Landkreise und Kommunen bereiten sich vor - Erste ukrainische Kriegsflüchtlinge in Brandenburg eingetroffen

Fr 25.02.22 | 18:51 Uhr
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Geflüchtete Menschen aus der Ukraine. (Quelle: dpa/Vadim Ghirda)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.02.22 | Isabel Röder | Bild: dpa/Vadim Ghirda

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine steht Brandenburg vor einer logistischen Herausforderung: Viele Menschen werden über Polen fliehen und zuerst in Brandenburg ankommen. Die ersten Flüchtenden sind schon eingetroffen.

In Brandenburg sind die ersten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine angekommen. Das teilte der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), René Wilke (Linke), am Freitag dem rbb mit. Bei ihnen handle es sich vorrangig um Menschen, die Familienangehörige in der Stadt hätten. Grundsätzlich könnten Geflüchtete im dreistelligen Bereich untergebracht werden, so Wilke weiter.

Auch in Brandenburg an der Havel sind die ersten Geflüchteten aus der Ukraine eingetroffen. Laut Stadtsprecher Jan Penkawa geht es um eine ukrainische Familie, die die Diakonie um Unterstützung gebeten habe. Brandenburg an der Havel sei bereit, sofort rund 150 Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen.

Diese Zahl wurde auch von offiziellen Stellen in Märkisch-Oderland genannt. Es gebe eine große Solidarität, dem Kreis seien bereits leerstehende Wohnungen angeboten worden.

Woidke: "Wir bereiten uns auf mindestens 10.000 Menschen vor"

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte sich zuvor am Freitag per Videoschalte mit den Landräten und Oberbürgermeistern des Landes über Aufnahmemöglichkeiten von Geflüchteten unterhalten.

Was die Unterbringung angeht, nannte Woidke im ZDF-"Mittagsmagazin" am Freitag eine konkrete Zahl. "Wir bereiten uns auf mindestens 10.000 Menschen vor, die wir aus der Ukraine in den nächsten Tagen unterbringen müssen", sagte der Ministerpräsident. Da Russlands Präsident Wladimir Putin inzwischen einen Krieg gegen die gesamte Ukraine führe, "müssen wir uns wohl leider auf eine längere Zeit einstellen und damit auch auf größere Flüchtlingsströme", so Woidke.

Er nehme eine "riesengroße Solidarität" und viele Hilfsangebote in Brandenburg wahr. Mit Polen gebe es Absprachen über Unterstützung und das Signal, "dass wir sie natürlich auch mit diesem Flüchtlingsaufkommen nicht allein lassen werden, sondern dass Deutschland seinen Teil tragen wird und dabei auch Brandenburg seinen Teil tragen wird". Woidke ist bisheriger Polen-Beauftragte der Bundesregierung.

Der Landrat von Oberspreewald-Lausitz, Siegurd Heinze (parteilos), sagte dem rbb, dass die meisten der Flüchtlinge wohl zunächst auf die Standorte der Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes konzentriert werden. Alle Landkreise und kreisfreien Städte hätten aber zugesagt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Menschen aus der Ukraine aufzunehmen.

Oder-Spree hat bereits einen Krisenstab ins Leben gerufen und erste Maßnahmen getroffen, sagte Landrat Rolf Lindemann (SPD) dem rbb. Allein in Eisenhüttenstadt seien 250 Wohnungen bereit gestellt worden, dort könne man bis zu 750 Menschen unterbringen.

Der Landkreis Oberhavel prüft, welche ehemaligen Unterkünfte reaktiviert werden können. Aktuell könne man bis zu 250 Flüchtlinge aufnehmen, sagte der amtierende Landrat Egmont Hamelow (CDU).

Erster Asylantrag in Eisenhüttenstadt

Aus Potsdam-Mittelmark hieß es, die kurzfristige Bereitstellung von Unterkünften in etwa Turnhallen sei nicht das Problem, aber für eine langfristige Unterbringung brauche man noch Lösungen.

Die Landrätin von Teltow-Fläming, Kornelia Wehlan (Linke), appellierte an die Gemeinden und Städte sowie Wohnungsbaugesellschaften, aber auch an die Bevölkerung, Vereine und Initiativen, bei der Unterbringung von Menschen zu helfen.

Derweil hat nach rbb-Informationen am Freitagvormittag ein erster ukrainische Staatsangehöriger einen Asylantrag in Eisenhüttenstadt gestellt. Demnach habe sich die Person zu einem Familienbesuch in Ostbrandenburg aufgehalten. Wegen den aktuellen Ereignissen und dem Krieg in der Ukraine könne sie nicht mehr zurückfliegen, sagte sie dem rbb.

In Eisenhüttenstadt und Frankfurt-Markendorf schafft die Zentrale Ausländerbehörde des Landes (ZAHB) Platz für Schutzsuchende. Es gebe Platz für die Aufnahme von 800 Menschen, die aus der Ukraine fliehen, bestätigte Olaf Jansen, Leiter der ZAHB, dem rbb.

Stübgen: Brandenburg kann 11.000 Geflüchtete aufnehmen

Bereits am Donnerstag erklärte Innenminister Michael Stübgen (CDU), dass Brandenburg schon jetzt bereit sei, rund 2.000 Geflüchtete aus der Ukraine aufzunehmen. Insgesamt könne Brandenburg rund 11.000 Menschen aufnehmen. Der Bund rechne laut Stübgen mit insgesamt 400.000 Menschen, die aus der Ukraine fliehen werden. Er kündigte eine enge Zusammenarbeit mit Polen an.

In anderen Bundesländern und auf Bundesebene kündigten Politikerinnen und Politiker ebenfalls die Deutsche Aufnahme von Geflüchteten an. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte, dass sich die Bundesregierung auf Fluchtbewegungen aus der Ukraine einstelle und sicherte den unmittelbaren Nachbarländern der Ukraine - vor allem Polen - Unterstützung zu.

Auch Berlin bereitet sich auf Geflüchtete vor

Für ukrainische Geflüchtete will Berlin kommende Woche ein eigenes Ankunftszentrum einrichten. Das teilte Sozialsenatorin Katja Kipping mit. Wo genau das Objekt liegt, konnte die Senatsverwaltung für Soziales noch nicht bestätigen. Zunächst stehen weitere Gespräche an. Aber es soll kommende Woche allein für ukrainische Geflüchtete an den Start gehen.

Ab diesem Freitag und auch über das Wochenende können Schutzsuchende aus der Ukraine nach Reinickendorf in die Oranienburger Straße kommen. Dort ist auf dem Areal der früheren Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik ein Ankunftszentrum eingerichtet. Sozialsenatorin Kipping sagte dem rbb auf Nachfrage, es sei dort alles für die Ankommenden vorbereitet. Es handele sich aber nur um eine vorübergehende Lösung.

Schnellste Autoroute via Google Maps. (Quelle: rbb)

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.02.22, 12:00 Uhr

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18 Kommentare

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  1. 18.

    Wäre Russland eine Demokratie, wäre Putin nicht seit Jahrzehnten an der Macht, die ihm offensichtlich zu Kopfe gestiegen ist. Der Angriffskrieg ist barbarisch und durch nichts zu rechtfertigen!!

  2. 17.

    Ich kann gar nicht ausdrücklich genug betonen, wie sehr ich Gerhard Schröder verachte, für seinen Opportunismus, seine Geldgier, seine bestenfalls lauwarme Einlassung zu diesem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.

    Dass Steinmeier jetzt mit den üblichen für ihn vorformulierten Floskeln um sich wirft, ohne sich von seinem alten Freund Schröder zu distanzieren … auch das passt ins Bild.

    Hoffen wir, dass diese “Männer” bald der Vergessenheit angehören, und dass Putin’s Russland ruiniert wird.

  3. 16.
    Antwort auf [Gerd kuster ] vom 25.02.2022 um 18:09

    @rbb Kann man den Rechtsextremisten hier nicht sperren? Oder will man das nicht?

  4. 15.

    Herzlich willkommen, Ukrainer

  5. 14.

    Weil es Leute wie sie ja nicht betrifft. Sie machen sich bloß Sorgen um den Spritpreis. Die Menschen dort verlieren gerade alles. Also schön weiter beschwichtigen und dem 'Internet' die Schuld geben. Lassen sie sich nicht beim TV Programm stören. Einfach so tun
    als wäre alles normal.
    Seufz....

  6. 13.

    Sie meinen sicher nicht das Märchen einer nicht Osterweiterung der Nato.
    Zu der Zeit gab es so ein Versprechen nicht, da war der Osten noch im Warschauer Pakt.

  7. 12.

    Hätten wir mal unsere 89/90 gemachten Versprechen eingehalten. Jetzt haben wir das Elend.

  8. 11.

    Das ging schnell

  9. 10.

    Leider formulieren Sie nichts konkretes, wo welche Vernunft Ihrer Meinung zufolge angesetzen soll.

  10. 9.

    Den Menschen muss geholfen werden! Schlimm was hier gerade passiert.

  11. 8.

    Es ist überraschend wie schnell und herzlich Migranten aus der Ukraine in Brandenburg aufgenommen werden. Bisher hat Brandenburg doch eher wenig Willkommenskultur für fremde Menschen gezeigt. Ob wieder die Flüchtlingsunterkünfte von Fackelträgern belagert werden? Ich hoffe auf zivilen Widerstand, damit sich die Kriegsflüchtlinge sicher fühlen, bis sie wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

  12. 7.

    Sie schreiben bei jedem Beitrag, dass sie (ich zitiere) eine Multikultifamilie haben. Mit dem Handwagen aus Zentralafrika nach Deutschland. Man hören sie doch endlich mal auf sich immer so wichtigtuerisch in den Vordergrund zu schieben. es ist ja furchtbar.

  13. 6.

    Warum werden die in Belarus festsitzenden Flüchtlinge nicht aufgenommen?

  14. 5.

    Ganz ehrlich:
    Man kann den 3. Weltkrieg auch herbeireden.
    Hätten wir die heutigen Sozialen Medien schon 1962 gehabt, wo viele Politiker*innen dem Handlungsdruck aus dem Internet Folge leisten, wäre zu der Zeit schon der 3. Weltkrieg ausgebrochen.
    Seit Beginn der Pandemie sind wir in einem extremen Panikmodus, den einige psychisch nicht mehr standhalten.
    Aber wenn wir uns nach 2 Jahren noch einen Mega-Rohstoff-Krieg und ein Nukleare Verwüstung leisten können, bittesehr.
    Jetzt ist VERNUNFT gefordert - auch wenn dies ganz schwer fällt.

  15. 4.

    Will Ihre Worte nicht in Frage stellen, passen aber leider nicht zu Ihrem Namen. Was wäre denn die pessimistische Variante?

  16. 3.

    Brandenburg hat viel Platz, besonders über Land und in kleinen Städten. Gut verteilt, würden diese Menschen uns sehr bereichern und das bedeutet für alle Beteiligten eine gemeinsame Zukunft. Wir hätten Fachkräfte und junge Menschen, die Ukrainer hätten eine neue Perspektive.(Ein Teil meiner Vorfahren zog mit einem Handwagen Richtung Westen und sie waren froh, irgendwo bleiben zu können.)Flüchtende, deren Heimat buchstäblich vernichtet wird, sollten für immer bleiben dürfen.

  17. 2.

    Beginn des 3.Weltkrieg am 24.02.2022. Das Leben wird für die ganze Welt eine andere werden. Gut festhalten denn es wird sich alles Drehen.

  18. 1.

    Es ist zu befürchten, dass die Dimension unterschätzt wird. Viele Ukrainer werden sich in Polen oder Moldawien nicht sicher fühlen und weiter ziehen. Wenn man die heutigen Zahlen hört, kann man sich schon vorbereiten.

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