Glosse | Wahlkampf in Berlin - In der Liebe und im Wahlkampf ist (fast) alles erlaubt

Schriftzug "Loves You" beim Freedom Dinner am 7.8.2021
Bild: picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Niemand macht in Berlin so effektiv Wahlkampf wie Franziska Giffey. Die SPD-Spitzenkandidatin bekommt dafür allerdings auch jede Menge Hilfe von den Kolleg:innen im rot-rot-grünen Senat. Bestes Beispiel: das "Freedom Dinner". Eine ehrfürchtige Glosse von Sebastian Schöbel

Das Schlimmste am Wahlkampf in Demokratien ist für Kandidat:innen ja, dass sie ihn nicht einfach alleine führen können. Ständig kreuzt von irgendwo die politische Konkurrenz auf, klaut einem die mediale Aufmerksamkeit und erschwert den Weg zum wohlverdienten Amt. Die Kandidatin oder den Kandidaten möglichst unbehelligt zwischen Wahlvolk und Kameras zu schieben, ist also eine Herausforderung für alle Parteien. Und niemand kann das in Berlin so gut wie die SPD.

House of Cards, SPD-Style

Eine echte Lehrstunde erteilten die Sozialdemokraten den Mitbewerbern jüngst beim sogenannten Freedom Dinner. Geneigte Leser:innen der Klatschspalten werden sich erinnern: Das war diese 500.000 Euro teure Werbeveranstaltung auf der Start- und Landebahn des TXL, bei dem sich Berlin der gesamten touristischen Welt vor der Kulisse eines stillgelegten Flughafens als "open for visitors" präsentieren wollte.

Worüber zumindest die lokale Welt am Ende sprach, war SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey. Denn die hatte die versammelten Medien plus dekorativer Dinnergäste und musikalischer Begleitung ganz für sich allein - dank genialer Vorbereitung, wie nun eine parlamentarische Anfrage der AfD und knallharte Recherchen des rbb offenbaren.

Wessen Party ist das hier?

Demnach wurde das Event zwar von der Berlin-Vermarktungsagentur "Visit Berlin" organisiert, das Einladungsmanagement für VIPs aber lag bei der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD). Die lud dann auch alle Spitzenkandidaten sämtlicher im Abgeordnetenhaus vertreten Parteien an - alle bis auf eine, aber dazu später mehr.

Dass die dann alle aufkreuzen sollten, war aber offenbar gar nicht geplant. Denn genial-geschickt nutzte die Senatskanzlei die Schwächen der politischen Gegner aus, um Giffey am Ende eine blitzsaubere Bühne für ihren Wahlkampf zu übergeben.

Lederer hat keine Zeit, die Grünen finden es "igitt"

Zunächst durch den Zeitpunkt der Veranstaltung: Samstag 18 bis 22 Uhr. Kultursenator Klaus Lederer, der die Linke in die Wahl führt, war damit raus. Schließlich wäre es ein Riesenskandal gewesen, wenn der für Berlins einzigartige Kulturszene verantwortliche Senator an einem Samstagabend nichts Besseres zu tun hat.

Dann der Ort: der Ex-Flughafen Tegel. Symbol für klimaschädliche Inlandsflüge unsympathischer Anzugträger, die nur mit dem Taxi oder (wenn’s der Firma schlecht ging) dem Bus zum Terminal fahren konnten, weil man die TXL-Ruine nicht mit der Bahn oder Tram erreichen konnte. Für Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch eine denkbar unpassende Umgebung: Sie sagte erwartungsgemäß ab.

Czaja ist traumatisiert, Wegner liest kein Spam

FDP-Spitzenkandidat Sebastian Czaja schied ebenfalls aus - sicherlich wegen der posttraumatischen Störung vom Verlust des letzten großen Wahlkampfthemas der Berliner Liberalen. Die wollten TXL bekanntlich offenhalten, gewannen sogar einen Volksentscheid dazu, scheiterten aber am schnöden "Nö, is nich" von Rot-Rot-Grün. Der Freie Demokrat hätte beim Freedom Dinner wohl keinen Bissen runterbekommen: abgesagt.

Die Letzten zwei auf der Liste waren aber kniffeliger. Zunächst Kai Wegner, Spitzenkandidat der CDU. Der ließ auf Nachfrage des rbb ausrichten, gar keine Einladung bekommen zu haben. Nun offenbart die parlamentarische Anfrage der AfD jedoch: Doch, hat er wohl! Unzählige (lies: zwei) Anrufe des rbb später stellte sich dann heraus: Die Einladung hatte die Senatskanzlei geschickterweise an die Sammelmailadresse des CDU-Landesverbandes geschickt – und dort war sie im Spam-Ordner gelandet. Dass die Berliner CDU digitale Post des Roten Rathauses genauso behandelt wie viele Berliner:innen unangenehme Post vom Berliner Polizeipräsidenten (Ablage P), lässt sich wohl nur durch die extreme Bürgernähe der Christdemokraten erklären.

Wer hat Brinkers Einladung?

Bleibt die AfD. Und hier offenbart die parlamentarische Anfrage die einzige Schlampigkeit in der ansonsten makellosen SPD-Wahlkampftaktik: Denn AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker wurde tatsächlich gar nicht eingeladen, wie die Senatskanzlei nun auf Nachfrage Brinkers zugeben musste - ein böses Party-Foul.

Dass sie "eine lästige Oppositionspartei" vertritt, räumt Brinker auf rbb-Nachfrage sogar ein. Doch die SPD ist schlau, das beweist sie mit einem ganz tiefen Griff in die Kiste der politischen Geniestreiche: "Durch ein Büroversehen in der Senatskanzlei hat die Spitzenkandidatin der AfD keine Einladungsmail erhalten", heißt es in der Antwort auf Brinkers parlamentarische Anfrage.

Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen: Wer je eine Schule besucht hat, weiß, dass keine Lehrkraft dieser Welt gegen so eine Entschuldigung ankommt. Sie ist sogar besser als die Wahrheit.

Alles für ein Like

Am Ende stand Giffey also allein auf dem TXL und feierte die Rückkehr Berlins auf die touristische Weltbühne. Sie war sogar so begeistert, dass sie auf ihrem Instagram-Kanal einfach das offizielle Werbe-Video zum Event von "Visit Berlin" verbreitete. Auf Nachfrage von Medien wie dem rbb, ob das nicht auf eine zu große Nähe zwischen Kandidatin und "unpolitischem Eventveranstalter" hindeutet, wurde das Video dann schnell ausgetauscht.

Ein "Büroversehen" vermutlich.

Beitrag von Sebastian Schöbel

26 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 26.

    Lassen Sie es gut sein. Der Typ lebt unverbesserlich in seiner eigenen Welt und akzeptiert nur eine Wahrheit, nämlich seine. Jeder, der anderer Meinung, wird von ihm angepöbelt.

  2. 25.

    Bis Sperenberg sind es rd. 60 km, bis EDDB 20. Ausgangpunkt ist bei Google Maps jeweils Nähe Berliner Dom. Sie wollen uns verkaufen, dass die Anbindung dorthin nicht teurer gekommen wäre. Dass solche Aufträge EU-weit ausgeschrieben werden, ignorieren Sie auich.

    LH und IF hatten mit der Wende vorgeschlagen, dass bei Berlin ein Großflughafen gebaut werden solle. Der Drops war gelutscht, als die später beim MUC eingestiegen sind, da die Politik hier mit sich selber beschäftigt gewesen ist.

    Größenwahnsinnig war vor allem RR, als Wowereit mit dem Segen der zwei anderen Eigentümer der FBB entschied, den Flughafen ohne GU auszubauen und Großmannsträumen eines Rheinländers auf den Leim ging.

    Ich kann Ihren Frust nachvollziehen, dass ich Sie immer wieder vorführe und mit den eigenen Waffen schlage wie z.B. Fakten aus dem von Ihnen seit Jahren gerne heran gezogenen Wikipedia-Link zum Bankenskandal. Sie reagieren darauf dann regelmäßig mit Beschimpfungen wie hier auch wieder.

  3. 24.

    Leute, zofft euch nicht. Es war ein schöner sonniger Tag, herrliches Wetter für "draußen" und, lest ihr ja selbst, Berlin liebt euch. Ja, auch euch. Muss ja nicht auf Gegenseitig beruhen - aber es wäre doch zumindest "Einer". ---> ;-) !!

  4. 23.

    Ach Swen, gibt es in Ihrer politischen Einschätzung nur "Faschisten und Rechtsextremisten" auf der einen Seite und auf der anderen nur das Komplomarat aus SPD, SED und Grüne? Das ist doch endstirnig und entspricht doch nur Ihrer Echokammer.
    Neben der SPD, die eine Betrügerin ins Rennen schickt, der viermalig umbenannten Mauerschützen - und Stasi-Partei und den Grünen, deren Spitzenkandidatin sich dafür entschuldigte, dass sie vor 40 Jahren Indianerhäuptling werden wollte, gibt es noch die CDU, FDP, DKP Die Grauen, Tierschutzpartei, ..... dass sind für Sie alles "Faschisten und Rechtsextremisten"?
    Sie sind für mich ein Dogmatiker, der nur eine "Diskussionen" mit Diffamierungen und Beleidigungen führen kann.
    Was unterscheidet Sie von den Hirnlosen von der AfD?

  5. 22.

    Und sie sind ein notorischer Lügner! Nein, hier ist bei weiten nicht jeder ein Rechtsextremist, nur die, die sich wie welche benehmen. Sei es in ihrer Ausdrucksweise oder weil sie rechtsextreme Propaganda betreiben.

    Die Fake News, die sie z.B. verbreiten, da begründe ich mit FAKTEN warum das Fake News sind, es sei denn sie bringen die zum x-drölfsten Male, dann wird mir das zu dumm.

    Natürlich hätte man Sperenberg größer bauen und müssen aber eben auch KÖNNEN, da wohnt so gut wie keiner.

    Die Anbindung wäre ähnlich aufwändig wie beim BER, nur hätte dann Diepgen und seine (West-)Berliner Betonmafia blöd aus der Wäsche geguckt.

    Ein innerstädtischen Flughafen ist überflüssig wie ein Kropf, die paar Geschäftsleute können sich auch einen Privatjet leisten. Und wenn dann die Bahn. Umweltfreundlicher obendrein.

  6. 21.

    Für Sie ist fast jeder ein Rechtsextremist, verbreitet Fake News oder versteht Sie nicht. Sie behaupten, dass der BER in seiner jetzigen Form größenwahsinnig, Sperenberg aber wg. FRA und MUC nicht gewollt gewesen sei. Um aber mit den LH-Hubs konkurrieren zu können, hätte man in Sperenberg ähnlich groß bauen müssen. Warum das kein Größenwahn sein soll, wird Ihr Geheimnis bleiben. Die - um auf Ihrem Niveau herabzusteigen - "Betonmafia" hätte sich zudem gefreut, da wesentlich mehr Geld in die Anbindung hätte gesteckt werden müssen. EDDB hat vor einen großen Nachteile: Dichter besiedeltes Umland und mit Sicherheit nicht erweiterbar. Die warnenden Stimmen aus der Frühphase des Baus sind, die behaupteten, dass der BBI zu groß geplant sei, wurden von der Entwicklung vor C. Lügen gestraft.

    Wie laut das Gejammer ob der viel längeren Wege gewesen wäre, ist schwer nachprüfbar. Schauen Sie sich aber auch hier wieder das über das Fehlens eines innerstädtischen Flughafens an.

  7. 20.

    Und ich hoffe der Wähler fällt nicht auf die braunen Rattenfänger herein. Wer die rechtsextreme AfD wählt, der wählt Faschisten und Rechtsextremisten.

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2021/09/mitarbeiter-afd-fraktion-brandenburg-rechtsextremer-hintergrund.html

  8. 19.

    Sonst wollen sie ja immer nicht verstehen, diesmal bin ich sicher dass mein Kommentar ihren geistigen Horizont übersteigt.

    Lesen sie nochmal und wenn sie meinen Kommentar verstanden haben, können sie sich ja noch einmal melden.

    Man wollte Sperenberg nicht.

  9. 18.

    Es ist geradezu peinlich, wie hier eine offensichtliche Betrügerin hofbar gemacht werden soll.
    Ich hoffe, der Wähler lässt sich nicht von dererlei Schmierentheater beeindrucken.

  10. 17.

    "Die von Bild gestellte Frage: "Muss Merkel jetzt die CDU retten?" zeigt doch nur wie schwächlich die CDU mittlerweile ist. "

    Und wer sich seine BILDung aus der BILDzeitung holt, dem ist echt nicht mehr zu helfen.

    "Und dabei hat Frau Merkel eben diesen Schwächezustand herbeigeführt. " Ich sage doch, wer sich seine BILDung...

    Die cDU hat sich selbst gelähmt und wurde zerrissen zwischen BlackRock Merz, Söder und Laschet. Die, die "Mutti" hätten beerben können hat man weggelobt als deren Berateraffären zu offensichtlich wurde und die andere hat kläglich versagt.

    Durch den anhaltenden Rechtsruck der sPD und die Positionierung als Partei der Immobilenwirtschaft (siehe Schmier... pardon Spedengelder in Millionhöhe) hat man sich in Aus laviert.

  11. 16.

    Wenn der BER Größenwahn ist, wie hätte man dann mit einem weniger größenwahnsinnigen Flughafen in Sperenberg FRA und MUC auf die Pelle rücken können?

  12. 15.

    Am BER werden sie nicht für Berlin werben dürfen, denn das ist ja nicht mehr Stadtgebiet. Kleinstaaterei...

  13. 14.

    Die von Bild gestellte Frage: "Muss Merkel jetzt die CDU retten?" zeigt doch nur wie schwächlich die CDU mittlerweile ist. Und dabei hat Frau Merkel eben diesen Schwächezustand herbeigeführt. Soll Merkel nach der Bundestagswahl jedes Mal aus dem Ruhestand zurückgeholt werden, wenn die CDU wieder vor dem Absturz steht?

  14. 13.

    Berlin ist KEIN Luftdrehkreuz, sondern ein Provinzflughafen, der sich den Größenwahn danke Diepgen und Wissmann geleistet hat den BER zu bauen.

    Hätte man in Sperenberg gebaut wäre man Frankfurt und München zu dicht auf die Pelle gerückt.

  15. 12.

    Die anderen Spitzenkandidaten hatten allerdings laut einem Bericht des RBB auch eine Einladung bekommen. Es wird sogar darüber spekuliert, warum die sich die Gelegenheit haben entgehen lassen.
    https://www.rbb24.de/politik/wahl/abgeordnetenhaus/agh-2021/beitraege/glosse-freedom-dinner-giffey-brinker-einladungen.html

  16. 11.

    Also ich kann mich nicht erinnern, in Paris jemals einen Flughafen gesehen zu haben. Es ist auch viel kleiner als Berlin. Ob es besser ist kann man nicht so einfach sagen - aber schöner allemale.

  17. 10.

    Es spricht für Sie, dass Sie noch nie nach Paris geflogen sind. Allerdings wäre eine Landung z.B. auf dem Marsfeld eine Außenlandung gewesen, weil Paris nie (!) einen Flughafen hatte. Die liegen alle außerhalb der Stadt. Paris, London und Moskausind dabei auch die Städte, von denen aus der internationale und interkontinentale Flugverkehr des Landes abgewickelt wird. Aus historischen Gründen ist das in der Bundesrepublik aber Berlin nie gewesen.

  18. 9.

    Glaube nicht das Giffey guten Wahlkampf macht, sie profitiert vom Scholz-Effekt. In Brandenburg hat die SPD auch zuwachs ohne besonderen Wahlkampf. Die letzte Nachricht von Frau Giffey war doch, dass sie in der Masterarbeit auch abgeschrieben hatte. Ob das Wählerstimmen bringt?

  19. 8.

    Und sie ist nachweislich eine Betrügerin! Sowohl in ihrer Doktorarbeit als auch in der Masterarbeit hat sie unkorrekt gearbeitet!
    Früher waren Politiker damit völlig out.
    Aber für Frau Giffey gelten offensichtlich andere Regeln. Was für eine Schande.

  20. 7.

    Eine Schande für Berlin, nicht einen Flughafen zu haben !!!
    Andere, und bessere Weltstädte haben gar 3 oder mehr Flughäfen (London, Paris, Moskau, uvm)

Nächster Artikel