Geflüchtete in Berlin und Brandenburg - Ukrainer haben teils Probleme Geld abzuheben oder zu tauschen

Fr 11.03.22 | 18:14 Uhr
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Ukrainische Geflüchtete bei ihrer Ankunft in Berlin (Bild: imago images/Jochen Eckel)
Bild: imago images/Jochen Eckel

Ukrainische Währung kann in deutschen Wechselstuben nicht umgetauscht werden, aber auch das Geldabheben ist nicht gesichert. An einer Lösung des Problems wird gearbeitet. Bis dahin können die Sozialämter der Bezirke aushelfen. Von Anna Bordel

Noch können Ukrainer mit internationalen Geldkarten wie Kreditkarten auch an deutschen Bankenautomaten Geld abheben. Das teilte Sylvie Ernoult, Sprecherin des Bundesverbandes der deutschen Banken am Freitag dem rbb mit. "Das könnte sich aber stündlich ändern", so die Sprecherin. Von einigen ukrainischen Geflüchtete ist bereits zu hören, dass sie mit ihrer Visa-Karte an einem Berliner Geldautomaten kein Geld abbuchen konnten.

Ukrainisches Bargeld ist in Deutschland nutzlos

Das liege daran, dass sich die Gegenseite im Krieg befinde, so Ernoult. Wenn jemand in Deutschland von einem ukrainischen Konto Geld abhebt, muss bei der jeweiligen ukrainischen Bank jemand anderes den Vorgang autorisieren. Im Krieg gebe es laut Ernoult verschiedene Gründe, weshalb dies nicht immer möglich sei. Ein Rechenzentrum könne bombardiert werden oder aus verschiedenen Gründen kein Personal mehr vor Ort sein.

Um dieser Problematik vorzubeugen, haben viele Ukrainer vor ihrer Flucht das Selbstverständliche getan: ihre Konten leer geräumt und das Bargeld in ihren Koffern mit ins Exil getragen. In Deutschlands Wechselstuben ist der Umtausch der ukrainischen Währung Hrywnia aber derzeit nicht möglich. Zehn Euro sind umgerechnet 322,52 Hrywnia. Das Geld auf ein Konto einzahlen geht entsprechend auch nicht.

Kontoeröffnung an deutschen Banken für Ukrainer problemlos möglich

Die Deutsche Kreditwirtschaft hat sich mit dem Problem, dass die ukrainische Währung an deutschen Kreditinstituten nicht angenommen werden kann, am Freitag an das Bundesfinanzministerium und weitere Akteure gewandt, wie eine Sprecherin mitteilte. Dieses Anliege müsse nun auf politischer Ebene geklärt und eine Lösung gefunden werden.

Möglich sei es immerhin mittlerweile für ukrainische Staatsangehörige niedrigschwellig ein Konto an deutschen Kreditinstituten zu eröffnen. "Wir haben schon Anträge erhalten und auch erste Konten eröffnet", sagte die Sprecherin der Kreditwirtschaft. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht habe heute entschieden, dass Ukrainer für die Konteneröffnung nur eine ukrainische Identity Card oder einen Reisepass brauchten. Ein fester Wohnsitz in Deutschland sei nicht notwendig.

Manchen in Deutschland lebenden Russen könnte die Rente nicht ausgezahlt werden

Wenn Ukrainer nach ihrer Ankunft in Berlin ohne jeglichen Zugang zu ihrem Geld dastehen, können sie sich im Sozialamts des jeweiligen Bezirks, in dem sie untergekommen sind, als "mittellos" melden, dann bekommen sie vom Amt Bargeld ausgezahlt. Das bestätigte Falko Liecke (CDU), Stadtrat für Soziales in Neukölln.

Von diesen Bargeldzahlungen vom Sozialamt könnten im Übrigen auch in Deutschland lebende Russen Gebrauch machen, die durch die auf russische Banken erlegten Sanktionen kein Geld mehr bekommen, so Liecke. Man sei sich des Phänomens bereits bewusst, dass in Berlin Russen leben, die ihre Rente aus Russland beziehen. Durch die aktuelle Situation kann es dazu kommen, dass sie ihre Rente vorerst nicht ausgezahlt bekommen.

Zahlungsverkehr zwischen Russland und Deutschland unterliegt Sanktionen

Die Europäische Union (EU) hatte Sanktionen zum Ausschluss sieben russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk SWIFT Anfang März in Kraft gesetzt. Ziel dieser Maßnahme ist die wirtschaftliche Isolation des Landes. "Grundsätzlich ist es so, dass der Zahlungsverkehr von Russland nach Deutschland strengen Sanktionsbestimmungen unterliegt. Die Sanktionen können somit unterschiedliche Zahlungen betreffen", sagte Ernoult vom Bankenverband. Konkret habe es im Sozialamt Neukölln noch keine Anfrage dieser Art gegeben, so Liecke, aber man sei auf diese Fälle vorbereitet.

32 Kommentare

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  1. 32.

    Um zu wissen, wann Getreide angebaut wird, braucht man kein Studium. Das ist Grundschulwissen im früheren Fach Heimatkunde.

    Ihre Theorie zur regionalen Landwirtschaft kann ich nicht beurteilen und es ist hier auch nicht das Thema. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass es funktioniert, wird es Jahre bis zur Selbstversorgung dauern. Abgesehen davon, dass nicht alle Böden für den Getreideanbau geeignet sind. Einfach mal Gedanken auch logisch zu Ende denken und auf Realisierbarkeit prüfen. Sollte gerade mit einem technischen Studium drin sein.

    Wenn ich schreibe "Wer nur ein bisschen Schulbildung genossen hat, sollte wissen, ... " habe ich übrigens keinerlei Aussage zu IHRER Schulbildung getroffen. Wie gesagt, Heimatkunde 3. oder 4. Klasse. Gibt auch schon Bücher für Kindergartenkinder dazu, zum Beispiel "Rund um das Kornfeld" von H. Fischer-Nagel. Jeder, der zumindest die Grundschule besucht hat und nicht komplett ignorant ist, kann das also wissen.

  2. 31.

    Um zu wissen, wann Getreide angebaut wird, braucht man kein Studium. Das ist Grundschulwissen im früheren Fach Heimatkunde.

    Ihre Theorie zur regionalen Landwirtschaft kann ich nicht beurteilen und es ist hier auch nicht das Thema. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass es funktioniert, wird es Jahre bis zur Selbstversorgung dauern. Abgesehen davon, dass nicht alle Böden für den Getreideanbau geeignet sind. Einfach mal Gedanken auch logisch zu Ende denken und auf Realisierbarkeit prüfen. Sollte gerade mit einem technischen Studium drin sein.

  3. 30.

    Ich verstehe und schätze Ihre herrlich ironischen Kommentare. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob diese von einigen hier nicht vielleicht als Zustimmung zu ihren eigenen kruden „Meinungen“ missverstanden werden könnten, was wohl sicherlich nicht Ihre Absicht wäre. Ein ernst gemeinter Schlusssatz könnte da eventuell Abhilfe schaffen.

  4. 29.

    Danke für den Hinweis auf die mir fehlende Schulbildung. Hab leider nur ein technisches Studium und kein landwirtschaftliches.
    Ich mach mir aber dennoch so meine Gedanken. Die Ukraine galt mal als die Kornkammer Europas. Allerdings glaube ich, dass wir uns ganz gut selbst versorgen könnten, wenn man die Bauern bei uns nicht mit EU Geldern dazu bringen würde, Ackerflächen brach liegen zu lassen. Eine faire Bezahlung unserer Bauern und ihrer Produkte würde uns demnach deutlich unabhängiger vom Weltmarkt machen und die heimische Landwirtschaft stärken.

  5. 27.

    Und es werden erleichterte Zugangsvoraussetzungen für ukrainische Geflüchtete geschaffen, damit sie zum Einen die Kinder in Schulen und Kitas unterbringen können und zum Anderen auch Muttersprachler schneller in Sachen Unterricht und auch Arbeitsmarkt integriert werden. Ich finds gut.

  6. 26.

    Ukrainisches Geld ist momentan außerhalb der Ukraine selbst vollkommen wertlos, weil niemand es ankauft. Kann man hier maximal als Klopapier aufbrauchen.

  7. 25.

    Flüchtlinge aus der Ukraine haben max ein Touristenvisum. Damit ist die Arbeitsaufnahme verboten.

    Egal ob das ukrainische Geld hier was wert ist, steht diesen Personen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu

  8. 24.

    Vorschlag: Sie bekommen das mitgebrachte Bargeld einer ukrainischen Familie und bezahlen dafür, was die so braucht. Lebensmittel, Unterkunft, Windeln, schulsachen, kleidung.

  9. 23.

    Ansonsten gibt es natürlich auch noch Getreide, das im letzten Jahr geerntet worden ist, aber aufgrund des Krieges nicht exportiert werden kann.

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2022-03/ukraine-russland-krieg-getreide-landwirtschaft-auswirkungen

  10. 22.

    Allein in Polen wurden vor 5 Tagen rund 1 Million Flüchtlinge aus der Ukraine gezählt und auch in Rumänien sind schon viele Ukrainer registriert worden. Aus den anderen Ländern weiß ich es nicht, das Geschehen ist ja dynamisch, aber es ist mir eigentlich auch egal. Wenn auf der Straße jemand stürzt, guck ich auch nicht erst, ob jemand anders zu Hilfe eilt, sondern helfe gleich.

  11. 21.

    Ich wundere mich ebenfalls, und zwar über ihren Kommentar. Wer nur ein bisschen Schulbildung genossen hat, sollte wissen, dass der Getreideanbau nicht nur aus der Ernte besteht. Je nach Getreideanbau wird zwischen Oktober bis Ende März ausgesät. Rechnen Sie damit, dass ukrainische Bauern gerade auf den Feldern stehen und sich um die Aussaat kümmern? Das Wintergetreide ist zwar schon im Boden, kann aber auch nicht ganz sich selbst überlassen werden. Die Vernichtung von Getreide auf den Feldern ist gar nicht das Thema, denn was nicht angebaut wird, kann auch nicht vernichtet werden. Hier übrigens ein Auszug aus einem alten Volkslied:

    Im Märzen der Bauer
    Die Rößlein einspannt
    Er pflanzt und er schneidet
    Die Bäume im Land
    Er ackert, er egget
    Er pflüget und sät
    Und regt seine Hände
    Gar früh und noch spät

  12. 20.

    Warum reisen dann die Flüchtlinge fasst alle weiter nach D."
    Da wirder wieder verteidigt, der christlich-jüdische Kulturkreis.
    Hat man ja noch drauf.
    So aus den letzten Jahren.
    Und nicht vergessen:
    Sind alles nur junge Frauen die da kommen.
    Da traut man sich ja als Hosenträgermann nicht mehr auf die Straßen!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  13. 19.

    Der Großteil reist nicht nach Deutschland weiter. Die meisten Geflüchteten bleiben in den Nachbarstaaten. Polen hat bisher am meisten Menschen aufgenommen.

  14. 18.

    Ich bin nicht neidisch, bloß Gesetz ist Gesetz."
    Genau.
    Wo kommen wir denn sonst hin????????
    Da könnte ja jeder kommen!!!!!!!!!!!

  15. 17.

    Die Ukraine grenzt an Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Moldawien. Die meisten davon sind EU Länder. Alle sind sichere Länder. Warum reisen dann die Flüchtlinge fasst alle weiter nach D.? In Berlin sagte Fr. Dr. (ach nein nicht Dr.) Giffey bereits, dass wir an unsere Grenzen stoßen. Auch andere Länder sollten Verantwortung übernehmen.

    Und noch eine Anmerkung. Uns wird in den Nachrichten verkauft, dass die Getreidepreise aufgrund des Krieges steigen, weil Russland und die Ukraine große Getreide-Exporteure sind. Es ist Winter. z.Z. gibt es kein Getreide auf irgend welchen Feldern, das durch den Krieg vernichtet wird. Es ist nicht der Krieg sondern es sind die Spekulanten, die die Preise in die Höhe treiben. Das gilt auch für die Energiepreise.
    Aber einen Trost gibt es. Das Geld ist nicht weg. Es gehört halt nur einem Anderen .

  16. 16.

    Wenn man den Artikel aufmerksam liest geht daraus hervor, dass die ankommenden Ukrainer*innen genau das versucht haben... ihr eigenes Vermögen aufzubrauchen.
    Und manchmal stellt man fest, dass Gesetzte nicht passen. Dann macht Krieg in der Globalisierung andere Probleme wie Krieg vor 100 Jahren.
    Und... gestern führte mich mein Weg über den Hauptbahnhof. Habe die Menschen gesehen.
    Vermögen? Die kleinen Taschen die sie dabei haben sind sicher keine Geldkoffer. Sie kommen mit nichts

  17. 15.

    Sie sind nicht neidisch aber ziemlich ungebildet in Bezug auf die Sozialgesetzgebung. Insbesondere das SGBII, das Sie hier anführen, ist eindeutig. Und wenn, wie es nunmal so ist, die Geflüchteten hierzulande mittellos sind, wie es der Status quo nun auch zeigt, haben sie den begründeten Anspruch, wenn der Anspruch auf Antrag gestellt wird und sie im Alter von 15 bis 67 und erwerbsfähig sind. Ebenso verhält es sich mit Geflüchteten, die nicht dem SGBII unterliegen. Bevor Sie also Ihr Unwissen als persönliche Meinung kundtun, sollten Sie sich informieren.

  18. 14.

    Nochmal: Bevor Sie hier auf Gesetze pochen, beschäftigen Sie sich bitte erstmal damit. Googeln Sie zum Beispiel nach SGB III und dann finden Sie den gesamten Gesetzestext. Die Grundsicherung würde mir allerdings auch gefallen. Abdeckung der nötigen Fixkosten und alles, was man gern zusätzlich hätte, bezahlt man durch Arbeiten. Der Gedanke ist übrigens nicht neu, sondern kommt in gewisser Weise schon in dem Buch "Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887" vor, das Edward Bellamy 1888 schrieb. Das Buch kann man online lesen: "Bellamy, Edward, Werke, Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887 - Zeno.org" http://www.zeno.org/Literatur/M/Bellamy,+Edward/Werke/Ein+R%C3%BCckblick+aus+dem+Jahre+2000+auf+1887

  19. 13.

    Was verstehen Sie an "In Deutschlands Wechselstuben ist der Umtausch der ukrainischen Währung Hrywnia aber derzeit nicht möglich." nicht verstanden?

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