Mehr als 11.000 Menschen in Brandenburg erwartet - Potsdam richtet Notunterkunft für Ukraine-Flüchtlinge in Biosphäre ein

Di 08.03.22 | 20:30 Uhr
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In der Dschungellandschaft der Biosphäre Potsdam sind über 20.000 Tropenpflanzen und rund 140 verschiedene Tierarten zu sehen. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

Die Tropenhalle Biosphäre in Potsdam dient seit Dienstag als Notunterkunft für bis zu 150 Geflüchtete aus der Ukraine. Insgesamt könnten in Brandenburg in den kommenden Wochen noch deutlich mehr Menschen Zuflucht suchen, als bislang gedacht.

In Potsdam sind zwei zentrale Anlaufpunkte für geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer geschaffen worden. Ab sofort können Geflüchtete zur Orangerie der Biosphäre kommen und werden dort erstversorgt. Eine Informationsstelle gibt es ab Donnerstag in der Behlertstraße 3a.

Die Stadt Potsdam teilte in einer Pressemitteilung am Dienstag mit, dass in der Biosphäre 150 Betten als Notunterkünfte für eine Nacht zur Verfügung stehen. Die Unterbringungsmöglichkeiten sollen weiter ausgebaut werden. Neben Pensionen und Hotels sollen unter anderem Gemeinschaftseinrichtungen für Flüchtlinge genutzt werden.

Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt: Es werden mehr als 11.000 Geflüchtete kommen

Aus Sicht des Leiters der Zentralen Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt im Kreis, Olaf Jansen, wird sich das Land auf deutlich mehr Flüchtlinge aus der Ukraine als zunächst geschätzt einstellen müssen. "10.000 bis 11.000 Geflüchtete, das war eine erste Schätzung zum Anfang. Mit Blick auf die Entwicklungen in der Ukraine werden es sicher mehr werden, die auch nach Brandenburg kommen werden", sagte Jansen am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Ende Februar sagte der Brandenburger Innenminister Michael Stübgen (CDU) dem rbb, Deutschland rechne demnach mit etwa 400.000 Geflüchteten insgesamt, Brandenburg würde davon rund 11.000 Menschen aufnehmen.

Seit dem Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks mehr als zwei Millionen Menschen in andere Länder geflüchtet, wie die Tagesschau am Dienstag schreibt.

Nach Angaben des brandenburgischen Innenministeriums wurden mit Stand vom Dienstagmorgen 1.189 Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt registriert. Der Leiter der Zentralen Ausländerbehörde hatte berichtet, es seien dort sogar schon mehr als 1.500 Menschen aus der Ukraine angekommen.

Grüne für Prüfung von mehr Landesgeld für Ukraine-Geflüchtete

Angesichts der steigenden Zahl von Ukraine-Geflüchteten dringen die Grünen im Brandenburger Landtag auf die Prüfung von mehr Landesmitteln für Migrationssozialarbeit und Integration. "Im Zweifel müssen wir da auch nachsteuern", sagte Fraktionschef Benjamin Raschke am Dienstag in Potsdam. Die bisherigen Mittel seien für den früheren Bedarf bemessen worden. Co-Fraktionsvorsitzende Petra Budke sagte, es sei nötig, in den Erstaufnahmeeinrichtungen mehr Plätze zu schaffen.

CDU-Fraktionschef Jan Redmann forderte, es dürfe kurzfristig regional nicht zu weniger Personal bei der Sozialarbeit für Geflüchtete kommen. "Da müssen wir schnell für Abhilfe sorgen." Ob darüber hinaus mehr Geld dafür nötig sei, hänge davon ab, wie viele Geflüchtete in Brandenburg blieben. Bei der Migrationssozialarbeit und weiteren Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen hatte es im Haushalt 2022 Kürzungen gegeben, die ursprünglich noch größer ausfallen sollten.

Linke fordert Maßnahmen auf längere Sicht

Die oppositionelle Linksfraktion hält mehr finanzielle Hilfe und mehr Steuerung vom Land für notwendig. Kurzfristig gehe es um die Unterbringung der Flüchtlinge, mittelfristig um Kapazitäten an Schulen, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andrea Johlige. "Wir werden ganz, ganz viele Kinderbetreuungsplätze brauchen." Auch Mittel für Beratung, Deutschkurse und Qualifizierung seien nötig. Sie forderte die Staatskanzlei dazu auf, die Hilfe zu koordinieren. Bisher ist ein Krisenstab, der beim Innenministerium angesiedelt ist, im Einsatz.

Auch Abgeordnete von CDU und BVB-Freie Wähler forderten mehr Personal, um Geflüchtete vor Ort in Brandenburg betreuen zu können.

Deutsche Bahn: Bis zu 300 Busse täglich für Kriegsflüchtlinge

Die Deutsche Bahn setzt zur Verteilung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine deutlich mehr Reisebusse ein. Bis zu 300 Fahrzeuge stehen nach Angaben des Konzerns seit Dienstag bereit. Damit könnten kurzfristig täglich rund 13.000 Menschen flexibel weiterbefördert werden, teilte ein Bahnsprecher mit. Die zusätzliche Unterstützung für geflüchtete ukrainische Familien sei in Kooperation mit den deutschen und polnischen Behörden organisiert worden. Bislang sind nach Bahnangaben 20 Busse in und von Polen Richtung Deutschland unterwegs, bundesweit seien es 30 Fahrzeuge.

Die Busse werden nach Bahn-Angaben eingesetzt zwischen Warschau und Deutschland sowie innerhalb Deutschlands und in Richtung anderer europäischer Städte - etwa nach Paris. Allein am Berliner Hauptbahnhof stehen demnach etwa 20 Fahrzeuge täglich bereit. Menschen, die dort mit Zügen aus Polen eintreffen, könnten damit an unterschiedliche Orte in Deutschland gefahren werden. Kurzfristig könne die Anzahl auf bis zu 50 Busse aufgestockt werden.

Seit vergangener Woche erste Geflüchtete in Brandenburg

Auch in Brandenburg sind an den Bahnhöfen in Cottbus und Frankfurt (Oder) Reisebusse im Einsatz zur Verteilung von geflüchteten Menschen. Am Fankfurter Bahnhof war bereits am Freitagabend der erste Sonderzug aus Polen mit rund 300 Menschen angekommen. Am Montag sollen insgesamt neun Zügen aus Polen die Oderstadt erreicht haben, heißt es von Beobachtern vor Ort.

Wie viele Menschen es mittlerweile genau sind, sei kaum einzuschätzen, da keine konkreten Zahlen vorliegen, sagt Michael Schillert, Einsatzleiter Katastrophenschutz der Stadt, am Dienstag dem rbb. "Wir wissen, dass die Sonderzüge so mit 1.000 bis 1.900 Leuten voll sind. Die kommen zwei Mal täglich, dann kommt der Warschau-Express und alles, was die Regel-Züge sind. Auch die sind vollgepackt mit Leuten. Man spricht ungefähr von 11.000, aber hundertprozentig sagen kann man das nicht."

Die Allermeisten, vor allem Frauen und Kinder, fahren nach Berlin weiter, ohne in Frankfurt auszusteigen. Für die, die nicht weiterfahren, sind am Bahnhof dann der Katastrophenschutz mit zwei warmen Zelten, das Rote Kreuz und freiwillige Helfer vor Ort. Zuvor hatte Innenminister Michael Stübgen (CDU) für Aufsehen gesorgt, als er am Samstag äußerte, dass Frankfurt (Oder) ein "Hauptumschlagplatz" für die weitere Verteilung der Flüchtenden aus der Ukraine in Deutschland werden könne. Das Brandenburgische Innenministerium hat sich am Montag wieder von der Überlegung distanziert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.03.2022, 12:30 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Die Frage ist super. Und bis vor zwei Wochen hätte ich mit einem Lindner als Finanzminister gesagt: Nie.
    Nach seiner Rede im Bundestag vorletzten Sonntag, die eins zu eins von Habeck hätte sein können, halte ich es für 5% möglich, dass auch hier eine Gehirnwindung mal sozial abbiegt.

  2. 3.

    In der Bundesrepublik Deutschland ist Jeder willkommen, der Hilfe und Unterstützung benötigt. Es wäre sehr schön wenn man durch funktionierende Integration, viele Menschen in der Bundesrepublik halten könnte - das wäre eine Bereicherung für unser alterndes Land.

  3. 1.

    Wo bleiben eigentlich die gesetzlichen Grundlagen der Ampel-Regierung, dass sichergestellt wird, dass die REICHEN diese Krise diesmal bezahlen?

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