Kabinettsbeschluss - Brandenburger Schulen kehren zum Präsenzunterricht zurück

Symbolbild: SchülerInnen einer Grundschule sitzen während des Unterrichts in einem Klassenraum. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Video: Brandenburg Aktuell | 25.05.2021 | I. Alboga | Bild: dpa/P. Pleul

Noch vor den Sommerferien kehren die Schulen in Brandenburg zum Präsenzunterricht zurück: zuerst die Jüngeren, dann die Älteren. Eine Absprache mit Berlin, das am Wechselunterricht festhält, ist offenbar gescheitert.

Die Grundschulen in Brandenburg können ab kommender Woche Montag (31. Mai) wieder vollständig zum Präsenzunterricht zurückkehren. Das hat die Landesregierung am Dienstag mitgeteilt. Die weiterführenden Schulen sollen dann ab 7. Juni öffnen. Voraussetzung für die Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen ist eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 über drei Tage in Folge, wobei alle Wochentage zählen.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) nannte den Beschluss eine "erfreuliche Entscheidung" für Kinder und Familien. "Die Türen und Tore der Schulen werden sich wieder öffnen." Es seien zwar nur noch wenige Wochen bis zu den Ferien; man gehe diesen Schritt trotzdem, um den Schülerinnen und Schülern noch vor den Sommerferien die Chance zu geben, sich nach einer langen Zeit der Einschränkungen wieder in der ganzen Gruppe wiederzusehen.

Keine gemeinsame Regelung mit Berlin

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) räumte ein, dass es auch dieses Mal keine gemeinsame Regelung mit Berlin gibt. "Meistens gelingt es, aber leider nicht immer", sagte Woidke. Zuvor habe er mehrfach mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der Sache gesprochen. Der Berliner Senat hält bislang daran fest, erst nach den Sommerferien zum Präsenzunterricht zurückkehren zu wollen.

Doch genau dieser Präsenzunterricht sei vor allem für Grundschüler wichtig, die nach monatelangem Wechselunterricht bald auf die weiterführenden Schulen wechseln werden, sagte Bildungsministerin Ernst. Dabei gehe es nicht nur darum, dass verpasster Schulstoff aufgeholt werde: Im Mittelpunkt müsse auch stehen, dass die Schülerinnen und Schüler wieder soziale Kontakte pflegen können. "Der Lockdown ist nicht spurlos an Kindern und Jugendlichen vorbeigegangen", betonte Ernst.

Allerdings gelte weiterhin die Testpflicht, um am Präsenzunterricht teilzunehmen. Eltern, die keinen negativen Testnachweis erbringen können oder wollen, "deren Kinder gehen in den Distanzunterricht", sagte Ernst.

Kitas zurück in Regelbetrieb

Ebenfalls geöffnet wird die Hortbetreuung, außerdem sind ab kommender Woche eintägige Wandertage und Exkursionen wieder erlaubt. Auch der Ferienhort werde im gewohnten Umfang angeboten, sagte Ernst.

Die Kitas sollen ebenfalls zur Regelbetreuung zurückkehren, sagte Ernst. Der Apell an Eltern, ihre Kinder nur in die Kita zu geben, wenn keine andere Betreuung möglich ist, werde auslaufen.

Neben den Öffnungen im Schulbereich kündigte die Brandenburger Regierung weitere Lockerungen ab dem 3. Juni an - vor allem in den Bereichen Sport, Gatsronomie und Beherbergung.

Freude und Skepsis

Die Entscheidung zur Rückkehr zum Präsenzunterricht noch vor den Sommerferien traf in Brandenburg auf geteiltes Echo.

Lars Schulz beispielsweise, ein Sechstklässler an der Georg-Klingenberg-Schule in Brandenburg an der Havel, sagte dem rbb, er freue sich darauf, alle seine Klassenkameraden bald wiederzusehen. "Distanzlernen war nicht cool. Man ist immer wieder aus dem Stoff gekommen, da macht das Lernen auch keinen Spaß." Für ihn ist es das letzte Jahr an der Grundschule, der Wechsel an ein Gymnasium steht bevor. "Ich würde mich super freuen auf die anderen, auch so kurz vor den Sommerferien", sagt der Schüler. Genauso sieht es auch die zwölfjährige Melina: "Es war zu lange, und komisch, eine Woche in der Schule zu sein und dann wieder allein zu Hause."

Sabine Specker, die Leiterin der Georg-Klingenberg-Schule, zeigte sich skeptischer. "Das bedeutet, dass wir mit einem Schlag 270 Kinder in der Schule haben werden", sagte sie dem rbb. Das Lernverhalten der Kinder werde sich ändern, zudem komme auf die Lehrkräfte noch einmal viel Mehrarbeit zu, weil alle Abläufe neu geplant werden müssten. Dennoch werde man die Herausforderung annehmen, sagte Specker. "Die Sicherheit und Bildung unserer Kinder ist für uns das Wichtigste."

Deutlich zurückhaltender äußerte sich der Leiter der Werner-von-Siemens-Oberschule in Gransee, Reinhard Witzlau. Er verstehe die Sehnsucht der Schüler, wieder gemeinsam Schule zu erleben. Aber gerade an seiner Schule, mit ihren engen Räumen, würden sich Fragen zu Abstands- und Hygieneregeln stellen. Auch die Tests würden nicht reichen, ein Drittel seiner Lehrkräfte sei noch nicht geimpft. "Ich fände es sinnvoller, das Schuljahr jetzt im Wechselunterricht zu beenden und zu analysieren, was wir fürs neue Schuljahr brauchen." Im Mittelpunkt stehe die Impfung von Kindern und Jugendlichen, sagte Witzlau. "Damit wir hoffentlich am 9. August im Präsenzunterricht starten können."

Kritik vom Schüler- und Pädagogenverband

Der Landes-Pädagogenverband erklärte am Dienstag, die Regierung riskiere mit diesem Schritt die Gesundheit der nicht vollständig geimpften Lehrer und der noch nicht geimpften Schüler. Zudem könne durch die Öffnung die Zahl der Corona-Fälle wieder zunehmen - damit werde auch der Sommerurlaub von Familien gefährdet. Man hätte das Schuljahr mit dem Wechselunterricht beenden sollen.

Auch der Brandenburger Landesschülerrat sprach sich gegen die vollständige Rückkehr zum Präsenzunterricht aus. Es fehle an Impfangeboten für Schülerinnen und Schüler, hieß es. Auch wenn viele unter der derzeitigen Isolation litten, gehe der Schutz der Lernenden vor.

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60 Kommentare

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  1. 60.

    Ich glaube nicht, dass ich das überdramatisiere. Haben Sie Kinder im Grundschulalter? Kennen Sie Kinder, die enorm unter der Situation leiden? Kennen Sie von den Kindern die häuslichen Gegebenheiten? Kennen Sie die Leben der Kinder? Ich kann nur von dem Bruchteil ausgehen, den ich kenne. Aber da ist nix überdramatisiert. Gewalt gegen Kinder nimmt zu. Vereinsamung, Ängste und und und. Lesen Sie bitte auch Berichte darüber. Danke

  2. 59.

    Na, dann warten wir mal wieder bis Sonntag Abend auf Anweisungen/Mail von Frau Ernst... Schön sowas immer wieder aus den Medien zu erfahren, obwohl... eigentlich ist ja alles wie immer, wieso wundere ich mich überhaupt?

  3. 58.

    Frau Ernst setzt sich nicht für die Kinder ein, sie handelt unüberlegt und populistisch, dazu riskant und wenig sinnvoll - politisch eben.

  4. 57.

    Ich finde diesen Schritt für Brandenburg richtig und gut. Jeder Tag in der Schule zählt! Hochachtung Frau Ernst, dass Sie sich für die Kinder einsetzen. Als nächstes sollte in der Schule die Maske weg. Das darf auch nicht davon abhängen, ob Impfungen für Kinder möglich sein werden.

  5. 56.

    "Die Schulpflicht umfasst die allgemeine Schulpflicht und die Berufsschulpflicht. Sie ist durch den Besuch einer öffentlichen Schule oder einer staatlich anerkannten oder staatlich genehmigten Ersatzschule zu erfüllen. Die Schulaufsichtsbehörde kann eine Schülerin oder einen Schüler von der Schulbesuchspflicht befreien, wenn ein besonderer Grund vorliegt."
    SchulG Berlin §41(3)

    Rechtliche Schlüsse:
    A) Der Senat hat die massenhafte und monatelange Verletzung der Schulpflicht nach Satz 2 angeordnet, und zu verantworten.
    B) Der Senat hat zudem die in Satz 3 implizite Vorschrift verletzt, das Befreien von der Schulbesuchspflicht auf begründbare Sonderfälle zu beschränken. Der "Online-Unterricht" ist rechtlich dunkelgraue Zone!

  6. 55.

    "Die Regierenden dieser Stadt wollen scheinbar retardierte Kinder."

    Die Regierenden, egal wo, wünschen keine Bevölkerung die ihnen die Show stiehlt, oder sie auch nur durchschaut.

  7. 54.

    Die Schulen sind sicherer als voriges Jahr.... Wo denn Frau Ernst??? Mein Kind hat heute nicht mal Tests für morgen mitbekommen, eigentlich dürfte ich ihn dann morgen gar nicht in die Schule schicken....

  8. 53.

    Ganz genau meine Meinung. Ich sehe es bei meiner Tochter, 8. Klasse Gymnasium. Seit der Rückkehr zum Präsenzunterricht besteht der Lehrplan fast ausschließlich aus Tests und Klassenarbeiten - zu Themen, die sich die SuS selbstständig im Homeschooling erarbeitet haben. Es entsteht unnötiger Leistungs- und Notendruck! Hier geht es nicht um irgendwelche sozialen oder psychischen Faktoren oder darum, den Folgen der Pandemie für die Kinder und Jugendlichen gegen zu steuern, sondern nur darum den Rahmenlehrplan so weit wie möglich umzusetzen. Als wenn das jetzt oberste Priorität hätte. Vom (Nicht)Abstandhalten wollen wir erst gar nicht reden bei Klassen mit bis zu 30 SuS.

  9. 52.

    Ich finde das auch sehr leichtsinnig. Die letzten Wochen hätte der Wechselunterricht auch noch weitergehen können. In den letzten beiden Schulwochen passiert an den Schulen sowieso nicht mehr viel. Das weiß ich aus eigener Erfahrung als Lehrer. Wenn Frau Ernst uns versichert, dass an den Schulen viel passiert ist, dann frage ich mich was und wo? Meine Frau arbeitet noch an einer Grundschule und dort ist außer Testen, ein paar CO2 - Ampeln und drei Klimageräten nichts passiert. Sie hat das Glück zwei Impfungen bekommen zu haben. Das ist aber noch lange nicht bei allen Mitarbeitern so.
    So ist das eben, wenn man glaubt alles richtig zu machen um fehlerfrei zu sein. Das kann Frau Ernst nur zu gut.

  10. 51.

    Enger Kontakt in geschlossenen Räumen = Virusverbreitungsgebiet!!!

  11. 50.

    Was soll das, so kurz vor den Ferien sitzen wieder alle gemeinsam in einem Raum. Die Gefahr, dass sich jemand ansteckt bzw den Virus in die Klasse bringt, ist doppelt so groß. Und wenn der Fall Eintritt, dann darf der erste Teil der Sommerferien in Quarantäne verbracht werden! Super...In meinem Augen ist das eine unüberlegte und kurzfristige Entscheidung, die nicht zum Wohle aller beiträgt. Nach all den Monaten diffuser und teils unverständlicher Entscheidungen kommt es auf die 3 Wochen nun auch nicht mehr an. Und ganz ehrlich, in 3 Wochen schafft man wohl annähernd nicht das aufzuholen, was in den letzten Monaten verpasst hat. Und jetzt noch versuchen, möglichst viel Stoff und vielleicht auch noch Arbeiten und Tests zu schreiben, damit man Noten zusammen gekratzt bekommt kommt, stößt ebenso auf großes Unverständnis!

  12. 49.

    Also all jenen, die ihre ganze Hoffnung und Erwartung auf die Impfungen der Kinder stützen, empfehle ich die Sondersendung, die gestern um 20.15 Uhr im rbb lief. Danach sollte man diese Hoffnung wohl eher mit Vorsicht genießen. Und selbst wenn die Kinder dennoch geimpft werden können - dazwischen stehen immer noch die Eltern, die berechtigterweise mindestens skeptisch sind.

  13. 48.

    Mit der Entscheidung zum vollen Präsenzunterricht zurückzukehren, geht mein Kind genau 10 Tage mehr in die Schule, die parallel Gruppe 8 Tage.
    Außerdem hätte man die kleineren Lerngruppen hervorragend nutzen können, um einzelnen Kindern, wo es nötig ist, mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
    Also, was soll das? Damit man Kinos und Co öffnen kann?

  14. 47.

    Nein, das ist kein wahlkampftaktisches Thema, man muss, um das Schuljahr anzuerkennen, eine MINDESTANZAHL Stunden ANWESEND sein in der Schule. Das betrifft auch schwer kranke Kinder (Verkehrsunfälle, langwierige Behandlungen), die nicht VOR ORT erscheinen können - die können noch so spitzenmäßig sein, was Zensuren angeht - du musst ANWESEND sein. Das ist nicht geändert worden in den 1,5 Jahren Pandemie, und das sagt schon alles.

    Solange solche Sachen gelten, solange die Lehrpläne nicht auf Ma/Deu/Engl/Nawi zusammengestrichen werden, solange man nur lüftet, solange Lehrer sich der Digitalisierung verweigern, weil man ihre Glatze im Video sähe, ist Deutschland nicht zu helfen!

  15. 46.

    „Alle Menschen ( und das sind noch viele) die nicht geimpft sind müssen noch geschützt werden.“
    Es wird Menschen geben die sich nicht impfen lassen wollen.
    Es gibt Menschen die sich nicht für den Nabel der Welt halten und die nicht erwarten das die Welt sie beschützt.

  16. 45.

    Unseren Kindern ist nichts "angetan" worden. Sie sind Teil der Gesellschaft und diese steckt in einer Pandemie. Vieles ist nicht gut gelaufen, wird aber gerade von Leuten wie ihnen überdramatisiert. Ansonsten, hallte ich ihren Hinweis mit dem Kopf einschalten schon für gewagt. Da sie das bei sich vergessen zu haben scheinen.

  17. 44.

    Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen.
    Es gibt Klassen mit bis zu 30 Kindern und nun sitzen sie alle zusammen in einem Raum. Was ist mit den Abstandsregeln? Dazu kommt das noch nicht alle Lehrer durchgeimpt sind. Ich übrigens auch auch nicht. Ich bin Schulbegleiterin(Betreuung eines Kindes in einer Grundschulklasse) und bekomme einfach keinen Impftermin. Ich gehe mit einem unguten Gefühl ab nächster Woche zur Arbeit und hoffe das ich Gesund bleibe.Vielen Dank liebe Politiker!

  18. 43.

    Diese „erfreuliche Entscheidung“ ist wohl eher ein wahlkampfttechnisches Mannöver.

    Abgesehen davon, dass es wohl so kurz von den Sommerferien mehr als sinnlos ist. Schon vor Corona lief Wochen vor dem Schuljahresende nichts sinnvolles mehr.

  19. 42.

    Es gibt viele tolle Kommentare zu diesem Thema mit beidseitig sehr verschiedenen, aber respektablen Meinungen. Auch ich als Vater (eines inzwischen erwachsenen auf eigenen Füßen stehenden Sohnes) bin der Meinung, dass Erziehung und Bildung so gut wie möglich stattfinden muss! Dies allerdings nicht um jeden Preis ohne langfristige Perspektiven, -es ist aus meiner Sicht von der Politik her purer Aktionismus, kein Langzeitplan B... . Aber genau Langzeitpläne konkrete Vorgaben in den Lehrplänen, all das vermisse ich hier seitens der Politik. Öffnung der Schulen zu diesem Zeitpunkt bringt fast gar nichts, im Unterricht können nur jetzt noch Schwerpunkte insgesamt geklärt werden und einzelne Benotungen erfolgen. Der Preis dafür wird meiner Meinung nach sein, höhere Infekionszahlen und daraus folgende Restriktionen. Mehrmals habe ich hier bereits verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, aber sie werden nicht von der Politik aufgegriffen. Meines Erachtens nach, liegt es am Budget des Bildungsministeriums... Das Letzte (nicht ganz) ernst gemeint : Die Regierung des Landes Brandenburg sollte sich vielleicht in Sachen Schule als Modellregion bewerben, dann fließen auch vielleicht Fördermittel des Bundes...

  20. 41.

    OMG, wo war der Aufschrei als die Grundschulen in den Wechselunterricht gingen und die Klassen 7 - 9 zu Hause bleiben mussten?
    Das ist in Ihren Augen wohl in Ordnung!?

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