Friedenskundgebung in Berlin-Mitte - Hunderttausende demonstrieren in Berlin gegen Angriff auf Ukraine

So 27.02.22 | 17:50 Uhr
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Demonstranten protestieren am 27.02.2022 vor dem Brandenburger Tor gegen den Krieg in der Ukraine. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
dpa/Kay Nietfeld
Video: rbb|24 | 27.02.2022 | Material: rbb|24 | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Der Andrang war gewaltig: Hunderttausende haben am Sonntag friedlich gegen den russischen Angriff auf die Ukraine protestiert. Damit waren weit mehr Menschen zur Demonstration erschienen, als erwartet.

Unter dem Motto "Stoppt den Krieg! Frieden für die Ukraine und ganz Europa" haben im Berliner Regierungsviertel am Sonntag Hunderttausende demonstriert. Die Menschen kamen aus ganz Deutschland, um ihre Solidarität zu zeigen.

"Kein Krieg", "Stop Putin" war unter anderem auf selbstgemalten Plakaten zu lesen, auch auf kyrillisch. Überall waren die blau-gelben Flaggen in den ukrainischen Nationalfarben zu sehen.

Weit mehr Menschen, als erwartet

Die Veranstalter sprachen von rund 500.000 Teilnehmenden, die sich zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule sowie im angrenzenden Tiergarten versammelt hatten. Die Polizei geht bei den Demonstranten von einer "unteren sechsstelligen Zahl" aus.

Damit kamen weit mehr Menschen zur Kundgebung als erwartet. Angemeldet waren rund 20.000 Teilnehmer. Zur Demonstration aufgerufen hatte ein breites Bündnis aus Friedens-, Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen sowie Kirchen und Gewerkschaften.

In den rund 15 Redebeiträgen forderten die Demonstranten die russische Regierung auf, die Angriffe einzustellen, sich aus der Ukraine zurückzuziehen und deren territoriale Integrität wieder herzustellen. Die Bundesregierung solle die Grenzen für Flüchtende aus der Ukraine offenhalten.

Dabei wurde auch ein Zusammenhang zwischen friedlichen internationalen Beziehungen und dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen hergestellt. Als friedenssichernde Maßnahme müsse massiv
in erneuerbare Energien investiert werden, forderte etwa Klimaaktivistin Luisa Neubauer.

Grofldemonstration unter dem Motto Stoppt den Krieg. (Quelle: imago images)

Redebeiträge: Starkes Signal der Solidarität

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Annette Kurschus, verurteilte den Überfall auf die Ukraine durch das russische Militär als Verbrechen. Zugleich rief sie dazu auf, nicht in eine Spirale des Hasses zu geraten: "Wir werden der kriegslüsternen Herrscherclique in Russland nicht das Geschenk machen, ihr Volk zu hassen." Jetzt komme es darauf an, den Menschen in der Ukraine und in Russland zur Seite zu stehen, sagte die Ratsvorsitzende.

Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Werneke, nannte die Demonstration ein starkes Signal der Solidarität mit dem ukrainischen Volk. Aufgabe Deutschlands sei es jetzt, die
Friedensordnung in Europa wieder herzustellen, sagte er.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dankte im Bundestag den Menschen, die gegen den russischen Angriff auf die Ukraine auf die Straße gehen. Alle, die sich in Berlin und anderswo zu friedlichen Kundgebungen versammeln, würden damit "in diesen Tagen Zeichen setzen: Gegen Putins Krieg." Sie würden für ein freies und offenes, gerechtes und friedliches Europa einstehen.

Importstopp von Öl, Gas und Kohle: "Das würde Putin wirklich wehtun"

Der Mitinitiator und Geschäftsführer der Kampagnen-Plattform Campact, Christoph Bautz, hatte bereits am Sonntagmorgen dem rbb gesagt, die Kundgebung sei vor allem ein symbolisches Zeichen. "Aber man hat ja auch in der Vergangenheit immer wieder gesehen, dass Putin nicht egal ist, was die öffentliche Meinung ist."

Weiter erklärte Bautz im Radioeins-Interview: "Mit Truppen Konflikte zu lösen, das passt nicht in eine zivilisierte Welt, sondern wir brauchen wieder eine Rückkehr an den Verhandlungstisch." Deshalb sei es auch wichtig, sich mit den Menschen in der Ukraine zu solidarisieren.

Nach Bautz' Ansicht sind weitere harte Sanktionen gegen Russland nötig, die bisherigen Schritte reichten noch nicht aus. Er betonte auch, dass bei der Ukraine-Kundgebung ein Schulterschluss mit der Friedens- und Klimabewegung stattfinde: "Wir müssen raus aus Kohle, Öl und Gas. Wir müssen endlich umsteigen auf erneuerbare Energien."

Polizei öffnete offiziellen Versammlungsraum

Wegen der vielen Menschen, die zu der Kundgebung zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule auf die Straße des 17. Juni strömten, hatte die Polizei den offiziellen Versammlungsraum in Richtung Westen bis zum S-Bahnhof Tiergarten geöffnet. Dennoch gelang es nicht überall, den coronabedingten Abstand einzuhalten. U- und S-Bahnen waren zeitweise völlig überfüllt, die U-Bahn hielt nicht mehr am Bahnhof Brandenburger Tor. Im Anschluss an die Kundgebung zog ein Teil der Demonstranten vor die russische Botschaft Unter den Linden. Seit Tagen wird dort gegen das Vorgehen Russlands demonstriert.

Blau-gelbe Fahnen und Plakate: Berlin solidarisiert sich mit der Ukraine

Sendung: Abendschau, 27.02.2022, 19.30 Uhr

 

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143 Kommentare

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  1. 142.

    Zitat: "Wenn man sich die vergangenen Jahre Politik und Geschichte objektiv zusammenfasst, kann ich nur schwer nachvollziehen . . ."

    Und ich kann nur schwer nachvollziehen, mit welcher Überzeugung sie hier meinen kund tun zu müssen, dass Deutschland ein Spielball des "Westens" ist und eigentlich gerne ein gutes Verhältnis zu Russland hätte, aber aufgrund eines dahingehenden Verbots seitens der USA nicht haben darf. Das ist objektiv betrachtet ganz offensichtlich völlig abstrus, ja nahezu lachhaft.

  2. 141.

    In Ihrem Beitrag ist faktisch zu lesen, dass allein Russland der wesentliche Akteur zur Befreiung Deutschlands aus östlicher Richtung gewesen wäre, deshalb eben die Schlüsse der Dankbarkeit in Richtung Russland. Redner auf der Kundgebung haben das hingegen in das richtige Licht gerückt: Innerhalb der sowjetischen Truppen, die Berlin und diesen Teil Deutschlands befreiten, waren Russen und Ukrainer und Soldaten weiterer Sowjetrepubliken Seit an Seit.

    Was heißt das in Bezug auf das Verhältnis von Russland und der Ukraine?

    Es ist immer noch und wiederholt anmaßend, den ukrainischen Anteil dabei zu leugnen. Dabei geht es nicht um die Relativierung oder gar Bagatellisierung des russischen Anteils, sondern eben um das Gesamtbild. Wer da die Ukraine herausretuschiert, macht sie faktisch inexistent. Genau das ist auch heute noch das wesentliche Problem, ein Problem Russlands.

  3. 140.

    Klingt auffällig schlecht via Google Translate übersetzt, Ihr Beitrag. Aber mal zum Inhalt, klären Sie uns auf: Aus welchem Grund war denn damals der NATO-Einsatz in Jugoslawien, wenn Sie diesen schon mit dem hier vorliegenden Angriffskrieg vergleichen? Und: Wer hätte denn Schuld an der damaligen völkerrechtswidrigen Annexion der Krim, wenn doch Russland angeblich keinerlei Schuld daran hatte? Bin gespannt, gerne mit Quellen, danke.

  4. 138.

    Lwiw gehörte übrigens über Jahrhunderte zu Polen und nach der ersten polnischen Teilung noch einige Zeit zu Österreich. Die Ukraine wurde 1920 Teil der Sowjetunion. Schon damals wurde von der SU ein Angriffskrieg geführt. Nach deren Auflösung wurde die Ukraine völkerechtlich wieder ein eigenständiger Staat.

    Nur weil Russland der Rechtsnachfolger der SU ist, hat Putin kein Recht, diesen Krieg zu führen. Dass dabei dort wie in weiten Teilen Europas keine Hakenkreuzflagge weht, ist der USA zu verdanken. Die Stalinorgel wurde auf US-Amerikanischen LKW-Fahrgestellen montiert. Hunderttausende LKW und Willies MB machten die rote Armee mobil wie auch die Li-2 nicht zufällig der DC-3 wie einem Ei dem anderen gleicht. Die SU war nach UK der zweitgrößte Warenempfänger des Lend-Lease Act, der u.a. auch Panzerstahl und sogar knapp 15 Millionen Paar Stiefel umfasste. Auf Socken ohne US-Gewehre wäre die Rote Armee nie nach Berlin gekommen.

  5. 137.

    Sie vergessen, dass es zu Pöbeleien und Verletzten gekommen ist aufgrund des massiven Eingreifens der Polizei unter Hinzunahme von Wasserwerfern und Pfefferspray. Die große Anzahl der Teilnehmer ist dem geschuldet, dass es 2 Jahre keine nennenswerte Geschehnisse gab. Vor der Pandemie wären es nicht halb so viele gewesen.....

  6. 136.

    Hat sie doch, unüberhörbar!
    Sie hat laut und deutlich nochmal auf diesen untrennbaren Zusammenhang hingewiesen - der jedem aufgeklärten Verbraucher von Gas und Öl eigentlich auch längst bekannt war! Vielleicht kommst du ja noch drauf.

  7. 135.

    Putin braucht mann nicht schlecht zu reden, er ist ein schlechter Mensch
    Er ist ein Diktator der sein eigenes Volk belügt und bedroht
    Er ist Skrupellos

  8. 134.

    Wenn ich Ihren Kommentar hier lese während in der Ukraine Männer , Frauen und Kinder sterben und das Land zerstört wird bekomme ich einfach nur Brechreiz !!

    Sorry lieber rbb24 aber das musste einfach mal raus .

  9. 133.

    Waren Sie selbst vor Ort und können das beurteilen?

    Ich war es, die Allermeisten hatten eine Maske auf.

  10. 131.

    Ich war selbst vor Ort. Die meisten Demonstranten haben die Maske verantwortungsvoll auf. Einige weniger leider nicht.

  11. 130.

    Es wurde sogar erstaunlich konsequent Maske getragen. Aber schon ziemlich verstörend, in diesem Kontext sein Geschwurbel unterzubringen, schämt euch!
    An die Pazifisten: Ein angegriffenes Volk darf sich nicht verteidigen? Hätte man die Nazis im 2.WK durch Europa ziehen lassen und denen Blümchen in die Maschinengewehre stecken sollen?
    Russland ist nicht das friedliebende Anti-Kapitalismus-Paradies, wie man bei so manchen Komm. annehmen möchte. Wer da leben möchte... Bon Voyage! Lieber nicht? Dann ist es allemal wohlfeil, aus der Komfortzone über die NATO zu wettern.
    Zum Schluss: Wie fragte einer der RednerInnen heute Mittag... Putin, Ihr habt das größte Land der Erde, reicht euch das immer noch nicht?

    D.M.

  12. 129.

    Auf dem Demo waren nur vereinzelte ohne Maske unterwegs. Die meisten Demonstranten hatten diese verantwortungsbewusst auf.

  13. 128.

    "Es ist bedauerlich dass Deutschland sich immer noch so stark vom Westen regieren und manipulieren lässt."

    Deutschland ist der Westen!

  14. 127.

    Putin wird nicht schlecht geredet. Er präsentiert sich selber als schlechter Mensch. Wegen Putin ist Krieg, es sterben Menschen, Russen überfallen die Ukraine. Was bitte soll daran gut sein? Putin hat höchst persönlich die Verantwortung für das Elend und den Krieg, der sich dort abspielt. Wollen Sie das etwa noch schönreden? Netter Versuch, aber die Realität sieht ja jeder selbst. Sogar ein Blinder mit Krückstock. Da ist nichts Gutes dran.

  15. 126.

    Na Sie haben Humor.
    Was sollte sich Deutschland auch mit diesem Russland verbünden?
    Aber es soll ja Kräfte in diesem Land geben, die unsere Demokratie los werden wollen. Denen wünsche ich aber nur schmerzende Schienbeine.

  16. 125.

    Die USA ist nicht ohne Fehler. Aber die Fehler können in den USA angesprochen werden und dafür kann man auf die Strasse gehen. In den USA legt (ausser Trump) der Präsident seine Einkünfte offen.
    In Russland werden Demonstranten wegsperrt und Personen, die den (illegalen) Reichtum des Präsidenten zeigen, werden ins Gefängnis gesteckt.
    Welche Vorteile hätte denn die Russen zu bieten?

  17. 124.

    Jetzt mit Waffenlieferungen und Erfüllung des 2% Zieles zu drohen, ja zu drohen, ist Kinderkram und einer Bundesregierung nicht würdig! Die vergangene und jetzige Regierung hätte längst ihre angestammte Aufgabe , Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, wahr nehmen müssen. Jetzt wirkt es wie die Reaktion eines trotzigen Kindes!

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