Zivilschutz im Kriegsfall - Brandenburg verfügt über keine eigenen offiziellen Schutzräume und Bunker

Mo 25.04.22 | 15:53 Uhr
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Symbolbild: "Zum Schutzraum" steht an einer Wand im Keller eines Hauses in einem Frankfurter Stadtteil. (Quelle: dpa/Marita Gaul)
Bild: dpa/Marita Gaul

Im Fall eines Kriegsausbruchs verfügt das Land Brandenburg über keine offiziellen Schutzräume. Nach Ministeriumsangaben wurden alle Schutzraumkonzepte 2007 eingestellt. Demnach gibt es auch keine aktuellen Daten zu ehemaligen DDR-Bunkern.

Für den Fall einer Bombardierung stehen dem Land Brandenburg keine eigenen offiziellen Schutzräume zur Verfügung. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der AfD im Landtag [www.parlamentsdokumentation.brandenburg.de] hervor. Demnach seien nach einem Beschluss von Bund und Ländern 2007 alle Schutzraumkonzepte eingestellt worden. Laut AfD sei es deshalb fraglich, "inwieweit die Landesregierung einen funktionierenden Zivilschutz überhaupt noch garantieren kann."

Dem Land lägen auch keine aktuellen Daten zu Anzahl und Schutzklassen ehemaliger Schutzräume aus DDR-Zeiten vor, heißt es in der Antwort des Innenministeriums weiter. Diese Schutzräume seien bereits im Jahr 1994 aus der Zivilschutzbindung entlassen und an die Eigentümer zur Nutzung übertragen worden. Entweder sie existierten heute nicht mehr oder sie seien zurückgebaut worden. Gleiches gelte für Bunkeranlagen, die an die Grundstückseigentümer rückübertragen wurden und für den Zivilschutz nicht mehr nutzbar seien. Kurzfristig zu reaktivieren wären den Ministeriumsangaben zufolge keine der Anlagen.

Land verfügt über Messverfahren und Warninfrastruktur

Zum Schutz vor biologischen, chemischen oder atomaren Waffen würden weiterhin technische Ausstattungen und Einrichtungen zur Messung bereitgehalten. Dafür gebe es auch eine geeignete Warninfrastruktur, damit die Bevölkerung kurzfristig informiert werden könne. Im Rahmen des gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes würden mit Blick auf atomare Angriffe zudem Jodtabletten vorgehalten, für deren Verteilung im Ernstfall die Landkreise zuständig seien, hieß es.

Im Kriegsfall wird Bund aktiv

Der Zivilschutz ist in Deutschland im Kriegsfall in der Verantwortung des Bundes, in einem Katastrophenfall in Friedenszeiten sind die Länder in der Verantwortung. Für die Bevorratung von Lebensmitteln und Sanitätsmaterialien ist nach Angaben des brandenburgischen Innenministeriums der Bund zuständig. Auch die Aus- und Fortbildung im Zivilschutz werde grundsätzlich vom Bund getragen. Darüber hinaus finanziere der Bund die technische Ausstattung, die ergänzend im Katastrophenschutz der Länder eingesetzt werden könne.

AfD kritisiert fehlende Schutzräume

Die Brandenburger AfD-Fraktion kritisierte am Montag in einer Mitteilung, dass "Zivilschutz praktisch nicht vorhanden" sei. Es sei erschütternd, dass 2007 alle Aktivitäten für Schutzräume aufgegeben wurden. Außerdem gebe es "zwei Monate nach Ausbruch eines neuen Krieges in Europa keine greifbaren Pläne für die Zukunft", teilte die Landtagsabgeordnete Daniela Oeynhausen mit. Ihr Parteikollege Wilko Möller forderte die Landesregierung auf, einen konkreten Aktions- und Zeitplan vorzulegen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.04.2022, 14:00 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, muss aber erst der Bund die Tabletten besorgen, an die Länder verteilen, die dann wiederum die Landkreise beliefern. Könnte also etwas dauern ...

  2. 16.

    Wenn Brandenburg auch keine geeigneten Schutzräume hat, nicht verzagen. Schließlich haben doch die Landkreise Jodtabletten. Ist doch auch etwas. Bloß wie ist dann das Prozedere? Zum Abholen der Tabletten einen Termin beim Amt machen ? Oder gibt es ähnlich wie bei der Covid-Impfung Sammelstellen, wo man sich, natürlich nur nach einem gebuchten Termin, sich seine Ration abholen kann? Alles nicht schlüssig und unausgegoren. Oder die Politiker sehen für die Bevölkerung kein Bedarf.

  3. 15.

    Na ja, es geht im Artikel um die Datenlage. Im Ernstfall gehen Ortskundige dahin, wo sie sich verstecken können: U-Bahn oder Erdlochbunker oder, oder...
    Wenn jedoch die Lage eine Schaffung von Bunkeranlagen erfordert, dann ist der richtige Platz für Entscheidungen wo?

  4. 14.

    Hab n Gewächshaus, das bietet mir Schutz; ich versteck mich dann hinter den Radieschen

  5. 12.

    Bei Putins Art des Vernichtungskrieges, bleibt eh kein Stein auf dem anderen. Verbrannte Erde ist sein Credo. Schutzräume nutzten da nix. Dem sind Menschen nichts wert.
    Ich hoffe der wird bald gestoppt und das russische Volk versteht, was für ein Despot er ist.

  6. 11.

    Jo, hier sind nur allte TÜP, mit verlassenen, besprayten Bunkern, in denen am WE nette Raves laufen, weil ja Pandemie ist und der Rest geschlossen wurde. Aber vergessen Sie Mallorca, bald können Sie hier auch schön warm baden: wenn der Atomschlag kommt, ist ein "Bunker" wirklich nachrangig, da zählt nur ein voller Tank und ein Flugticket nach Übersee!

    Also nochmal - wer von der AFD nach "Bunkern" fragt, offenbart nur sein EIGENES Alter, Bunker waren in WK I und II vielleicht noch nützlich, aber danach zählte das nicht mehr.

    Wer will schon im "Atombunker" hocken und nach ca. 257 Jahre mal schauen, ob das hinter der verschlossenen Türe mit der "Halbwertzeit" auch stimmt? Ich nicht...

    Es darf gar nix erst passieren, so einfach ist das. SChutzraum hin oder her.

  7. 10.
    Antwort auf [TRAMSR] vom 25.04.2022 um 22:56

    Ja, gerne.

    Aber wie?

    Normal hätte der Krieg gar nicht erst anfangen dürfen.

  8. 9.

    Im Falle eines 3. Weltkrieges brauchen wir keine Schutzräume mehr, haben anscheinend viele noch immer nicht begriffen!

  9. 8.

    Bunker Wollenberg gibt es ja noch, für die Bad Freienwalder ne kleine Chance vlt

  10. 7.

    Allein sich kriegerische Handlungen auch nur vorzustellen, fällt mir schwer.

  11. 6.

    Ich empfehle Loriots Luftschutzraum K2000 in Kompaktbauweise. Durch ein nuklearen Volltreffer gerät der K2000 allenfalls in eine erdnahe Umlaufbahn, verglüht nicht beim Wiedereintritt in die Atmosphäre, und landet sportlich. Hilfreich ist auch die Tatsache, dass an Board eine Tagesration an Nahrungsmitteln und Getränken reicht, da diese zirkuliert...

  12. 5.

    Was nutzt ein Schutzraum wenn es keinen Alarm gibt?
    Alles abgeschafft.

  13. 4.

    Diese Frage ist jetzt nicht wirklich ernst gemeint.

    Was glauben Sie denn, wo sich aktuell in der Ukraine die Bevölkerung die meiste Zeit des Tages aufhalten?
    Auch wenn gerade Russland mit ihren Atomwaffen "prahlen", bevor dort auf den roten Knopf gedrückt wird, muss selbst ein W.Putin völlig jenseits von Gut und Böse sein. Desweiteren müssen in der Regeln mindestens drei Militärs mit den Atomkoffern einen Atonkrieg wollen.

  14. 3.

    Im Falle eines Atomkriegs nützen Schutzräume eh nix. Bei konventionellen Angriffen schon etwas. Aber wer weißt, was wie kommt... - so verrückt wie die Despoten dieser Welt sind mit nem unkontrollierten Finger am Atomknopf.

  15. 2.

    Da bleib ich lieber in meinem Garten sitzen und warte auf mein Ende, als eingesperrt mit unzähligen Figuren, die mich nerven.

  16. 1.

    Brauchen wir im Kriegsfall überhaupt noch einen Schutzraum?

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