Ursula Nonnemacher (Quelle:dpa/Patrick Pleul)
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Video: Brandenburg Aktuell | 10.07.2019 | Jacqueline Piwon | Bild: dpa/Patrick Pleul

Die Spitzenkandidaten | Ursula Nonnemacher (Grüne) - Raus aus der Kohle, rein in den Zug

Bei der Europawahl im Mai erreichten die Grünen in Brandenburg 12,3 Prozent - mehr als doppelt so viele Stimmen wie vor fünf Jahren. Diesen Trend will die Partei fortsetzen. Spitzenkandidatin Ursula Nonnemacher setzt auf die Themen Kohleausstieg und Nahverkehr. Von Jacqueline Piwon

"Ohne mich wäre der Landtag um eine engagierte Rednerin ärmer", sagt Ursula Nonnemacher über sich selbst. Und tatsächlich hat die Grünen-Politikerin aus Falkensee in der vergangenen Legislaturperiode die meisten Reden im Landtag gehalten. Das passt zu ihrem Ruf, denn über Parteigrenzen hinweg sagt man ihr Fleiß und Ehrgeiz nach.

Von der Ärztin zur Fraktionsvorsitzenden

Angefangen hat Nonnemachers politische Laufbahn im Ortsverband Falkensee, den die studierte Ärztin mit gegründet hat. Später war sie hier auch Stadtverordnete. Inzwischen sitzt sie seit zehn Jahren für die Grünen im Landtag, arbeitet in zahlreichen Ausschüssen mit und ist seit 2017 Fraktionsvorsitzende.

In ihrem Wahlkreis Falkensee sind die Grünen inzwischen stärkste Kraft im Stadtparlament und auch bei der Europawahl war die Partei der größte Gewinner. Doch Falkensee ist nahe an Berlin, gehört zum Speckgürtel. In der Uckermark oder der Lausitz sind die Grünen schwach. Bei der bevorstehenden Landtagswahl will Nonnemacher auch die berlinfernen Regionen mit grünen Themen erreichen.

"Hallo Bahn, Tschüss Frust"

Thematisch sieht Ursula Nonnemacher die Grünen im aktuellen Wahlkampf breit aufgestellt - sie wollen die Dörfer stärken, einen früheren Kohleausstieg und den öffentlichen Nahverkehr ausbauen. "Hallo Bahn, Tschüss Frust" steht auf einem der Grünen-Wahlplakate.

"Dieses 'Hallo Bahn' trifft doch die Befindlichkeit in ganz Brandenburg. Das ist doch sowohl für jemanden, der in der Prignitz steht und sich ärgert, dass überhaupt kein Zug fährt, als auch hier [a.d.R. im Speckgürtel] genau das richtige Thema. Und das Thema ist hier hochaktuell und das Thema ist auch in weiter abgelegenen Regionen hochaktuell", sagt Nonnemacher.

Nonnemacher will mitregieren

Eine, die Ursula Nonnemacher seit 20 Jahren kennt, ist Marlies Wutta aus Falkensee. Beide verbindet der Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen. Nonnemacher sei eine, die nicht davor zurückschrecke, auch mal anzuecken, beschreibt Wutta die Politikerin. "Für mich verkörpert sie so die authentische Politikerin, die nicht mit zwei Gesichtern spricht. Die auch mal durchaus gegen Wände rennt, wenn sie der Meinung ist, sie ist auf dem richtigen Weg."

Auf dem richtigen Weg scheint aktuell auf jeden Fall Nonnemachers Partei zu sein: Bei der Wahl am 1. September könnten die Grünen in Brandenburg zum ersten Mal zweistellig in den Landtag einziehen. Die Spitzenkandidatin rechnet sogar fest damit, dass die Grünen dann mitregieren werden.

Das Kandidaten-Quiz

Kategorie Programm – Schwierigkeitsstufe leicht

Sie wollen mehr Geld für den ÖPNV. Wo soll das Geld herkommen?

Nonnemacher: "Wir machen ein Wahlprogramm und wir stellen keinen Haushalt auf. Das ist natürlich richtig, man muss darüber Rechnung ablegen, wie will man die ganzen Dinge finanzieren. Aber ich denke, das sind vielleicht Angelegenheiten, die gegebenenfalls auch Koalitionsgesprächen vorbehalten sind."

Kategorie Person – Schwierigkeitsstufe mittelschwer

Vor ihrer politischen Laufbahn waren sie Ärztin. Welche Diagnose würde das Land Brandenburg von Ihnen bekommen?

"Ich würde sagen, einige gesundheitliche Probleme, aber durchaus beherrschbar und es besteht gute Aussicht auf Besserung und auf Gesundung."

Kategorie Partei – Schwierigkeitsstufe schwer

Sollte es dazu kommen, dass nur mit den Stimmen der Grünen eine Regierungskoalition zustande kommt, welche Kröte müssten die anderen Parteien auf jeden Fall schlucken, damit die Grünen ihnen zur Macht verhelfen?

"Kröten schlucken ist ganz hässlich. Wir haben uns auch bemüht, nicht zu viele rote Linien zu formulieren, aber es ist ganz klar: Mit uns wird es keine neuen Tagebaue geben. Mit uns werden keine Dörfer mehr für die Braunkohle abgebaggert und wir wollen einen früheren Ausstieg aus der Braunkohle."

Dieses Porträt über die Grünen-Spitzenkandidatin Ursula Nonnemacher Vida ist das dritte einer Reihe, in der wir Ihnen die Spitzenkandidaten jener Parteien vorstellen, die gute Chancen haben, nach der Wahl am 1. September 2019 im neuen Landtag vertreten zu sein. Bereits vorgestellt wurden: Péter Vida von der BVB/Freie Wähler, Ingo Senftleben von der CDU.

Als nächstes folgt: Hans-Peter Goetz, FDP

Sendung: Brandenburg Aktuell, 10.07.2019, 19:30 Uhr

Beitrag von Jacqueline Piwon

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12 Kommentare

  1. 12.

    Habe ich was verpasst? Wann waren denn "Grüne Vertreter im Bahn-Aufsichtsrat"? Ich bitte um Aufklärung und Nachweise.

    "Und beim Ausbau der S-Bahn nach Falkensee haben sich Nonnemachers Grüne als ganz große Bremser hingestellt und diese wichtige Projekt aus privaten Partikularinteressen blockiert."

    Auch hier bitte ich um Nachweise, ebenso hier: "Den Regionalverkehr ins westliche Berliner Umland hat dieses Grüne Politikversagen an seine Kapazitätsgrenze geführt,..."

    Ich habe hier eher den Eindruck dass sie hier absichtlich ohne Nachweise dafür zu haben einfach nur Fake News streuen.

  2. 11.

    "Hallo Bahn, Tschüss Frust" - was für eine unglaubwürdige Kampagne der Grünen.
    Als vor rund 20 Jahren Bahnstrecken stillgelegt und Bahnlinien gekürzt wurden, ließen die Grünen die Bürgerinitiativen im Stich, während sich Grüne Vertreter im Bahn-Aufsichtsrat ausruhten. Und beim Ausbau der S-Bahn nach Falkensee haben sich Nonnemachers Grüne als ganz große Bremser hingestellt und diese wichtige Projekt aus privaten Partikularinteressen blockiert. Den Regionalverkehr ins westliche Berliner Umland hat dieses Grüne Politikversagen an seine Kapazitätsgrenze geführt, die Züge sind überfüllt ohne das die S-Bahn entlasten könnte.
    Grüne sind unglaubwürdig.

  3. 10.

    Vielleicht wissen Sie es nicht, oder wollen es nicht wissen: das Problem, dass sich Energie von dem riesigen benötigten Ausmaß bisher nicht preisgünstig und mit einem halbwegs akzeptablen Wirkungsgrad speichern lässt, ist keines des politischen Willens sondern ein physikalisches! Das lässt sich auch mit tausenden Windrädern nicht ausgleichen. Darauf hat der Kommentator Uwe Bezug genommen und nicht auf die Beendigung des Zubaus von EEG.

    Ein Mittel gegen den Klimawandel wäre Einsparung, Abkehr von unserer Lebensweise: keine Reisen mehr, Arbeiten nur noch vor Ort, drastische Einschränkung des Konsums, Reparieren statt Neukauf.

  4. 9.

    Wenn kein Geld für den ÖPNV da ist, woher kommt dann das Geld um immer mehr kleine Anliegerstraßen zu teeren und zu versiegeln? Warum bekommen wir in Falkensee Hochglanzbroschüren mit Telefonnummern, die man auch im internet und im Telefonbuch findet? Warum werden für einen sinnlosen Kreisverkehr schöne alte Häuser abgerissen?
    Und wo landet das Geld der Fahrgäste, die morgens und abends jeden cm der Regionalbahn ausfüllen?

  5. 8.

    "Was wollen wir mit noch mehr Wind und Sonnenenergie?"
    Das politische Versagen der Verantwortlichen wenigstens teilweise abmildern!
    Zu dumm das die Wissenschaft bisher recht behalten hat. In wenigen Jahren wird "Wirtschaftswachstum" oder sichere Stromversorgung unser geringstes Problem sein.
    https://www.heise.de/tp/features/Klimawandel-Der-weltweit-waermste-Juni-4472767.html

  6. 7.

    Was wollen wir mit noch mehr Wind und Sonnenenergie?Was wir brauchen sind zuverlässig Speicher von vielen Gwh sinnvollerweise LangzeitSpeicher sonst kommen wir nicht weiter.

  7. 6.

    Meine Stimme hat sie! Keine neuen Tagebaue, keine Dörfer abreißen, Braunkohleausstieg früher als 2038! Das merke ich mir und das werde ich einfordern, wenn die Grünen tatsächlich mit in die Regierung kommen.

    Was mir noch fehlt: Die Blockadepolitik bei Wind- und Sonnenenergie durchbrechen!

  8. 3.

    Gestartet als Tiger und am Ende nur Bettvorleger.

    So kann man viele Grüne charakterisieren, die entweder wie hier in Berlin planlos agieren oder andernorts viel versprachen, hinterher aber zugeben mussten, dass die Finanzierung nicht möglich ist.

    Ich fürchte, dass die von den Wählern einen Glaubwürdigkeitsbonus bekommen werden.

  9. 2.

    Da bin ich wirklich gespannt, wie die Grünen abschneiden werden.

    Mein Tip: Wenn sie wieder 12 % erreichen, können sie sich glücklich schätzen.

  10. 1.

    Auf den Zug setzt ja nun aus taktischen Gründen auch die SPD und bei der Europawahl hatten die Linken den besseren Nahverkehr in Brandenburg sogar auf dem Wahlplakat.
    Doch an den Taten messen wir!

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