Landtagswahl in Brandenburg: Stimmabgabe in einem Wahllokal in Calau (Oberspreewald-Lausitz) (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Analyse zur Brandenburg-Wahl - Brandenburger haben wenig Lust auf weitere SPD-Regierung

Die Mehrheit der Brandenburger gibt Ministerpräsident Woidke in einer Umfrage gute Noten - doch nur eine Minderheit wünscht sich die Sozialdemokraten weiter in der Regierung. Für ihre größte Sorge scheint ihnen die SPD nicht die kompetenteste Partei zu sein.

Es herrscht Wechselstimmung in Brandenburg. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap möchte nur eine Minderheit von 41 Prozent, dass die SPD weiterhin die Regierung führt. 52 Prozent der Befragten wünschten sich in der Woche vor der Wahl, dass künftig eine andere Partei an der Spitze der Regierung steht. Im Jahr 2014 hatten kurz vor der Wahl noch 56 Prozent den Wunsch geäußert, dass die SPD wieder die Regierungsverantwortung übernimmt.

Erwartungsgemäß wollen vor allem Anhänger von CDU und AfD, dass die SPD abtritt.

Die Alternativen zur SPD werden aber offenbar von den meisten  Brandenburgern auch nicht besonders geschätzt.  Nur 16 Prozent äußerten den Wunsch nach einer CDU-geführten Regierung, 13 Prozent wollten die AfD in der Funktion sehen und sieben Prozent hätten es gern, dass das Land von den Grünen geführt wird.

Wähler schreiben SPD weniger Kompetenz zu

Die SPD hat damit im Vergleich zur Wahl 2014 deutlich an Strahlkraft im Land verloren. In fast allen Politikfeldern büßte sie an Zustimmung ein - von der Familienpolitik über die Wirtschafts- und Sozialpolitik bis zur Frage, wer die wichtigsten Aufgaben in Brandenburg lösen kann.

Inzwischen sehen hier noch 32 Prozent der Befragten die Kompetenz bei der SPD, 20 Prozent bei der CDU und ein Zehntel bei der AfD.

Woidke bekommt gute Noten

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bekommt in der Umfrage vor der Wahl allerdings ordentliche Noten: 67 Prozent der Befragten bescheinigten ihm Kompetenz. 63 Prozent halten ihn für bürgernah und fast eben so viele für glaubwürdig. Allerdings sieht nur gut die Hälfte Führungsstärke bei Woidke.

Für die Wahlentscheidung wichtig waren den Brandenburgern laut Umfrage mehrere Themen - ganz vorne an das Thema Bildung, das ein gutes Drittel der Befragten nannte. Dahinter folgt der Bereich soziale Sicherheit (28 Prozent). Jeweils ein Viertel gab Umwelt, innere Sicherheit und Wirtschaft an.

Große oder sehr große Sorgen machen sich mehr als zwei Drittel der Brandenburger über eine Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch den Klimawandel. Das Thema lag damit deutlich vor einer Zunahme der Kriminalität (58 Prozent), einem zunehmenden Einfluss des Islam in Deutschland  (54 Prozent) oder Problemen durch den Wegzug von jungen Menschen aus ihrer Region (37 Prozent).

Wie wichtig das Thema Klima ist, zeigt die Einschätzung der Brandenburger, welche Partei die besten Antworten auf die Fragen der Zukunft hat: Mit 16 Prozent liegen die Grünen vor der CDU (zwölf Prozent). Nur jeder zehnte Befragte nannte die Sozialdemokraten. Über ein Drittel der Wahlberechtigten war allerdings der Meinung, dass keine der Parteien Antworten auf Zukunftsfragen parat hat.

Die Grundlage der Umfrage ist eine telefonische Befragung von 1.003 wahlberechtigten Brandenburgerinnen und Brandenburgern, die vom 26. bis 28. August 2019 durchgeführt wurde. Die Auswahl der Befragten erfolgte auf einer repräsentativen Zufallsstichprobe.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 1.9.2019, 18:00 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Größte Sorge? Klimawandel. Und dann wählen die meisten die Klimaleugner AfD und die Kohlefreunde SPD.
    Das ist mit gesundem Menschenverstand nicht mehr zu begreifen.

  2. 2.

    Na wunderbar. Sie haben die SPD gewählt, damit die AfD nicht an die Macht kommt. Das ist der von mir kritisierte Effekt der Berichterstattung, die ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" behauptet. Hätten Sie sich doch mal klargemacht: ob Sie SPD, Linke oder Grüne wählen - es wäre egal für Ihr Ziel gewesen! Die SPD hat den Wahlsieg nicht aus eigener Kraft geschaft, sondern aus Angst der Leute vor der AfD. Herr Woidke kann darauf nicht stolz sein - ebenso wenig wie die CDU in Sachsen! Dort lief es genauso!

  3. 1.

    Habe diesmal SPD gewählt, damit die AfD nicht an die Macht kommt. Meine Partei("Die Partei" ) war ja leider nicht zugelassen.

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