Ein Arzt spricht mit einem Kind (Quelle: imago images/Joseffson)
Audio: Inforadio | 24.02.2021 | Kirsten Buchmann | Bild: imago-images/Symbolbil/Joseffson

Erstklässler - Erneut fallen viele Einschulungsuntersuchungen in Berlin aus

Wegen der Corona-Pandemie blieben 2020 rund ein Drittel der Erstklässler ohne Schuleingangsuntersuchung. Auch in diesem Jahr zeichnet sich ab, dass viele der mehr als 30.000 neuen Schulkinder keinen Schularzttermin erhalten werden. Von Kirsten Buchmann

Wie gut können sich Erstklässler bewegen, sehen, hören und sprechen? Informationen dazu erhalten Schulleiterinnen vom Schularzt, wenn er ein Kind untersucht hat. Wegen der Corona-Pandemie war das allerdings im vergangenen Jahr nicht für alle möglich, allein schon wegen des höheren Zeitaufwands für Hygienemaßnahmen.

Die Leiterin der Carl-Schurz-Grundschule, Constanze Rosengart, beschreibt das Problem damit, dass manche Kinder noch nicht "schulreif waren und wir zusätzlich zu dem, was wir ohnehin an Differenzierungsarbeit leisten müssen, gerade bei den Schulanfängern, teilweise noch wesentlich intensiver in die Vorschularbeit gehen mussten."

Kinder kommen nicht mit

Einige Kinder konnten noch nicht einmal einen Stift richtig halten, sagt Rosengart. In anderen Jahren hätte der Schularzt den Hinweis gegeben, sie von der Einschulung zurückzustellen und noch ein Jahr länger in der Kita zu fördern. 2020 aber waren viele ihrer rund 100 neuen Schüler nicht vorab vom Schularzt untersucht worden. Die Folge: 15 bis 18 Schulanfänger an der Carl-Schulz-Grundschule brauchen eine intensive Begleitung.

Ähnliche Erfahrungen macht die Leiterin der Gustav-Falke-Schule, Sabine Gryczke, mit rund zehn Prozent ihrer Erstklässler. "Die Kinder kommen nicht so mit wie ihre Klassenkameraden."

Ein Problem: Ist ein Kind einmal in der Schule, bleibt es da auch, sagt Astrid-Sabine Busse, die Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen und Leiterin der Schule in der Köllnischen Heide. Das Kind könne dann nicht mehr zurückgestellt werden, so Busse. "Das ist ganz schwierig, wo soll es denn dann auch hin?" Kita-Plätze seien nicht mehr da, weil inzwischen jüngere Kinder nachgerückt sind.

2020 mindestens ein Drittel ohne Schularztuntersuchung

Im Bezirk Mitte fanden im vergangenen Jahr rund 2.000 Schuleingangsuntersuchungen statt, rund 1.700 dagegen nicht.

In Pankow blieb mit rund 2.000 fast die Hälfte der Kinder ohne Untersuchung. In Friedrichshain-Kreuzberg, Steglitz-Zehlendorf und Neukölln waren beispielsweise jeweils zwischen 300 und 400 Kinder nicht beim Schularzt, in Reinickendorf rund 600, in Tempelhof-Schöneberg knapp 800.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 9.759 Schüler ohne Schularztuntersuchung in die erste Klasse - mindestens.

Denn einige Bezirken machten zu ihren Zahlen keine Angaben.

Eltern können sich beraten lassen

Mit Sorge blickt Astrid-Sabine Busse insgesamt auf die Untersuchungen des künftigen Schülerjahrgangs. Bisher fand in ihrem Bezirk Neukölln rund ein Drittel der nötigen Schuleingangsuntersuchungen statt, bis zum Sommer will man alle schaffen. Charlottenburg-Wilmersdorf hat bislang ebenfalls rund ein Drittel der Kinder untersucht, Mitte rund zehn Prozent. In Friedrichshain-Kreuzberg werden die Untersuchungen nach Angaben des Bezirksamts vorrangig bei Kindern durchgeführt, bei denen Anhaltspunkte bestehen, dass die Einschulung nicht erfolgen kann oder zusätzliche Unterstützung benötigt wird. Es sei davon auszugehen, dass nicht alle Einschulungsuntersuchungen durchgeführt werden können.

Die stellvertretende Vorsitzende des Landeselternausschusses, Daniela von Hoerschelmann, fordert, einige Kinder bei den anstehenden Untersuchungen jetzt besonders zu berücksichtigen: "Ein Kind, das vorher keine Kita besucht hat, muss auf jeden Fall eine Schuleingangsuntersuchung erhalten."

Bildungssenatorin Sandra Scheeres versichert, auch wenn nicht alle Kinder einen Termin beim Schularzt bekommen, sollen ihre Eltern nicht allein dastehen. "Falls die Bezirke die Schuleingangsuntersuchungen, so wie teils im letzten Jahr, nicht im nötigen Umfang schaffen, stehen unsere Beratungsstellen SIBUZ unterstützend zur Verfügung, die Gespräche mit den Eltern zu führen." Offen ist, wie viele Eltern das tatsächlich in Anspruch nehmen.

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27 Kommentare

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  1. 27.

    Genau wie schon bereits unten beschrieben, Amtsärzte sind in der Pandemie überall dort beschäftigt wo medizinische Entscheidungen getroffen werden müssen. Dieses Schuljahr sollten die Ämter vom letzten Jahr gelernt haben und eventuell benachteiligte Kinder zu erst untersuchen. Es gibt ja noch die Einschätzung der Kita und des Kinderarztes die Aussagekräftig sind.

  2. 26.

    Danke für die Infos!
    Es sollten jedoch so viele Kinder - möglichst ALLE - zur Schuluntersuchung.
    Ist nunmal ein SEHR WICHTIGER Schritt für die Zukunft ... wenn nicht sogar der ENTSCHEIDENDE!

  3. 25.

    Auf jeden Fall schon mal die zuständige Grundschule anrufen und den Rückstellungswunsch dort mitteilen. Falls das Schul Sekretariat nicht weiterhilft - was unwahrscheinlich ist, aber manchmal vorkommt- sich dort die Nr. vom Bezirklichen SIBUZ geben lassen und dort schnell anrufen, weil es dauern kann, bis man einen telefonischen Beratungstermin bekommen kann (chronisch unterbesetzt). Oder einfach Googeln: Senatsverwaltung für Bildung> SIBUZ > Bezirk xy

  4. 24.

    Einfach der falsche Arzt...schnell einen besseren suchen. Mit Kinderschutz hat das nichts zu tun, dafür ist das Jugendamt zuständig.

  5. 23.

    Die Ärzte des KJGD haben im Frühjahf i tfndiv in der Kontaktverfolgung gearbeitet, Schulen unterstützt bei der Imsetzung des Hygieneplans, wie immer Kinderschutzmeldungen von vernachlässigten und misshandelten Kindern mitbearbeitet, Eltern und Schulen bezüglich. Vorerkrsnkter und gefährdeter Kinder in der Pandemie beraten und seit Ende Dez. in den Heimen, die vom Bezirk betrieben werden, geimpft sowie in den Impfzentren gearbeitet.

  6. 22.

    Auch Kinderärzte impfen in den Impfzentren.
    Sind ja sozusagen Impfspezialisten.

  7. 21.

    Helfen die Ärzte in den Impfzentren oder im Krankenhaus oder ...?
    Haben Sie vielleicht nähere Informationen?
    Danke im Voraus

  8. 20.

    Das Problem ist aber, dass meist ein Teil der Ärzte für die Pandemie versetzt wurde und es zu viele offene Stellen gibt. Hätte der Artikel tatsächlich mal mit aufgreifen können. Somit könnte man den Eindruck bekommen dort wurde nicht gearbeitet.

  9. 19.

    Stimmt leider auch nicht ganz: habe Anfang des Jahres versucht, für meine Kinder Termine für die Vorsorgeuntersuchung zu bekommen. Aussage vom Kinderarzt: „wegen Corona gibt es dafür gerade keine Termine. Wann es wieder welche gibt, ist nicht bekannt. Ansonsten müssen die Untersuchungen halt ausfallen“

    So viel zum Thema Kinderschutz!!

  10. 18.

    Es ist einfach nur fürchterlich!
    Warum kann die Bundeswehr nicht mehr in Gesundheitsämtern helfen, damit diese m.E. wichtige Untersuchung stattfinden kann und MUSS?
    Gerade in diesen Zeiten ist es doch für einige Kinder wichtig, dass einmal ein "Familienfremder" auf das Kind schaut.
    Es wird teilweise von schweren und schlimmen Verhältnissen in Familien gesprochen. (Kinderschutz, Vernachlässigung ...)
    Diese Untersuchung könnte evtl. auch dem einen oder anderen Kind durch einen geschulten Blick helfen!
    Frau Scheeres, tun Sie endlich etwas und labern nicht immer nur: Die Kinder sind uns wichtig!!!!

  11. 17.

    Für mich unbegreiflich warum keine Vorschuluntersuchungen stattfinden können. Jeder andere Arzt untersucht auch weiterhin. Aber das sind Ämter und da gibt es wieder Ausnahmen. Nur noch furchtbar diese Unterschiede.

  12. 16.

    Gerade jetzt ist es umso wichtiger diese Untersuchungen zu machen. Genau um solche "Defizite" aufzudecken und zum einen die Kinder, die noch nicht schulfähig sind zu schützen, aber auch die Schulen (Lehrer*innen und Erzieher*innen) zu schützen. Viele Kinder hätten erhöhten Förderbedarf, den muss man allerdings beantragen. Dann gibt es extra Stunden. Ob dann auch immer Personal da ist, ist eine andere Frage. Fakt ist, dass plötzlich Kinder "auffallen" und ein Unterricht kaum möglich ist, weil man sich zu intensiv um die förderbedürftigen Kinder kümmern muss.

    Ich frage mich auch, wo das Problem sein soll? Wie schon geschrieben wurde, zum Kinderarzt gehen wir auch und das mit Maske, aber ohne Glas...

  13. 15.

    Danke für diesen Beitrag. Ich Schule mein kind wohl im August ein. Sie bringt die sogenannte kognitiven Voraussetzung mit, das wurde bereits in der letzten U- Untersuchung festgestellt. Die hatte der Kinderarzt bereits erweitert durchgeführt, weil er wohl im letzten Jahr schon seine Erfahrungen gemacht hatte. Sie ist aber wahnsinnig schüchtern, bekommt den Mund nicht auf und traut sich nichts zu sagen, wenn sie ein Anliegen hat. Beispielsweise hat sie sich auf einen Spaziergang mit der Kita in die Hose gepullert, weil sie sich nicht traute, mitzuteilen, dass sie mal muss. Die insgesamt 6 fehlenden Monate Kita in den letzten 12 Monaten, machen es nicht besser! Ich möchte sie eigentlich erst mit sieben einschulen, würde mich freuen, wenn man hier einfach mal dem Bauchgefühl der Eltern folgen würde.
    Aber unser Untersuchungstermin wurde abgesagt. Bezüglich eines neuen Termins, sollte ich im Internet schauen- alle Terrmine vergeben?!?! Ans telefon geht niemand!
    Und jetzt????

  14. 14.

    Die Kinderärzte in den Gesundheitsämtern haben aktiv als Mediziner in der Pandemie unterstützt. Zum Beispiel wurden in Alten- und Pflegeeinrichtungen die Patienten geimpft ... noch Fragen?

  15. 13.

    Diese Einschulungsuntersuchungen sind doch nur ein kleiner Baustein, um Kinder einzuordnen. Zumal hier nur auf körperliche Entwicklung und einige Fähigkeiten eingegangen wird. Wie lange dauert so eine Untersuchung? 20 min?
    Das Ganze sollte an der Stelle nicht dramatisiert werden. Wenn Kinder in ihrer Entwicklung nicht ins Raster passen, kann das viele Ursachen haben, die auch schon in den ersten 5 Jahren u.a. von Kinderärzten, Erziehern und Eltern diagnostiziert werden können. Ob ein Kind innerlich bereit ist, können doch meist nur Menschen beurteilen, die das Kind regelmäßig sehen.
    Kinder aus bildungsfernen Schichten werden es bei durchschnittlicher Intelligenz immer schwerer haben im Vergleich. Das ist traurig, daran sind aber nicht fehlende Einschulungsuntersuchungen schuld, sondern mangelnde Förderung vor der Einschulung und in der Schulzeit.
    Vielleicht ist Corona ja nur die Lupe, mit der man vorhandene Mängel schärfer sieht.
    Es gab ja mal vor gar nicht langer Zeit Vorklassen. Diese abzuschaffen, ist in meinen Augen ein bildungspolitischer Fehler gewesen. Deren Aufgabe können weder Kita noch Schule auffangen.

  16. 12.

    Bildung wird eh überschätzt. Wir haben uns jetzt so überschuldet und sind bei digitalisierung so weit abgehängt... die Zukunft ist eh verloren für Deutschland

  17. 11.

    Es ist nicht zu fassen: alle Arztpraxen arbeiten, auch die Kinderärzte betreuen ihre Patienten - warum arbeiten die Schulärzte nicht oder weniger? Was ist so schwer daran, eine Plexiglasscheibe aufzustellen, Mundschutz zu tragen und zwischendurch den Tisch abzuwischen? Ein Termin- und Einladungssystem gibt es ja. Ich kann mich 2015 und 2017 nicht an überfüllte Wartezimmer erinnern.
    Corona ist keine Entschuldigung für die Trägheit der Ämter!!! (ich arbeite selbst in einem)

  18. 10.

    all das wird sich in den nächsten Jahren auf die Gesellschaft auswirken. Da wird man sich dann die Frage stellen müssen ob es das Wert war dieses Problem seitens der Politik mit Ingnoranz zu begegnen.

  19. 9.

    Leider gibt es das Problem der späten oder verspäteten ( in den Sommerferien) seit bald 20 Jahren. Es begann unter den 2 Senatorinnen der Linken Fr. Knaacke- W. und Frau Lompscher, wurde dann unter Herrn Czaja CDU wieder etwas besser und unter Frau Kalayci SPD auch etwas besser. Offentsicchtlich hatten beide dich bei Senfin um bessere Stellenausstattung für die bezirklichen Gesuämter bemüht. Aber jeder Bezirk setzt es anders um.
    Die starke Verschlimmerung durch Corona ist entsetzlich für Kinder und Schulen, aber nicht derjetzigen Senatorin zuzuschreiben. Für die Organisation im Gesuamt ist der Bezirk zuständig.
    Jetzt die Arbeit den SIBUZ aufzuhalsen, die ganz andere Aufgaben haben und seit ihrer Gründung überlastet und minder ausgestattet sind , ist allerdings wieder ein Zeichen für die Unkenntnis von Frau Bildungssenatorin über die Abteilungen und Aufgaben ihrer Behörde.

  20. 8.

    Hm das Weihnachtssyndrom..... kommt ja auch jedes Jahr völlig überraschend.

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