Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (dpa/Soeder).
Audio: Inforadio | 27.05.2019 | Oliver Soos | Bild: dpa/Christoph Soeder

Sechs Auffälligkeiten - Was uns die Europawahl in Berlin zeigt

Die Grünen haben die Europawahl in Berlin gewonnen, die SPD ist dramatisch abgesackt. Aber es gibt darüber hinaus noch mehr Auffälligkeiten aus der Hauptstadt: darunter eine kleine Schmach für den Regierenden und wo Satiriker den Liberalen voraus sind.

1. Grüne Welle schwappt an den Stadtrand

In Berlin ist die politische Wachablösung in vollem Gange: Die Grünen überholen die SPD und sind nun stärkste Kraft in der Bundeshauptstadt. Waren die Grünen bei der Abgeordnetenhauswahl 2016 noch vor allem in ihren Stammbezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Teilen von Mitte und Pankow stark, ist die "grüne Welle" nun bis an den Stadtrand geschwappt: In acht von zwölf Bezirken sind die Grünen stärkste Kraft.

In Reinickendorf und Spandau liegen sie knapp hinter der CDU, in Lichtenberg knapp hinter den Linken. Lediglich in Marzahn-Hellersdorf reicht es nur zu Platz 4 – allerdings immer noch vor der SPD.

2. Müller kann seinen Bezirk nicht gewinnen

Die ohnehin angespannte Stimmung in der rot-rot-grünen Regierungskoalition wird das Ergebnis der Europawahl eher nicht aufhellen – im Gegenteil. Vor allem Michael Müller, der Regierende Bürgermeister, hat Grund, sich zu ärgern: In seinem Wahlkreis in Tempelhof-Schöneberg, liegen die Grünen deutlich vor der SPD, zum Teil zweistellig. Ramona Pop, die grüne Wirtschaftssenatorin, kann sich hingegen als Wahlsiegerin fühlen, in ihrem Wahlkreis in Berlin-Mitte, haben die Grünen klar dominiert.

3. Der Grünen-Sieg ist sogar überdeutlich

Wo die Grünen stark sind, sind sie auch dominant: In ihren stärksten Wahlbezirken erzielen die Grünen zum Teil deutlich über 50 Prozent der Stimmen – keine andere Partei schafft das in Berlin. Zum Vergleich: Die CDU holte in ihrem stärksten Wahlbezirk (602 – Marienfelde/Mariendorf) 36,5 Prozent der Stimmen, die Linke in ihrem stärksten Wahlbezirk (605 – Friedrichsfelde/Rummelsburg) 34,7 Prozent. Die Grünen wiederum gewannen insgesamt 16 Wahlbezirke mit mehr als der Hälfte aller abgegebenen Stimmen.

4. Wenn schon grün, denn schon grün

Politisch am grünsten ist es im Berliner Akazienkiez in Tempelhof-Schöneberg, hier wählten 53,5 Prozent der Wähler die Grünen. Dicht dahinter liegt das Stadtgebiet rund um den Park am Gleisdreieck, hier kamen die Grünen auf 53,4 Prozent.

So stimmten die Bezirke ab

5. Satire schlägt Liberalismus

Die Berliner wählen offenbar eher Satiriker als Liberale: Die FDP kam insgesamt nur auf 4,7 Prozent, die Satire-Truppe Die Partei 4,8 Prozent. Das Ergebnis ist auch nicht durch ein Ausreißer-Ergebnis in ein oder zwei Bezirken zu erklären: Die Partei lag in sieben von zwölf Bezirken vor der FDP. In Friedrichshain-Kreuzberg lagen die Satiriker sogar vor der CDU.

6. Der SPD-Absturz ist dramatisch

Jahrzehntelang stritten SPD und CDU um die Vorherrschaft in Berlin. Doch die Luft ist raus: Die Sozialdemokraten wurden in nur sechs Wahlbezirken (von 718) stärkste Kraft: Drei Mal in Spandau, je ein Mal in Neukölln, Pankow und Reinickendorf.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

4 Kommentare

  1. 4.

    Wir werden noch mehr Inkompetenz durch RRG erleben. Weil die einen denken Sie sind die größten und die anderen sind am Ende.

  2. 2.

    Dreipacken minus Zweipacken =

    Die SPD sollte sich zeitnah in der Opposition erneuern.

    Ansonsten wäre eine Karte zum Wahlergebnis der Kieze interessant.

  3. 1.

    Die SPD ist nur noch eine Partei der "Ja Sager" gegenüber den Grünen und den Linken. Das sieht man hier ganz deutlich in Berlin. Vielleicht sollte die SPD den Grünen und Linken den Rücken kehren und sich auf ihre Wurzeln besinnen. Hier in Berlin hat nicht Herr Müller das sagen sondern Frau Pop und ihr Gefolge.....oder wie erklärt der Wahnsinn der sich hier täglich auch auf den Straßen abspielt. Noch mehr Tempolimits noch mehr Radwege und bunte Punkte auf den Straßen, aber das Versprechen den Nahverkehr auszubauen, ich sehe davon nichts. Wenn die Grünen so grün sind, sollten die Genossen mit guten Beispielen voran gehen und zum Beispiel für kurze Strecken in der Stadt auf ihre luxuriösen Dienstwagen verzichten und sich auf einen E-Roller oder aufs Fahrrad schwingen. Vielleicht sogar die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Aber auch die Grünen sind mittlerweile eine knallharte Wirtschaftspartei und deswegen wird man das nicht mehr erleben.

Das könnte Sie auch interessieren