Andreas Kalbitz applaudiert beim Delegiertenparteitag der AfD im November in Magdeburg (Quelle: dpa/Kappeler).)
Video: Brandenburg aktuell | 07.01.2018 | Christoph Hölscher & Studiogespräch | Bild: dpa/Michael Kappeler

Liste für die Landtagswahl - Brandenburgs AfD-Chef Kalbitz zum Spitzenkandidaten gewählt

Die Brandenburger AfD hat ihren Vorsitzenden zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gekürt - allerdings recht knapp. Beim Parteitag in Rangsdorf konnte sich Kalbitz nur mit einer Handvoll Stimmen absetzen. Einige aktuelle Abgeordnete fielen sogar ganz durch.

Brandenburgs AfD-Chef Andreas Kalbitz ist Spitzenkandidat seiner Partei bei der Landtagswahl. Kalbitz habe bei der Wahl auf dem Parteitag in Rangsdorf (Teltow-Fläming) den ersten Listenplatz errungen, teilte die Partei am Montag nach der offiziellen Auszählung der Stimmen mit.

Kalbitz setzte sich allerdings nur mit einem Vorsprung von fünf Ja-Stimmen - 319 zu 314 - gegen Hans-Christoph Berndt durch, der auf den zweiten Listenplatz gewählt wurde. Der 61-jährige Berndt ist Vorsitzender des Vereins "Zukunft Heimat" und organisiert regelmäßg rechtspopulistische Demonstrationen in Cottbus gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, an denen auch Neonazis teilnehmen. Bei der Wahl am Montag erhielt er mit Abstand die wenigsten Gegenstimmen aller Kandidaten.

22 Männer, sechs Frauen

Den dritten Listenplatz belegt der jetzige Ortschef der AfD in Blankenfelde-Mahlow und Vize-Landeschef Daniel Freiherr von Lützow. Er engagiert sich neben seinem Kampf gegen die Zuwanderung von Geflüchteten vor allem für die Kommunalpolitik.  

Dennis Hohloch, Vorsitzender der Jungen Alternative, der zudem im September bei der Oberbürgermeisterwahl in Potsdam für die AfD angetreten war, dürfte mit Listenplatz zehn ebenfalls relativ sicher in den Landtag einziehen.

Insgesamt hat die Partei bei ihrer Wahl 28 Listenplätze vergeben. Auf der Liste stehen nun 22 Männer und sechs Frauen. Auf dem Parteitag stimmten etwa 500 Parteimitglieder über die Landesliste ab, was rund einem Drittel der Brandenburger Parteimitglieder entspricht.

Zähes Wahlverfahren

Das vom Parteitag festgelegte Verfahren führte am Sonntag zu einem insgesamt 21-stündigen Wahl- und Auszählmarathon: Die anwesenden Parteimitglieder mussten Stimmen für jeden der 86 Bewerber für die Landesliste abgeben. Die Zählkommission hatte die abgegebenen Stimmen auf mehr als 40.000 geschätzt. Ursprünglich sollte die Landesliste 40 Plätze haben, aber nur 28 Kandidaten bekamen mehr Ja- als Nein-Stimmen. 

Nach der Wahl sagte Kalbitz, die AfD wolle bei der Landtagswahl im September stärkste Kraft in Brandenburg werden. Auf dem Parteitag hatte er den Anspruch der AfD formuliert, nach der Wahl in Brandenburg zu regieren. Allerdings gibt es bislang keine Partei, die mit der AfD eine Koalition eingehen will.

"Die Altparteien haben abgewirtschaftet", so Kalbitz. "SPD und Linke haben bewiesen, dass sie nicht in der Lage sind, dieses Land zu lenken – CDU und Grüne haben gezeigt, dass sie nicht einmal zur Opposition taugen." 

Landesliste ohne vier aktuelle Abgeordnete

Auch die Nein-Stimmen, welche die Kandidaten für die Landesliste erhalten haben, ergeben ein interessantes Bild: Mit 113 hat ein knappes Viertel der Parteimitglieder gegen Parteichef Kalbitz gestimmt. Christoph Berndt erhielt hingegen lediglich 82 Nein-Stimmen.

Von den derzeit neun Landtagsabgeordneten in der Brandenburger AfD-Fraktion kamen vier nicht auf die Landesliste. Der für den AfD-Bundesvorsitzenden Alexander Gauland nachgerückte Jan-Ulrich Weiß und die Wirtschaftsexpertin Christina Schade waren nicht wieder angetreten. Die Landtagsabgeordneten Sven Schröder und Rainer van Raemdonk schafften es nicht auf die Liste. Raemdonk etwa profilierte die AfD im Lunapharm-Skandal.

Unmut über das Wahlverfahren - und mögliche Tricksereien

Umfragen sehen die Rechtspopulisten in der Mark derzeit bei rund 20 Prozent - etwa gleichauf mit der regierenden SPD, der Linken und der CDU. Sollte es tatsächlich zu einem solchen Ergebnis kommen, würde sich die Zahl der derzeit neun AfD-Politiker im Potsdamer Landtag  mehr als verdoppeln.

Nach dem parteiinternen Wahlmarathon, der schon am Freitag begonnen hatte und mit der Auszählung der Stimmen am Montagmorgen endete, war lange nicht sicher, mit welcher Mannschaft Kalbitz in den Wahlkampf ziehen kann. 

Bundesvorsitzender Alexander Gauland beschwor auf dem Parteitag die Einheit der Parteimitglieder. Auf den Gängen des Versammlungshotels machte sich hingegen auch Unmut über das Wahlverfahren - und mögliche Tricksereien - breit. Zur Wahl am Sonntag waren rund 160 Mitglieder mehr gekommen als tags zuvor bei den Bewerbungsreden im Saal waren. Möglicherweise habe der ein oder andere Kandidat da noch seine Truppen zusammengetrommelt, um einen Sitz im Landtag zu ergattern, mutmaßten einige enttäuschte Parteimitglieder.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.01.2019, 5:30 Uhr

Kommentarfunktion am 08.01.2018, 12:51 Uhr geschlossen.

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68 Kommentare

  1. 68.

    Wohin das führt?
    Das kann man in Bremen sehen, wo vier bis sechs vermummte Personen mit Kanthölzern ein AfD-Bundestagsmitglied zusammen schlagen.
    Das ist die Saat, die langsam aufgeht, die auch hier von gewissen User und ihren mitlaufenden Chaquren verbreitet wird.
    Die Demokratie ist in Gefahr, wenn Vertreter des Volkes auf offener Straße zusammen geschlagen werden.
    Egal, welcher Partei, welcher Gesinnung, mit welchem Anliegen.

  2. 66.

    Meine Einschätzung habe ich ja mitgeteilt und auch die Begründung warum.
    Wollen wir es mal demnächst konstruktiv miteinander versuchen? Ich bin sehr interessiert, das Wetter ist schlecht und ich bin gerade mit einem Knöchelbruch krankgeschrieben.

  3. 65.

    Was treibt Sie an? Ein Herr Bedford-Strohm, der in jeder Predigt über Hass und Hetze spricht? Wohin bitte, soll es führen?

  4. 63.

    Warum muß man dann aber wie Fall der AfD BB einen Rechtsextremen an der Spitze einer rechtsextremen "Partei" wählen wenn man mit der Situation in BB/D nicht zufrieden ist?

    Und warum haben AfD Wähler so ein Problem damit sich einzugestehen dass sie rechtsradikal wählen und/oder sind?

  5. 62.

    Na dann kann ich ja von Glück reden dass mir nicht das gleiche passiert wie Fr. Diekmann.

    https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/hass-im-internet-ein-nazis-raus-und-seine-folgen/23834704.html

  6. 61.

    Ja was denn nun, rechtsextrem oder rechtsradikal? https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41312/was-ist-rechtsextrem?p=all
    "Als extremistisch werden die Bestrebungen bezeichnet, die gegen den Kernbestand unserer Verfassung – die freiheitliche demokratische Grundordnung – gerichtet sind. Über den Begriff des Extremismus besteht oft Unklarheit. Zu Unrecht wird er häufig mit Radikalismus gleichgesetzt. So sind z.B. Kapitalismuskritiker, die grundsätzliche Zweifel an der Struktur unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung äußern und sie von Grund auf verändern wollen, noch keine Extremisten. Radikale politische Auffassungen haben in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung ihren legitimen Platz. Auch wer seine radikalen Zielvorstellungen realisieren will, muss nicht befürchten, dass er vom Verfassungsschutz beobachtet wird; jedenfalls nicht, solange er die Grundprinzipien unserer Verfassungsordnung anerkennt."

  7. 60.

    Mit der gleichen Begründung werde ich sie in Zukunft als Rechtsradikalen ansprechen. Es ist halt sehr bequem wenn man sich die Welt so einfach macht wie die AfD Jünger hier.

    Wobei ich eine bessere Begründung habe, wer rechtsradikal wählt dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch das er ein Rechtsradikaler ist.

  8. 59.

    So kann man sich auch konstruktiven Diskussionen entziehen Herr Paul.

  9. 58.

    Das die Erde keine Scheibe ist, wissen wohl auch die AfD und ihre Wähler. Auch, wenn man ihnen etwas anderes unterstellen will. Und das die Welt sich dreht, haben wohl eher die von der AfD erkannt. Kein "Weiter so" oder "Wir schaffen das", sondern eine reale Sicht auf die Situation, die sich geändert haben. Man muss nicht mit der AfD simphatisieren, um die Dinge, die in unserem Land schief laufen, zu erkennen. Mag sein, es ist unpopulär aber, wie Sie so schön schreiben, ist die Erde keine Scheibe. Selbst wenn, wäre durch die Rotation einiges runter gefallen. Politik ist immer auch Veränderung und nicht ein "weiter so". Ich glaube auch, dass die SPD verbraucht ist und unfähig, einen Neubeginn zu starten. So ergeht es auch der SED-Nachfolger, die sogar das Vertrauen der Bürger verspielten. Bleibt noch Grün. Der Braunkohleausstieg, an dem 10tausende Arbeitskräfte hängen, wird denen das politische Genick brechen. Was bleibt also? Eine unfähige GroKo R/DR? Weiter ein "Weiter so"?

  10. 55.

    Das mit den Grünen haben Sie gut erkannt, und wenn die in der Flüchtlingspolitik auch noch realistischer werden, wie schon angekündigt wurde, dann wird das eine Volkspartei.

  11. 54.

    Reichlich, ... es bedarf keine Forderungen von mir, weil ansonsten hätte ich diese hier geäußert. Ich frug. Fragen sind keine Forderungen. Wo landen wir Letztends?

  12. 53.

    Wenn Sie das empört dann erklären Sie mal warum die AFD für keinen Vizepräsidenten der anderen Parteien gestimmt hat?

    Abgesehen davon daß die Aufstellung des ersten Kandidaten reine Provokation war. Nach seinem islamfeindlichen Äußerungen war er einfach nicht wählbar.

  13. 52.

    "Schmeißt die Nazis raus!" Ich kann zwar den Impuls verstehen, aber das verbietet sich - auch wenn die Nazis das als Schwäche auslegen. Es geht ja nicht um Nazis, obwohl sie außergewöhnlich widerwärtig sind.

    Es geht um die Leute, die nichts Besseres zu tun haben, als denjenigen ihre Wählerstimme geben zu wollen, deren Ungeist schon vor drei Generationen soviele vor uns um ihr Leben, auch um ihre Lebensleistung, brachte. Wir leben auf hier einer "Insel der Seligen" im Vergleich zu geschätzt 95 % unserer Zeitgenossen auf diesem Planeten.

    Bevor Sie AfD wählen, blättern Sie bitte in der Geschichte, 1933 - 1945 und 1945 - 1989 (Die Befreier - mit ihrer dominanten "unverbrüchlichen Freundschaft"). Es ist ja nicht so, dass die AfD bestimmende Kraft werden wird. Aber wie stehen Sie vor sich selbst und ihren Nachkommen da? Wollen Sie sich das antun? Und wie soll man als aufgeklärter Mensch in ein AfD>20%-Brandenburg fahren? Ich meide Spannungsgebiete.

  14. 50.

    So, jetzt habe ich mal einige Beiträge von ihnen gelesen, jetzt weiß ich warum ich sie nur überflogen habe.
    Bei ihnen ist alles jenseits von Grün/ Links/ APO - Ideologie NAZI, daher erübrigt sich jede konstruktive Diskussion.

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