Archivbild: Blick auf den Eingangsbereich des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. (Quelle: dpa/L. Ferstl)
Video: Abendschau | 22.04.2021 | T. Schmutzler | Bild: dpa/L. Ferstl

Umstellung auf RKI-Daten - Berlin will Corona-Fälle künftig anders zählen

Die Bundes-Notbremse ist Gesetz: Ab einer bestimmten Corona-Inzidenz müssen künftig in ganz Deutschland bestimmte Maßnahmen in Kraft gesetzt werden. Aber welche Zahlen gelten nun? In Berlin wird nämlich anders gezählt als im Bund. Das soll sich jetzt ändern.

Berlin will die Corona-Inzidenzzahlen auf die Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) umstellen. Das bestätigte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag dem rbb. Momentan nutzt das Land eigene tagesaktuelle Zahlen und veröffentlicht sie im Lagebericht der Gesundheitsverwaltung.

Die Corona-Inzidenzzahlen des Landes und die des RKI weichen allerdings voneinander ab: Aktuell nennt die Gesundheitsverwaltung eine Sieben-Tage-Inzidenz in Berlin von 150, das RKI dagegen von 134 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner.

Grund dafür ist, dass positive Testergebnisse erst mit Zeitverzögerung bei den Landesbehörden und dem RKI bekannt werden. Wenn zum Beispiel an einem Dienstag ein Fall am Nachmittag gemeldet wird, aber erst am nächsten Morgen, also Mittwochmorgen, weiter übermittelt wird, kann dieser Fall in Daten zum aktuellen Tag, hier also Dienstag, nicht auftauchen. Der Berliner Senat versucht dies auszugleichen, indem er seine Inzidenzberechnung mit einem Tag Zeitverzug macht.

Der bisherige aktuelle Inzidenzwert basiert also auf den Fällen, die bis zum Vorabend gemeldet und bis zum heutigen Tag übermittelt wurden. Dadurch ist dieser Inzidenzwert zwar leicht veraltet, aber basiert auf vollständigeren Daten.

Das RKI dagegen rechnet auch den heutigen Meldetag voll ein. Das führt, vereinfacht gesagt zu einer Art 6,5-Tage-Inzidenz, da die Fälle fehlen, die spät am Nachmittag gemeldet, aber noch nicht weiter übermittelt wurden.

Senatskreise: Anpassung ist notwendig

Die unterschiedliche Zählung könnte jetzt größere Konsequenzen haben, denn für die bundeseinheitlichen Maßnahmen der so genannten "Bundes-Notbremse" werden die Zahlen des RKI zu Grunde gelegt. So soll es beispielsweise an Schulen ab einer Inzidenz von 165 keinen Präsenzunterricht geben.

"Insofern müssen wir – schon wegen der Vergleichbarkeit der Maßnahmen in den Bundesländern – auch umstellen auf die Zahlen vom RKI", sagte der Regierende Bürgermeister Müller.

Sendung: Inforadio, 22.04.2021, 20 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

36 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 36.

    Ganz toll lieber Senat (Sarkasmus)
    Auch die Bundesnotbremse bedeutet nicht, dass man die Eindchränkungen, wie z.B. die Ausgangsbeschränkung, wieder von 21.00 auf 22.00 runter setzen muss. Größere Einschränkungen dürfen trotzdem bleiben.
    Auch nehmen nicht alle Landkreise und Städte die Zahlen des RKI, siehe z.B. Hamburg. Aber warum sollte man sich in Berlin durchsetzen wollen.
    Dieser Senat ist einfach nur ein Trauerspiel.

  2. 35.

    Die Aussage, dass das RKI eine Art 6,5-Tage-Inzidenz berechnet, empfinde ich als Herabsetzung. Das RKI verwendet die ihm bis 23:59 Uhr übermittelten Fälle. Das sind die Fälle, die für den gesamten (gestrigen) Tag übermittelt wurden. Damit ist nach meiner Auffassung auch der gesamte gestrige Tag erfasst und die richtige Basis für die 7-Tage-Inzidenz. Eine Inzidenzberechnung unter Ausschluss des gestrigen Tages halte ich für eine Fälschung - sorry für den harten Begriff - wenn nicht der genaue Zeitraum der 7-Tage-Inzidenz jeweils deutlich angegeben wird. In meiner Naivität gehe ich davon aus, dass auch der Berliner Lagebericht nach dem Eintreffen aller Meldungen der bezirklichen Gesundheitsämter erstellt wird, zumindest erweckt der Berliner Lagebericht mit seinem späten Erscheinen am Nachmittag/teilweise frühen Abend den Eindruck.

  3. 34.

    Danke Ihnen für den Hinweis. Sie haben Recht. Wir hatten uns die Erläuterung des Senats natürlich angeschaut, aber da etwas durcheinander geworfen. Die Inzidenzen sind, wie Sie richtig sagen, sowohl bei Senat als auch RKI basierend auf dem Meldedatum. Hier ist der Unterschied das Zeitfenster. Die aktuellen Fallzahlen basieren wiederum auf dem Berichtsdatum. Wir haben es entsprechend präzisiert und korrigiert.

  4. 33.

    Wir werden die nächsten 10 Jahre noch viel Spaß im Lockdown haben.

  5. 32.

    Eben - und diese Zahlen haben ja Folgen!! Und doch präsentierte Berlin immer wieder seine eigenen, natürlich ganz "aktuellen" Zahlen, die immer höher als die vom RKI lagen.
    MIt "zwei Tage später melden" ist das eigentlich ja auch nicht erklärbar, aber was soll's, nun ist die Sache ja endlich mal geklärt, und nicht jeder kann einfach so auf seinen eigenen Zahlen beharren...

  6. 31.

    "Leider entsteht "der weite Weg" beim Senat oft aufgrund von Sturheit, Ignoranz und Inkompetenz... "
    ... und belegt damit die Tatsache, das der Affe sich vom Menschen unterscheidet. Bei ersterer Gattung haben die doofesten am wenigsten zu melden.
    Sorry wegen der Weiterführung ;-) - es bot sich an.

  7. 30.

    Der Artikel enthält leider einen entscheidenden Fehler. Das LAGeSo basiert die Berechnung der 7-Tage Inzidenz, ebenso wie das RKI, auf dem Meldedatum. Ein kurzer Blick in den Info-Tab des öffentlichen Lageberichts hätte genügt. Der Unterschied zwischen der vom RKI und dem LAGeSo berechneten Inzidenz beruht vielmehr auf dem unterschiedlichen Zeitpunkt für die Berechnung. In der Konsequenz liegt die 7-Tage Inzidenz des LAGeSo höher und somit näher an der tatsächlichen 7-Tage Inzidenz als die des RKI. Liebe Kolleg/innen des rbb: bitte recherchiert eure Artikel gründlicher.

  8. 29.

    Wer sich mit den Zahlen des RKI genauer befasst, wird feststellen, dass die Meldungen durch die LGAs, Ärzte, Krankenhäuser usw. zu einem beträchtlichen Teil mit sehr großer Verspätung erfolgen. Wirklich aussagekräftig sind die Inzidenzen und Meldezahlen erst nach 2-4 Wochen. Die täglich Anzahl der reinen Meldungen ist ebensowenig aussagekräftig wie die Inzidenz für die Entwicklung der Pandemie.

  9. 28.

    Ich versuche es nochmals, meine gestrige Frage wurde nicht freigegeben: mit der Umstellung würde das Nachmelde-Chaos dann entfallen? Also wenn 2 Wochen nach Weihnachten an einem Tag für die Weihnachtszeit endlos nacherfasst wird und deswegen die gesamte Infrastruktur runtergefahren wird, weil Inzidenzen überschritten werden, das würde wegfallen, weil die Nachmeldungen einen Zeitraum älter als eine Woche beträfen?

    Und der Bürger wüsste dann die ECHTEN Neuinfektionen am Tag, also was wirklich los ist, und nicht, was vor 10 Tagen liegen blieb?

    Das wäre ein Riesenschritt!

  10. 27.

    Ach, das ist ja prima, für Unterhaltung ist also weiterhin gesorgt! Die muntere Selbstverarsche geht demnach weiter. Wurde hier bei der neuen Gesetzgebung vergessen, das Hintertürchen einzubauen, um die gerade aufgestellten Regeln direkt wieder zu umgehen?
    Zum Totlachen! Wohl auch die bessere Alternative, als sich den Tod per Coronaverendung zu holen.
    Will hier irgendjemand ernsthaft den Kampf gegen die Pandemie gewinnen odet geht es tatsächlich nur um den Gewinn von Wählerstimmen????
    Es ist nur noch blamabel ... beängstigend blamabel!

  11. 26.

    Ihre Frage hätten sie sich mir zwei bis drei Klicks selbst beantworten können. Gehen Sie doch einfach mal auf die Seite des RKIs und schauen nach, was es dort für Zahlen gibt. Dann werden Sie feststellen, dass dort die Bezirke Berlins ebenfalls aufgeführt sind.

  12. 25.

    Da hat Berlin also auch mal ausgeschlafen und zählt nun wie eigentlich schon lange vorgegeben ist.
    Wie es allerdings dazu kommen kann, dass erst nach 8 Tagen gemeldet wird, ist bei der Vorgabe einer 7-Tages-Inzidenz unverständlich.

  13. 24.

    Wer ein positives Testergebnis hat und dieses in der Schule meldet, der wird nochmals mittels PCT-Test getestet um das Ergebnis des Selbsttests zu verifizieren. Außerdem würde eine 14-tägige Quarantäne angeordnet. Das macht keinen Spaß. Wer sich also fälschlicherweise und vorsätzlich positiv meldet, tut sich keinen Gefallen. Also Vorsicht vor solchen Aussagen.

  14. 23.

    Ich hatte schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die VERBINDLICHEN Zahlen als Basis für die Handlungsrichtlinien der Corona-Verordnungen vom Robert-Koch-Institut bereitgestellt werden. Die Landesbehörden sollten dafür keine Eigenberechnungen verwenden.
    Da wir gerade wieder ein starkes Wachstum der Fallzahlen erleben, kommt es umso mehr auf Korrektheit und Einheitlichkeit an, vor allem wenn man die "3-Tage-in-Folge"-Regeln betrachtet.
    Nicht umsonst wird das RKI als Bundesbehörde deshalb im Infektionsschutzgesetz als OFFIZIELLE Quelle benannt.

    "Spät kommt Ihr – Doch Ihr kommt! Der weite Weg, Graf Isolan, entschuldigt Euer Säumen."
    (aus "Die Piccolomini", Freidrich Schiller)

    Leider entsteht "der weite Weg" beim Senat oft aufgrund von Sturheit, Ignoranz und Inkompetenz...

  15. 22.

    Die beste Maßnahme im Kampf gegen Corona, die wir je hatten.
    Schön, dass Berlin wenigstens noch rechnerisch richtig in den Untergang rauscht.

  16. 21.

    Finde ich gut! Zahlen sind manipulierbar, aber auch in die andere Richtung. Wenn die Schüler keinen Bock auf Unterricht haben testet man sich auf infiziert. Und juchuh! Morgen fällt die Schule aus.

  17. 20.

    Na endlich, wurde auch Zeit. Ich schau ohnehin schon lange nur noch bei spektrum.de, wo die RKI-Zahlen für Berlin angeben werden.
    Wobei es ja ohnehin sinnvoller wäre, die Betten- und Intensivbettensauslastung wenigstens mit einzubeziehen in irgendwelche Maßnahmeregelungen, statt die Inzidenzen (die dann ja eben auch unterschiedlich ausgegeben werden je nach Quelle und Auswertverfahren) und dann auch noch scheinbar oder anscheinend willkürlich gewählte Höhen (also 100, 165, 200 usw.) als einzige Grundlage zu nehmen.
    Wobei dann natürlich auch wichtig wäre, nicht importierte Patienten in die regionale Statistik einfließen zu lassen.
    Es ist echter Wahnsinn, dass auf Grundlage von dermaßen viel Schwammigkeit so einschneidende Regelungen beschlossen werden.
    Man gewinnt den Eindruck, dass da wirkich nichts mehr wissenschaftlich dran ist, sondern nur noch gewürfelt wird, bzw. rein poltisch gehandelt wird.

  18. 19.

    Gibt es schon länger, Zahlen nach RKI-Standard:
    https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-aktuelle-zahlen-der-pandemie/

    Weicht immer von den Zahlen auf Berlin.de ab.

  19. 18.

    Na also... Seit Wochen bemängelten Leser hier, dass Berlin sich nach seinen eigenen Zahlen richtet, die mit den RKI-Zahlen immer herzlich wenig zu tun hatten! Und wenn man dann bedenkt, dass diese Zahlen ja mitunter schwerwiegende Auswirkungen haben...
    Wobei man sich als Laie ja sehr wunderte, warum denn Berlin seine eigenen Zahlen nicht noch am Abend genauso an das RKI weitergab.
    Warum mitunter offenbar erst Tage später gemeldet wurde, verstehe ich nach wie vor nicht - aber offenbar war es nicht so wichtig und die Lage somit dann doch nicht so ernst...

  20. 17.

    Mensch, das ist ja super praktisch, wenn das Versagen der Verwaltung (verspätete Meldungen) gleich noch dazu dient, das Versagen der Regierung (Gefährdung von Leib und Leben in der Schule) zu rechtfertigen! Die Corona Ampel steht durchaus mit guten Grund ab einer Inzidenz von 35 auf rot (erinnert sich da irgendwer in der Regierung dran?) - und die Regierung so: Hmmm, was könnten wir noch tun, um uns bei 5 Mal so hohen Inzidenzen vor den notwendigen Konsequenzen zu drücken? Die SPD scheint wirklich sehr dringend unter die 5% Hürde fallen zu wollen im Herbst ...

Nächster Artikel