Andreas Kalbitz (Landesvorsitzender) spricht am 27. April 2019 auf dem Landesparteitag der AfD Brandenburg in Falkensee. (Quelle: imago)
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Video: Brandenburg Aktuell | 12.07.2019 | Michael Schon | Bild: imago

Die Spitzenkandidaten | Andreas Kalbitz (AfD) - Mit Preußen als Vorbild in den Wahlkampf

Die Europawahl war für die AfD in Brandenburg ein Triumph. Nun hofft Spitzenkandidat Andreas Kalbitz bei der Landtagswahl auf ein ähnlich gutes Ergebnis. Sein Ziel: Mit preußischen Tugenden "die Wende vollenden". Von Michael Schon

"Ohne mich wäre der Landtag für die Opposition vielleicht deutlich langweiliger. Ob die das so sehen, weiß ich nicht, aber ich glaube, die Belebung tut uns gut, tut Brandenburg gut und tut der Demokratie gut." Andreas Kalbitz will an die Macht. Der in München geborene ehemalige Berufssoldat trat 2013 in die AfD ein und machte in Brandenburg eine steile Parteikarriere. 2014 zog er als Abgeordneter in den Landtag ein, 2017 beerbte er Alexander Gauland als Parteichef.

Nun führt er die AfD als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf und sagt klar: "Wenn ich die Mehrheitsverhältnisse habe und in der entsprechenden Konstellation das möglich ist, möchte ich natürlich Ministerpräsident werden."

Vorbild Preußen

Auf dem Weg nach vorn will Andreas Kalbitz zurückschauen in die Vergangenheit – weit zurück, ins alte Preußen. "Ich denke zum Beispiel daran, dass Preußen unter Bismarck die erste Sozialversicherung hatte, weltweit. In der ganzen Welt – ist häufig vergessen – wurde sich dieses Vorbild genommen", sagt der 46-Jährige, der heute in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) lebt.

Mit den preußischen Tugenden - Bescheidenheit, Disziplin und Pünktlichkeit - und mit der AfD will Kalbitz im Osten die Wende vollenden.

Von den Fans bejubelt, vom Verfassungsschutz beobachtet

In den fünf Jahren als Landtagsabgeordneter und zuletzt als Partei- und Fraktionschef der Brandenburger AfD führte Kalbitz den Landesverband konsequent nach rechts. Dabei schadete es ihm nicht, dass in seiner Biografie immer wieder Verbindungen ins rechtsextreme Milieu aufblitzten.

Seine Mitgliedschaft bei den Republikanern, sein Besuch auf dem Sommerlager der heute verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend Mitte der 2000er-Jahre - all das verschweigt er zunächst, tief verschüttet im Gedächtnis, was nicht ins Bild des konservativen Saubermanns passt. Auch, dass er ein äußerst schlechter Schüler war und ein oder zwei Ehrenrunden gedreht hat, weiß er nicht mehr so genau. "Wer weiß das schon. Das ist 40 Jahre her", sagt er.

"Er ist entspannt, er ist ehrgeizig, er hat sehr viel Wissen und er kann auch Meinungen vertreten", beschreibt ihn sein langjähriger Freund, Benno Breitmeier. Von seinen Fans wird Kalbitz als kompromissloser Redner geschätzt. "Ich rede nicht von der Bevölkerung. Sondern ich rede vom deutschen Volk. Und das deutsche Volk, das sind wir", sagte er in einer flammenden Rede beim Kyffhäusertreffen 2019 des "Flügels", einer Rechtsaußenströmung der AfD. Für den Verfassungsschutz ist Kalbitz ein Verdachtsfall.

Das Kandidaten-Quiz

Kategorie Partei - Schwierigkeitsstufe mittelschwer

Sie wollen keine Kompromisse, heißt das, Sie wollen allein regieren oder heißt das, sie wollen gar nicht regieren?

Kalbitz: "Nein, das ist natürlich nicht richtig. Zu einer Demokratie gehören Kompromisse. Keine Kompromisse bezog sich auf unsere Wertvorstellungen, auf das was wir einbringen, innerparteilich auch als Partei, dass man dann die Lösungen auf Grundlage dieser Wertvorstellung oder dieser Ideen dann aushandeln muss in der Politik, das ist ja selbstverständlich."

Kategorie Programm – Schwierigkeitsstufe schwer

Sie wollen den Mindestlohn erhöhen, die Rede ist von 15,40 Euro. Wie wollen Sie das den Mittelständlern erklären, denen Sie gleichzeitig weniger Staat versprechen?

Kalbitz: "Wenn man da entzerrt, Bürokratie abbaut, Steuerlasten senkt, dann glaube ich, ist das wieder was, was Luft schafft, um auch wieder vernünftige Löhne zu bezahlen."

Kategorie Person – Schwierigkeitsstufe leicht

Sie sagen, Sie möchten Verantwortung übernehmen für dieses Land. Welche Verantwortung meinen Sie?

Kalbitz: "Die Verantwortung, an Entscheidungen teilzuhaben, die die Zukunft dieses Landes sichern, aber auch die nötigen Veränderungen herbeiführen, die wir brauchen."

Dieses Porträt über den AfD-Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz ist das sechste einer Reihe, in der wir Ihnen die Spitzenkandidaten jener Parteien vorstellen, die gute Chancen haben, nach der Wahl am 1. September 2019 im neuen Landtag vertreten zu sein. Bereits vorgestellt wurden: Péter Vida von der BVB/Freie Wähler, Ingo Senftleben von der CDU, Ursula Nonnemacher von den Grünen, Hans-Peter Goetz von der FDP, Sebastian Walter von der Linken.

Als nächstes folgt: Dietmar Woidke, SPD

Sendung: Brandenburg Aktuell, 12.07.2019, 19:30 Uhr

Beitrag von Michael Schon

Kommentar

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Antwort auf [Petra ] vom 22.07.2019 um 07:49
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64 Kommentare

  1. 64.

    Die Vereinnahmung Preußens durch Rechtsextreme, führte zum Ende des Staates, ein weiteren Tag von Potsdam braucht wirklich niemand.

  2. 63.

    Es geht hier keineswegs um eine Bagatellisierung der Verantwortung für den 1. Weltkrieg. Was ich schrieb, was lediglich auf die Alleinschuld gemünzt. Alle Verantwortlichen zu benennen, heißt m. E. nicht, etwas im politischen Sinne zu relativieren, auch wenn das im rein logischen Sinne so erscheinen mag.

    Jeder soll auf das schauen, was er und sie verbockt hat. Da ist dieses Land noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, abseits einer ausgesprochenen Selbstgeißelung.

  3. 62.

    Dass sie Tatsachen, die nicht ihrer "Meinung" entsprechen nicht annehmen ist ja kein Geheimnis.

    Wer sich hier ständig wiederholt steht außer Frage. Ihr "Wenn Sie sich mal wirklich mit Geschichte und geschichtlichen Zusammenhängen befassen würden und nicht nur einzelne Sprüche aus dem Zusammenhang gerissen zitieren würden, dann könnten Sie Ihren Horizont kräftig erweitern. " ist doch nur eine erneute Variante von "nicht erfassen können" (wie auch ihr Pressesprecher)oder nicht verstanden. Legen sie doch mal eine andere Platte auf!

    Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit Geschichte, speziell die preußische, deutsche und Berliner Geschichte. Ihr Vorwurf ist also lächerlich und ihr Versuch der Geschichtsklitterung unglaublich.

    Aber, wie gesagt, eine Geschichtsstunde wäre bei ihnen sowieso vergeblich. Bei ihrer ... "geschlossenen Weltbild" wären das die sprichwörtlichen "Perlen vor die Säue"!

    Ihr geklittertes Geschichtsbild ist alles, nur nicht eine "differenzierte Sicht".

  4. 61.

    Für die Landesgesetzgebung haben Sie natürlich Recht. Dass es hier ausschließlich darum ging, war zumindest mir nicht klar erkennbar. Die Anzahl und Bedeutung von Landesgesetzen ist aber eh nachrangig, die wirklich wichtigen und bewegenden Themen sind nahezu alle Bundesrecht.

  5. 60.

    Ob RRG/GRR gute Chancen hat, hängt maßgeblich vom Abschneiden von CDU, FDP und AfD ab. Wenn letztere zusammen mehr Stimmen erzielen sollten, ist GRR ein Wunschschloss. Dann gibt es eher was Grün-Schwarz-Gelbes oder gar Rot-Schwarz-Gelbes. Ein gutes Abschneiden der AfD heißt keineswegs, dass GRR/RRG gefördert würde. Die hätten dann sowieso eine Mehrheit erreicht, auch ohne AfD. Ich würde für Brandenburg im Moment noch keine Prognosen wagen. Woidtke ist sooo unbeliebt ja auch nicht, verspielt aber mit seinem Wankelmut bei der Kohle gerade Sympathien. Ich sehe aber auch keinen Kontrahenten, der Woidke aktuell das Wasser reichen könnte. Es bleibt spannend da im Berliner Umland.

  6. 58.

    Es geht in der Diskussion um das Land Brandenburg.
    Der Landtag hat mit dem Bundestag, Bundesrat oder Bundespräsidenten hinsichtlich der Landesgesetzgebung nichts zu tun. Zur Verabschiedung eines Landesgesetzes reicht eine einfache Mehrheit, also die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

    Um den Kreis des Gespräches nun wieder zu schließen, hat GRG also für die zukünftige Legislaturperiode in Brandenburg ganz gute Chancen, ihre politischen Vorhaben durchzubekommen - indirekt auch durch die AfD, welche sich als nicht koalitionsfähig (mit der CDU) erweist.

  7. 57.

    Mit Ihnen kann man ja vernünftig diskutieren aber wir entfernen uns vom eigentlichen Thema um eine sehr weitläufiges Thema anzuschneiden. Deshalb kurz.

    Ich habe niemals behauptet das Deutsche Kaiserreich (!) hätte die Alleinschuld am Ausbruch des WW I. Es ist aber unbestritten dass der deutsche Kaiser den Krieg verhindern hätte können aber dazu gab es nicht nur auf deutscher Seite viel zu viele Kriegstreiber. Das fing schon mit dem Besuch in Sarajewo an. Das war geplant. Man wollte einen Zwischenfall. Und der deutsche Kaiser gab den Österreichern eine Blankovollmacht.

    Es gäbe noch viel mehr zu erwähnen, die enorme Aufrüstung, die Militarisierung der Gesellschaft bis hin zur Entlassung Bismarcks... aber s.o.

  8. 56.

    Kalbitz ist in der JU und cSU weniger aufgefallen als seine eindeutigen Verbindungen zu Rechtsextremisten, Neonazis und deren (verfassungswidrigen) Organisationen aber auch das ist nicht verwunderlich. Die Liste ist lang.

  9. 55.

    Richtigerweise zwei mal eine einfache Mehrheit - im Bundestag und im Bundesrat. Und selbst dann bleibt noch die Hürde, dass der Bundespräsident ein beschlossenes Gesetz nicht unterschreiben darf/soll/braucht, wenn es seiner Auffassung nach gegen das Grundgesetz verstößt. Jeder Gesetzesbeschluss hat somit drei Kontrollinstanzen, bevor es wirksam wird.

  10. 53.

    Eine Zweidrittelmehrheit braucht es nur für verfassungsändernde Gesetzesentwürfe, für normale Gesetzesvorschläge reicht die einfache Mehrheit.

  11. 52.

    Sie ignorieren z. B. nazi-deutsche Truppen in Afrika (Süden), Frankreich (Westen) und Norwegen (Norden) sowie Nazi-Marine im Atlantik und Nazi-Bomben auf England. Also kein Wunder, dass Herr Kalbitz sehr weit in die Vergangenheit blicken will, um die Untaten des österreichischen Kriegsverweigers und Massenmörders samt seines Verbrecher-Gesindels übersehen zu können. Vor allem erweckt er mMn den Eindruck, sich mit fremden Federn schmücken zu wollen, weil er sein "preußisches" Ziel nicht vorlebt. Leere Worte!

  12. 50.

    Das ist in der Tat keine Geschichtsschreibung rechter, treffender wohl rechtsextremistischer Kreise, der Unterschied zwischen dem Auslösen des 1. Weltkrieges und des 2. Weltkrieges dürfte bei Historiker mittlerw. unbestritten sein.

    Die hierfür unverdächtige Rosa Luxemburg warnte schon 1905 vor den Gefahren eines heraufziehenden Krieges. Und zwar bei allen Seiten. Denn es waren alle beteiligten Seiten, die noch spezifische "Bauvorbereitungen" dazu vorhatten. Die Deutschen den heute so benannten Nord-Ostsee-Kanal, der die ausgebaute Festung Helgoland mit dem Marinehafen Kiel verband, in anderen Ländern Analoges.

    Die Urheber des 2. Weltkrieges sind hingegen 100%ig eindeutig : Es war der nazi-deutsche Griff nach Osten.

  13. 49.

    Ihre immer gleichen Sprüche langweilen mich. Das können Sie gerne so oft wiederholen, wie Sie möchten, ich nehme es mir eh nicht an. Wenn Sie sich mal wirklich mit Geschichte und geschichtlichen Zusammenhängen befassen würden und nicht nur einzelne Sprüche aus dem Zusammenhang gerissen zitieren würden, dann könnten Sie Ihren Horizont kräftig erweitern. Ich habe fürs Kaiserreich nun wahrlich nichts übrig, aber die einseitige Geschichtsschreibung der Linken zu dieser Epoche ist eben auch nicht meins. Die Zusammenhänge waren etwas komplexer als die einseitige Sichtweise über den deutschen Kaiser, der Krieg im Sandkasten Europa spielen wollte. Wer nicht aus der Geschichte lernt, begeht am Ende dieselben Fehler immer wieder. Das ist kein Infragestellen der deutschen Kriegsschuld, schließlich hat das Deutsche Reich ihn angefangen, aber eine differenzierte Sicht auf den Weg dahin.

  14. 48.

    Ein rechtsradikaler Bayer der jetzt Preußen lobt? Nun ja, seine Wähler wollen unbedingt verarscht werden. Nur nicht mehr so offensichtlich wie von den anderen Parteien.

  15. 47.

    "Die Kriegstreiberei ist historisch übrigens nicht zu halten. Alle Großmächte haben faktisch auf einen Krieg gewartet, um die Macht in Europa zu klären. Deutschland war nur blöd genug, diesen Krieg auch anzufangen."

    Aha... "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche". Deutschland, von Feinden umringt.

    Wir erleben hier eine Geschichtsstunde wie sie in extremen rechten Kreisen immer noch gewahr ist. Ich werde jetzt hier mit Sicherheit keine Geschichtstunde anfangen... aber sie haben sich hier gerade geoutet.

  16. 46.

    Das ist m. E. sehr zutreffend.
    "Jeder nach seiner Facon" ist mit einer AfD nicht zu machen, weil das Fremde per se als Bedrohung definiert wird.

    Da waren die (vordemokratischen) Preußen-Könige schon weiter. Ein Bauwerk steht seit eindreiviertel Jahrhunderten in Potsdam. Das Pumpwerk für Sanssouci, im Volksmund als "Moschee" bezeichnet. - Menschen vom Schlage eines Andreas Kalbitz hätten so etwas nie zugelassen.

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