Nach Russlands Angriff auf die Ukraine - Platzeck tritt als Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums zurück

Di 01.03.22 | 17:35 Uhr
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Matthias Platzeck spricht während einer Pressekonferenz (Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Audio: Inforadio | 01.03.2022 | Tim Korge | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hat Matthias Platzeck nun Konsequenzen gezogen. Er ist als Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums zurückgetreten. Zuvor hatte es öffentliche Angriffe gegeben.

Der frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ist am Dienstag als Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums zurückgetreten. Der SPD-Politiker begründet das mit dem russischen Angriff auf die Ukraine, wie er in einer Erklärung schreibt, die dem rbb vorliegt. Zuerst hatte die "Märkische Oderzeitung" [moz.de/Bezahlschranke] berichtet.

Er habe den Überfall auf die Ukraine nicht für möglich gehalten, so Platzeck in dem Schreiben weiter. Die Welt sei noch gefährlicher geworden als vorher. Für seine Fehleinschätzung wolle er jetzt die Verantwortung übernehmen. "Ich hätte es klarer sehen müssen", so Platzeck.

Platzeck "fassunglos" von Krieg in der Ukraine

Platzeck war seit 2014 Vorsitzender des Forums, das sich für einen breiten gesellschaftlichen Dialog zwischen Deutschland und Russland einsetzt. In dieser Funktion hatte er immer wieder dafür geworben, russische Ansichten ernster zu nehmen.

Nach dem Beginn des Krieges hatte Platzeck sich erschüttert gezeigt. Der russische Präsident Wladimir Putin habe alle Regeln des Zusammenlebens gebrochen, sagte Platzeck dem rbb: "Das ist eine Tragöde, bei der ich im Moment noch fassungslos bin. Das hätte ich nicht für möglich gehalten."

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.03.2022, 17 Uhr


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66 Kommentare

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  1. 66.

    Wenn sie sich erinnern, sprach ich von einer friedlichen Lösung mit Beibehaltung der Souveränität der Ukraine. Ich kann daran nichts verwerfliches erkennen. Im Gegenteil, wenn ich mir das Ergebnis heute anschaue.
    Ihr Standpunkt ist so basisradikal, dass sie jedem autokratischen Regime und das sind mehr als die demokratischen und nochmal mehr als die rechtsstaatlichen Staaten, den Krieg erklären müssten "um sie zu befreien" bzw, gegen deren Interessen ihre "gut gemeinten" Interessen durchzusetzen.
    Sowas nannte man früher Kreuzzüge und die ausführenden Personen Kreuzritter.

  2. 65.

    Völkerrecht ist nicht verhandelbar, insbesondere für die EU sollte es ein Tabu-Thema sein, ansonsten kann man diese Gemeinschaft nicht als Wertegemeinschaft bezeichnen.


    Die Interessen eines Diktators, der imperialistischen Sehnsüchten nachgeht, und der EU seine Vorsellungen aufzuzwingen versucht, dort gibt es für die EU wenig zu verhandeln. Putin hat die EU von Anfang an getäuscht,und spätestens jetzt müsste es jedem, der bei Verstand ist, auch klar geworden sein.

  3. 64.

    Ihr Standpunkt ist ja richtig, nur ist dies nicht das Optimum für Frieden. Denn sie können die bad player nicht einfach umpolen. Sie müssen also eine Strategie entwickeln, die es ihnen erlaubt ihre Interessen auf eine andere Art und Weise durchzusetzen. Friedlich gelingt dies über einer Win-Win-Menge (Interessensausgleich) und einem angemessenen Drohpotential (Abschreckung). Sowas nannte Bismarck schon "Zuckerbrot und Peitsche".
    Wir haben uns seit Jelzin nicht wirklich bemüht auf beiden Seiten angemessen zu handeln, sondern haben die Dinge mehr oder weniger laufen lassen.
    Es gibt keine wirkliche Garantie für Frieden, aber Wahrscheinlichkeiten die man beeinflussen kann.

  4. 63.

    Die Verständigung mit dem russischen Volk will wer aufgeben? Spricht davon irgendjemand?
    So wie ich das beobachten kann, nicht. Die allermeisten können sehr wohl zwischen einem Despoten und seinem unterdrücken Volk unterscheiden.

  5. 62.

    Endlich.

    Und wann hält sich Platzeck endgültig aus allem raus - jetzt.

  6. 61.

    Wie kommen Sie darauf? Ihr Schein trügt Sie gewaltig. Allerdings ist Völkerrecht unteilbar und nicht selektiv auslegbar. Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Ukraine .... usw.

  7. 60.

    Vielleicht weil es dadurch nicht besser wird. Wenn es keine Waffen dieses Ausmaßes gäbe, wäre es friedlicher. Die Rüstungskonzerne reiben sich die Hände und überschlagen sich, wer den größten Reibach macht. Naja, da gibt es wenigstens ein paar Gewinner. Mir reicht es jedenfalls, wenn meine Steuern dafür mißbraucht werden.

  8. 59.

    Ja, Sie dürfen. Sie sollten einfach nur darüber nachdenken ob es gut und richtig ist und wo es hinführen kann. Ich finde es keinesfalls gut, weil es eine sachliche Auseinandersetzung behindert oder gar beendet. Verbale Diffamierung hat mit Meinungsfreiheit nichts zu tun und endet oft in Gewalt.

  9. 58.

    Die Selbstgerechtigkeit der meisten hier ko... mich an. Es sind im Umgang mit Putin von vielen Menschen viele Fehler gemacht worden. Auch schon vor 2014. Aber wie ich den Fernsehbildern entnehmen kann ist Putin nicht das russische Volk. Das es ein deutsche/russisches Forum gibt ist in der Sache nicht falsch. Platzecks Rücktritt kommt nicht zu spät aber ist richtig.

  10. 57.

    Gut kommentiert und zeigt das "nachtreten" nicht die beste Eigenschaft ist. Zumal dieser Rat eine untergeordnete Rolle spielt. Netzwerke halt...
    P.S. Was einem zu der Frage treibt, ob es noch nützlich werden kann, wenn Gesprächskanäle von Schröder, Platzeck usw. offengehalten werden? Türen zuschlagen ist nicht besonders schlau, insbesondere dann, wenn das Offenhalten "kein Porzellan zerbricht"?

  11. 56.

    Wer vom Vebrechen spricht, der meint es so!

    Was die Ostpolitik betrifft, die wird von ehemaligen Ostblockländern mitbestimmt, Kraft Völkerrecht haben sich die meisten zum Beitritt in die EU und NATO entschieden, oder streben danach. Keiner hat das Recht diese Länder zum eigenen Spielball zu erklären, übrigens, das hatten wir schon einmal, und als Deutscher, müsste man es wissen!

  12. 55.

    Dann müssen Sie sich aber auch fragen lassen, was die meisten Russen für den Krieg können und warum man die Freundschaft und Verständigung mit dem Volk aufgeben soll! Wie soll das den Frieden sichern und wer sind wir zu richten? Wo wollen wir uns denn hinrüsten? Noch mehr Drohnen, Atomwaffen und sonstige Massenvernichtungswaffen? Wer hat das ganze Geld der letzten Jahre bekommen, wir erhöhen ständig die Rüstungsetats!

    Menschen können andere Meinungen als Sie haben, friedlicher denken ohne Verbrechen gutzuheissen, die Sie hier zuammenhanglos aufzählen!

  13. 54.

    "Wir leben noch in einer Gesellschaft mit Meinungsfreiheit und andere Meinungen verunglimpft man nicht als Geschwurbel."

    E-ben, wir leben in einer freien Gesellschaft und Geschwurbel darf man deswegen als Geschwurbel bezeichnen, erst recht das von Rechtsextremen wie der Weidel. Solche wie sie versuchen das nur immer als "Meinung" zu adeln. Ist es aber nicht, es ist Geschwurbel. Bestenfalls.

  14. 53.

    Sie leben wohl nach einem anderen Kalender. Ich meine das Grußwort, welches Dagdelen kurz vor der aktuellen Eskalation Russlands gegenüber der Ukraine nach Moskau im Namen der Linksfraktion übermittelt hatte:
    https://www.tagesspiegel.de/politik/putins-linksverteidiger-abgeordnete-der-linken-zeigen-verstaendnis-fuer-den-kreml/28089986.html
    Schröder ist weiterhin in Führungspositionen in vom russischen Staat kontrollierte Firmen.

  15. 52.

    Es wäre wichtig zu unterscheiden zwischen einer plakatierten Freundschaft und dem Versuch, auf irgendeine Art und Weise trotz aller Differenzen miteinander auszukommen. Das deutsch-russische Forum habe ich nie i. S. einer plakativen Freundschaft verstanden, sondern im Zuge eines Verstehens im weitesten Sinne.

    Der Schritt Platzecks ist in dieser Hinsicht konsequent, sein vorheriges Handeln auch. Die "Uhren" in Russland, was die Vereinnahmung des Staates als persönliches Beutegut angeht, schlagen erheblich anders. Allerdings, ohne das aufrechnen zu wollen, gibt es da Abstufungen i. S. einer Skala, die dann auch bis zu Zuständen hierzulande hinreicht. Die Ukraine ist nicht all zu weit entfernt von solchem Beutegut-Denken, was Clans angeht und rangiert etwas hinter Russland - das aber ist für denjenigen, der auf einer solchen "Skala" noch weiter oben steht, noch lange keine Rechtfertigung, einzumarschieren.

  16. 51.

    Ich glaube er meint in dem Kommentar etwas anderes, nämlich die Frage, hätte man mit einer anderen Ostpolitik einen Krieg verhindern können, ohne Aufgabe der Souveränität der Ukraine.
    Jemand der den kalten Krieg, deren Eskalations- und Deeskalationsstufen erlebt und verstanden hat, muss so eine Frage stellen dürfen.

  17. 50.

    Sagen Sie das auch den Angehörigen der Kriegsopfer in der Ukraine? Oder den Angehörigen der ermordeten kritischen Journalisten in Russland?
    Was ist eigentlich mit dem Tiergartenmord in Berlin, den Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes verübt haben?
    Ein Zeichen für freundschaftliche Beziehungen zu Deutschland? Tatsächlich?
    Wie sehr kann man die Augen vor den Realitäten eigentlich noch verschließen?

    Das müssen sich Platzeck, Schweswig und andere schon fragen lassen - Sie sich auch!

  18. 49.

    Für Sie scheint die Umsetzung vom Völkerracht, das die ehemaliger Ostblockstaaten in Anspruch genommen haben, ein Verbrechen zu sein, das meint offensichtlich auch Putin, also nichts wie hin.

    Völkerrecht gilt für alle Staaten, und Putin hat es bereits 2014 gebrochen, leider hat der Westen nicht entsprechend reagiert, er hätte Russland schon damals vom SWIFT abkoppeln sollen.

  19. 48.

    Für Sie scheint die Umsetzung vom Völkerracht, das die ehemaliger Ostblockstaaten in Anspruch genommen haben, ein Verbrechen zu sein, das meint offensichtlich auch Putin, also nichts wie hin.

    Völkerrecht gilt für alle Staaten, und Putin hat es bereits 2014 gebrochen, leider hat der Westen nicht entsprechend reagiert, er hätte Russland schon damals vom SWIFT abkoppeln sollen.

  20. 47.

    Ich kann Ihnen nur aus tiefstem Herzen zustimmen.
    Abbruch freundschaftlicher Beziehungen, weitere Aufrüstung, weiteres Hochschrauben der Spirale KANN NICHT die richtige Antwort sein.

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