Wahlplakat der Linken Berlin im Jahr 2016: Eine Rentnerin schaut aus einem Fenster, ein Schriftzug sagt: "Mietrebellin Oma Anni bleibt, Die Linke". (Quelle: Die Linke Berlin)
Bild: Die Linke Berlin

Wahlplakat der Linken - Streit um Oma Anni

Erst Fotomodell, dann Streitpunkt im Wahlkampf: Für eine 95-Jährige aus Reinickendorf wird die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zur großen öffentlichen Bühne. Die Linke wirbt auf Plakaten mit der "Oma Anni" genannten Anni Lenz. Nun gab die Rentnerin freimütig zu, die Partei gar nicht zu wählen.

Mit ihren 95 Jahren ist Anni Lenz, eine Mieterin aus Berlin-Tegel, vor kurzem zur Galionsfigur geworden - als Fotomotiv auf Wahlplakaten der Linken zur Abgeordnetenhauswahl. Sie stehe "sinnbildlich für den Kampf von Mietern um ihr Zuhause", sagte Wahlkampfleiterin Katina Schubert dem "Berliner Kurier". Die Zeitung hatte vor drei Jahren darüber berichtet, wie sich die ältere Dame gegen die Mietpreiserhöhung ihres Reihenhauses wehrt und ihr so zu einer gewissen Lokalprominenz verholfen.

Auf dem Wahlplakat der Linken wird die Rentnerin aus Reinickendorf nun als "Mietrebellin" gewürdigt, darunter steht die Zeile: "Oma Anni bleibt - Die Linke". Das Problem ist nur: Auch wenn Anni Lenz eingewilligt hat, an der Linken-Kampagne mitzuwirken, die Partei wird sie im Herbst nicht wählen. "War immer SPD, das bleib' ich auch", sagte sie dem Kurier.

Nur Stunden nach der Veröffentlichung des Artikels nutzte die Berliner SPD diese Vorlage auf Twitter:

Dem Kurier sagte Wahlkampfleiterin Schubert, es sei "schon in Ordnung", dass Oma Anni als Wahlkampfmotiv der Linken eine andere Partei wähle. Bei Twitter setzte die Partei dann aber doch noch einen drauf:

Auch die Grünen meldeten sich mittlerweile im Streit um Oma Anni zu Wort:

Anni Lenz geht bei all dem Gezerre um ihre Person erst einmal leer aus: Für ihren Einsatz als Fotomodell hat sie nach eigenen Angaben keine Gage verlangt.