Stimmzettel mit Stift und Kreuz in Kreis (Bild: Torsten Becker/imago)
Bild: Torsten Becker/imago

Wahlen in Brandenburg - Südbrandenburg sucht vier neue Bürgermeister

Am Sonntag ist Wahltag. Die Brandenburger können entscheiden, wer im Landtag das Sagen haben soll. Im Süden Brandenburgs dürfen manche aber nicht nur zwei, sondern drei Kreuze machen, denn es werden auch vier hauptamtliche Bürgermeister gesucht. Ein Überblick.

Brandenburg wählt am 1. September einen neuen Landtag. Parallel wird landesweit in 30 Städten und Gemeinden auch über das Amt des Bürgermeisters abgestimmt. Im Süden Brandenburgs werden insgesamt vier Bürgermeister gesucht.  

Zwei Kandidaten in Heideblick

In Heideblick (Dahme-Spreewald) kommt es zu einem Duell zwischen dem parteilosen Amtsinhaber Frank Deutschmann und dem AfD-Kandidaten Thomas Richter.

Bürgermeister Frank Deutschmann (Foto: dpa/Stache)
Frank DeutschmannBild: dpa

Frank Deutschmann ist 54 Jahre alt und seit 2012 Bürgermeister. Er tritt nochmal an, weil es ihm Spaß macht. "Die Vielfalt der Themen und der Menschen, die mit ihren unterschiedlichen Meinungen kommen." Es bringe schon viel, wenn man den Leuten Zusammenhänge erklärt, sagt er.

Die vergangenen Jahren hat er unter anderem dem hochverschuldeten Trink- und Abwasserzweckverband gewwidmet, hat einen mobilen Bürgerservice und verschiedene Bauvorhaben auf den Weg gebracht, wie zum Beispiel ein neues Feuerwehrgerätehaus in Wehnsdorf. Deutschmann sagt, dass sich bei einer Wiederwahl, "bei mir nicht allzu viel verändern" werde. Es werde immer darum gehen, wieder Bauvorhaben zu realisieren, Fördermittel zu bekommen und eine leistungsfähige Verwaltung zu erhalten. "Wir haben auch Defizite, an denen wir weiter arbeiten müssen. Bei den Kitaplätzen wird es eng in den Einrichtungen, und wenn ich daran denke, dass unsere Feuerwehrfahrzeuge ein recht stattliches Alter haben…"

Thomas Richter Heideblick (Foto: Thomas Richter)
Thomas Richter | Bild: Thomas Richter

Die Feuerwehr ist auch ein großes Wahlkampfthema für Thomas Richter von der AfD, 45 Jahre alt. Er habe das Gefühl, dass in Heideblick "alles so ein bisschen vernachlässigt wird." Konkret müsse man zum Beispiel den schlechten Zustand der Feuerwehr in Falkenberg verbessern. "Wir wollen von der AfD hier Grundzentren schaffen, um die Bürger näher zu bringen und auch alles ein bisschen vorwärts zu bringen. Die Grundzentren sind dann so, dass die Gelder aus dem Landtag direkt zu uns kommen und auch von uns verwaltet werden."

Richter spricht sich also für mehr Selbstverwaltung aus. Und für mehr Miteinander. Vor allem die Jugendfeuerwehren müssten seiner Meinung nach mehr gestärkt werden. Thomas Richter geht es darum, "dass unsere Dörfer nicht aussterben oder mehr oder weniger verwaisen. Es muss mehr über Feuerwehren und Sportvereine laufen.“ Zudem will er eine bessere Anbindung an Großstädte. Fast alle Züge würden am Bahnhof Walddrehna durchfahren.

Nur ein Kandidat im Röderland

In Röderland (Elbe-Elster) ist die Ausgangslage eine andere. Hier tritt Amtsinhaber Markus Terne ohne Gegenkandidaten zur Wahl an. Warum es keinen Herausforderer gibt, ist dem Bürgermeister nicht zu entlocken. "Das ist ein Geheimnis, das werde ich hier nicht verraten, aber ich kann’s mir nicht erklären."

Markus Sterne Röderland (Foto: rbb/Schneider)
Markus Terne | Bild: rbb/Schneider

Seit 2011 ist Terne Bürgermeister. "Er hat sich bis jetzt ganz beliebt gemacht", sagt eine Einwohnerin. "Hier stand zum Beispiel ein abgebranntes Haus. Das war eine Gefährdung für den Kindergarten, darum hat er sich gekümmert, das wurde dann abgerissen." Markus Terne selbst freut sich, dass Röderland einen ausgeglichenen Haushalt hat und in den letzten acht Jahren keine Steuern erhöhen musste. Investiert wurde trotzdem, schwerpunktmäßig in die Kitas. Daneben sind auch Schule, Bibliothek und Sporthalle saniert worden.

In den nächsten acht Jahren will Terne andere Schwerpunkte setzen. Es gebe "Herausforderungen im Bereich des kommunalen Straßenbaus", sagt er. Gehwege und Plätze müssten saniert werden. Außerdem soll die Zusammenarbeit zwischen Kommunen verstärkt werden.

Haushaltsloch in Schenkendöbern

Eine größere Auswahl haben die Bürger in Schenkendöbern (Spree-Neiße). Hier bewerben sich vier Kandidaten um den Chefposten im Rathaus. Der bisherige Amtsinhaber Peter Jeschke (CDU) tritt nicht mehr an. Stattdessen hoffen Ralph Homeister (Wählergruppe Feuerwehr), Steffen Krautz (SPD), Maik Schulze-Luck (parteilos) und Andreas Stahlberg (parteilos) auf Stimmen.

Die Aufgabe für den neuen Bürgermeister wird nicht leicht, denn die Großgemeinde hat zwei Probleme: Im Haushalt klafft ein riesiges Loch und mit dem nicht vorhandenen Geld müssen 16 Ortsteile verwaltet werden. Allesamt kämpfen mit den gleichen Problemen, sagt ein Bürger aus dem Ortsteil Kreyne. "Hier auf dem Dorf gibt es relativ wenig. Keine Gaststätte, keine Einkaufsmöglichkeit, einen lückenhaften Busfahrplan." Wenn sich die Bürger nicht selbst helfen würden, wäre es "ziemlich tot".

Monika Goetzke Sonnewalde (Foto: privat)Monika Goetzke

Bürgernah agieren in Sonnewalde

In Sonnewalde (Elbe-Elster) bewerben sich drei Kandidaten um die Nachfolge von Rathauschef Werner Busse, der nicht mehr antritt. Alle drei sind schon Stadtverordnete, wollen aber mehr. Zum einen ist es die studierte Pädagogin Monika Goetzke (Linke), für die Ruhestand mit 65 ein Fremdwort ist. "Ich denke, Erfahrung, Engagement, Kreativität würde dieser Stadt guttun."

Rico Schulze ist 28 Jahre alt. Der Rechtspfleger geht für die CDU ins Rennen. "Ich habe mich beworben, weil Leute auf mich zugekommen sind, die meinen beruflichen Hintergrund kennen und gesagt haben: das ist vielleicht das Richtige für dich."

Rico Schulze Sonnewalde (Foto: rbb/Schneider)
Rico Schulze | Bild: rbb/Schneider

Dritter ist Felix Freitag (32). Der Außendienstmitarbeiter für Landmaschinen tritt für die Wählergemeinschaft "Unabhängige Wähler Sonnewalde-Umland" an. "Um zu 100 Prozent für Sonnewalde und die Gegend da zu sein, war für mich relativ schnell klar: Ich kann das nur machen, indem ich meinen Beruf wechsle."

Alle drei wollen das Ehrenamt stärken, bürgernah agieren und alle drei wissen, dass die hohen Wasser- und Abwasserpreise das größte Problem sind. In Summe kostet der Kubikmeter derzeit 8,23 Euro plus Grundgebühr. Eine schnelle Lösung verspricht niemand.

Felix Freitag Sonnewalde (Foto: privat)
Felix Freitag | Bild: privat

Monika Goetzke setzt auf den schon beschlossenen Wechsel zum Senftenberger Wasserbetrieb WAL. "Ich stehe für einen zügigen Wechsel." Genaue Zeitvorgaben wären aber unseriös, sagt sie. Rico Schulze ist klar, dass es der Bürgermeister nur mit den Stadtverordneten richten kann. "Ich kann und will es nicht versprechen, dass ich es lösen kann. Aber ich werde alles dran setzen, um in diesem Bereich voranzukommen." Felix Freitag glaubt, dass es keine Lösung geben wird, die alle zufriedenstellt. "Ich denke nicht, dass es in den nächsten zwölf Monaten final geklärt sein wird." Wichtig sei für ihm, auch auf grundlegende Sachen zu achten, wie zum Beispiel Vereine, Feuerwehren und die Jugend.

Bei den Kommunalwahlen im Mai hatte von den drei Kandidaten Rico Schulze die meisten Stimmen bekommen. Jetzt werden die Karten neu gemischt und es ist gut möglich, dass die Entscheidung in Sonnewalde erst 14 Tage später in einer Stichwahl fällt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.08.2019, 14.10 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren