Teilnehmer der Demonstration gegen Nationalismus in Berlin haben sich zur Abschlusskundgebung an der Siegessäule versammelt. (Quelle: rbb/Vanessa Klüber)
Video: rbb|24 | 19.05.2019 | Bild: rbb/Vanessa Klüber

"Ein Europa für alle" - Zehntausende demonstrieren gegen Nationalismus in Europa

Zwischen Alexanderplatz und Siegessäule haben am Sonntag Tausende Menschen friedlich gegen Nationalismus und für ein solidarisches Europa demonstriert. Ihr Motto: "Ein Europa für alle". Auch in anderen deutschen und europäischen Städten fanden Kundgebungen statt.

Eine Woche vor der Europawahl haben Tausende Menschen in Berlin-Mitte friedlich gegen Nationalismus und Ausgrenzung protestiert. Nach Schätzungen des Veranstalters beteiligten sich rund 20.000 Menschen an der Kundgebung; angemeldet waren insgesamt 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Gemeinsam zogen sie vom Alexanderplatz bis zur Siegessäule im Tiergarten. Das Motto der Kundgebung lautete "Ein Europa für Alle - Deine Stimme gegen Nationalismus!". Anlass ist die Europawahl in der nächsten Woche.

An der Siegessäule, dem Endpunkt der Demonstration, fand am Nachmittag eine Kundgebung mit mehreren Redebeiträgen statt. Parteien und verschiedene Organisationen waren mit Ständen vertreten. In der Nähe der Siegessäule wurde zudem ein Flüchtlingsboot aufgestellt, das den Angaben zufolge 2017 vor der libyschen Küste geborgen wurde.

Eigener Demo-Zug von Künstlern fordert Reform der EU

Zeitgleich zogen Berliner Kunstschaffende mit einem eigenen Demonstrationszug von der
Volksbühne zum Platz des 18. März am Brandenburger Tor. Hier sprachen die Veranstalter von 5.000 Teilnehmern. Zur Demonstration waren Redebeiträge des Schriftstellers Ingo Schulze, des Warschauer Theaterintendanten Pawel Lysak sowie des Foto-Künstlers Wolfgang Tillmans angekündigt. Schulze forderte, sich für grundlegende Veränderungen stark zu machen. "Es reicht nicht, sich als weltoffen und bunt zu gerieren und die EU-Fahne zu schwenken", sagte er laut Mitteilung. "Eine Glorifizierung der EU in ihrer jetzigen Struktur und Funktionsweise ist genauso borniert und falsch wie ein Zurück zum Nationalstaat."

Künstler und Aktive der Kulturlandschaft demonstrieren am 19.05.2019 mit bunten Luftballons, Europafahnen und Glitzerfolien vor der Volksbühne. Unter dem Motto "Europa der Vielen - Kunstfreiheit in Gefahr: Kunst- und Kulturinstitutionen gehen auf die Straße" fanden bundesweit mehrere Aktionen statt. (Quelle: dpa/Annette Riedl)

Über 250 Organisationen und Initiativen

Die Kundgebungen sind Teil eines europaweiten Protesttags, zu dem über 250 Organisationen und Initiativen aufgerufen haben - darunter Pro Asyl, die Natur Freunde Deutschlands, der Paritätische Gesamtverband, die Nichtregierungsorganisationen Attac und Campact, der Deutsche Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg, die Evangelische Landeskirche sowie das Zentrum für Politische Schönheit. Auch viele Familien und Kinder waren dabei. Der Zug wurde begleitet von Sprechchören.

Nach Polizeiangaben blieb alles friedlich. Wie die Polizei auf Twitter mitteilte, war auch ein Hubschrauber im Einsatz, um einen Überblick über die Demonstrationen zu erhalten.

Auch in anderen deutschen Großstädten sowie in über 40 europäischen Städten waren  Demonstrationen geplant. Wie die Veranstalter rbb|24 am Nachmittag sagten, sollen sich allein in Deutschland mehr 150.000 Menschen beteiligt haben. Unter anderem zog Linken-Parteichefin Katja Kipping in Berlin mit. Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Grünen-Spitzenkandidatin für die Europawahl, Ska Keller, hatten ebenfalls ihre Teilnahme angekündigt.

Lederer rügt Rechtspopulisten

Unter den Teilnehmern war auch der Berliner Kultursenator Klaus Lederer. "Es wäre schön, wenn Rechtspopulisten nicht zurücktreten müssten, weil sie betrunken in einer zweifelhaften Villa mit vermeintlichen Oligarchen gefilmt werden, sondern weil sie eine verheerende Politik machen", sagte der Linken-Politiker dem rbb - und spielte damit auf den Rücktritt des österreichischen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache (FPÖ) an.

Demonstranten versammeln sich am 19.05.2019 am Berliner Alexanderplatz zu einer Demonstration gegen Nationalismus und Ausgrenzung unter dem Motto "Ein Europa für alle". (Quelle: imago/T.Seeliger)
Bild: imago/T.Seeliger

Die Europawahl am 26. Mai 2019 sei eine "Richtungsentscheidung über die Zukunft der Europäischen Union", heißt es im Demo-Aufruf. Der Vormarsch der Nationalisten müsse verhindert werden. "Tretet ein gegen Nationalismus und für ein demokratisches, friedliches und solidarisches Europa."

Sendung: Abendschau, 19.05.2019, 19:30 Uhr

Kommentarfunktion am 19.05.2019, 21:03 Uhr geschlossen

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43 Kommentare

  1. 43.

    Ich würde das viel gelassener sehen.
    Es gibt in der Tat viele Gründe, nicht auf der heutigen Demonstration gewesen zu sein.

    Desinteresse sehr wohl.
    Dienstliche Verpflichtungen, wie bspw. bei mir, ohne dass ich mich dafür entschuldigen müsste.
    Private Termine, die nicht einfach der politischen Aktivität untergeordnet sein sollten, bei sehr vielen anderen.

    Dazu: Zehnmal mehr, als dass ich ein Dagegen-Sein bekunde, trete ich für etwas ein. Nur wer ein Bild von etwas hat, wie etwas (positiv) aussehen kann, kann Menschen von etwas überzeugen. Die Sammlung all derer, die etwas nicht wollen, ist m. E. in dem Maße sinnlos, wie der Aspekt einer positiven Gestaltung nicht gleichrangig mit genannt wird.

    Die Ökologie-Bewegung hat als Anti-AKW-Bewegung angefangen, ist jedoch recht schnell zu positiven Strategien gekommen, welche Möglichkeiten der Energiegewinnung es sonst noch gibt. Das erklärt ihren Bestand seit Mitte der 1970er Jahre.

  2. 42.

    Naja, es wurde schon immer auch "gegen" etwas demonstriert. Nicht erst heutzutage. In manchen Bereichen geht das auch einfach nicht anders. Gegen etwas zu sein impliziert aber nicht immer etwas Negatives. Im Gegenteil. Gegen Nationalismus zu demonstrieren ist eine gute Sache. Und die Veranstaltung hatte im Untertitel auch ganz viele "Für's". Daumen hoch :-)

  3. 40.

    " Meier " Ach Meier, jeder Mensch hat das Recht, hier in Deutschland eine Demonstration anzumelden und durchzuführen. Melden Sie auch eine an und wählen Sie das Thema " Ihrer " Demo. Natürlich kann man hier den " Korinthenkacker " spielen " Eu " " Europa " . Ich denke, jeder weiß was gemeint ist. Aus den Erfahrungen der Weltkriege, wollten Politiker ein Europa schaffen. Nach und nach kommen immer mehr Länder dazu. Gut so ! Bleibt nur zu hoffen, dass die Rechten nie politische Verantwortung übernehmen und die Zukunft Europa verspielen.
    Zum Wohle alle Menschen für ein vereintes Europa.

  4. 38.

    Die Überschrift ist Ausdruck unserer Zeit. Man ist immer gegen etwas. Das Motto der Demo würde auch eine andere Überschrift ermöglichen. Demo für ein solidarisches Europa zb.... Aber es ist immer leichter zu sagen, gegen was man ist...

  5. 37.

    Wurde auf der Demo denn auch gegen die langjährige Nullzinspolitik der EZB protestiert? Die damit verbundene Enteignung der Sparer, die seit Jahren auf Zinseinnahmen verzichten müssen, ist auch ein Grund für viele Leute, zumindest in diesem Bereich stocksauer zu sein. Ich finde die Europäische Union insgesamt wirklich gut, aber die Nullzinspolitik ärgert mich wahnsinnig. Und damit liefert man den Euro-Skeptikern natürlich Munition.

  6. 36.

    Der von Ihnen erwähnte Kommentar ist mir auch zu weit weg, um darauf einzugehen. Egal wie man sich bemüht, ab einem bestimmten Punkt wären es die biblischen „Perlen vor die Säue“. Da klinke ich mich dann aus. Das beobachte ich hier auch bei anderen Usern. Wenn es zu manisch wird, sollte man den Rechtspopulisten das letzte Wort gönnen. Macht deren Äußerungen nicht wertvoller oder wahrer, befriedet aber die Situation. Es haben Zehntausende demonstriert. Was soll ich mich da über die paar Verirrten grämen.^^ cu

  7. 35.

    Und noch einmal whataboutism! Was haben die Verlagshäuser in sPD Besitz mit der "Ibiza-Affäre" zu tun?

    Ihr plumper und deshalb dämlicher whataboutism lässt aber ihre Gesinnung deutlich erkennen, ich übersetze das mal so:

    Wir Rechtspopulisten und -extreme dürfen das machen weil das auch andere machen? Hat einen Haken, nennen sie uns einen Politiker der sPD der die Wahlen manipulieren wollte und das mit Hilfe von Schwarzgeld und so noch nebenbei wirtschaftlichen Schaden anrichten wollte, von kriminellen Handlungen, die beabsichtigt waren, mal ganz abgesehen.

    Mir fiele da spontan nur eine "Partei" ein, die rechtsextreme AfD. Geht man etwas weiter zurück noch die FDP (Flick) und die cDU (Elf/Minol.

    Leute wie sie sollten nicht das Wort "unredlich" in den Mund nehmen. Und Diskussionen mit ihnen und ihresgleichen führe ich nicht, das ist verschwendete Zeit. Aber danke für ein erneutes Lehrstück dafür wie Leute mit ihrer Gesinnung drauf sind.

  8. 34.

    Richtig. Es gibt nicht nur 10.000-20.000 Europa-Befürworter in Berlin. Erstens muß es richtig heißen EU-Befürworter. Und zweitens sind es einschließlich Globalisierungsgewinnler und international agierender Konzerne, die ihre Gewinne lieber in Luxemburg als in Deutschland "versteuern" (siehe Lux-Leaks/ Junkers) und die von der gezielten Herbeischaffung alimentierter Konsumenten zur Plünderung des Sozialstaates profitieren, natürlich noch ein paar mehr.

  9. 33.

    Getroffene Hunde bellen...

    Ich muß ihnen weder etwas erzählen, noch erklären. Aber sie machen deutlich auf welcher Gesinnung ihre Kommentare fußen. Sie ersetzen Argumente mit Schmähungen, das ist einfach nur armselig was sie hier probieren.

    Ich kenne die Geschichte der Familie Quandt und die der Spenden PUNKT

  10. 32.

    Vizepräsident Joe Biden hat längst zugegeben, daß Obama die EU-Staaten gegen ihren Willen zu den für sie selbst überaus schädlichen Rußland-Sanktionen gezwungen hat.

    https://www.freitag.de/autoren/julian-k/biden-obama-musste-eu-zu-sanktionen-zwingen

    Wer betreibt denn hier also eine aggressive Politik gegen die EU?

    Konkret: Haben Sie den Hauch einer Ahnung, wie viele deutsche Milchbauern z.B. wegen dieser Sanktionen Pleite gegangen sind? Das finden Sie also richtig? Sie gerieren sich, als seien Sie eine Nato-Pressestelle. Das sagt mehr über Ihre Erziehung aus, als Ihnen lieb sein dürfte.

  11. 31.

    Natürlich; ich dachte es mir.
    Und mit dieser Begründung sanktioniert die Bundesrepublik dann auch Nord-Korea, China, Iran, Saudi-Arabien, Jemen, Venezuela, Kuba usw. - vielleicht auch irgendwann die USA, wenn Herr Trump so weiter macht ...
    Diese Geisteshaltung hat der Dichter Emanuel Geibel 1861 in berühmte - und berüchtigte - Worte gefaßt:
    '... und es mag am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen ...'

  12. 30.

    "Sie sind wieder mal so unfreiwillig komisch!" Das Kompliment kann ich leider nicht zurückgeben. Ihre Kommentare der letzten Zeit haben stark an Qualität verloren. Weil sie einfach gar keine Argumente haben werden sie nur noch herablassend, ausfallend, beleidigend und diffamierend. Nicht nur mir gegenüber.
    Das ist, mit Verlaub, nur noch dämlich, da plump und primitiv.

    Was gibt es an meinem Satz nicht zu verstehen? Ein Nationalist muß nicht zwingend ein Nazi sein, ein Nazi ist aber immer ein Nationalist (wobei es "witzig" ist wenn sich z.B. deutsche und französische Nazis...egal)und die Grenzen zwischen Nationalisten und Nazis kann man nicht genau ziehen.

    Der Nationalsozialismus, wie der Name schon sagt, wäre ohne Nationalismus überhaupt nicht möglich. Deshalb ist ihr letzter Satz, wie ihr ganzer Kommentar einfach nur dumm, sorry.

  13. 29.

    Nachtrag zur Kronenzeitung: Haben Sie überhaupt den Hauch einer Ahnung, wieviele Zeitungen sich im Besitz der SPD befinden (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft)? Was ihresgleichen Strache vorwerfen, ist bei uns seit Jahrzehnten völlig selbstverständlich gelebte Praxis. Welcher SPD-Politiker hätte deshalb auch nur eine Minute über einen Rücktritt nachgedacht? Sie mit Ihren unredlichen Doppelstandards wollen sich hier an der Diskussion beteiligen? Ernsthaft?

  14. 28.

    Vollständig bekommt das Zitat aber eine andere Wendung: ""Eine Glorifizierung der EU in ihrer jetzigen Struktur und Funktionsweise ist genauso borniert und falsch wie ein Zurück zum Nationalstaat."

    Auch wenn ich nicht mit allen politischen Entscheidungen der EU einverstanden bin (genauso wenig wie mit denen der Bundesregierung) halte ich die Sanktionen gegen Rußland für richtig. Rußland betreibt eine aggressive Politik gegen die EU und seine Nachbarstaaten. Wir würden jetzt stark vom Thema abschweifen warum Rußland Teile der Ukraine annektiert hat (ich war auch nicht mit der EU, bzw. NATO Erweiterung einverstanden)aber Arbeitsplätze sind nicht alles. Rußland ist kein demokratischer Staat und eine Quasidiktatur und tritt Menschenrechte mit den Füßen.

    Deshalb sind die Sanktionen richtig, da ist nichts bizarres dran. Ich hielte auch Sanktionen gegen Polen, die Slowakei und Ungarn für richtig wenn die sich weiter in eine Diktatur verwandeln.

  15. 27.

    Demonstrationen alleine werden den braunen Spuk nicht aufhalten, mit Aspirin heilt man auch nicht den Krebs.

  16. 26.

    "Dämlich" ist hier nur eines: Ihre Einlassungen, mit denen Sie die Kommentarspalte zumüllen. Magda Goebbels, geborene Behrend ist seit Mai 1945 tot. Sie ist weder Vorfahrin der jetzigen BMW-Eigner, noch hatte Sie oder Ihr Sohn (+1967) irgendetwas mit den Parteispenden zu tun. Daß Sie sie erwähnen, beweist nur, daß Sie von der Materie NULL Ahnung haben.

    So und jetzt erzählen Sie uns bitte, wie viel Geld im Fall Strache geflossen ist, und danach erklären Sie uns bitte, warum ihresgleichen mit zweierlei Maß messen.

  17. 25.

    Sie sind wieder mal so unfreiwillig komisch! Im ersten Satz fragen Sie, wer es tut und tun es ab dem zweiten Satz direkt selbst. Komik vom Feinsten!
    Um Nationalsozialisten geht es hier nicht.

  18. 24.

    Weil in einer Demokratie Meinungsfreiheit herrscht und jeder jeden kritisieren darf. Wenn die Gegner von Nationalismus die besseren Argumente haben, dann ist das gut so. Aber um Argumente auszutauschen, muss man sich eben erst mal darüber austauschen. Kritik ist da ein Einstieg. Sie kritisieren ja auch die Ansichten Anderer. Demokratie funktioniert nicht, indem man die eigene Einstellung zur einzig korrekten erklärt sondern ist ein stetiger Prozess der Findung von Kompromissen. Zudem ist Nationalismus ja noch nicht mal eindeutig definiert. Wo beginnt er denn, wo endet er? Bis wohin sind nationalistische Bestrebungen akzeptabel? Jedes Land der EU hat da eine andere Sicht, meist bedingt durch die Geschichte. Ich als Deutscher tue mich da schwer, diesen meine Meinung aufdrücken zu wollen, kommt dort meist auch nicht gut an. Etwas mehr gegenseitiges Verständnis und weniger Moralpredigten täten dem Zusammenhalt der EU gut.

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