Symbolbild: Eine lange Schlange von bedürftigen Menschen steht am 15.10.2013 vor den neuen Räumen der Tafel des Albert-Schweitzer-Familienwerks Brandenburg e.V. in Cottbus (Brandenburg) und wartet auf die Lebensmittelausgabe. (dpa/Patrick Pleul)
Audio: rbb | 09.02.2021 | Amelie Ernst | Bild: dpa/Patrick Pleul

Landesarmutskonferenz in Brandenburg - "Eine Armutswelle nach Corona zeichnet sich ab"

Brandenburgs Landesarmutskonferenz befürchtet wegen der Corona-Pandemie immer mehr finanzielle Probleme für Menschen mit geringem Einkommen und Familien. Schon zuvor sei jedes vierte Kind von Armut betroffen gewesen - die Zahl werde tendenziell steigen.

Eine bessere Abfederung der Corona-Auswirkungen für sozial schwache Menschen und Familien hat die Landesarmutskonferenz Brandenburg gefordert. Der Sprecher des Gremiums, Andreas Kaczynski, forderte am Dienstag in einer Videokonferenz, wer ein geringes Einkommen habe, müsste deutlich entlastet werden.

In der Konferenz befürchtet man wegen der Corona-Pandemie insbesonders immer mehr finanzielle Probleme bei Familien. Schon vor Corona sei jedes vierte Kind in Brandenburg von Armut betroffen gewesen, hieß es. Wegen der Lage am Arbeitsmarkt und der verbreiteten Kurzarbeit werde mit einem Anstieg gerechnet. "Eine Armutswelle nach Corona zeichnet sich ab", sagte Franziska Löffler von der Arbeiterwohlfahrt Potsdam.

Hartz-IV-Leistungen und Kurzarbeitergeld im Fokus

Viele Familien kämen derzeit mit Mietzahlungen in Verzug, es drohe eine wachsende Verschuldung, sagte Kaczynski. Der Kündigungsschutz müsse deshalb wieder verlängert und eine Stundung von Mietzahlungen möglich gemacht werden, damit Familien nicht in Obdachlosigkeit rutschen. Kindern aus armen Familien müsse zudem auch während der Schulschließungen ein gesundes Mittagessen ermöglicht werden, hieß es weiter.

Die Hartz-IV-Leistungen müssten erhöht werden, um zusätzliche finanzielle Belastungen etwa für Corona-Hygiene auszugleichen, so der Sprecher der Konferenz weiter, 100 Euro seien hier der "Mindestbetrag".

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Berlin-Brandenburg, Sonja Staack, plädierte auch dafür, das Kurzarbeitergeld für Geringverdiener aufzustocken. "Lohnersatzleistungen gleichen nie ganz aus, was man im normalen Lohn erhalten hätte", erklärte Staack. In der Kurzarbeit erhielten Arbeitnehmer nur 67 Prozent ihres Nettolohns. "Wer vorher schon jeden Euro umdrehen musste, kann von 67 Prozent nicht leben."

Pandemie könnte sich auch auf komunale Haushalte auswirken

Birgit Uhlworm von der Selbsthilfegruppe Alleinerziehender "SHIA" forderte das Land auf, jedes Kind mit Computern auszustatten. "Die digitalen Endgeräte und das nötige Zubehör sollten über das Bildungs- und Teilhabepaket oder über Schulsozialfonds finanziert werden", sagte Uhlworm. Wenig bedacht werde auch die Ausstattung von Schulen mit technischem Personal. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht über eine verlorene Generation sprechen", so Kaczynski. Nach dem Lockdown müssten alle Kinder und Jugendliche die nötige Förderung erhalten.

Die Landesarmutskonferenz warnte auch vor den Folgen der Pandemie für die öffentlichen Haushalte. Viele Arbeitsfelder der gemeinnützigen Verbände seien durch freiwillige Leistungen der Kommunen finanziert. Es sei zu befürchten, dass sie nach dem Lockdown zurückgefahren werden, sagte Inga-Karina Ackermann vom Landesverband Brandenburg des Arbeitslosenverbands Deutschland.

50.000 Brandenburger leben von Arbeitslosengeld II

In Brandenburg beziehen laut Landesarmutskonferenz rund 50.000 Menschen Arbeitslosengeld II. Knapp 20.000 Menschen seien zudem im Januar in Kurzarbeit gewesen, heißt es. Von den rund 340.000 Familien im Bundesland seien rund 88.000 Elternteile alleinerziehend. Davon seien mit 41 Prozent etwas weniger als die Hälfte von Armut betroffen sei.

Die rund 26.000 Haushalte mit drei oder mehr Kindern seien die Gruppe mit der höchsten Armutsgefährdung nach den Alleinerziehenden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 09.02.2021, 16 Uhr

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51 Kommentare

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  1. 51.

    Diese Herzenskälte einiger Schreiber macht mich sprachlos und wütend. Ich kenne viele Leute, die nicht klarkommen mit den staatlichen Leistiungen. Ich empfehle Ihnen allen mal, bevor Sie einen deratigen Unsinn schwadronieren, sich beim Arbeitslosenzentum BALZ zu informieren. Arbeitrslos zu sein ist kein Spaß und das wollen auch nur die wenigsten. Schert bitte nicht alle Arbeitslosen über einen Kamm. Danke!

  2. 50.

    Ich weiß nicht ob Sie berufstätig sind oder schon Rentnerin, scheinbar haben Sie aber mehr Geld als Otto Normalverdiener.
    Ansonsten können Sie nicht derart zynische Äußerungen von sich geben. Wer jetzt arbeitslos wird, bekommt so schnell keine neue Stelle. Mit dem, was ein Alleinstehender an H4 bekommt, kommt man nicht über den Monat. Falls Sie noch arbeiten, wünsche ich Ihnen die Erfahrung, arbeitslos zu sein.

  3. 49.

    Welle? Okay. Wellen vergehen auch wieder. Ein Auf und Ab ist in vielen Dingen normal. Welle heißt nicht, dass man immer gleich hektisch werden muss. Unser Sozialsystem federt Wellen ausreichend ab.

  4. 48.

    Da liegen Sie falsch.
    Renten sind keine Sozialausgaben, hierzulande gibt es eine Rentenversicherung mit Beitragszahlern, und wenn Zeit gekommen ist Rentenbeziehern.
    Wahr ist allerdings, dass auch Steuegelder mit einfließen, und zwar, für die Bürger der ehemaligen DDR und für Volksdeutsche, die in die BRD gezogen sind.

  5. 47.

    Die Zahlen sind ernüchternd....
    Wenn ich solche Sprüche lese, wird mir immer ganz anders.
    Wie sollte man da überrascht, den Träumen entrissen etc. sein. Es war doch ganz logisch, dass Arbeit billig gemacht werden sollte. Mit den Agenda - Gesetzen von SPD und Grünen wurde der implizierte Mindestlohn gesenkt. Arbeitslosenhilfe abgeschafft, Jede Arbeit zumutbar usw.…
    Was soll denn da nun an dem Befund ernüchternd sein? Es ist genau eingetreten, was beabsichtigt war.
    Der Mindestlohn wurde viel zu spät und in zu geringer Höhe nachgereicht.

  6. 46.

    "Und die gewaltigen EU-Verschuldungen, für die Deutschland als Hauptfinanzierer geradestehen muss, werden D generationenlang belasten."

    Deutschland gehört zu den größten Nutznießern der EU. Es kommt nur nicht bei der Mehrheit der deutschen Bevölkerung an.

  7. 45.

    "Ja, gut, Danke für den Fleiß! Trotz alledem:
    https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw47-de-arbeit-soziales-576954"
    Danke,habe ich mir durchgelsen. Dabei geht es aber um die ZUSCHÜSSE des Bundes an die Rentenversichung
    (Der größte Einzeletat des Bundeshaushaltes, jener des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales)und zwar auch für EU- Renten(die ja aufgestockt werden und nicht alleine den erarbeiteten Entgeltpunkten entsprechen ) und für Grundrenten. Die eigentliche Rentenzahlungen aus den persönlich erarbeiteten Entgeltpunkten der Rentner obliegt weiterhin der Rentenversicherung.
    Ohne diese Zuschüsse gäbe es aber auch keine Grundsicherung und geringere EU-Renten.
    Altersarmut ist m.E. vorprogrammiert, wenn u.A. Billiglöhne nicht verhindert werden.
    Siehe dazu meinen Kommentar @15.

  8. 43.

    Es geht mir nicht um den Vergleich.Mir geht es darum das jetzt über Hartz Hartz4 Empfänger geschimpft wird.
    Bald geht dann das gemeckere über SUV Fahrer oder Raucher wieder los.Es wird z.b. auch niemand gezwungen sich einen E-SUV zu kaufen.Um In Innenstädte,für Unfälle,Staus und Raserei zu sorgen.Nur mal so als gegendarstellung von Rauchern oder Burger/Pizza Esser.Natürlich müssen auch diese Menschen zur Arbeit kommen,was in Innenrstädten aber auch mit Bus und Bahn geht.Das wäre doch mal ein Anfang.Auf ein E-SUV/Auto zu verzichten.Dann wäre auch mehr Platz für neue Wohnungen,Kitas und Geschäfte.Dann müssten hier nicht Milliarden in neuen Strassenbau fließen ect.Dann müssten Parkhäuser und Parkplätze für die SUVS nicht neu angepasst werden ect.

  9. 42.

    Oha, deswegen herrschen auch überall wo die Nato aktiv ist und war Frieden und blühende Landschaften. LOL Genau die brauchen jede Menge Geld um Manöver durch zu führen die den Russen in Schach hält. Sonst würden die ja hier einfallen....omg...
    Genau das ist doch das Problem, diese wohl sinnlosesten Ausgaben werden als völlig selbstverständlich und normal empfunden. Diese Ausgaben sichern allein der Waffenindustrie Gewinne und den kleinen Jungen in Uniform ihr tötliches Spielzeug. Mehr sone Art Kriegslobby-Loge die wohl für die meisten Toten und Vertriebenen der letzten 70 Jahre verantwortlich ist.

  10. 41.

    Ja, gut, Danke für den Fleiß! Trotz alledem:
    https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw47-de-arbeit-soziales-576954

  11. 40.

    Das stimmt.
    Mit dem Werben für Hartz4 hat die SPD 34% erhalten.
    Hartz4 muss nicht erhöht werden.
    Nach einem Jahr findet jeder eine Arbeit, wer möchte.
    Manche leben schon über 10 Jahre von Sozialleistungen.
    Manchmal komplette Familien.
    Der Mindestlohn müsste erhöht werden.
    Jeder kann doch ein paar Stunden arbeiten gehen, oder ist das etwa zu viel verlangt?

  12. 39.

    Genau so sehe ich das auch! Und was viele hier vergessen: "Ein Schlaganfall reicht und es ist Ende mit Arbeit! Es kann jeden Treffen!" Dann kommt die Grundsicherung! Ja und Dauerhaft reicht es nicht!

  13. 38.

    Bitte nicht so dramatisch werden. Ich kenne persönlich einige Hartzer, die kommen sehr gut zurecht, von denen nagt niemand am Hungertod. Alles eine Frage der Einteilung. Klar schwimmen die Leute nicht im Geld, aber das tun viele Menschen die arbeiten gehen auch nicht.

  14. 37.

    "Zweidrittel dieser Kosten gehen für Renten drauf!"
    Die Renten werden im Wege des Generationsvertrages gezahlt, wer legal und sozialversicherungspflichtig arbeitet,zahlt für die Elterngeneration in die Rentenkasse ein. Rentner zahlten Steuern als Arbeitnehmer und heutzutage auch als Rentner. Sie trugen mit ihrer Arbeitskraft durch ihre Sozialabgaben in die Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung und Soli auch dazu bei, dass der Staat Bedürftige aller Art unterstützt.Und natürlich zahlt man als Rentner neben den Steuern weiterhin in die Kranken- und Pflegeversicherung ein. Ich weiß wovon ich rede, bin nach 46 Arbeitsjahren in Vollzeit seit Jan. 2021 berentet. Noch Fragen ?

  15. 36.


    Ich empfehle ihnen zwei Bücher:
    Illegale Kriege - Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien. Von Daniele Ganser. Schweizer Friedensforscher.
    und
    Die Weltbeherrscher: Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA im Ausland. Von Armin Wertz.

  16. 35.

    Wovon reden wir hier? Über aktuelle oder künftig Arme? Schon alleine alle in einen Topf zu werfen ist falsch. Es gibt welche, die leben von der Gesellschaft und welche, die leisten etwas. Wodurch haben Hartzer denn aktuell mehr Ausgaben? Betroffen sind alle, die weniger Einkommen haben durch Corona und dieselben Ausgaben haben.

  17. 34.

    Corona führt weltweit zu mehr Armut
    Entgegen der sonstigen Einschränkung auf Armutsthemen bezogen auf Deutschland bzw. Europa möchte ich auf den GLOBAL HUMANITARIAN OVERVIEW 2021 der UN aufmerksam machen, der für 2021 eine weltweite Zunahme von Armut durch Corona prognostiziert. Betroffen seien 235 Millionen Menschen in Not, u. a. durch extreme Armut, Hunger, sinkende Lebenserwartung und die Zunahme von Todesfällen.

  18. 33.

    Gerade weil Armut ein strukturelle Problem ist, bringt es rein gar nichts, die Sozialgelder immer weiter zu erhöhen, denn das verfestigt lediglich die Abhängigkeit von staatlichen Leistungen und verführt dazu, von Leistungen des Staates zu leben, statt selbst welche zu erbringen. Der Staat muss für diese Menschen Entwicklungsmöglichkeiten schaffen und ausbauen, muss armen Kindern die Chancen auf bestmögliche Bildung bieten. Nur so kann der Teufelskreis durchbrochen werden. Dass reine Geldleistungen nichts Positives in diese Richtung bewirken, beweisen die vielen Hilfeempfänger der zweiten, dritten und gar vierten Generation. Der Staat funktioniert auf Dauer nur, wenn möglichst Viele einzahlen, nicht wenn möglichst Viele bekommen. Ist im Übrigen das Urverständnis der SPD gewesen. Die Abkehr davon lässt die Wähler weglaufen, nicht Hartz IV.

  19. 32.

    So ein Müll. Wie schnell kann man in Hartz 4 landen , wenn man kein Beamter ist. Und wenn der Lockdown noch länger dauert, wie viele Selbständige dort Geld beantragen müssen, weil sie insolvent sind. Und das sind keine Alkoholiker oder Leute die nicht arbeiten gehen möchten. Denen hat man einfach die Existenz geraubt.

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