Ein Wolf steht auf einer Wiese (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.07.2019 | Claudia Stern | Bild: dpa/Christophe Gateau

Wahlkampf-Thema: Wolf - "Wir möchten, dass wir an der Weide schießen dürfen"

Gut einen Monat vor der Landtagswahl in Brandenburg läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. Am Mittwochabend haben Spitzenpolitiker verschiedener Parteien in Wusterhausen/Dosse über ein Thema debattiert, das viele Brandenburger bewegt: den Wolf. Von Claudia Stern

Wie soll Brandenburg mit der zunehmenden Zahl an Wölfen im Land umgehen? Der Bauernbund, der die bäuerlichen Familienbetriebe in Brandenburg vertritt, hat auf diese Frage eine klare Antwort: 52 Kommunen im Land haben sich auf Initiative des Bauernbunds bereits zur wolfsfreien Zone erklärt.

Die Initiatoren und ihre Unterstützer fordern, die weitere Ausbreitung des Wolfes konsequent zu bekämpfen und Wölfe überall dort konsequent zu bejagen, wo er eine Bedrohung für Menschen und Weidetiere darstellt. Am Mittwochabend hat der Bauernbund mit den Spitzenkandidaten der Parteien in Wusterhausen/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) diskutiert, wie mit dem Wolf umgegangen werden soll.

Bauernbund: Der Wolf ist "politisch gewollt, politisch gefördert"

"Das große Problem ist, dass sich die Wölfe ungehindert immer weiter ausbreiten, politisch gewollt, politisch gefördert – und die Weidetierhaltung geht dabei vor die Hunde. Das können wir nicht zulassen, dagegen wehren wir uns und wir möchten, dass wir an der Weide schießen dürfen", sagte Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds, am Mittwochabend in Wusterhausen/Dosse. Er erwartete in der Diskussionsrunde von den Spitzenkandidaten der Parteien zur Landtagswahl am 1. September eine klare Aussage zu dieser Forderung.

Doch ausgerechnet für die aktuellen Regierungsparteien SPD und Linke scheint das Thema Wolf nicht sonderlich weit oben auf der Liste zu stehen. Für die SPD kam nicht etwa Ministerpräsident und Spitzenkandidat Dietmar Woidke, sondern Johannes Funke, Direktkandidat aus dem Havelland und Platz 37 auf der Landesliste. In der Debatte vermied er – ebenso wie Linken-Spitzenkandidatin Kathrin Dannenberg – ein klares Bekenntnis für oder gegen den Wolf.

von links: Johannes Funke (SPD), Christina Schade (AfD), Benjamin Raschke (Grüne), Kathrin Dannenberg (Linke), Hans-Peter Goetz (FDP), Ingo Senftleben (CDU), Uwe Litfin (BVB/Freie Wähler) und (als Veranstalter und Moderator) Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds (Quelle: rbb/Claudia Stern)v.l.: Johannes Funke (SPD), Christina Schade (AfD), Benjamin Raschke (Grüne), Kathrin Dannenberg (Linke), Hans-Peter Goetz (FDP), Ingo Senftleben (CDU), Uwe Litfin (BVB/Freie Wähler) und (als Veranstalter und Moderator) Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds (Quelle: rbb/Claudia Stern)

Mehr Unterstützung für Weidetierhalter

CDU-Spitzenkandidat Ingo Senftleben nutzte den Wahlkampfauftritt vor rund 80 Gästen, um den Weidetierhaltern klare Unterstützung zuzusagen. "Wir müssen den Wolf regulieren, das heißt: Wir müssen die Anzahl der Wölfe, die in Brandenburg leben, festlegen. Wir müssen die Schutzmaßnahmen entsprechend ausprägen. Wir müssen den Wolf in das Jagdrecht überführen, damit er auch bei entsprechenden Übergriffen gejagt werden kann."

Für eine Begrenzung der Wolfspopulation in Brandenburg sprachen sich auch FDP-Spitzenkandidat Hans-Peter Goetz sowie AfD und BVB/Freie Wähler – in Abwesenheit ihrer Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz und Peter Vida – aus. Ein klares Nein zum Abschuss an der Weide kam von Benjamin Raschke von den Grünen. "Unser Angebot ist: großzügige Entschädigungen, wenn der Wolf reißt, großzügige Herdenschutzmaßnahmen, eine Weideprämie, damit die Schäfer und Schäferinnen überhaupt etwas haben, wovon sie leben können. Und wenn der Problemwolf kommt, muss der abgeschossen werden."

Hitzige Debatte, zwiegespaltene Besucher

Die verschiedenen Positionen wurden bei der gut zweistündigen Veranstaltung hitzig diskutiert. Am Ende waren die Besucher zwiegespalten. "Ich nehme mit, dass doch einige Parteien positiv den Bauern und Landwirten gegenüber eingestellt sind und eigentlich unser Problem auch erkannt haben", resümierte eine Frau. Andere äußerten sich weniger optimistisch: "Die Politik ist einfach zu langsam" und "Keiner hat einen blassen Schimmer gehabt", hört man von verschiedenen Seiten.

"Letztendlich wird es dann die Zukunft zeigen, inwiefern die hier gesprochenen Worte dann auch tatsächlich Realität werden", sagt einer der Besucher schulterzuckend. Die Zukunft - damit meint er die Zeit nach der Landtagswahl, wenn die Politiker vom Wahlkampf wieder zurück in den Arbeitsmodus schalten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.07.2019, 11:40 Uhr

Beitrag von Claudia Stern

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37 Kommentare

  1. 36.

    Und wir möchten, daß das Schießen von Wölfen unter härtere Strafen gestellt wird, weil Wölfe für ein gesundes Ökosystem unerläßtlich sind. Aber alles abknallen, was einem nicht gefällt, ist halt einfacher.

  2. 35.

    Bitte informieren Sie sich über Wölfe, bevor Sie solche merkwürdigen Vorschläge veröffentlichen. Wölfe legen am Tag locker 70 km zurück. In 12,5 Tagen können sie also die BRD in ihrer Nord-Süd-Ausdehnung durchqueren. Von welchen Truppenübungsplätzen reden Sie also? Genau dort sind doch die Wolfe und machen von da aus ihre Beutezüge. In den Wolfsgebieten wurden zudem mit erstaunlicher Regelmäßigkeit immer zuerst die TüP von den Wölfen besetzt. Wir sind hier außerdem nicht in Sibirien sondern in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft.

  3. 34.

    Als die Gebrüder Grimm 1812 ihren ersten Band der Hausmärchen veröffentlichten, kam es in D. duchaus noch vor, daß Menschen - insbesondere Kinder - von Wölfen getötet wurden: Viersen/Roermond 1810/11: 12 Kinder, Landkreis Wongrowitz (Provinz Posen) 1814/15: 28 Kinder, daselbst 1820: 16 Kinder und 3 Erwachsene.

    Ihre platte Bemerkung über Rotkäppchen geht also genauso fehl wie die über Bauernverband und AfD.

  4. 33.

    Bitte googeln Sie "eaten alive by wolves" und erklären Sie uns bitte, welches Tier auf den Wolf gewartet hat. Danke.

  5. 32.

    Abschießen kann ja wohl keine Lösung sein, nur weil sich ein Wolf mal in ein "falsches Gebiet" verirrt hat.

    Besser wäre es, solche Wölfe einzufangen und in für sie vorgesehene Gebiete (z.B. verlassene Truppenübungsplätze, Wildparks oder Nationalparks) wieder auszusetzen.

  6. 31.

    Nun, wenn Sie keine Probleme haben, schön für Sie. Andere haben welche. Was nützt ein tolles Klima, wenn die Existenz bedroht ist?

  7. 30.

    Herrlich wie hier immer über solche absoluten Minderheitsthemen gesprochen und geschrieben wird.
    Klar der Wolf ist unser großes Problem nicht etwa der Klimawandel oder so was...

  8. 29.

    Da haben die Schießer, die nur eines wollen, alles abknallen was stört, aber Glück, dass die Wölfe nicht zurück schießen können!

  9. 28.

    Für vele Menschen sind Landwirtschaft und Nutztierhaltung anscheinend unbekannte Welten.
    Es gibt zahlreiche, gut erreichbare Angebote, wo man man mehr über Landwirtschaft, Nutztiere und den Wolf lernt als im Märchenbuch.
    Ein Urlaub auf dem Bauernhof ist erholsam und lehrsam, oder ein Besuch im Streichelzoo, in dem man Schafe mal von nahem kennenlernen kann. Auf Hundeausstellungen kann man sich Hunderassen zur Wolfsabwehr (Hirtenschutzhunde) und zur Wolfsjagd (große Windhunde) anschauen, um mal einen Eindruck zu bekommen, was ein Hund so mitbringen muss, um es mit einem Wolf aufnehmen zu können.

    Im Übrigen ist der Mensch ein Tier und Teil der Natur und unter den Tieren gar nicht der einzige Konkurrent des Wolfes.

  10. 27.

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht, man müßte doch nur bei der Forderung bei einem Wort zwei Buchstaben vertauschen und alle wären glücklich!

    Dann könnten die Wölfe leben und die "Bauern" könnten so oft sie wollen und können ihre Weiden vollschaizen... :-D

  11. 22.

    DEFINITIV NEIN, DER MENSCH IST EIN STÖRFAKTOR IN DER NATUR.....LEIDER!! Kein Tier hat auf den Menschen gewartet, ganz im Gegenteil!! Und die Natur sowieso nicht!!

  12. 21.

    ...wo er eine Bedrohung für Menschen und Weidetiere darstellt...?
    Ach ja, da gab es Rotkäppchen und die Geißlein. Der Bauernverband macht also afd Propaganda.

  13. 19.

    Wie kommen Sie dazu den Ökobauern unterzuschieben diese seien Wolfsmörder ? Da der Wolf schon vor den heutigen Menschen da war, wieso sollten wir dann verhungern?

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