

    Warum warten sie, sie sind doch schon da!!! In Potsdam kommt ja niemand an!!!

Nächster Artikel