Ingo Senftleben zum CDU-Spitzenkandidaten in Brandenburg gewählt (Quelle: dpa/Riedl)
Video: Brandenburg aktuell | 15.06.2019 | Michael Schon | Studiogast: Ingo Senftleben | Bild: dpa

Wahl zum Spitzenkandidaten - Senftleben will trotz Rückschlag an Kurs festhalten

Mit knapp 70 Prozent ist Ingo Senftleben zum Spitzenkandidaten der Brandenburger CDU für die Landtagswahl gewählt worden - weniger als erwartet. Schwierigkeiten hatte Senftleben auch, seine Kandidaten auf der Landesliste durchzusetzen.

Brandenburgs CDU-Landeschef Ingo Senftleben ist am Sonntag mit 69,5 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gewählt worden. Beim Landesparteitag in Potsdam erhielt er 82 Ja-Stimmen der 118 Delegierten, 30 Delegierte stimmten mit Nein, sechs enthielten sich. Senftlebens Vorgänger Michael Schierack hatte 2014 noch knapp 90 Prozent erhalten.

Der märkische CDU-Vorsitzende steht in seinem Landesverband in der Kritik, weil er eine Koalition mit der Linken nicht ausschließt. Senftleben kündigte am Samstagabend in der rbb-Sendung Brandenburg aktuell jedoch an, er wolle weiterhin, wie kürzlich gesagt, nach der Landtagswahl mit allen Parteien sprechen. "An diesem Ziel werde ich festhalten", sagte Senftleben. Wenn das Ziel der CDU sei, mit allen Brandenburgern zu sprechen, müsse auch mit allen Parteien gesprochen werden, die in den Landtag gewählt werden.

Mehrere Vorstandskandidaten fielen durch

Auch bei der weiteren Besetzung des Landesliste musste Senftleben Rückschläge einstecken. Die vom Vorstand auf den Plätzen 4 und 6 der Landesliste vorgeschlagenen Neueinsteigerinnen Karin Lehmann und Annett Polle bekamen von den Delegierten keine Mehrheit. Stattdessen wurden dort mit mehr als 60 Prozent der Stimmen der langjährige Landtagsabgeordnete und Mittelstands-Sprecher Frank Bommert und Bürgermeister André Schaller aus Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) gewählt.

In seiner Bewerbungsrede hatte Bommert Senftleben dafür kritisiert, dass dieser eine mögliche Koalition mit der Linken nicht ausgeschlossen hat. "Ich kämpfe für diese CDU mit aller Kraft, aber nicht zusammen mit der Linkspartei", rief Bommert den Delegierten zu.

Der auf Platz 7 nominierte Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski scheiterte gegen den Junge Union-Chef Julian Brüning, der bei seiner Gegenkandidatur ebenfalls auf 61,4 Prozent kam. Bis zum Platz 13 wurden die vom Vorstand gesetzten Landtagsabgeordneten gewählt. Der Rechtsexperte Danny Eichelbaum und und der Innenexperte Björn Lakenmacher konnten sich auf den Plätzen 14 und 15 bei Gegenkandidaturen behaupten. Doch die vom Vorstand nominierte Neueinsteigerin Anja Schmollack unterlag im Kampf um Platz 19 dem Gegenkandidaten Franz Herbert Schäfer aus Groß Kreutz.

Senftleben zeigt sich gelassen

Senftleben hatte mit seinem Listenvorschlag CDU-Politiker aus allen 18 Kreisverbänden und mehr Frauen auf die vorderen Plätze der Liste bringen wollen. Das Ergebnis kommentierte Senftleben in Brandenburg aktuell am Samstag: "Wer einen mutigen Vorschlag macht - wie der Vorschlag zur Landesliste -, der muss vielleicht auch das Risiko eingehen, dass nicht alle Delegierte diesem Weg folgen werden." Er werde weiter dafür eintreten, dass Frauen und Männer gleichberechtigt Politik machen.

Senftleben zeigte sich bereits am Rande des Parteitags angesichts der Rückschlage gefasst: "Ich habe Vorschläge gemacht, die Partei hat anders entschieden - das habe ich zu akzeptieren. Punkt." Mangelnde Geschlossenheit der Partei vermochte Senftleben nicht zu erkennen. "Wir haben in den letzten Jahren als CDU sehr geschlossen gezeigt, wie wir für dieses Land arbeiten wollen - und deswegen würde ich diese Arbeit der vergangenen Jahre nicht wegen eines Tages wegwischen lassen wollen."

"Keine Experimente mehr"

Zuvor hatte Senftleben den Parteitag mit einer kämpferischen Rede auf einen Sieg bei der Landtagswahl eingeschworen. "Ich habe Bock auf Brandenburg und ich habe Bock auf unsere Mannschaft." Senftleben machte deutlich, dass er den amtierenden Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) ablösen wolle. Als Schwerpunkte seines Wahlkampfs nannte er unter anderem eine Politik für Familien sowie die Einstellung von mehr Polizisten und Lehrern. "Wenn eins wichtig ist: Dann ist das Schluss machen mit 30 Jahren rot-grüner Bildungspolitik", rief Senftleben. "Keine Experimente mehr an den Schulen in Brandenburg."

Sendung: Abendschau, 15.06.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 12.

    Arme CDU: in Bremen wollen die drei linken Parteien lieber alleine regieren und in Görlitz kann der CDU Kandidat nur mit Hilfe von Grünen, SPD, Linken und Hollywood zum Oberbürgermeister gewählt werden. Da wird wohl im Herbst bei den 3 Landtagswahlen das Motto "Eine gegen Alle" sein!

  2. 11.

    Wer zu sehr nach links blinkt, wird eben von den eigenen alten weißen Männern rechts überholt.
    Gleichzeitig wird wieder KKK für die Frauen in seiner Partei eingeführt. Also doch nur Herdprämie und kein aussichtsreicher Listenplatz.

  3. 10.

    Wenn ich so den Wahlkampf von Senftleben sehe, der Rückhalt in der eigenen Partei ist dürftig; nach allen Seiten offen ist halt problematisch, man kann schnell als profilloser Opportunist wahrgenommen werden.

    Tatsächlich konnte bisher Merkel eine Diskussion der dramatischen Verluste der Merkel-CDU wegdrücken. Auch Merkel-Anhänger Senftleben vermeidet, dieses Thema anzusprechen.

    Mutiger ist da das CDU Mitglied und der Polizeigewerkschattsführer Wendt:

    "Wenn die Union diese Realität weiter ausblendet, dann läuft sie Gefahr, das gleiche Schicksal zu nehmen wie die Sozialdemokraten»".

    Die Flucht von CDU Wählern zu den Grünen ist Ausdruck der enormen Unzufriedenheit von breiten Teilen ehemaliger CDU-Wähler aus ihrer von Merkel ausgelaugten Partei.. Nach deren Meinung gibt es im Parteienspektrum keine andere Möglichkeit, seine Unzufriedenheit auszudrücken.

  4. 9.

    Ach ja? Sie machen es am Alter und am Geschlecht fest? Sie wissen schon, dass niemand deswegen benachteiligt werden darf, oder?

  5. 8.

    Drei vorgeschlagene Kandidatinnen verlieren gegen ältere Herren. Da weiß man, woran man bei diesem Laden ist.

  6. 7.

    Also Herr Ziemiak hat eine Kooperation mit AFD und Linkspartei ausgeschlossen. Ok, wie will die CDU dann in Brandenburg regieren? CDU/SPD/Grüne? Um dann in der Regierung dauernd von SPD/Grün überstimmt zu werden? Hahaha.

  7. 6.

    Wieso blöd? Das ist eine ganz einfache Sache, entweder man entscheidet sich als Demokrat gegen Rechtsextreme oder man stellt seine Machtgelüste über diese Werte.

    Er ist ja nicht der einzige cDU Politiker der ein bißchen zu laut darüber nachdenkt mit der AfD zu koalieren und dann sind wir ganz schnell bei Verhältnissen wie Juni/Juli 1932.

  8. 5.

    Vom mit der AFD sprechen ist es nur ein kleiner Schritt zur Koalition. Wer mit den Braunen im blauen Mäntelchen spricht ist für mich nicht wählbar. Wie kann eine Partei nur so machtbesessen sein.

  9. 4.

    Ist aber auch ne blöde Situation für die CDU! RRG will nicht mit ihr regieren, siehe Bremen. Und nach rechts kann sie nicht, da sitzt die AFD fest im Sattel! Allein auf die FDP zu hoffen dürfte aussichtslos sein. Bliebe also nur EWIGE Opposition. Die Aussicht nenne ich trostlos.

  10. 3.

    Senftleben ist in erster Linie einer der cDU Leute, die sich Rechtsextremen anbiedern. Wohin das führt hätte er an der cSU in Bayern sehen können, Er biedert sich also trotzdem an. Mal sehen wohin das führt.

  11. 2.

    Senftleben ist Merkel-CDU. Interessierten Beobachtern ist noch in Erinnerung, wie er Merkel stützte, Asylanten aufzunehmen, die bereist in der EU in einem anderen Land einen Antrag gestellt haben.
    Ob die CDU auch den SPD-Weg in die Bedeutungslosigkeit gehen wird, wie dies der Polizeigewerkschaftschef Wendt befürchtet, bleibt allerdings abzuwarten.

  12. 1.

    Wofür RUN DMC so herhalten muss. *Kopfschüttel* Grausam!

    Bills rise higher every day
    We receive much lower pay
    I'd rather stay young, go out and play
    It's like that, and that's the way it is
    Huh!

    Wars going on across the sea
    Street soldiers killing the elderly
    Whatever happened to unity?
    It's like that, and that's the way it is

    Und das will CDU sein?

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