Der Europakandidat der SPD Simon Vaut soll seine Parteimitglieder belogen haben. (Bild: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 26.03.2019 | Jana Wochnik-Sachtleben | Bild: rbb

Eklat in der Brandenburger SPD - SPD-Europakandidat Vaut soll Wohnsitz vorgetäuscht haben

Der Brandenburger SPD-Europakandidat Simon Vaut soll seine Genossen unter anderem über seinen Wohnort belogen haben. Statt in Brandenburg/Havel lebt er offenbar in Berlin. Der SPD-Landesverband will Vauts Wahlkampf nun nicht mehr unterstützen.

Zwei Monate vor der Europawahl gerät der Kandidat der Brandenburger SPD, Simon Vaut, unter Druck. Er soll Teile seiner Biografie manipuliert haben. Entsprechende Recherchen des Brandenburger Stadtkanals SKB TV habe er gegenüber seiner Partei weitestgehend eingeräumt, bestätigte SPD-Generalsekretär Erik Stohn am Dienstag dem rbb.

Wohnsitz und Lebenspartnerin erfunden

Vaut soll gegenüber seinen Genossen behauptet haben, seinen Lebensmittelpunkt in Brandenburg an der Havel zu haben. Tatsächlich lebte er aber offenbar die ganze Zeit in Berlin. Außerdem präsentierte Vaut in der Brandenburger SPD eine Lebenspartnerin, die es wohl nie gegeben hat.

Vaut räumte inzwischen ein, sich im Laufe seiner Kandidatur in Unwahrheiten verstrickt zu haben. Gegenüber "Spiegel Online" sagte er: "Die Vorwürfe treffen zu: Ich habe nie in Brandenburg an der Havel gewohnt, sondern immer in Berlin. Vor allem möchte ich um Verzeihung bitten, dass ich meine damalige aus Brandenburg stammende, aber ebenfalls in Berlin wohnende Freundin für meine Europakandidatur instrumentalisiert habe." Er stelle seinen Wahlkampf ein, um "weiteren Schaden von der SPD abzuwenden", so Vaut.  

SPD stellt Wahlkampf für Vaut ein

"Die SPD Brandenburg und ich sind enttäuscht, dass er falsche Angaben gemacht hat, um an die Kandidatur zu gelangen", sagte Stohn dem rbb. In einer Presserklärung vom Dienstag heißt es zudem: "Die SPD Brandenburg verurteilt die bewusste Täuschung der Delegierten durch den Bewerber." Sie werde für Simon Vaut ab sofort keinen Wahlkampf mehr machen. "Er ist aufgefordert alle Termine abzusagen", so Stohn.

SPD-Fraktionschef Mike Bischoff sagte dem rbb, dass eine "tiefe Enttäuschung" da sei. "Das muss ganz klar Konsequenzen haben." Vaut selbst war für eine Anfrage des rbb zunächst nicht zu erreichen.

Vaut soll auf Mandat verzichten

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte im Interview mit dem rbb: "Ich bin persönlich enttäuscht. Wenn die Vorwürfe zutreffen sollten, wovon ich zum jetzigen Zeitpunkt ausgehen muss, dann erwarte ich, dass er, sollte er ein Mandat erreichen, auf dieses Mandat verzichtet."

Vaut soll nun diesen Verzicht gegenüber der SPD Brandenburg schriftlich erklären. Dem Landesverband zufolge hat er bereits zugesagt, eine solche Erklärung abzugeben. Seine Kandidatur könne Vaut zum jetzigen Zeitpunkt nicht niederlegen, da ein Bewerber nach dem Europawahlgesetz nur von der Bundesliste gestrichen werden könne, wenn er stirbt oder die Wählbarkeit verliert. Dies sei bei Vaut nicht der Fall, da er mit seinen falschen Angaben keine Gesetze verletzt habe, so die Brandenburger SPD. Zudem war es für seine Kandidatur keine Voraussetzungen, in Brandenburg zu leben.  

Mögliche Nachrückerin wird vorgestellt

Anstelle Vauts soll Maja Wallstein ein mögliches Mandat übernehmen und ins Europaparlament einziehen. "Sie hat dafür meine volle Unterstützung", sagte Woidke. Wallstein war bei der Landesvertreterversammlung der Brandenburger SPD im vergangenen September ursprünglich vom Landesvorstand als Europakandidatin vorgeschlagen worden. Der 41-jährige Simon Vaut wurde dann aber überraschend im zweiten Wahlgang mit 63 von 119 gültigen Stimmen gewählt.

Maja Wallstein soll am Mittwochvormittag von Ministerpräsident Woidke als mögliche Nachrückerin vorgestellt werden. Bei der Pressekonferenz mit ihr und Woidke soll auch SPD-Generalsekretär Stohn teilnehmen.

Unverständnis bei CDU und Grünen

Für den Brandenburger CDU-Fraktionsvorsitzenden Ingo Senftleben ist der Fall Vaut symptomatisch für den Zustand der SPD: "Es geht um die Frage, dass er sich als der Brandenburger beschrieben hat, der frühmorgens immer nur mit dem Hund spazieren geht, am Abend mit dem Zug nach Hause nach Brandenburg fährt und hier seine Frau trifft." Woidke sei zwar an diesem Theater nicht schuld, trage aber die Verantwortung, so Senftleben gegenüber dem rbb.

Auch der Fraktionschef der Grünen, Axel Vogel, macht Woidke keinen direkten Vorwurf, gibt aber zu bedenken, dass der schnelle Wechsel Vauts von Berlin nach Brandenburg nachdenklich hätte machen können. Dem rbb sagte er: "Dass Menschen Karrieristen sind, dass Menschen versuchen, sich ein Mandat zu erkämpfen im demokratischen Wettstreit innerhalb einer Partei, das ist ganz normal." Dass man sich aber Fälschungen in seinem Lebenslauf und seiner realen Situation bediene, sei dann eher unschön.

Redenschreiber von Ex-Außenminister Sigmar Gabriel

Der in Hamburg geborene Vaut war einst Redenschreiber unter anderem von Ex-Außenminister Sigmar Gabriel. Er hatte an der Universität in Potsdam studiert und als Referent im Sozialministerium gearbeitet. In Brüssel war er drei Jahre für das Verbindungsbüro der SPD im Bundestag zur Europäischen Union tätig.

Die Europawahl in Deutschland findet am 26. Mai 2019 statt.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 26.03.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Helmut Krüger] vom 26.03.2019 um 15:45
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32 Kommentare

  1. 32.

    Simles, Brandenburg, Dienstag, 26.03.2019 | 18:04 Uhr:
    "Der Brandenburger Wähler muss entscheiden ob es mit Rot/Links so weiter gehen soll oder nicht. Rot/Grün hat nicht nur NRW bzw. Rot/Grün u. Links Berlin einen nicht wieder gutzumachenden Schaden zugefügt."

    Welchen nicht wieder gutzumachenden Schaden??? Und wo sind die konstruktiven Alternativen???

    Für Simles sind wohl bereits die Wörter Rot und Grün ein Schaden. Sein Kommentar ist jedenfalls nicht mehr als unsubstantiierte Polemik, nichtssagend und völlig überflüssig. Er sagt nur etwas über die politische Einstellung des AUtors, aber nichts über die aktuelle Politik aus.

  2. 31.

    Lieber Mensch ohne Namen,

    Sie haben völlig recht, vielen Dank für Ihren aufmerksamen Hinweis! Haben wir korrigiert.

  3. 30.

    Achtung, nur eine kleine Korrektur im Teaser:
    "Der Brandenburger SPD-Europakandidat Simon Vaut soll seine Genossen unter anderem über seinen Wohnort belogen haben. Statt in Brandenburg/Havel lebt er offenbar in Berlin. Der SPD-Landesverband will Vauts Wahlkampf nun nicht mehr zu unterstützen." HIER IST DAS VORLETZTE WORT ZUVIEL: "ZU" MUSS WEG.

  4. 29.

    Dumm gelaufen für (Brandenburg) SPD. Ein "Hinterbänkler" (Listenplatz 22) belügt die Öffentlichkeit und Genossen. Nix (rechtlich) relevantes, aber die Wirkung ist dann verheerend.

    Wobei. Spätestens "morgen" ist das Thema auch durch.

  5. 28.

    Und was genau hat jetzt die Landtagswahl mit dem idiotischen Verhalten eines SPD-Kandidaten für die Europawahl zu tun? Netter Versuch der Stimmungsmache. Da guck ich mir dann die großartige Alternative Herrn Kalbitz an und denke: Kann man schon mal vergessen, dass man statt behauptetem Studium in Wahrheit nur ein Gespräch mit einer Professorin hatte. Oder dass man sich in dem Jugendlager einer stramm rechtsextremen Organisation rein aus Interesse umgesehen hat, nicht aus Verbundenheit. Hätte ja keiner mitkriegen müssen, so einen Besuch bei Neonazis, welchen Wähler geht das schon was an. Wenn wir schon beim Ablenken sind, mein ich. Im Übrigen: Gut, dass Herr Vaut nun aus dem Wahlkampf raus ist - er hat in meinen Augen jegliches Vertrauen verspielt.

  6. 27.

    Ist "Brandenburger seit wachsam." eine Variante von "Deutschland erwache!"? So wie sie das schreiben könnte man das meinen.

    Wähler wie sie, die in Schlagwörtern und Phrasen denken sind das gerechte Opfer solcher Scharlatane, egal ob von links oder rechts. Sie haben nichts Besseres verdient.

  7. 26.

    Sie haben sicherlich recht. Diese Form der Kommentare sind leider aber an der Tagesordnung. Gegen alles und jeden, der nicht ins Weltbild passt, die Anonymität des Internets machts möglich. Trotzdem kann ich es irgendwie auch verstehen. Politiker hatten früher den Ruf, Vorbilder sein zu sollen. Makellos und fehlerfrei. Das waren sie nie, das wissen wir inzwischen. Aber die Skandale, Betrügereien, Lügen und Fehlverhalten anderer Art sind inzwischen schon Gang und Gäbe. Spendenaffären, Volksverhetzung, gefakte Doktortitel... der Bürger wird es langsam leid. Das kann ich gut verstehen, würde mir aber wie Sie wünschen, dass alle dabei möglichst sachlich bleiben. Und das nervige SPD-Bashing mit dem subtilen Verweis auf die blaue "Partei", das gibt es zu fast jedem Thema. Einfach ignorieren ^^

  8. 25.

    Der hat also seinen Hauptwohnsitz falsch angegeben ... Also ich finde, das ist keine schlimme Sünde.

    Wenn Politiker z.B. Steuern hinterziehen oder für Steuerhinterzieher tätig sind, wenn sie neben ihrem Mandat noch als Lobbyisten tätig sind oder nach Ende des Mandats flugs in denjenigen Teil der Privatwirtschaft wechseln, für deren Regulierung sie eben noch zuständig waren ... das schädigt die Demokratie.

    Aber was man dem Vaut jetzt zur Last legt, ist m.E. kein Vergehen, das ihn automatisch disqualifiziert. Wer von uns hat nie in einer Bewerbung sich irgendwelche persönlichen Daten zurechtgebogen? Wird Vaut in Brüssel schlechtere Politik machen, weil er Frau und Hund bisher vielleicht nur an drei statt an sieben Tagen in der Woche gesehen hat?

    Sage ich mal als Nicht-SPD- Wähler ...

  9. 24.

    Es ist schon ein besorgniserregendes Zeichen, wie viel Hass und Menschenverachtung in einigen Kommentaren hier abgesondert wird. Sicher stammen diese Kommentare alle von Menschen, die noch nie gelogen oder einen anderen Fehler in ihrem Leben gemacht haben. Diese Flunkerei von Herrn Vaut war einfach nur dumm. Er hat damit seine Unreife und Unfähigkeit unter Beweis gestellt, um als Abgeordneter tätig zu sein. Aber er hat gegen keine Gesetze und Vorschriften verstoßen. Für seine Kandidatur ist sein Wohnort völlig egal, sofern er innerhalb eines EU-Landes liegt. Auch ich bin froh, dass soviel Dummheit ab und an bestraft wird durch Offenlegung. Aber wirklich widerlich ist für mich der Gedanke, dass solche Hass-Kommentarschreiber in öffentlichen Ämtern tätig sind oder in verantwortlichen Positionen in der Wirtschaft arbeiten, wo ihnen Beschäftigte unterstellt sind. Darüber wäre Empörung zu verstehen, aber nicht im Fall Vaut als "Hauptmann von Köpenick" für geistig Arme.

  10. 23.

    Wie einfach (und dumm) kann man seine berufliche Karriere an die Wand fahren. Vertrauen in politische Parteien und zukunftsorientierte Politik werden so nicht aufgebaut.

  11. 22.

    Ich habe zu keiner Partei mehr volles Vertrauen. Die Belange der Bürger werden doch nur bei Wahlaktivitäten angesprochen. Für Europaabgeordnete gibt es doch lukrative Gehälter mit annehmbaren Kostenpauschale als Zulage. Da lohnt sich für Herrn Vaut schon eine kleine Notlüge. Dieses Parlament ist für mich nur eine aufgeblähter Bürokratenapparat. Dass jedoch keine Kontrolle der Personenangaben erfolgt, ist für mich nicht nachvollziehbar. Bei der AFD können die Überprüfungen nicht tiefgründig genug sein. Welch ein Widerspruch.

  12. 20.

    Der Brandenburger Wähler muss entscheiden ob es mit Rot/Links so weiter gehen soll oder nicht. Rot/Grün hat nicht nur NRW bzw. Rot/Grün u. Links Berlin einen nicht wieder gutzumachenden Schaden zugefügt. Brandenburger seit wachsam.

  13. 19.

    Warum führt die SPD denn nicht mal wenigstens ein Disziplinarverfahren durch? Kann man sich in der SPD denn alles erlauben? Das läßt tief blicken!

  14. 18.

    Papperlapapp. Unschön, aber passiert in jeder Partei. Sein Kopf rollt, gut so. Und es gibt "Parteien", da passieren Dinge, die man gar nicht mehr fassen kann. Da rollt nichts. Außer z.b. der Spendenrubel^^

  15. 17.

    .. ach der sieht doch so nett aus und immer sind wir enttäuscht von unseren Vorbilder. Nun wollen wir doch eigentlich wissen was passiert wenn in Brüssel die Lobbyisten vorbeischauen..

  16. 16.

    Ich habe mal vor ellenlanger Zeit an einer Fortbildung teilgenommen, an der auch Kleingewerbetreibende teilgenommen haben. Der Dozent, dem an Einschmeichelung gelegen war, hat sich in der Pause mit Tipps für gewagte Steuerkontruktionen hervorgetan und fand den allgemeinen Beifall dafür. Kurze Zeit später kam das allgemeine Gespräch auf Steuerhinterziehungen irgendeines Politikers. Einer derjenigen, die zuvor noch "große Ohren" hatte, meinte, man müsse die alle - Politiker - mit einer "Utzi" umlegen.

    Tricks sind keineswegs an Parteien gebunden, sie sind auch nicht daran gebunden, ob jemand ein politisches Amt hat oder nicht. Allenfalls das Ausmaß ist ggf. ein anderes.

    Anstand und Ehrlichkeit auch dann hochzuhalten, wenn es der eigenen Kasse NICHT nützt, gilt gemeinhin als Dummheit. Daraus erwächst dann so etwas.

    Wer hat der Kassiererin Geld zurückgegeben, was sie als Wechselgeld versehentlich ZU VIEL herausgegeben hat?

  17. 15.

    Erst vor ein paar Wochen belehrte uns die neue brandenburgische Landesverfassungsrichterin Juli Zeh (SPD):
    Die ostdeutsche Landbevölkerung sei 'rückständig'; es gebe 'ein paar Jahrzehnte Rückstand in der Entwicklung bestimmter Werte'.
    Nach den Berichten über die Hochstapeleien des Herrn Vaut, verstehe ich besser, was sie gemeint hat.
    Bei der 'schon länger hier lebenden' Landbevölkerung gibt es noch ANSTAND und BODENSTÄNDIGKEIT.
    Diese Werte hat man in Teilen der SPD-Funktionärskaste in den letzten Jahren und Jahrzehnten offenbar aufgeben.
    Jawohl, dort wo ANSTAND nichts mehr gilt, ist unsereins im Sinne der Zeh's und Vaut's rückständig.
    Wir sind das gerne und wir dürfen darauf stolz sein!

  18. 14.

    Ehrlichkeit, Anstand sind Begriffe die einigen Politikern wie Fremdwörter erscheinen. Ich finde das gelinde gesagt zum Kot....! Die Typen verdienen soviel Geld und müssen immer noch mehr haben. Wie sollen wir Wähler diesen Menschen vertrauen????

  19. 13.

    Welch simpel gestricktes Weltbild muss man haben,um so einen Kommentar bei diesem Artikel abzulassen?
    Wer diesen dann auch noch gut heißt.. naja..

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