U18-Wahl - Berliner Kinder und Jugendliche würden Grüne zur stärksten Kraft wählen

Archivbild: Ein elfjähriges Mädchen sitzt bei der U18-Europawahl in einer Wahlkabine. Schon am Freitag, dem 17. Mai 2019, hatten Minderjährige die Chance, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 17.09.2021 | Konstanze Schirmer | Bild: dpa/Patrick Pleul

Bei der Berliner U18-Wahl sind die Grünen die beliebteste Partei: Kinder und Jugendliche würden sie mehrheitlich ins Abgeordnetenhaus schicken. Nicht vertreten wäre hingegegen eine Partei, die bei den Erwachsenen vorraussichtlich reinkommt.

Würde es nach den jungen Teilnehmern der Berliner U18-Wahl gehen, dann würden die Berliner Grünen mit 25 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft in das Abgeordnetenhaus einziehen. Nach der Wahl, die vom Deutschen Bundesjugendring organisiert wurde, wären die Grünen damit noch einmal deutlich stärker im Berliner Landesparlament vertreten, als sie es in der ablaufenden Legislaturperiode in Wirklichkeit sind: Bei der Wahl zum AGH im Jahr 2016 holten die Grünen 15,6 Prozent der Stimmen.

Die U18-Wahl wird vom Deutschen Bundesjugendring organisiert und ist eine nicht-repräsentative Abstimmung, deren Ergebnisse keinen Einfluss auf die tatsächlichen Wahlen am 26. September haben.

SPD bei jungen und erwachsenen Wählern ähnlich beliebt

Bei den Berliner Sozialdemokraten haben 21 Prozent der Wählenden bei der U18-Wahl ihr symbolisches Kreuzchen gemacht. Im Jahr 2016 war die SPD mit rund 21 Prozent Stimmen in das Landesparlament eingezogen.

Die CDU wäre nach der Abstimmung mit 12 Prozent drittstärkste Kraft, bei den Wahlen zum AGH im Jahr 2016 erhielten die Christdemokraten 17,6 Prozent der Stimmen. Einen Verlust an Sitzen im Parlament müsste auch die Linke hinnehmen, die 2016 noch 15,6 Prozent der symbolischen Stimmen holte, bei der U18 Wahl aber nur noch auf 11 Prozent kommt. In das AGH kämen außerdem noch die FDP (7 Prozent) und die aktuell nicht im Parlament vertretene Tierschutzpartei (6 Prozent).

Die AfD, die bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im Jahr 2016 noch rund 14 Prozent der Stimmen holte, kommt bei den Teilnehmenden auf gerade 3,5 Prozent und würde damit an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Nach Angaben der Organisatoren des Deutschen Bundesjugendrings haben in Berlin an der symbolischen, nicht-repräsentativen Abstimmung 14.700 Kinder und Jugendliche teilgenommen.

Rekordbeteiligung bei der U18-Wahl 2021

Am Montagmittag wurde bereits das Endergebnis der U18-Wahl 2021 zum Bundestag bekanntgegeben. Auch bundesweit sind die Grünen mit 20,02 Prozent Sieger der Abstimmung. Es folgt mit 19,2 Prozent die SPD. CDU/CSU haben 16,9 Prozent der Stimmen erhalten, gefolgt von der Linken mit 7,5 Prozent. Auch die AfD hätte es mit 5,8 Prozent der Stimmen in den Bundestag geschafft.

Über 260.000 Kinder und Jugendliche haben am vergangenen Freitag bundesweit in Wahllokalen symbolisch ihr Kreuz gesetzt und gezeigt, welche Parteien sie in den Bundestag schicken würden.

Nach Angaben des Deutschen Bundesjugendrings hat sich bei der U18-Bundestagswahl in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung abgezeichnet. Mehr als 2.200 Wahllokale waren demnach registriert - in Jugendtreffs, auf Spielplätzen, in Feuerwachen, Bibliotheken, Gemeindehäusern und Schulen. 368 Wahllokale hatten sich für die Wahl der Bundesparteien in diesem Jahr allein in der Hauptstadt angemeldet. Bei der Abgeordnetenhauswahl 2016 waren es 210 Wahllokale.

AfD bei Brandenburger Jugendlichen beliebter

In Brandenburg haben am "U18"-Projekt für den Bundestag 11.000 Teilnehmer ihre Stimme abgegeben. Unter ihnen liegt die SPD mit 18 Prozent vorn, gefolgt von der CDU mit 14,9 Prozent und der AfD mit 13,5 Prozent, wie die Stiftung SPI der Arbeiterwohlfahrt Berlin am Montag in Frankfurt (Oder) mitteilte.

Die Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 17 wählten die Grünen mit 10,9 Prozent auf den vierten Platz. Knapp dahinter kommt die Tierschutzpartei mit 10,9 Prozent, dann folgen FDP (10,3 Prozent) und Linke (8,1). Bundesweit liegen bei der U18-Wahl die Grünen vor SPD und CDU.

Neben der U18-Wahl gibt es auch eine Juniorwahl

U18-Wahlen werden seit 1996 immer neun Tage vor dem offiziellen Wahltermin abgehalten. Mitmachen können ohne Ausnahmen alle Minderjährigen, die sich in Deutschland aufhalten. Die Stimmen entscheiden nicht wirklich über die Zusammensetzung des Bundestages. Vielmehr soll die U18-Wahl Fragen und Wünsche der jungen Generation ins Zentrum des öffentlichen Interesses rücken.

Die Wahllokale sollen offen und frei zugänglich sein und können überall dort errichtet werden, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten. Organisiert und getragen wird die U18-Initiative vom Deutschen Kinderhilfswerk, dem Deutschen Bundesjugendring, den Landesjugendringen, vielen Jugendverbänden und dem Berliner U18-Netzwerk.

Neben der U18-Wahl gibt es für Kinder und Jugendliche auch noch die Juniorwahl. Letztere findet ausschließlich an Schulen statt. Sie richtet sich an Siebtklässler und ältere Jahrgänge.

Sendung: Fritz, 19.09.2021, 13 Uhr

65 Kommentare

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  1. 63.

    Da haben sie vollkommen recht. Aber leider werden sogar in einige Medien nicht Grünen genehme Kommentare einfach gelöscht. "Kein Wunder, ihnen wird ja auch ständig eingetrichtert, dass die Welt untergeht, wenn sie nicht die Grünen wählen. Die Angstmache zeigt Wirkung, ein objektiver Blick aufs Ganze fehlt den Kindern noch. Etwas mehr Lebenserfahrung kann da schon helfen um die Betrachtungsweise zu erweitern.
    Wer will schon am Weltuntergang schuld haben?"

  2. 62.

    An den Ergebnissen lese ich ab, dass es gut ist, dass erst ab 18 gewählt werden darf. Ab 21 wählen UND Führerschein wäre durchaus auch ok. (Stichworte u.a. Komplexität + Reife, die bereits erwähnt wurden.)Wobei ja viele Jungwähler eh schon 21, wenn sie denn das erste Mal dürfen. Ist also schon ok mit 18.

    "später an einem ausreichenden Maß von Reife ankommen! Einige wenige schaffen es gar nie..." (Beitrag 1 @JusABerliner): Sie sind Optimist! Ich würde mal sagen: ein Großteil schafft es gar nie. Was allerdings auch in der Natur des Menschen liegt. Er reift durchgehend und ständig.

  3. 61.

    Kein Wunder, ihnen wird ja auch ständig eingetrichtert, dass die Welt untergeht, wenn sie nicht die Grünen wählen. Die Angstmache zeigt Wirkung, ein objektiver Blick aufs Ganze fehlt den Kindern noch. Etwas mehr Lebenserfahrung kann da schon helfen um die Betrachtungsweise zu erweitern.
    Wer will schon am Weltuntergang schuld haben?

  4. 60.

    Hier fehlt es an umfassender Bildung, Herzensbildung, und vor allem an Respekt.

  5. 59.

    Sie würden also das Wahlrecht am liebsten von einer Erwerbstätigkeit abhängig machen? Krass...

  6. 58.

    Der MDR bringt es. In Sachsen und Thüringen wurde dem Bundestrend entgegen, die AFD "gewählt".
    Das bestätigt mir meine Einschätzung, die Kinder und Jugendlichen wählen, was die Zuhauses mitgeben. Weshalb ich Wahlen ab XXX abzulehnen bevorzuge.

  7. 57.

    Kinder und Jugendliche würden grün wählen: jaa ,na sicher. weil sie noch nicht so viele Kenntnisse haben , icht alle Zusammenhänge erkennen und sie es bis jetzt nicht selbst zahlen müssen

  8. 56.

    Nein ist die AfD nicht:
    https://www.u18.org/vergangene-wahlen/2019-thueringen/wahlergebnisse

  9. 54.

    Sie verstehen es immer noch nicht? Sie wählen eine Partei, keine Person! Diese ist beliebig austauschbar und hat, wie alle sogenannten Spitzenpolitiker sowieso nichts zu sagen. Entscheidungen treffen doch ganz andere Leute im Hintergrund. Die Partei heißt die Grünen und hat einen Spitzenkandidaten der im Auftrag seiner Partei die Richtung festlegt. Wer das ist, völlig egal, dadurch ändert sich die Politik doch nicht. Und wer da jetzt angeblich symphatischer rüber kommt, absolut uninteressant, das wahre Gesicht wird nach der Wahl gezeigt.

  10. 53.

    Wenn man bedenkt, dass diese Gruppe noch kein Auto fahren darf, und naturgemäß auf Grünflächen und Fahradwege "steht" ist der Abstand zur SPD gering, oder noch besser gesagt, 79% haben die Grünen nicht gewählt.

  11. 52.

    Die "Solange ihre Eure Beine unter meinen Tisch streckt"-Fraktion ist mal wieder ziemlich stark vertreten. Da wird von fehlender Reife der Jugendlichen geschwurbelt und gleichzeitig gefordert, das Grün-WählerInnen ihr Handy abgeben und per pedes zur Schule laufen sollten.
    O tempora, o mores.

  12. 51.

    "Hinzu kommt, es gibt keine Konsequenzen für die Wahlentscheidung."
    Falsch. Team Todenhöfer. Durch Zufall auf "Wahlkompass" (Uni Münster) entdeckt. Parteiprogamm lesen lohnt sicht.

    Das war meine persönliche Meinung nach Art.5 GG und KEINE WAHLWERBUNG:

  13. 50.

    Es sind immer noch die Eltern, die ihre Kinder zum Primarkt fahren... und nicht andersrum...
    Davon mal ab, wer sich hier über Kurzsichtigkeit von Jugendlichen beschwert, die angeblich nur ihren Spaß im Kopf haben, sollte mal die eigenen Wahlkriterien kurz überprüfen... die gehen oft auch nicht weit über den eigenen Tellerrand hinaus: Mehr Auto, Steuern runter, Rente rauf und nicht zu spät... Ich erlebe 2 Arten von Kindern: Dumpfbacken, die Party machen, aber auch welche, die mehr Weitsicht mitbringen als manch Erwachsene. Erstaunlich viele von ihnen haben kapiert: Wenn wir nicht ernsthaft was fürs Klima und die Umwelt tun, erledigen sich die restlichen gesellschaftlichen Probleme in absehbarer Zeit von selbst.

  14. 48.

    "Kinder an die Macht!"

  15. 47.

    Das sehe ich anders. Wenn man Baerbock und Habeck direkt vergleicht bemerkt man schon einen erheblichen Unterschied.

  16. 46.

    Ist das die erste Wahl dieser Art? Laut Artikel gibt es sie seit 1996. Ich kann mich daran erinnern, dass als ich in den späten 1990ern als U18 in der Schule gewählt habe, die Grünen auch dort mit viel Vorsprung gewonnen hatten. Von daher hätte ich es interessant gefunden, wenn der rbb das Ergebnis mit vergangenen U18 Wahlen und nicht mit den realen Wahlen verglichen hätte. Dadurch könnte man einschätzen, ob das mit dem Vorsprung der Grünen tatsächlich etwas besonderes wäre oder nicht. Auch einen Link zu einer Seite auf der man die U18 Wahlergebnisse der vergangenen Wahlen nachlesen könnte fehlt. Schade, lieber rbb. So kann man das Ergebnis überhaupt nicht einordnen.

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