Hilfe für Kriegsflüchtlinge - Berlin plant 50 Willkommensklassen für Jugendliche aus der Ukraine

Mi 09.03.22 | 15:58 Uhr
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Schülerinnen und Schüler sitzen während des Unterrichts in ihrem Klassenzimmer. (Quelle: dpa/Philipp von Ditfurth)
Audio: Inforadio | 09.03.2022 | Tim Korge | Bild: dpa/Philipp von Ditfurth

Ukrainische Jugendliche ab 16 Jahren sollen bald in Willkommensklassen an Berliner Schulen unterrichtet werden. Bildungssenatorin Busse bezeichnete die Maßnahme als einen finanziellen Kraftakt - und forderte Unterstützung vom Bund.

Die Berliner Bildungsverwaltung plant 50 Willkommensklassen für Jugendliche, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind. "Wir sind dabei, 50 Willkommensklassen allein für ukrainische Jugendliche ab 16 Jahren einzurichten, von denen viele schon einen Beruf lernen", sagte Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Die beruflichen Schulen haben gesagt, sie können das sofort einrichten. Das finde ich großartig."

Zurzeit gibt es nach Angaben der Bildungsverwaltung unabhängig von den ukrainischen Flüchtlingen bereits 540 Willkommmensklassen in Berlin für aktuell 6.000 Schülerinnen und Schüler. "Wenn in diesen Klassen noch Plätze frei sind, kann man dort eventuell auch ukrainische Kinder unterbringen", sagte Busse. "Zusätzlich sind wir gerade in der Abstimmung mit den bezirklichen Schulämtern, um weitere Willkommensklassen einzurichten."

Schwierige Suche nach Lehrpersonal

"Wir werben intensiv um Lehrkräfte für Willkommensklassen, was angesichts des bundesweiten Pädagogenmangels nicht ganz einfach ist", räumte die Senatorin ein. "Aber wir suchen auf allen Kanälen - von Anzeigen bis Social Media. Wenn sich ehemalige Kolleginnen und Kollegen bewerben, die früher Russisch unterrichtet haben, ist das natürlich auch eine Option."

Die Bildungsverwaltung setzt außerdem auf die Menschen aus der Ukraine selbst: "Wir gucken uns um und sind sicher, dass es auch Pädagogen unter den Geflüchteten gibt, so dass man sicherlich Gruppen bilden kann, in denen muttersprachlich unterrichtet wird", sagte Busse.

Busse fordert finanzielle Hilfe vom Bund

Die Organisation des Unterrichts ist aus Busses Sicht eine Langstreckenaufgabe. "Wir wissen auch noch nicht ganz genau, wie viele Tausend Kinder schließlich zu uns kommen werden. Valide Zahlen liegen uns noch nicht vor." Es sei außerdem ein finanzieller Kraftakt, sagte sie. "Und da brauchen wir unbedingt Mittel vom Bund zur Unterstützung, Berlin kann das alleine nicht leisten", sagte Busse. "Es geht ja nicht nur ums Personal. Wenn Sie für ein paar Tausend Kinder Tische und Stühle brauchen, das Mittagessen, Material für die Willkommensklassen, es muss Starterpakete geben für die Kinder - da kommt schon etwas zusammen."

Noch sind die Unterrichtsmöglichkeiten für geflüchtete ukrainische Kinder in der Vorbereitungsphase - was sich aus Sicht der Bildungsverwaltung verschmerzen lässt. "Stellen Sie sich vor, Sie sind tagelang unterwegs durch mehrere Länder. Dann ist Schule nicht sofort im Fokus", sagte Busse. "Die Menschen müssen erstmal einen Moment zur Ruhe kommen."

Sendung: Inforadio, 09.03.2022, 18:00 Uhr

25 Kommentare

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  1. 25.

    Wenn Sie wissen was Flucht bedeutet kann ich um so weniger ein Teil Ihrer Kommentare hier nachvollziehen .

    Ob nun Berliner , Deutsche oder Alliierte Ihnen geholfen haben ist dabei völlig egal denn wichtig ist das man in Extremsituationen auch mal zusammenrückt und sich gegenseitig hilft . Das es immer Menschen gibt die dazu
    weniger in der Lage sind und einige denen es besser gelingt ist auch klar aber die nicht so besonders gute Ausstattung
    der Schulen und der Mangel an Lehrern gegen Menschen auszuspielen die in höchster Not sind ist nicht in Ordnung .

  2. 24.

    Ich habe noch was vergessen, ich weiss was Flucht bedeutet und ist.
    Ich bin damals von Ost nach West geflüchtet in einer geteilten Stadt mit meiner kleinen Tochter. Mir haben allerdings nicht die Berliner geholfen sondern die Alliierten, das ist zwar nicht mit Kriegsflucht zu vergleichen aber ich hätte auch erschossen werden können.

  3. 23.

    Wer macht die Ukrainischen Flüchtlinge dafür verantwortlich?? Sie verdienen unser Mitleid und gerne spende ich für diese.
    Ich gebe die Schuld unserer Politik,Berlin kann nicht die ganze Welt retten!
    Warum werden die Flüchtlinge nicht im ganzen Land verteilt?

  4. 22.

    Liebe @ Rebecca
    anscheinend gefallen Ihnen meine Kommentare sonst würden Sie ja nicht ständig darauf antworten oder sich genötigt sehen darauf zu antworten. Überlesen Sie mich doch bitte. Hier geht es um ernste Themen und nicht darum ob das alles Ihrer Meinung entspricht.

  5. 21.

    Es wird ja häufig und gern darüber geklagt, dass am Haupt- und Busbahnhof, in den Empfangszentren, keine "Offiziellen", sondern nur die zahlreichen Ehrenamtlichen zu sehen sind. Die im Senat und in den Bezirksämtern tätigen Menschen lungern nicht faul irgendwo herum, sondern sind wahrscheinlich gerade damit beschäftigt, für all die bekannten Probleme Lösungen zu finden, die hier von den Kommentierenden nochmals aufgezeigt worden sind.

  6. 20.

    " Wissen sie überhaupt ,was für Zustände schon jetzt in unseren Schulen herrschen? Sie haben keine Ahnung! "

    Es wird hier in Berlin sicher niemand behaupten das in den Schulen paradiesische Zustände herrschen und ja auch dort muss wie auf vielen anderen Gebieten dringend investiert werden aber deshalb jetzt versuchen die Flüchtlinge aus der Ukraine dafür verantwortlich zu machen während das Land dieser Menschen zerbomt wird finde ich doch mehr als zynisch !!

  7. 19.

    An Toska. Ich schreibe Ihnen, was ich von Ihren unchristlichen Äußerungen halte, was auch andere schon tun. Ziehen Sie doch bitte nach Italien, wie bereits versprochen. Da ist alles viel besser.

  8. 18.

    Ich habe Schulkinder! Das Gejammer, was uns jetzt hier wieder alles weggenommen werden könnte von ukrainischen Kindern, ist unerträglich. Möglicherweise kommen wir über kurz oder lang selbst in die Situation, fliehen zu müssen. Einfach mal nachdenken!

  9. 17.

    Ich schreibe meine Meinung und wenn Ihnen die nicht passt brauchen Sie sich nicht aufzuregen und auch nicht zu lesen.
    Basta

  10. 16.

    Wissen sie überhaupt ,was für Zustände schon jetzt in unseren Schulen herrschen?Sie haben keine Ahnung!

  11. 15.

    Oh Gott, sie kommen wohlmöglich aus früher funktionierenden Infrastrukturen.

    Na dann, willkommen in Berlin :)

    Hier funktioniert auch ohne Krieg nichts!

  12. 14.

    Ja "man sollte lieber mal darauf "hinarbeiten" , dass die Flüchtlinge wieder zurück gehen " Manche Kommentare machen nur fassungslos! Fahren Sie doch selbst in die Ukraine und arbeiten Sie drauf hin.
    Was für eine Haltung haben Sie eigentlich? Spenden Sie Geld für die Frauen und Kinder und freuen sich über Jede, die es schafft, aus dieser Kriegshölle lebend herauszukommen.
    Aber nein, da ist ja wieder die Angst, dass uns selbst etwas weggenommen wird. Schämen Sie sich.

  13. 12.

    Man muss nicht wirklich böse sein, nur weil man rechnen kann und die Wahrheit sagt! Aber die will ja keiner hören!

  14. 11.

    Willkommensklassen für Schüler ab 16 Jahre ...
    Dies sind dann unsere zukünftigen Fachkräfte - garnicht so unklug gedacht oder nur meine Unterstellung?

  15. 10.

    Warum nimmt man nicht ukrainische Lehrer*innen für die ukrainischen Kinder? Die Lehrkräfte sind doch sicher auch geflohen.

  16. 9.

    Und wieder ist Berlin verbal ganz vorn und " plant" ohne jede Grundlage! Sowas von pietätslos im Angesicht der derzeitigen politischen als auch schulischen Gesamtlänge.....traurig!

  17. 8.

    Dorthin kann vorläufig niemand zurückkehren! Hoffentlich kommen Sie mal in so eine besch... Situation, damit Sie mal lernen, was Empathie ist.

  18. 7.

    50 (in Worten: fünfzig) Willkommensklassen will Frau Busse (SPD) einrichten.
    Wer soll die Kinder unterrichten? Werden da Lehrer aus dem ansonsten jetzt schon ausgedüngten Pol Berliner Schulen entnommen?
    Oder zaubert die Senatorin die Lehrer aus dem Hut?
    Blanker Populismus!
    Einzig, die Forderungen an den Bund sind real. Fordern können die ansonsten Versagenden immer.

  19. 6.

    " Man sollte viel lieber darauf hinarbeiten das die Flüchtlinge wieder zurückkehren können "

    Was meinen Sie wohl was Diplomaten rund um die Welt seit dem 24. Februar 2022 tun oder erwarten Sie das die Menschen die zum Teil nicht mehr haben als die Kleidung auf Ihren Körper jetzt so schnell wie möglich in ein zerstörtes Land zurück kehren und das notfalls auch noch während Putins Mordbanden dort wüten nur damit Leute wie Sie ihre Ruhe haben ??

  20. 4.

    Wenn die Anwerbung der zusätzlichen benötigten Lehrkräfte nicht klappt was dann ?
    Wie sieht die Raumsituation aus und die darin herrschenden Coronabedingungen ?
    Mein Vorschlag: Nutzung der Ferien und Werbung bei den Lehrern auf Urlaub zu verzichten.

  21. 3.

    Derzeit landen tägl. 13000 Flüchtende, und werden von privaten, ehrenamtlichen Helfenden empfangen. Und jetzt will es Berlin schaffen 50!!!!! Klassen zu schaffen? Bis wann, 2025 oder 2030?

  22. 2.

    Also, langsam sollte sich der Senat von Berlin mal Gedanken machen wir das alles finanziell sein soll und wie es mit der Umsetzung klappen soll.
    Das ist ja wirklich bewunderswert wa die Ehrenamtlichen auf die Beine stellen aber irgendwann ist ja nun auch mal Schluss.
    An die eigenen Bedürfnisse und Probleme vor der Haustür denkt man wohl garnicht mehr.
    Es fehlt an allen in Berlin und dann wird ein Versprechen nach dem anderen gegeben obwohl man genau weiss das es nicht machbar ist. Man sollte viel lieber darauf hinarbeiten das die Flüchtlinge wieder zurückkehren können.

  23. 1.

    Coole Sache -echt. Nun erkläre Frau Senatorin bitte noch, wie sie es mit dem auf 3000Euro gekürztem Etat pro Schule für Berliner Schulen auch noch finanzieren möchte. Kuckuckswolkenheim lässt am Grüßen.
    Und ich weiss - ich bin jetzt böse

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