Dokumentationszentrum startet - Ukrainische Geflüchtete können in Berlin Kriegsverbrechen melden

Do 21.04.22 | 11:31 Uhr
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Symbolbild: Eine Frau steht auf einem Feldweg neben einem Transporter, in dessem Laderaum ein schwarzer Leichensack eines Verwandten liegt. (Quelle: dpa/E. Lukatsky)
Audio: rbb24 Inforadio | 21.04.2022 | O. Tischewski | Bild: dpa/E. Lukatsky

Geflüchtete, die in der Ukraine Zeugen von Kriegsverbrechen geworden sind, können dies in Berlin nun dokumentieren lassen. Am Pilecki-Institut am Pariser Platz öffnet ein Zentrum dafür. Finanziert wird es durch das polnische Kulturministerium.

Flüchtlinge aus der Ukraine können in Berlin künftig zu Kriegsverbrechen aussagen. Das Dokumentationszentrum des Pilecki-Instituts - eine vom polnischen Kulturministerium finanzierte Forschungseinrichtung - startet am Freitag, wie es hieß. "Jeder Zeuge von Verbrechen in der Ukraine - Diebstahl, Mord, Vertreibung, Entführung, Bombardierung von Zivilisten, Zerstörung von Kultur - ist eingeladen, auszusagen", erklärte der Sprecher des Instituts, Patryk Szostak.

Ziel sei es, mit den gesammelten Berichten so viele Details wie möglich über die Vergehen im Ukraine-Krieg und die Straftäter zu sammeln. "Jedes Verbrechen und jeder Soldat, der es begangen hat, muss bestraft werden", teilte das Institut mit. Die Dokumente sollen vor Gericht Beweiskraft haben.

Fünf Mitarbeiter in Berlin bearbeiteten gemeldete Anzeigen

In Berlin sollen sich demnach zunächst etwa fünf Mitarbeiter um die Untersuchungen kümmern. In einem bereits angelaufenen Dokumentationszentrum in Warschau bestehe das Team bereits aus 50 bis 60 Menschen.

Flüchtlinge können in dem Institut am Pariser Platz gegenüber des Brandenburger Tors in Mitte spezielle Fragebögen ausfüllen, die den Angaben zufolge von Juristen erstellt wurden. Sie beruhen laut Institut auf Erfahrungen mit Verhören und Geständnissen in Gerichten nach dem Zweiten Weltkrieg. Alternativ könnten Betroffene auch per Video aussagen, erklärte der Sprecher.

Die Bilder getöteter ukrainischer Zivilisten aus der ukrainischen Stadt Butscha hatten Anfang des Monats rund um die Welt für Entsetzen gesorgt. Die Ukraine wirft den russischen Soldaten deshalb schwerste Kriegsverbrechen vor. Russland bestreitet, etwas mit den Gräueltaten zu tun zu haben. Inzwischen laufen internationale Ermittlungen. Es gibt zahlreiche Forderungen, die Verantwortlichen vor ein internationales Gericht zu stellen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 21.05.2022, 10:40 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Selenskiy könnte auch endlich mal einsehen, dass es keinen Sinn macht immer weiter Menschen in den Krieg zu schicken. Unsere Waffenlieferungen ermutigen ihn noch dazu.

  2. 21.

    Die Geflüchteten der russischen Seite geben dort genauso Kriegsverbrechen an. Wird in unserer 8 Milliarden Euro Presse aber, wie vieles andere auch, unterschlagen.

  3. 20.

    Ich Gucke die Satellitenbilder von Maxa und schaue auf Google Maps /Earth und wunder mich, warum die Beweisbilder qualitativ soooo schlecht sind. Und man muss bedenken, dass die technischen Möglichkeiten viel viel schärfere Bilder (angeblich bis 5cm) zulassen als Maps oder Earth (50cm) uns für den Zivilen Gebrauch erlaubt zu sehen. Das meine ich für Butscha.
    Bei den Massengräbern, so traurig es ist, es ist Krieg, beide Seiten schießen, eine Seite mit den Waffen, die WIR liefern. Und wer mir erzählen will, dass eine Armee, welche auch immer, in einer Stadt nur von Sportplätzen und von Straßen aus schießt, dem ist nicht mehr zu helfen. Schaltet mal das Gehirn ein.

  4. 19.

    Es ist schrecklich und unfassbar.
    Trotzdem sollte man m.E. mit Zahlen vorsichtig sein: es wird befürchtet, vermutet, ...

  5. 18.

    Wieder ein Massengrab mit 9000 Zivilisten entdeckt, möge jeder, der diese Kriegsverbrechen leugnet, doch einfach mal selbst in diese Region reisen und bei den Exhumierungen teilnehmen oder selbst mit den Kindern sprechen, die durch den Einsatz von Streubomben zerfetzte Körperteile haben. Feigheit und Hass und Desinformation formen weder einen Humanisten, noch einen Mann. Ein Mann leugnet keine Kriegsverbrechen, das machen nur Memmen.

  6. 17.

    Schon Bismarck meinte, dass niemals soviel gelogen wird wie vor der Wahl, im Krieg und nach der Jagd.
    Es ist dem Einzelnen kaum möglich einzuschätzen was wahr ist und was nicht. Soll man den öffentl.rechlichen Medien alles abkaufen? Wird hier nicht tendenziell einseitig berichtet, kann es auch sein das was nicht passt weggelassen wird? So war nur am Rand und nur kurzzeitig zu erfahren, dass die OSZE auch ukrainische Kriegsverbrechen dokumentieren musste. Objektive oder Parteiische Berichte?

  7. 16.

    Ich verurteile Putins krieg, keine Frage. Aber, man sollte Berichte überprüfen. Gut, mittlerweile sagt man, dass man das meiste nicht verifizieren kann.
    Als sich die Ostukraine loslösen wollte, wie reagierte Kiew? Mit Armee und Bürgerkrieg gegen die vermeintlich eigene Bevölkerung. Klar, die wurden von RU unterstützt. Nichts anderes, als was der Westen, ÖR allem USA, seit Jahrzehnten macht. Man stelle sich vor, Moskau hätte mit Militär reagiert, als sich die UA von RU loslösen wollte. Wir im Westen hätten geschrien "Selbstbestimmungsrecht der Ukrainer". Die Krim hatte bis 2014 einen Sonderstatus in der UA-Verfassung, selbst eine eigene duma, die mit Mehrheiten einen Volksentscheid beschloss, Volkes Wille sagte zu 90% zu RU. Übrigens, auch von der OSZE beobachtet. Aber, weil es der Russe ist, akzeptiert der Westen Volkes Wille nicht.

  8. 15.

    Die Kriegsverbrechen werden vom Internationalen Strafgerichtshof geahndet, alle Helfershelfer haften auch, machen Sie sich keine Sorgen.

  9. 14.

    Auf die Beweisführung bin ich mal gespannt. Bloße Behauptungen reichen bei weitem nicht.

  10. 13.

    Die russischen Anrainerstaaten wollen nicht von einem Land beherrscht werden dessen Soldaten es für nötig erachten Autobatterien und Waschmaschinen zu klauen um sie nach Hause zu senden. Sowas sagt nämlich sehr viel aus über die Lebensumstände im Traumland der Querdenker, Linken und anderen Träumen.

  11. 12.

    Bei mir gibts am Wochenende Friedenstaube zum Mittag!

  12. 11.

    Es wäre vielleicht auch erwähnenswert, dass es auch auf jeder Berliner Polizeidienststelle und insbesondere den mobilen Wachen entsprechende mehrsprachige Zeugenfragebögen für Zeugen von Kriegsverbrechen gibt, die dann dem Ermittlungsverfahren des BKA und der Bundesanwaltschaft zugeleitet werden.

  13. 10.

    "Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst". Butscha,im Video, farblich verändert in Grautöne, liegt ein Mann mit hoochgezigenem T-Shirt, (vermeintlich) tot. Glatte Haut, die schultermuskulatur sehr gut sichtbar, soll aber schon Tage oder gar Wochen dort so liegen. ZDF - moma vor 5 Wochen. Ein Arzt? tupft unbeholfen im Licht einer Handy-Kamera an einem Patienten? In einem Krankenhausflur, sagt (bei winterlichem Wetter), dass es über eine Woche keinen Strom, kein Warmwasser gibt "Aber wir behandeln weiter". Ein perfekt auf kante rasierter Oberlippen - Kinnbart, bei den winterlichen Temperaturen hat er ein offensichtlich nagelneues KURZärmeliges OP - Hemd an (vom ZDF irgendwo übernommen). Später live-Schalte über Skype nach Mariupol zu einer Lehrerin ".. Kein Strom, Internet Totalausfall". Hellerleuchtetes Zimmer mit Möbeln. Wie geht das? Und Skype ohne IT?Ich verurteile den Krieg, Verbrechen müssen verfolgt werden. Aber ehrlich sollte man schon sein

  14. 9.

    Die russischen Botschaft in Berlin sollte in einen Plattenbau am Stadtrand umziehen und das Dokumentationszentrum dann in dem Protzbau Unter den Linden eingerichtet werden. Auf Dauer wird daraus dann ein Mahnmahl für die faschistischen Angriffskriege gegen die Ukraine, Tschetschenien, Georgien, Syrien etc.

  15. 8.

    Echt schade das es Union nicht geschafft hat, die hätte ich auch gerne im Finale gesehen
    Ein positives hat es dennoch
    So weiß man wem man im Finale die Daumen hält
    Dem SC Freiburg natürlich

  16. 7.

    Finde ich sehr gut. In jedem Krieg gibt es abscheulich Verbrechen, von Menschen aller beteiligten Kriegsparteien. Diese sollten auf alle Fälle dokumentiert und durch Ermittlungsverfahren verfolgt werden.

  17. 6.

    Theoretisch eine gute Sache. In Deutschland wurden ja nach dem 2. Weltkrieg auch viele Kriegsverbrecher verurteilt. Aber wieviele Kriegsverbrechen der Sieger wurden vor Gerichte gebracht? Auf jeden Fall wird den beteiligten Kriegsparteien suggeriert, das sie unter Beobachtung stehen und sie ggf zur Rechenschaft gezogen werden können.

  18. 5.

    Wer verifiziert gemachte Angaben?

  19. 4.

    Super und auch nachvollziehbar. Aber,dass Menschen,die westliche Verbrechen aufdecken,wie zum Beispiel Assange ,ausgeliefert werden und als Verbrecher gelten lässt unterschiedliche Maßstäbe vermuten.

  20. 3.

    Danke für den Hinweis. Wir haben entsprechend geändert.
    Beste Grüße

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