Dünger und Energie teurer - Brandenburger Bauernpräsident fürchtet Auswirkungen des Krieges auf Getreidepreise

Mi 09.03.22 | 11:58 Uhr | Von Jeanette Bederke, Tony Schönberg
  7
Getreide
Audio: Antenne Brandenburg | 09.03.2022 | Bauernpräsident Hendrik Wendorff | Bild: Tony Schönberg/ rbb

Getreide- und Futtermittel-Lieferungen aus der Ukraine brechen weg, die Energiekosten steigen. Letzteres könnte die Brandenburger Bauern in Bedrängnis bringen - meint der Brandenburger Bauernpräsident - mit Auswirkungen auf die Getreidepreise.

Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland haben auch Auswirkungen auf die Brandenburger Bauern. Warenströme und Lieferketten seien unterbrochen, Preise für Düngemittel und Energie würden steigen, sagte der Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg (LBV), Henrik Wendorff, am Mittwoch dem rbb.

Wendorff fürchtet Engpässe bei Futtermitteln

Problematisch seien auch Getreidelieferungen und Futtermittel aus der Ukraine, die jetzt wegzubrechen drohten. "Die Ukraine exportiert Getreide und auch Öl-Saaten auf den europäischen Markt. (…) Es sind dann immer gewisse Komponenten, die fehlen - gerade in der Tier-Fütterung, die nicht ganz einfach zu ersetzen sind. Das sind Komponenten, die nicht die Masse ausmachen, aber wichtig sind", so Wendorff. Das führe ebenfalls zu steigenden Preisen, etwa für Produzenten von Tierfutter.

Hinzu kämen steigende Energiepreise. "Wir haben exorbitanten Gas-, Öl- aber auch Dieselkosten zu verkraften", so Wendorff weiter. "Das führt dazu, dass Futter teuer auf dem Markt angeboten wird, welches die Tierhalter einkaufen müssen. Das können sie derzeit über ihr Produkt, wie Rind-, Geflügel oder Schweinefleisch, in dem Tempo nicht wieder ausgleichen."

Dies alles werde sich auf die Verbraucherpreise auswirken, sagte der Landesbauernpräsident. Er plädierte für eine Absenkung der Mehrwertsteuer oder von Steuern auf Energie, um Landwirte und Verbraucher zu entlasten.

Kein Dünger mehr aus Russland?

Weniger problematisch seien die eingeschränkten Beziehungen zu Russland. "Vom russischen Markt ausgehend gibt es schon seit Jahren ein Embargo für deutsche Lebensmittel und Agrar-Rohstoffe. Somit ist der russische Markt nicht ganz der mit dem größten Einfluss-Faktor auf die Brandenburger Landwirtschaft." Dafür könnte die Lieferung mit Betriebsmitteln wie beispielsweise Dünger in Stocken geraten.

Bereits Ende Februar verkündete der Deutsche Bauernverband seine Solidarität mit den Ukrainern und den dortigen Kollegen [www.bauernverband.de]. Präsident Joachim Rukwied teilte mit: "Als Deutscher Bauernverband tragen wir die gegen Putin gerichteten Maßnahmen der Bundesregierung mit, auch wenn es für unsere Branche zu großen Herausforderungen kommen könnte."

Teures Brotgetreide trotz geringer Importe

Die Ukraine gehört zu den zehn weltgrößten Getreideexporteuren der Welt. Russland und die Ukraine zusammen sind beim Weizen für den Weltmarkt entscheidende Produzenten, die fast 30 Prozent des Exportvolumens weltweit ausmachen, sagte Martin Häusling von den Grünen, Agrarpolitiker im Europaparlament, in der vergangenen Woche gegenüber der ARD.

Getreideverband: Versorgung mit Brotgetreide gesichert

Trotzdem gab der deutsche Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) Ende Februar bekannt, dass die Versorgung mit Brotgetreide gesichert sei. Etwa 95 Prozent des Getreides, das in Deutschland zu Mehl verarbeitet wird, komme auch aus Deutschland, heißt es auf der Internetseite des Verbandes [www.vgms.de]. Ein Großteil der Weizenexporte aus Russland und der Ukraine gehe in den Nahen und Mittleren Osten, erklärte Europaparlamentarier Martin Häusling. Eine sinkende Produktion und Schwierigkeiten beim Transport - etwa wegen zerstörter Schienen, Straßen oder Häfen - könnten dort den Weizen ernsthaft verknappen.

Dennoch habe der Krieg auch Auswirkungen auf die Weizenpreise in Deutschland, so der Deutsche Getreideverband. "Da die Ukraine und Russland wichtige Akteure auf den globalen Getreidemärkten sind, haben die Notierungen an der Getreidebörse in Paris mit drastischen Preissprüngen reagiert. Heute kostet eine Tonne Weizen 320 Euro, vor einer Woche sind es 270 gewesen, vor 9 Monaten 195." Die Lage auf den Getreide-Märkten sei aufgrund schlechter Bilanzen und großer Nachfrage schwierig. Dazu habe auch der Klimawandel beigetragen. Hinzu komme: "Krisen, wie die Pandemie oder der Krieg gegen die Ukraine, führen dazu, dass die Staaten ihre Vorräte aufstocken, um Versorgungssicherheit für ihre Bevölkerung zu gewährleisten."

Allerdings müsse die aktuelle Situation nicht zwangsläufig zu Preisexplosionen bei für Getreideprodukte führen. Viele Lieferverträge liefen über Monate zu vereinbarten Preisen, was für eine gewisse Stabilität sorge.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.03.2022, 06:30 Uhr

Beitrag von Jeanette Bederke, Tony Schönberg

7 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 7.

    Selbst Schuld! Man hat ja lieber Solarparks auf unseren Feldern errichtet!

  2. 6.

    So ist es nun mal: Angebot und Nachfrage - Marktwirtschaft. Nichts von Sozialem.

  3. 5.

    In den 80ern versorgten die USA neben sich selbst, und zum Teil Westeuropa, die Sowjetunion, aufgrund von Misswirtschaft, mehrere Jahre lang mit Getreide. Was lief da anders?

  4. 4.

    Solange Lidl, Kaufland usw. noch Prospekte mit 14 Tagen Vorlauf drucken und nicht mit "Tagestiefstpreisen" werben, ist keine Panik angesagt.

  5. 3.

    Befürchtet? Ist doch längst angekommen...

  6. 2.

    Das werden wir schon verkraften als reiche Industrienation. Viel schlimmer sind die Folgen für die Menschen in Afrika.

  7. 1.

    Die Bauern meckern quasi doch immer. Zu kalt, zu warm, zu nass, zu trocken, zu billig, zu teuer. Wenn es mal paar Wochen ruhig ist, ist es schon die Ausnahme. Wie üblich wollen sie am Ende einfach Geld. Mehr Getreide wollen sie aber nicht anbauen, lieber Raps oder son Mist .. das bringt ja Geld, man sieht es hier in der Uckermark an jeder Ecke. Es sind einfach so viele Bauernprobleme hausgemacht

Nächster Artikel