Nach Angriff auf die Ukraine - Humboldt-Universität stoppt Zusammenarbeit mit russischen Partnern

Mi 02.03.22 | 14:59 Uhr
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Nachtaufnahme der Humboldt Universität in Berlin, (Quelle: dpa/Augst)
Video: Brandenburg Aktuell | 02.03.2022 | Christoph Hölscher | Bild: dpa/Augst

Angesichts des Angriffs auf die Ukraine setzt die Berliner Humboldt-Universität Kooperationen mit russischen Institutionen aus. Lehrprogramme werden auf Eis gelegt, Reisen sollen nicht mehr stattfinden. Auch in Brandenburg werden Forschungsprojekte gestoppt.

Die Humboldt-Universität zu Berlin lässt bis auf Weiteres alle Kooperationsverträge mit russischen Partnern in Forschung und Lehre ruhen. Das hat das Präsidium der Universität am Mittwoch mitgeteilt. Dies betreffe demnach vor allem Zusammenarbeitsprogramme, Dienstreisen und Exkursionen nach Russland. Auch die Beschaffungen von Forschungsgeräten aus Russland werden angehalten.

Für russische Studierende an der HU bedeuten diese Maßnahmen demnach aber keine Konsequenzen. Sie seien Studierende der HU, hieß es. Für Studierende und Doktorand:innen, die in gemeinsamen Programmen eingeschrieben sind, werde eine individuelle Lösung gefunden, hieß es. Gleiches gelte für Programmstudierende von russischen Partneruniversitäten, die sich gegenwärtig in Deutschland aufhalten. Die Humboldt-Universität betonte, sie unterscheide "zwischen Institutionen und Personen".

"Angesichts der dramatischen Entwicklungen in der Ukraine sind wir gezwungen, ein solches Zeichen zu setzen", sagte Prof. Peter Frensch, kommissarischer Präsident der Humboldt-Universität.

Unterstützung für Studierende und Wissenschaftler:innen

Ukrainischen Studierenden und Forscher:innen biete die Humboldt-Universität konkrete Unterstützung an, hieß es weiter. So werde die Universität einen Nothilfefonds für ukrainische Studierende auflegen. Ukrainische Wissenschaftler:innen und Studierende sollen umfassend zu Aufenthaltsfragen und sozialen Belangen beraten werden. Im Rahmen von Förderprogrammen solle es ihnen zudem zu ermöglicht werden, Studium und Forschungsprojekte in Berlin voranzutreiben.

Insgesamt studieren an der Humboldt-Universität aktuell rund 200 Studierende mit ukrainischer Staatsbürgerschaft. Rund 460 Studierende mit russischer Staatsbürgerschaft sind an der Humboldt-Universität eingeschrieben.

FU und TU haben Kooperationen bereits auf Eis gelegt

Die Freie Universität Berlin (FU) hatte bereits einen Tag nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine alle Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Russland auf Eis gelegt. Das umfasst den Studentenaustausch sowie die Partnerschaft mit der Universität St. Petersburg, teilte die FU am Freitagabend mit.

Das Verbindungsbüro der Freien Universität in Moskau wird ebenfalls vorläufig geschlossen. Bewerbungen von russischen Studierenden und Wissenschaftlern seien aber weiterhin möglich, teilte die Uni mit. Uni-Präsident Prof. Günter M. Ziegler sagte, es sei unumgänglich, insbesondere die finanziellen Förderungen auszusetzen, die nach Russland fließen würden.

Am Sonntag folgte dann die TU und kündigte auf ihrer Homepage an, alle Kooperationen mit Russland ruhen zu lassen und einen Hilfsfonds für die Ukraine einzurichten [tu.berlin].

DESY und Viadrina stoppen Projekte

Auch in Brandenburg gibt es wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine vorerst keine offiziellen Kontakte mehr zwischen deutschen und russischen Forschungs- und Wisschenschaftseinrichtungen. "Wir legen alle Kooperationen mit Institutionen und Einrichtungen auf Eis", sagte die Brandenburger Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) am Mittwoch Brandenburg aktuell. "Wir können derzeit, in dieser Situation, keine Forschungsprojekte mit öffentlichen Institutionen der Russischen Föderation unterstützen." Es gebe viele mutige Wissenschaftler, die auch unter dem Einsatz eines hohen persönlichen Risikos gegen das Regime Putin und gegen diesen Krieg demonstrieren, so Schüle. Es werde aber derzeit keine offiziellen Kontakte nach Russland geben.

Unter anderen hat das Deutsche Elektronen-Synchrotron - das DESY-Institut für Astroteilchenphysik in Zeuthen – alle Forschungsprojekte mit russischen Partnerinstitutionen gestoppt. Das DESY arbeitet seit Jahrzehnten mit russischen Forschungsinstitutionen zusammen.

Auch an der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) werden alle Kooperationsprojekte eingefroren. Einzelne Wissenschaftler oder Studenten aus Russland seien davon aber nicht betroffen, so die Viadrina-Präsidentin Julia von Blumenthal.

"Stand with Ukraine"

28 Kommentare

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  1. 27.

    Eine ältere Dame aus Moskau, die schon lange hier lebt, wurde von ihren (bisherigen) Freundinnen als Mörderin beschimpft. Eins von vielen Beispielen...
    Es ist beängstigend, wie seit der Angst vor Corona schon die Dämme gebrochen sind bzgl. der Diffamierung und Bedrohung von Menschen, in den Medien, politisch und dann natürlich alltäglich und privat. Das steigert sich und geht nicht so schnell wieder vorbei.

  2. 26.

    An welchen Sport- und Kulturereignissen konnten Jugoslawien 1999 (völkerrechtswidriger NATO-Krieg auch unter Beteiligung der Bundeswehr gegen das Land), Afghanistan 2001-2021 (US-Krieg gegen das Land), Irak 2003-2021 (US-Krieg gegen das Land), Libyen (failed state seit US-Krieg gegen das Land 2011) oder Jemen (unter saudiarabischer Führung geführter Angriffskrieg mit bisher mehr als 230.000 Toten, furchtbare Hungersnot etc.) gleich noch mal teilnehmen? Gab es Boykott gegen einen der an diesen Kriegen beteiligten Staaten? Frage für einen Freund.
    Was gerade in diesem Land abgeht, ist ein antirussischer Fanatismus, der erschreckend ist, an finsterste Zeiten erinnert und Menschen trifft, die teilweise seit Jahrzehnten hier leben. Russische Geschäfte werden zerstört und beschmiert, russischstämmige Menschen für das verantwortlich gemacht, was die russiche Regierung tut. Wo soll das hinführen?

  3. 25.

    Wem es sich nicht erschließt, dass man Russland von ..........ausschließt, der braucht nur an die Ukraine zu denken, an welchen Sport- und Kultur Ereignissen sie derzeit teilnehmen kann.
    Hier geht es um Solidarität mit der Ukraine, und es gibt Bereiche wo Russland in Gänze ausgegrenzt werden muss.

    Man stelle sich vor, dass nach dem 01.09.1939, beispielsweise Belgien und Niederlande ihre Veranstaltungen mit deutscher Beteiligung durchgeführt hätten, und ihre Partnerschaften imit Deutschland nicht aussetzten würden.
    Wie käme es bei denen, die nun von Sippenhaft sprechen an?
    Ergo, es gibt kein zweierlei Maß.

  4. 24.

    "Will man das ganze russische Volk in Haftung nehmen? " Wen meinen sie damit? Ethnische Russen? Wieder einmal beweist sich dass der Begriff "Volk" zu kurz gedacht ist.

  5. 23.

    Finde ich richtig. Es geht hier nicht um die Zusammenarbeit mit einzelnen russischen Wissenschaftlern, sondern staatlich-getragenen Kooperationsverträgen. Die Zusammenarbeit mit einzelnen russischen Wissenschaftlern steht auf einem anderen Blatt. Dies war glücklicherweise sogar im Kalten Krieg möglich.

  6. 22.

    Es erschließt sich mir nicht, dass man alle Bereiche Russlands - Sport, Kultur, Wissenschaf, Wirtschaft-- in Sippenhaft nimmt, in der Hoffnung, dass ein grössenwahnsinniger Psychopath zur Vernunft kommt. Das russische Volk wird auch zu den Leidtragenden des Krieges gehören

  7. 21.

    Genau so ist es. Auch sollte an das Danach gedacht werden! Will man das ganze russische Volk in Haftung nehmen? Ist doch sehr kurz gedacht.

  8. 20.

    Die meisten Bürger, völlig egal welcher Nationalität, sind gegen einen Krieg. Ich finde es nicht richtig, alle über einen Kamm zu scheren und "die Russen" als Ganzes mal wieder als Enemy #1 zu stilisieren. Der Verrückte hier ist Putin und seine Anhänger, nicht die russischen Bürger, nicht mal die russischen Unternehmer. Die Einzigen, die vom Krieg profitieren, sind die Hersteller, die all das anfertigen, was man so zum Krieg benötigt.

  9. 19.

    Was soll ich Ihnen jetzt antworten, wenn Sie meinen Kommentar auf den Wodka "beschränken"?

    Danke den Kommentatoren von 14. + 15, denen ich nur zustimmen kann!

  10. 18.

    Die Solidarität mit Ukraine hat viele Gesichter, was dagegen?

  11. 17.

    Beim Wodka ist die rote Linie nun endgültig überschritten, oder wie?

  12. 16.

    https://www.hrw.org/de/news/2022/02/28/russland-willkuerliche-verhaftungen-von-kriegsgegnerinnen
    https://www.rnd.de/politik/kritik-am-krieg-in-der-ukraine-antikriegsdemonstrationen-von-moskau-bis-sibirien-JH3CVV4OIXAUKRYBWYGPNWRP2A.html

    Da haben Sie sich ein wenig bei der Anzahl der Demonstraten in Russland vertan.
    Täglich werden viele Menschen verhaftet.

    P.S. Aber nur die selbstgekochte ;-)

  13. 15.

    Hmm, ist wohl symbolisch gemeint. Ob der notwendige Dialog dadurch befördert wird, wage ich zu bezweifeln. Aber schon früher gab es neben dem Austausch auch noch starke antirussische Ressentiments. Für mich aktuell schwer zu unterscheiden, wem es wirklich um Frieden geht und wer noch andere ungeklärte alte Konflikte ausagiert. Beides nehme ich nicht nur in meinem akademischen Umfeld war.

  14. 14.

    Ich stimme meinen Vorrednern zu. So wird der Russiche Bär nur noch mehr un die Enge gedrängt und wird zusehends unberechenbarer. Auch darf man Putin und das russische Volk nicht in einen Topf werfen. Ich befürchte, dass Putin durch das Abschneiden des "normalen" Volkes von Sportveranstaltungen, Wirtschaftsverbindungen, Bildungsaustausch pp. nur in die Arme Putins getrieben wird. Dann hat er ja doch "recht" mit seinen Doktrien gegen den "Westen". Dieser sollte sein Handeln dringend überdenken!

  15. 13.

    Leider wird uns aber vorenthalten, wie viele hinter Putin stehen. Was wir sehen sind 10 oder 20 Demonstranten, die angeblich für das ganze Volk stehen/sprechen.. was auch immer.

    Kommentar 11: ich dachte Vodka und Berliner Luft kommt von Schilkin aus Kaulsdorf ? Ich kauf mir mal ein paar Tüten russisch Brot auf Vorrat, wer weiß, wo das noch hinführt.
    Darf ich noch meine eingefrorene Soljanka essen?

  16. 12.

    Hier gebe ich Ihnen vollkommen Recht, das ist einfach nur dumm und Verschwendung und es trifft die Falschen. Dass keine neue Ware mehr aus Russland kommt, dafür sind die Sanktionen da. Was aber schon hier ist, ist eh bezahlt und ein Bann trifft nur die Händler hierzulande. Es ist dumm, jetzt russische Supermärkte zu boykottieren, die können nichts dafür und haben es eh schon schwer genug, jetzt ihr Sortiment umstellen zu müssen. Auch, dass einzelne Mitarbeiter aktuell bedroht wurden, ist einfach nur kriminell und hat auf Russland überhaupt keinen Einfluss. Aber Einige scheinen derzeit tatsächlich den Verstand verloren zu haben und wenden ihre Wut gegen Unbeteiligte. Das geht deutlich zu weit!

  17. 11.

    "Supermärkte verbannen Wodka
    ... Als Reaktion auf den Krieg gegen die Ukraine nehmen mehrerer deutsche Supermarkt-Ketten russische Produkte aus dem Sortiment. ..."
    01.03.2022 16:13 Uhr, tagesschau.de

    Drehen jetzt alle durch?
    Wird morgen der Russich-Unterricht "untersagt" und die Tolstoi-Schule umbenannt?

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