26.05.2019, Berlin: Andreas Kalbitz (l), Landes- und Fraktionsvorsitzender der AfD Brandenburg, und Jörg Meuthen (M), AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl 2019, unterhalten sich bei der AfD Wahlparty. (Quelle: dpa/Soeder)
Video: rbb24 | 27.05.2019 | Bild: dpa/Soeder

Sechs Auffälligkeiten - Was uns die Europawahl in Brandenburg zeigt

Der Super-Wahltag in Brandenburg endete mit einem Triumph für die AfD. Während CDU, SPD und Linke teils dramatisch absackten, konnten die Grünen ihren Stimmenanteil in weiten Teilen des Landes erhöhen. Sechs Auffälligkeiten aus Brandenburg.

1. Kommunalwahl ist nicht gleich Europawahl

Kommunalwahl ist nicht gleich Europawahl - das hat die AfD in Brandenburg erlebt. Während die rechtspopulistische Partei bei der Europawahl klar als stärkste Kraft hervorgeht, kommt sie in der Kommunalwahl landesweit nur auf Platz drei, hinter der CDU und der SPD. Dennoch: Die Zugewinne der AfD in allen Kreistagen und kreisfreien Städten des Landes sind ebenso offensichtlich wie die massiven Verluste bei Union und SPD.

2. Der Super-Wahltag mobilisiert die Mark

Die Wahlbeteiligung sowohl bei der Kommunal- als auch der Europawahl lag in Brandenburg deutlich höher als in den Vorjahren. Fast 60 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen un Bürger gaben ihre Stimmen ab, deutlich mehr als bei den Wahlen 2014. Am höchsten war die Wahlbeteiligung im Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 65,9 Prozent, am wenigsten Wahlberechtigte ließen sich in Brandenburg an der Havel mit 48,8 Prozent mobilisieren.

3. AfD dominiert in Spree-Neiße

Die AfD ist in Südbrandenburg am stärksten - aber nirgendwo so stark wie in Spree-Neiße. Dort holte die rechtskonservative Partei bei der Europawahl 31 Prozent der Stimmen. Ähnlich hoch sind die Werte in Oberspreewald-Lausitz mit 26,5 Prozent und Cottbus (24,6 Prozent). Am wenigsten Zuspruch fand die AfD in Potsdam mit 10,9 Prozent.

4. Nordwest-Südost-Gefälle bei AfD-Wählern

Plattes Land wählt eher AfD als Stadt? Nicht so bei den Europa- und Kommunalwahlen 2019 in Brandenburg. Anstelle eines Stadt-Land-Gefälle zeigt sich: Je weiter man vom Nordwesten des Landes in den Südosten reist, desto mehr Stimmen kann die AfD auf sich vereinen - in Spree-Neiße und Cottbus ging die AfD geradezu durch die Decke, in den ebenfalls Berlin-fernen Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin behielten die Sozialdemokraten die Oberhand.

5. Satire kann punkten

Bei der Europawahl in Brandenburg hat sich die Satirepartei Die Partei mit 2,4 Prozent der Stimmen vor den Freien Wähler mit 2,2 Prozent platziert. Mit ihrem Ergebnis bei den Kommunalwahlen können die Freien Wähler aber zufrieden sein - landesweit erreichten sie 6,2 Prozent (2014: 3,6) und sind erstmals in allen Kreistagen und Stadtverordnetenversammlungen der kreisfreien Städte vertreten.

6. Im Grünen wird nicht Grün gewählt

Die Grünen erzielten in der Landeshauptstadt Potsdam ihr mit Abstand bestes Ergebnis (23,2 Prozent) im Brandenburg, im Landkreis Oberspreewald-Lausitz waren 5,7 Prozent das schwächste Ergebnis für die Grünen bei der Europawahl in Brandenburg. Insgesamt schnitten die Grünen im ganzen Land aber deutlich besser ab als noch 2014 - vielerorts konnten sie ihr Ergebnis verdoppelt.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    "6. Im Grünen wird nicht Grün gewählt"

    Deswegen ist ja auch die überdimensionale Umweltzone auch in Wahrheit eine Todeszone ohne Baum und Strauch... hab ich nie verstanden. Bei uns ist alles Grün und die Grünen werden hier auch nicht gewählt.

  2. 2.

    Die AfD ist weder in der Lausitz, im Land Brandenburg, im Bundestag noch in Brüssel an der Macht! Aber die AfD-Wähler haben den etablierten Alt-Parteien durch ihr Stimm-Verhalten einen starken Denkzettel nach Hause geschickt. Setzt euch endlich hin und reformiert die Brüssel-Politik! Seit mehreren Jahrzehnten sitzen SPD, CDU und Co. im Brüsseler Parlament und haben es bis heute nicht hinbekommen, dort die Strukturen und die Politik zu verändern = geht bekamen sie dafür die Quittung u.a. auch von AfD-Wählern! Mal schauen, wie die Parteizentralen von CDU, SPD und Co. nun reagieren...

  3. 1.

    "AfD dominiert in Spree-Neiße" Also da, wo ein Strukturwandel ansteht. Scheinbar meinen die Wähler vor Ort dass die AfD diesen besser gestalten / bewältigen kann.

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