Der Stimmzettel für die Europawahl ist fast einen Meter lang und 21 Zentimeter breit (Bild: imago images/Jürgen Schwarz)
Audio: rbb | 22.05.2019 | Holger Hansen | Bild: imago images/Jürgen Schwarz

Neuer Rekord für Europawahlen - Fast eine halbe Million Berliner beantragen Briefwahl

Mehr als vier Millionen Menschen in Berlin und Brandenburg können am Sonntag wählen gehen. Der traditionelle Spaziergang zum Wahllokal scheint dabei außer Mode zu kommen: Allein in der Hauptstadt hat sich jeder Fünfte die Wahlunterlagen nach Haus bestellt.

Kurz vor der Wahl zum EU-Parlament am kommenden Sonntag haben so viele Berliner Briefwahlunterlagen beantragt wie bei keiner Europawahl zuvor. Bis zum Dienstag wurden gut 482.000 Wahlscheine ausgestellt, teilte die Landeswahlleiterin Petra Michaelis mit.

Das sind bereits jetzt mehr als 100.000 mehr als bei der vergangenen Europawahl. Damit beantragte annähernd jeder fünfte Berliner Briefwahlunterlagen. 2,51 Millionen Berliner können am Sonntag ihre Stimme abgeben.

Trend zur Briefwahl auch in Brandenburg

Auch die Brandenburger Landeswahlleitung vermutet einen Anstieg bei der Zahl der Briefwählerinnen und Briefwählern. Allerdings werden die Statistiken in der Mark nicht zentral erhoben, sondern nur von den einzelnen Gemeinden und Städten.

Diese haben laut der Landeswahlleitung zurzeit aber so viel zu tun, dass sie nicht dazu kommen, die Zahlen zentral zu erfassen. Einzelne Landkreise und Städte haben ihre Daten auf rbb|24-Anfrage übermittelt: So haben in Elbe-Elster bislang 12 Prozent der Wahlberechtigten die Briefwahl-Unterlagen abgeholt, also mehr als 10.000 Menschen. Bei den Wahlen 2014 waren es insgesamt nur 5.894 Briefwähler. In Cottbus haben bislang fast 15 Prozent die Briefwahl genutzt, ebenfalls deutlich mehr als vor fünf Jahren. Und in Potsdam wurden bereits 25.000 Briefwahlanträge (17,6 Prozent der Wahlberechtigten) bearbeitet, teilte Kreiswahlleiter Michael Schrewe mit. 2014 wurden hier insgesamt nur 15.750 Briefwahlanträge bearbeitet.

Auch der Landkeis Dahme-Spreewald stellt fest, "dass wir gegenüber der letzten Wahl ein deutlich erhöhtes Briefwahlaufkommen haben", so Kreiswahlleiter Alexander Nagel. Nachdem 25.000 Briefwahlunterlagen an die Städte und Gemeinden ausgeliefert wurden, musste der Landkreis bereits einmal nachliefern, weil die Nachfrage so groß war, berichtet er.

Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz dagegen liegen die Zahlen noch hinter denen von 2014. Hier sind bis zum Dienstag knapp 6.000 Wahlbriefe eingegangen, vor fünf Jahren waren es insgesamt etwas mehr als 7.000.

Größeres Interesse an EU-Wahl

Die hohe Zahl in Berlin sei ein Indiz für ein gestiegenes Interesse an der Europawahl, betonte die Landeswahlleiterin. Zuletzt stieg der Zahl der Briefwähler in der Hauptstadt auch bei den Abstimmungen zum Bundestag oder zum Abgeordnetenhaus. In Gesamtdeutschland gab es seit 1994 einen kontinuierlichen Anstieg von 13,4 auf 28,6 Prozent bei der Bundestagswahl 2017.

Bei den meisten Parteien wich das Briefwahlergebnis bei der letzten Bundestagswahl um weniger als 1,5 Prozentpunkte vom Gesamtergebnis ab. Bei dieser Europawahl werden in den 28 Mitgliedstaaten insgesamt 751 Abgeordnete für fünf Jahre gewählt. 96 Parlamentssitze stehen Deutschland zu.

Anträge werden jetzt nicht mehr empfohlen

Die Unterlagen können bis zum Freitag, 24. Mai (18.00 Uhr) online, postalisch oder persönlich in der Briefwahlstelle beantragt werden. Die ausgefüllten Briefwahlunterlagen müssen bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntag, 26. Mai (18.00 Uhr) beim zuständigen Bezirkswahlamt eingegangen sein.

Die Stadt Potsdam betont, dass Wahlberechtigte, die noch an der Briefwahl teilnehmen wollen, sich beeilen müssen. Nur wer die Briefwahl direkt im Briefwahlbüro in der Stadtverwaltung ausführt, kann demnach sicher sein, dass sein Stimmzettel gezählt wird. Eine Beantragung per Post, Mail oder Internet kann aufgrund der Postwege nicht mehr empfohlen werden.

Wahlberechtigte, die noch Briefwahlunterlagen zu Hause haben, sollten diese bis zum Donnerstag in einen Briefkasten der Deutschen Post einwerfen. Ansonsten kommen die Wahlbriefe nicht mehr pünktlich zur Auszählung am Wahlsonntag bis 18 Uhr an. So bleibt dann am Ende doch nur der Gang ins Wahllokal oder zur Stadtverwaltung.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version hatten wir in einem Nebensatz geschrieben, dass die Städte und Gemeinden unter anderem wegen der Stimmenauszählung der Briefwähler bereits viel zu tun hätten. Dabei handelt es sich um ein Missverständnis, weil die Austeilung gemeint war. Ausgezählt wird alles erst am Sonntag. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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9 Kommentare

  1. 9.

    Leider sind einige beteiligte Postdienstleister, in Berlin die PIN-AG offensichtlich mit der pünktlichen Zustellung der Briefwahlunterlagen überfordert. Ich habe bereits zweimal die Zusendung beantragt und nach über einer Woche noch KEINE Unterlagen bekommen. Ich habe nun in meinem Wahlamt vorzeitig gewählt. Aber die Öffnungszeiten sind für arbeitende Menschen eine unzeitgemäße Katastrophe.

    Im Wahlamt bestätigte man mir den doppelten Versand der Unterlagen. Es schien kein EInzelfall zu sein, wenn ich die REaktion der MItarbeiter richtig deute.

  2. 8.

    Für die Gesundheit ist das auf jeden Fall gut. Stimmzettelmuster gibt es allerdings einige Zeit vor der Wahl immer schon im Internet. Man kann also in aller Ruhe schauen, auch recherchieren, und trotzdem traditionell wählen gehen. Das hilft auch der Nachbarin (1), welche mit dem Umfang des Zettels überfordert war?

  3. 7.

    Wir haben wie versprochen noch einmal nachgefragt: In der Tat handelte es sich bei der Formulierung um ein Missverständnis. Wir hatten Auszählung verstanden, die Wahlleiterin sprach aber von der Austeilung der Briefwahl-Unterlagen. Ausgezählt - das hat sie nun noch einmal betont - wird am Sonntag. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen und bedanken uns noch mal für Ihren aufmerksamen Hinweis

  4. 6.

    Danke für die ausführlichen Ausführungen, ich gehe dann doch lieber ins Wahllokal, konservativ, im Anzug zum Festakt.

  5. 5.

    Bereits seit vielen Jahren hole ich mir vor Wahlen die Briefwahlunterlagen aus unserem Wahlbüro im Rathaus ab, radele damit nach Hause, koche mir dort einen heißen Tee und vertiefe mich dann in die Wahlzettel und die Kandidaten-Namen. Den einen oder anderen Kandidaten-Namen schicke ich durch die Suchmaschinen. Dann lege ich die Zettel beiseite, schlafe eine Nacht darüber und entscheide mich am nächsten oder übernächsten Tag. Nachdem ich alle notwendigen Kreuze gemacht habe, tüte ich alle Wahlzettel und -scheine in die entsprechenden Umschläge, setze mich aufs Rad und ab gehts zum Wahlbüro ins Rathaus. Dort stecke ich alle meine Umschläge in die bereitstehende Urne... Wählen kann so schön sein!

  6. 3.

    Guter Punkt, aber das war tatsächlich die Antwort der Landeswahlleitung. Wir fragen noch einmal nach, wie das gemeint war. Immerhin gibt es in Brandenburg am Sonntag ja parallel auch die Kommunalwahlen, für die die Briefwahlunterlagen ebenso mitgeschickt wurden.

  7. 2.

    Zitat:"Diese haben laut der Landeswahlleitung zurzeit aber so viel zu tun, unter anderem mit der Stimmenauszählung der Briefwahl, ..."
    Ich hoffe doch, dass sich hier der Fehlerteufel eingeschlichen hat, denn erster "echter" Wahltag in der EU ist erst am 23.05.2019.
    Da dürften doch jetzt noch keine Briefwahlumschläge geöffnet und gezählt werden. Denn es werden die Wahlhelfende wohl nicht von der Außenwelt abgeschottet sein.

  8. 1.

    Die Länge des Wahlzettels von 94 cm war ja in diesem Jahr so ewig lang, dass dies sicher der Hauptgrund war, Briefwahl als Weg zu nutzen. Wer soll dies in der Wahlkabine überblicken?

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