Platz für 10.000 Geflüchtete - Ankunftszentrum Tegel hat Betrieb aufgenommen

Mo 21.03.22 | 08:34 Uhr
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Registrierung in Tegel
Audio: Inforadio | 20.03.22 | Sebastian Schöbel | Bild: Sebastian Schöbel/rbb

Nach wie vor kommen täglich Tausende Geflüchtete aus der Ukraine in Berlin an. Das neue Ankunftszentrum auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel soll die angespannte Lage verbessern. Am Sonntag hat es seinen Betrieb aufgenommen.

Das Land Berlin will Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine künftig schneller registrieren, in der Stadt unterbringen und weiter in andere Bundesländer verteilen. Dazu nahm ein Ankunftszentrum auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens Tegel am Sonntagvormittag den Betrieb auf. Eine solche Registrierstelle sei in dieser Form und Größenordnung ziemlich einzigartig, sagte Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) auf dem früheren Flughafen-Gelände. "In Krisenzeiten läuft Berlin zur Höchstform auf", sagte Giffey.

In dem Zentrum sollen künftig möglichst alle Menschen registriert werden, die vor dem Krieg in der Ukraine Richtung Berlin geflohen sind.

Kapazität nur bis zur Verteilung

Gudrun Sturm vom Vorstand des Berliner Roten Kreuzes sagte bei der Eröffnung, hier würden die Menschen bei ihren ersten Schritten in Deutschland betreut. Der Präsident des Landesamts für Flüchtlinge (LAF), Alexander Straßmeier, erklärte, ein langes Verweilen in dem Zentrum sei nicht beabsichtigt. Die Geflüchteten sollten möglichst noch am Tag ihrer Ankunft, spätestens am nächsten Tag, in die Aufnahmeinrichtungen der anderen Bundesländer verteilt werden. Nur dann sei die Kapazität des Zentrums zu schaffen.

Geflüchtete, die in Berlin bleiben sollen, werden vorübergehend im Flughafengebäude in den früheren Flughafenterminals A und B untergebracht. Dort wurden für sie Unterkünfte eingerichtet.

Ankunftszentrum für Geflüchtete im früheren Flughafen Tegel (Quelle: rbb/Sebastian Schöbel)
Bild: rbb/Sebastian Schöbel

26 Millionen Euro für Flüchtlings-Betreuung

Das Land Berlin hat bislang nach ersten vorläufigen Zahlen rund 26 Millionen Euro für die Aufnahme, Betreuung und Verteilung von Flüchtlingen aus der Ukraine ausgegeben. "Das ist noch nicht alles", sagte Giffey zu den Ausgaben. Sozialleistungen für die geflüchteten Menschen seien in den 26 Millionen Euro noch nicht eingerechnet.

Giffey forderte erneut, dass der Bund einen Teil der Kosten tragen müsse. Bis zum 7. April - der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz - müsse es eine Vereinbarung über die Finanzierung geben.

Integrationssenatorin Katja Kipping (Die Linke) bedankte sich bei allen, die das Ankunftszentrum in kürzester Zeit möglich gemacht hätten. Mit der Eröffnung beginne eine neue Phase der Begrüßung der Menschen aus der Ukraine. Hauptziel sei es gewesen, die Situation am Hauptbahnhof zu entzerren und in geordnete Bahnen zu lenken, so Kipping.

Verteilung nach Königsteiner Schlüssel

Auf dem Flughafengelände wurden innerhalb weniger Tage Zelte aufgebaut und die Abläufe zwei Tage lang getestet. Insgesamt sollen täglich bis zu 10.000 Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine in Tegel versorgt, registriert und in andere Bundesländer weitergeleitet werden. Der Bund wendet dafür die Schematik des sogenannten Königsteiner Schlüssels an, wonach jedes Bundesland einen bestimmten Anteil der Geflüchteten aufnimmt.

LAF-Präsident Straßmeir, kündigte an, man werde im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten. Dabei würden anfangs noch 80 Bundeswehrsoldaten auhelfen. Am Montag würden dann rund 100 Freiwillige aus anderen Landesbehörden eingearbeitet. Außerdem sei geplant, 50 neue Mitarbeiter einzustellen.

Ankunftszentrum für Geflüchtete im früheren Flughafen Tegel (Quelle: rbb/Sebastian Schöbel)
Bild: rbb/Sebastian Schöbel

Senat: Rund 400 Helfer werden benötigt

Für das Ankunftszentrum werden laut Senat rund 400 Helfer benötigt. Giffey hatte per Rundschreiben Mitarbeitende aus allen Berliner Verwaltungen gebeten, sich als Freiwillige zu melden. Dringend benötigt werden nach Angaben von Giffey vom Sonntag noch ehrenamtliche Dolmetscher.

Das LAF setzt auf das neue Verteilzentrum: "Dann werden wir sehr viel mehr Menschen registrieren und verteilen können, die im Moment noch in den temporären und regulären Unterkünften des LAF untergebracht sind, weil sie sonst kein Dach über dem Kopf hätten", so Sprecherin Monika Hebbinghaus.

Mit den neuen Strukturen in Tegel sollen Flüchtlinge, die weiterreisen, gar nicht erst das Flughafengebäude betreten. Auf dem Rollfeld sind drei große Zelte errichtet worden. "Die Menschen werden dort betreut, können auch - falls nötig - schlafen, bevor es weitergeht", erklärt die Sprecherin des Ankunftszentrums, Regina Kneiding.

Albrecht Broemme. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Koordinator Broemme rechnet mit bis zu 20.000 Menschen am Tag

Der Koordinator für die ukrainischen Kriegsflüchtlinge in Berlin, Albrecht Broemme,
sagte am Montag im Inforadio vom rbb, dass derzeit weniger Menschen aus der Ukraine ankämen. Wegen der Kampfhandlungen seien die Fluchtwege dort schwer passierbar. Es gebe einen "Rückstau". Sobald sich der löse, müsse Berlin wieder mit wesentlich mehr ankommenden Menschen rechnen, so Broemme. "Wir hatten ja schon bis zu 10.000 Flüchtlinge am Tag. Das ist eine hohe Zahl für Berlin. Damit werden wir fertig werden. Wir müssen aber auch damit rechnen, mit 20.000 Flüchtlingen am Tag fertig zu werden." Zudem bereite er gerade weitere Unterkünfte vor, so Broemme.

Zu der Arbeit am neuen Ankunftszentrum in Tegel äußerte sich der frühere Präsident des Technischen Hilfswerkes zufrieden. Er sei "schwer begeistert", was in so kurzer Zeit entstanden sei. Es müsse aber noch bei der Weiterleitung der Menschen mit Bussen nachjustiert werden, so Broemme. "Es klingt theoretisch sehr einfach, dass man einen Bus hat, der zu einem bestimmten Fahrziel fährt. Nur müssen die Fahrziele erst kurzfristig festgelegt werden können. Es ist das sogenannte EASY-Verfahren über den Bund und die Länder. Damit die Flüchtlinge sich gleichmäßig auf die Städte verteilen und nicht dem Zufallsprinzip unterliegen. Das ist aber in der Praxis erheblich schwieriger."

Broemme zeigte sich zuversichtlich, dass die Koordinierung in den nächsten Tagen besser laufe und mahnte: "Wenn der Abfluss der Flüchtlinge in andere deutsche Städte oder ins europäische Ausland von Tegel aus nicht funktioniert, dann ist [das Ankunftszentrum] Tegel in ein bis zwei Tagen voll."

Sendung: Abendschau, 20.03.22, 19:30 Uhr

30 Kommentare

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  1. 30.

    Immanuel, falsch. Die Kontrolle obliegt der Bundespolizei. Das ist ein Verfahren, welches seit vielen Jahren durchgeführt wird

  2. 29.

    Max Proser:
    "Solange es Zustände wie 2015 gibt, wird Allen geholfen."

    Und was ist so schlimm daran, Menschen in Not zu helfen? Für "Max Proser" scheint ja Hilfe der absolute Horror zu sein.

    Max Proser:
    "Wohnung, Schule, medizinische Versorgung, Sozialhilfe - Tatsachen, die der Rot-Grüne Senat schafft. Die eigene Bevölkerung, siehe "Die Tafel", fällt hinten runter."

    Max Proser scheint nicht zu wissen, dass es Wohnungen, Schulen, medizinische Versorgung und Sozialhilfe nicht nur für Flüchtlinge in Not, sondern auch für die eigene Bevölkerung gibt.

    Max Proser:
    "Da wird es wohl auch nicht mit den Versprechungen der SED-Linken, bis 2030 allen Obdachlosen eine Wohnung zu geben."

    Wann und wo wurde das versprochen?
    Max Proser scheint nicht zu wissen, dass es die SED schon seit ca. 30 Jahren nicht mehr gibt.

    Max Proser:
    "Schön, dass "Immanuel" wieder uns seine Welt erklärt."

    Noch schöner wäre es, wenn Max Proser die Welt auch verstehen würde.

  3. 28.

    Solange es Zustände wie 2015 gibt, wird Allen geholfen. Darum kommen doch soviel Asylanten in die BRD. Selbst das " Es sind ausgebildete Fachkräfte, die man in der BRD braucht" kommt zum Tragen.
    Ein besseres Einfallstor, wie der militärische Konflikt in der Ukraine, gibt es doch nicht.
    Hier werden Sie geholfen.
    Wohnung, Schule, medizinische Versorgung, Sozialhilfe - Tatsachen, die der Rot-Grüne Senat schafft. Die eigene Bevölkerung, siehe "Die Tafel", fällt hinten runter.
    Da wird es wohl auch nicht mit den Versprechungen der SED-Linken, bis 2030 allen Obdachlosen eine Wohnung zu geben.
    Schön, dass "Immanuel" wieder uns seine Welt erklärt.

  4. 27.

    Boris:
    "Es ist Aufgabe der Bundespolizei, jeden Flüchtling zu kontrollieren. Das geschieht über Inpol und AZR.
    Es gibt leider sehr viele Fälle von Identitätstäuschung, Einreise ohne gültige Dokumente, Einreise mit Einreisesperre oder Einreiseverbot
    Ebenso gibt es leider vermehrt Flüchtlinge mit mehreren Identitäten. Und es gibt sehr viele Russen. die versuchen einzureisen
    Das ist alles Aufgabe der Bundespolizei"

    Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung der Bundespolizei da tätig zu werden!

  5. 26.

    Holger:
    "Die EU Politiker haben keine Möglichkeit, sich über das geltende deutsche Recht hinwegzusetzen."

    Faslch!
    1. EU-Recht steht über nationalem Recht!
    2. Es gibt kein deutsches Gesetz, dass es der Regierung verbietet Menschen aufzunehmen!

    Holger:
    "Somit widerspricht die EU Verordnung ganz erheblich gegen geltendes deutsches Recht."

    Welche EU-Verordnung verstößt gegen welches Gesetz???

    Asyl- und Ausländergesetzt regeln nur die Rechte Asylsuchender, verbieten aber nicht die Gewährung von Aufenthalt durch deutsche Behörden.

  6. 25.

    Karsten:
    "Diese Menschen müssen auch einen Asylantrag stellen. Das können die Politiker nicht einfach außer Kraft setzen. Das regt auch die Polizei auf, der Aufruf zum Gesetzesbruch."

    Unsinn!
    Die Flüchtlinge haben zwar rechtlich keinen Anspruch. Aber die Regierung kann ihnen trotzdem den Aufenthalt erlauben. Es gibt kein Gesetz, dass es der Regierung verbietet, Menschen aufzunehmen! Das ist also kein Gesetzesbruch!

  7. 24.

    Hijacker:
    Das Asylrecht ist nun mal nicht zu unrecht relativ hart.
    Da Polen ein sicheres Drittland ist, hätten die Flüchtlinge nicht mal zu uns kommen dürfen, wenn man das Gesetz streng auslegt."

    Falsch! Die ukrainer haben zwar keinen Rechtsanspruch auf Asyl in Deutschland, aber Deutschland hat das Recht, Ukrainer trotzdem aufzunehmen, und wenn Ukrainer dann kommen, dann sind sie hier rechtmäßig. Es gibt keine Pflicht, sie abzuschieben.

    Hijacker:
    "Klar muss man den Ukrainern helfen. Aber genau das ist mit der Einreise nach Polen passiert."

    Und jetzt muss man den Polen bei der Bewältigung dieses Flüchtlingsproblems helfen, indem jedes EU-Land einen Teil der Flüchtlinge aufnimmt. Das ist solidarische europäische und humane Politik. Bei der Verteidigung der Demokratie müssen alle demokratischen Länder zusammen stehen!

  8. 23.

    Robert, schon gewusst, dass die Polizei (Bundespolizei) in allen Flüchtlingszentren Kontrolle mit Inpol und AZR durchführt? Das darf nämlich nur die Bundespolizei.

    Normalerweise soll jeder Flüchtling polizeilich kontrolliert werden. Diese Kontrolle hat nichts mit der Einreisekontrolle zu tun.

  9. 22.

    Das sind alles Fälle, die meine Kollegen und ich täglich auf dem Schreibtisch haben. Wir bekommen solche Vorgänge live mit

  10. 21.

    Die Polizei hilft nicht aus. Es ist Aufgabe der Bundespolizei, die Kontrollen vorzunehmen.

  11. 20.

    Motte:
    "Es geht im Beitrag um einen Mann mit ukrainischen Dokumenten, also sollte er gleichwertig behandelt werden."

    Nein! Ukrainische Dokumente ist nicht das gleiche wie ukrainische Staatsbürgerschaft! Ungleichbehandlung wegen unterschiedlicher Staatsbürgerschaft ist zulässig und KEIN Rassismus! Ob diese Ungleichbehandlung sinnvoll ist, ist eine andere Frage.

  12. 19.

    Ich würde gerne wissen wie man darauf kommt, dass die Polizei in einem Ankunftszentrum aushilft in der keine Registrierung sondern eine Verteilung stattfindet... Falls jedoch jemand die Blauhemden auf dem Titelbild meint. Das sind Soldaten der Bundeswehr. Von Polizei ist in dem Artikel ja nicht mal die Rede. Um ganz genau zu sein sind das Marine Soldaten, unschwer an dem Parker zu erkennen. Schon mal solche Schulterklappen bei der Polizei gesehen?

  13. 18.

    „Es gibt leider sehr viele Fälle von Identitätstäuschung, Einreise ohne gültige Dokumente, Einreise mit Einreisesperre oder Einreiseverbot“

    Konkrete Zahlen würden mich da ja mal interessieren. Wären Sie so gut, mir die Quelle der Informationen zu nennen, auf die sich Ihre Behauptung stützt?

  14. 17.

    Was die Polizei da soll? Es ist Aufgabe der Bundespolizei, jeden Flüchtling zu kontrollieren. Das geschieht über Inpol und AZR.

    Es gibt leider sehr viele Fälle von Identitätstäuschung, Einreise ohne gültige Dokumente, Einreise mit Einreisesperre oder Einreiseverbot

    Ebenso gibt es leider vermehrt Flüchtlinge mit mehreren Identitäten. Und es gibt sehr viele Russen. die versuchen einzureisen

    Das ist alles Aufgabe der Bundespolizei

  15. 15.

    Wiessen Sie da mehr? Die Bundespolizei unterwucht noch etliche Fälle, wo Afrikaner, die sich vorher in der Ukraine aufgehalten haben, plötzlich ukrainische Personaldokumente vorgelegt haben. Ansonsten werden lt. Presseberichten Afrikaner von polnischen oder deutschen Behörden nicht daran gehindert, in ihr Heimatland zurückzukehren.

    https://www.zeit.de/news/2022-02/28/polnischer-grenzschutz-weist-rassismus-vorwuerfe-zurueck

  16. 14.

    Sie haben es genau auf den Punkt gebracht. Die EU Politiker haben keine Möglichkeit, sich über das geltende deutsche Recht hinwegzusetzen.

    Die Bundesinnenministerin sagte neulich, dass der § 24 AufenthaltG gilt. DIeser spricht generell bei Flüchtlingen nur von vorübergehendem Aufenthalt. Ebeso haben Flüchtlinge nicht das Recht, sich den Aufenthaltsort selbst auszusuchen, sondern sie bekommen eine Zuweisung.

    Ebenso gibt es keine generelle Arbeitserlaubnis für Kriegsflüchtlinge... das Ermessen liegt ausschließlich bei der zuständigen Behörde

    Somit widerspricht die EU Verordnung ganz erheblich gegen geltendes deutsches Recht.

  17. 13.

    Ich hoffe, dass die Flüchtlinge diese freiwillige Hilfe auch zu würdigen wissen.

  18. 12.

    Und genau das ist das Problem. Es werden in Berlin immer wieder Flüchtlinge ohne Pass und ohne Nachweis der Herkunft aufgegriffen. Ebenso vermehrt Flüchtlinge mit mehreren Indentitäten, mit Einreisesperre oder Einreiseverbot.

    Leider sind das alles keine Einzelfälle mehr. Wie schon im Jahr 2015 wird die BP bewußt herausgehalten. Wohin dieses Verhalten 2015 geführt hat, wissen wir alle..

    Klar muss man helfen, aber nur geordnet und mit vollständiger polizeilicher Überprüfung und Zurückweisung von Flüchtlingen, die nicht mehr einreisen dürfen

  19. 11.

    Es ist wirklich schockierend das im Beitrag nicht einmal die Polizei erwähnt wird. Diese ist bis jetzt nicht vor Ort. Man sieht wie groß Sicherheit bei uns geschrieben wird. Ich bin einfach nur fassungslos.

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