Modellprojekt - Brandenburg plant Lolli-Tests in Schulen

Eine Schülerin der Klasse 3a der Maria-Kunigunda-Grundschule in Essen-Karnap macht am 10.05.2021 den Lolli-Test. (Quelle: dpa/Roland Weihrauch)
Bild: dpa/Roland Weihrauch

Brandenburg plant ein Modellprojekt für Lolli-Tests in Schulen. Man wolle mit den Lolli-PCR-Tests Erfahrungen sammeln, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Potsdamer Landtages. Bisher kommen Antigen-Schnelltests zum Einsatz, die zuhause in den Familien vorgenommen werden.

Man sei gerade dabei, "geeignete Schulen für ein Modellprojekt zu finden, um auch herauszufinden, ob es in einem Flächenland tatsächlich überall eingesetzt werden kann", so Ernst.

Ernst: Auswertung der Lolli-Test dauert zu lange

Für diese Art von Test hatte zuvor die Bundesregierung geworben. Ernst möchte zwar ein Modellprojekt anstoßen, sieht aber auch Nachteile: "Wir sind nicht der Meinung, dass das für einen flächendeckenden Einsatz jetzt die gute Lösung ist."

Bei gestiegenen Corona-Inzidenzwerten kämen die Labore nicht unbedingt hinterher, diese Tests zu bearbeiten. Es seien anonyme Gruppentests, deren Auswertung zu lange dauere, sagte die Ministerin am Donnerstag im Bildungsausschuss des Brandenburger Landtags. Die Auswertung der PCR-Tests zum Lutschen könne außerdem bis zu zwei Tage dauern - das hielten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei gestiegenen Inzidenzen nicht für optimal. Die Lolli-PCR-Tests seien allerdings genauer als Antigen-Schnelltests.

Brandenburg setze weiter auf Corona-Schnelltests zu Hause in der Familie, an einzelnen Schulen würden auf eigenen Wunsch aber Lolli-Tests ausprobiert, um Erfahrungen zu sammeln, so die Ministerin.

Schultests bleiben kostenlos

Die Schnelltests sollen nach Angaben von Ernst kostenlos bleiben. Während Bund und Länder vereinbart hatten, dass Tests für alle grundsätzlich nur bis zum 10. Oktober kostenlos sind, sollen diese für die Schulen mindestens bis Ende des Jahres weiterhin beschafft werden.

Der AfD-Abgeordnete Dennis Hohloch kritisierte dies, weil nur ein Bruchteil der Schüler und Lehrer positiv getestet worden sei. Dagegen Ernst: "Wir halten die Fortsetzung der Teststrategie für erforderlich und für notwendig".

Berlin wollte unterdessen sein Pilotprojekt mit Lolli-Tests von Kitas auf Schulen ausweiten.

Keine Luftfilter für Schulen

Außerdem will die Brandenburger Landesregierung keine Luftfilter für Schulen kaufen. Bildungsministerin Ernst erklärte, sie sei nicht bereit, wissenschaftliche Ratschläge vom Umweltbundesamt zu ignorieren. Demnach bringen Luftfilter bei gut zu lüftenden Räumen keine qualitative Veränderung, so Ernst. Sie wolle, dass viel Geld für Kinder und Jugendliche ausgegeben werde, aber da wo es helfe.

Die Ministerin sagte weiter, dass der Bund gerade ein Förderprogramm erarbeite für Luftfilteranlagen in schlecht lüftbaren Schulräumen. Davon würde auch Brandenburg profitieren.

Zahl der Neuinfektionen steigt

Die Zahl neuer Corona-Infektionen stieg in Brandenburg so stark seit Anfang Juni nicht mehr. Innerhalb eines Tages seien 94 neue Fälle hinzugekommen, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). In den vergangenen sieben Tagen steckten sich 13,5 je 100 000 Einwohner an, der Wert betrug vor einer Woche noch knapp 10.

Diese Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun in zwei Landkreisen und zwei Städten über 20: Die Prignitz hat mit 36,8 weiter den höchsten Wert, gefolgt von Cottbus mit 22,1, Potsdam mit 20,5 und Ostprignitz-Ruppin mit 20,2. Wenn der Wert an fünf Tagen über 20 liegt, gilt wieder die Pflicht für Corona-Tests etwa für Hotels und Gaststätten drinnen. Die Lage in den Krankenhäusern ist laut Nonnemacher noch entspannt.

Sendung: Inforadio, 11.08.2021, 17:36 Uhr

5 Kommentare

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  1. 4.

    Nee, die Kinder bleiben dann zwei Tage in der Schule oder evtl. auch drei, wenn das Ergebnis noch nicht da ist. (Ironie)

    Es ist schon alles recht traurig, was hier so abläuft.
    Jetzt ein Pilotprojekt zu starten ... warum hat man dies nicht z.B. in der Ferienbetreuung gemacht ... die Kinder sollen weitestgehend "normalen" Unterricht haben und keine Pilotprojekte ... es war doch nun genug Zeit und auch vorraussehbar, dass die Zahlen wieder steigen ...

  2. 3.

    Und die möglicherweise infizierten Kinder bleiben dann bis zum Ergebnis noch 2 Tage in ihrer Klasse? Irgendwie völlig dämlich diese Tests in einer Schule machen zu wollen.

  3. 2.

    Ok, Montag morgen wurde unseren Brandenburger Schülerinnen und Schülern mitgeteilt, man hätte nicht genügend Tests, um sie zu verteilen. Die Geimpften mögen bitte verzichten. Wir wissen, wie viele Brandenburger Jugendliche die Chance hatten, sich impfen zu lassen - die Impfzentren impfen erst ab 18! Und jetzt kommen die Lolli-Tests?

    Kauft doch erstmal genug normale Tests für die Schüler! (Aldi, 99 ct)
    Ermöglicht doch erstmal das Impfen für Jugendliche!


    In unserem Kaff ist die Zahl der Infizierten am höchsten im ganzen Landkreis...

  4. 1.

    Bildungsministerin Ernst hat sich vor kurzem sowohl gegen die Lollitests (Überlastung der Labore, erst nach zwei Tagen Ergebnisse) als auch gegen die Anschaffung mobiler Lüfter (kein Austausch mit der Außenluft) ausgesprochen, deren Anschaffung das Land jetzt plötzlich fördert.
    Ist die Ministerin erneut sprunghaft in ihren Auffassungen oder hat Woidtke ein Machtwort gesprochen?
    Jetzt also Modellversuch, als ob es in anderen Bundesländern (NRW) keine Erfahrungswerte gibt...

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