Unterschiedliche Zahlen - Nonnemacher hält Umfrage zur Impfquote für notwendig

Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Video: Brandenburg aktuell | 12.08.2021 | I. Alboga/A. Meyer | Bild: dpa/Soeren Stache

Brandenburg gehört zu den Schlusslichtern bei der Zahl der Geimpften. Doch nun sind widersprüchliche Angaben zu den Impfquoten bekannt geworden. Das RKI plant weitere Umfragen - wie es etwa die Brandenburger Gesundheitsministerin fordert.

Die Brandenburger Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat im rbb eine repräsentative Umfrage zum Impfstatus in Deutschland begrüßt. Man vermute schon seit längerer Zeit, dass es bei der Impfquote Ungenauigkeiten gibt, dass nicht alle Corona-Impfungen vollständig gemeldet sind. "Das kommt möglicherweise dadurch zustande, dass die elektronische Datenübermittlung an das Robert-Koch-Institut nicht immer gut funktioniert", so Nonnemacher am Donnerstag im Inforadio.

Gerade bei Impfmeldungen von Betriebsärzten gebe es Schwierigkeiten. Die seien noch nicht vollständig an das RKI-System angeschlossen. Nonnemacher befürwortet es daher, dass das RKI selbst noch einmal prüft, ob die Impfquoten vielleicht höher liegen.

Eine aktuelle RKI-Befragung hatte ergeben, dass womöglich mehr Erwachsene in Deutschland mindestens einmal geimpft sind als bislang offiziell erfasst. Der Unterschied ist demnach in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen besonders auffällig. Während bei der Umfrage 79 Prozent der Erwachsenen unter 60 Jahren angaben, mindestens einmal geimpft zu sein, waren es laut dem offiziellen Meldesystem nur 59 Prozent. Nach Einschätzung des RKI liegt die tatsächliche Impfquote vermutlich zwischen den beiden Werten.

RKI plant weitere Umfragen

Mittlerweile hat das Robert-Koch-Institut angekündigt, weitere Umfragen durchzuführen, um den Fortgang der Impfkampagne in Deutschland besser beurteilen zu können. Unter anderem sollen im frühen Herbst etwa 3.000 Menschen zu Impfbereitschaft und Akzeptanz befragt werden, teilte das Institut auf Anfrage mit. Die Ergebnisse der vorerst letzten vergleichbaren Umfrage mit rund 1.000 Teilnehmern, deren Ergebnisse am Dienstag vorgestellt wurden, hatten darauf hingewiesen, dass womöglich schon mehr Menschen eine erste Impfung erhalten haben als im offiziellen Meldesystem, dem Digitalen Impfquotenmonitoring (DIM), verzeichnet sind.

Das DIM speist sich aus Meldungen von Impfzentren, Krankenhäusern, mobilen Impfteams und mittlerweile auch Betriebsmedizinern, laut RKI fließen zudem Daten der niedergelassenen Ärzte und Privatärzte ein. Zusammen sind sie Grundlage für das sogenannte Impfdashboard, in dem werktäglich aktualisiert die Impfquoten abrufbar sind.

Divi-Präsident: Impfquote schnell prüfen

"Das Impfen ist der entscheidende Erfolgsfaktor der Pandemie. Wir müssen alles dafür tun, das Vertrauen in die Impfkampagne zu stärken", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Es sei deswegen wichtig, die vom RKI berichtete Differenz zwischen offiziellen Meldezahlen und Umfrageangaben bei der Impfquote der unter 60-Jährigen schnell durch eine unabhängige und repräsentative Umfrage zu prüfen. "Verlässliche Zahlen sind die Basis für die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen", sagte Marx. Sollte die Impfquote in der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen tatsächlich viel höher liegen als gemeldet, "hätten wir gerade mit Blick auf den Herbst eine viel entspanntere Lage".

Lauterbach sieht ebenfalls Handlungsbedarf

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält es ebenfalls für möglich, dass die Impfquote in Deutschland unterschätzt wird. Seine Beobachtung sei, dass sich die Impfzentren nicht mehr füllten, sagte Lauterbach den Funke-Zeitungen. "Das kann zwei Gründe haben, eine höhere Impfmüdigkeit oder dass die tatsächliche Impfquote höher ist als allgemein angenommen", erklärte er. Beides sei möglich.

Nonnemacher: "Es gibt keine Impfpflicht, das ist zu akzeptieren."

Gleichwohl räumte Nonnemacher ein, dass einige Menschen beim Thema Corona-Impfung schwer zu erreichen seien. "Wir haben natürlich in der Bevölkerung einen Anteil an Leuten, die sagen: Nein, ich lasse mich nicht impfen. Wir sind ein freies Land, die Leute müssen natürlich wissen, was sie tun, wir können sie nicht zwingen", erklärte Nonnemacher. "Es gibt keine Impfpflicht, das ist dann auch so zu akzeptieren."

Brandenburg liegt bei den vollständig geimpften Menschen mit 51,5 Prozent (Stand: 11.8.) auf dem vorletzten Platz der Bundesländer, hinter Thüringen und vor Sachsen. Die Ministerin sagte, dieses Phänomen gebe es schon sehr lange. "Das erfreut mich ja auch nicht. Die Kommunen machen Angebote und Angebote und wir müssen jetzt sehen, dass wir noch besser an die Noch-Zögernden rankommen."

Sendung: Inforadio, 12.08.2021, 08:40 Uhr

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66 Kommentare

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  1. 66.

    Auffrischung:
    Die Dauer des vollständigen Impfschutzes nach erfolgreicher Erstimpfung ist unbekannt. Aufgrund der historischen Erfahrungen ist jedoch von einer Impfschutzdauer von mindestens drei Jahren auszugehen. Bei Personen, die weiterhin der Gefahr einer Ansteckung mit Pockenviren ausgesetzt sind sollte daher nach Ablauf von drei Jahren eine Auffrischung in Erwägung gezogen werden.

  2. 65.

    Die Maßnahmen haben nichts mit der impfquote zu tun.
    Es zählt, trotz immer wiederkehrende Aussagen die Inzidenz soll nicht alleine zählen, alleine die inzidenz.
    Von einer impfquote ist auch im IFSG nichts zu sehen.
    Maßnahmen müssten aufgehoben werden wenn jeder ein Angebot zum impfen hatte, wurde mal gesagt aber das hat man inzwischen wieder vergessen…. wie die Sache … Friseure hätten aus heutiger Sicht nicht geschlossen werden müssen…

  3. 64.

    Vielleicht sind ja schon 80-90% geimpft !!!! Dann müssten ja alle Maßnahmen aufgehoben werden

  4. 63.

    Neue Zeitrechnung:
    Ferienende=Neue Deutsche Welle

  5. 62.

    Impfen ist doch bewusst ohne Pass beworben worden, wie soll da erfasst werden, wer geimpft wurde? Heute lasse ich mich für ne Bratwurst impfen, morgen dann ne Party-Nacht! Mich würde nicht wundern, wenn einige so leben zur Zeit. Das RKI erfasst bis heute nicht vollständig, einige Institute und Gesundheitsämter sind nicht angeschlossen an die Meldesysteme, einige Klinken melden nicht, usw.! Aber Lockdown für Ungeimpfte + Diskussionen über 2G für den entgültigen Gesellschaftsausschluss.

    Impfen gegen ne Bratwurst oder um Urlaub zu machen. Während in ärmeren Länder Menschen sterben, da es keine Therapien gibt und kein Impfstoff geliefert wird, gönnt man sich hier die 3. Runde Impfstoff. Umfragen statt ordentlicher Statistik. Soviel Solidarität und Professionalität ist ja kaum zu aushalten. ;-)

    Respekt erhält, wer Respekt verdient und bereit ist, anderen gegenüber Respekt zu zeigen. Nicht gerade eine ausgeprägte Fähigkeit der Regierungspolitiker und ihrer treuen Impflinge.

  6. 61.

    Viele Brandenburger haben sich anderswo impfen lassen, weil weder Frau N. noch später Herr S. die Impfung auf die Reihe bekommen haben. Wähle 116117! und Du hast keine Langeweile mehr. Die Impfquote wird allerdings kaum höher liegen als die jetzige, denn einer muss ja Schlusslicht sein und das ist nun mal Brandenburg. Nicht nur bzgl. der Impfquote.

  7. 60.

    "In Europa alle gleich arm ist auch ein Ziel. Reiche bleiben allerdings reich. Oder ?"
    Ich verstehe nicht, wie Sie in Beantwortung meines Post auf diese Frage kommen, vielleicht haben Sie mich missverstanden.
    "Arm" Reich" sind Zustände, die von vielen Kriterien abhängen, deren Untersuchung diesen Rahmen hier sprengen würden, so habe ich es nicht gemeint.

  8. 59.

    Habe es kürzlich schon mal gehört. Man macht es wie die Befrager und Hochrechner in Bezug auf Wahlergebnisse, Die Vorhersagen sind doch stets ziemlich genau. Wer es genauer haben wollte hätte rechtzeitig pingelich gearbeitet. Außerdem wäre es so leicht mit Digitaltechnik. Egal-ob grün rot oder schwarz. Die schwafeln davon nur und wir wissen wer uns regiert. Wenn man überall so arbeiten würde wäre es eine Katastrophe. Die kommt aber dennoch. In Europa alle gleich arm ist auch ein Ziel. Reiche bleiben allerdings reich. Oder ?

  9. 58.

    In was für einer Bananenrepublik leben wir eigentlich, jetzt kann man nicht mal verabreichte Impfspritzen zählen, bzw. in ein System eingeben, man kann sich nur an den Kopf fassen. Digitalisierung ist wohl nicht nur in Berlin ein Fremdwort in den Bezirken. Gestern Abend habe ich von einem Bekannten gehört, Ministeriums Mitarbeiter, die wurden als Betriebsimpfung, bei der Bundeswehr geimpft, die Zahlen werden auch nicht ans RKI übermittelt, man fasst es nicht.

  10. 57.

    Fein, dann stützen wir uns in Zukunft bzgl. der Maßnahmen einfach auf Umfagen. Eine jetzt und eine im Dezember. Bis dahin machen wir ungefähr so weiter, nur schlimmer. Einen Überblick hat eh keiner (mehr).

    Eine spannende Frage ist auch auch die Anzahl der Genesenen MIT PCR-Nachweis und die OHNE Nachweis, die genauso behandelt werden, wie Ungeimpfte. Zu letzteren sagt das Bundesgesundheitsministerium: "Der Bundesregierung liegen keine derartigen Schätzungen vor und auch keine hinreichend belastbaren Daten, um eine entsprechende Schätzung vorzunehmen.“

  11. 56.

    Wie soll denn diese Umfrage eigentlich praktisch vonstatten gehen?
    Klingelt wer an den Haustüren :-) ?

  12. 55.

    Ich glaube, so einfach ist es bei den Impfstoffen leider nicht
    Bei Biontech wurde doch in der ersten Zeit 5 Dosen aus einem "Fläschen" gezogen, später teilweise sechs.

    Mir stellt sich die Frage:
    Warum hat die KV nicht die Zahlen?
    Spätestens in der Quartalsabrechnung einer Praxis steht doch die Anzahl der Impfungen, da diese ja wohl abgerechnet werden.
    Und dies ist doch bei Betriebsärzten und in Impfzentren sicherlich auch nicht anders, oder?

    Manchmal hilft m.E. die "vielgepriesene Transparenz" auch nicht, macht nur noch wirrer und wütender und spielt auch einigen Leute sehr gut in die Hände.

  13. 54.

    1 mal 1 der Wirtschaft:
    Ich habe 1000 Artikel beim Hersteller eingekauft,davon habe ich 700 verkauft, bleiben 300 im Bestand.
    Das geht nicht bei den Impfstoffen den *Ist Bestand* abzufragen und die Impfquote zu ermitteln?
    Man nennt das auch Inventur.
    Scheinbar werden alle Zahlen gewürfelt und jeder darf mal.

  14. 53.

    Das ist überhaupt nicht schwer. Es war von Anfang an klar, dass die Anzahl der nötigen Impfungen für einen vollständigen Schutz je Impfstoff unterschiedlich sein kann. Es hätte nur ein zusätzliches Feld „vollständiger Impfschutz“ gebraucht. Die Anzahl der Impfungen ist eigentlich total egal.

  15. 52.

    Viele Kollegen und deren Angehörige aus Brandenburg haben es geschafft sich in Berlin impfen zu lassen, weil Brandenburg nichts auf die Reihe kriegt. Wer weiss wo die Daten gelandet sind. Selbst der Impfstelle bei Ikea scheint es egal zu sein aus welchem Bundesland man kommt, gut so! Eine Bekannte aus NDS hat dort ihre Zweitimpfung ohne Probleme abgeholt.

  16. 51.

    "Besser machen, nützlich sein, anpacken, dann kommentieren."
    Machen Sie's doch mal konkret!

    Sie kommentieren hier, also:
    Was machen Sie konkret besser?
    Wo konkret sind Sie nützlich?
    Wo konkret packen Sie mit an?

  17. 50.

    Wieso werden Impfungen von Hausärzte und so weiter nicht mit gezählt? WER IST DAFÜR verantwortlich?

  18. 49.

    Für die Pockenimpfung gibt es auch eine Empfehlung zur Auffrischung, allerdings wohl nur einmalig, für die die überhaupt noch geimpft wurden.

  19. 48.

    Irgendwer bezahlt die Impfungen und irgendwer möchte die Impfung bezahlt haben. Meines Wissens nach ist das der Bund aus Steuergeldern. Welche Stelle auch immer die Zahlungen ausführt, müsste wissen, für was er Geld anweist.
    Aber auch bei den Tests war schon keine Kontrolle eingebaut.

  20. 47.

    "Da bekommen in Deutschland die Verantwortlichen es nach Monaten der Pandemie nicht hin ein zuverlässiges Programm zu installieren wo jeder Arzt, der am impfen teilnimmt."
    Und warum bekommen Sie es nicht hin?

    Weil man nicht denken kann, trivial formuliert.

    Man ist nicht in der Lage einfache komplexe Sachverhalte logisch zu durchdenken und analytische aufzuarbeiten. Man ist also für die Funktion ungeeignet.

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