Bürgermeisterkandidaten für das Potsdamer Rathaus (im Uhrzeigersinn): Janny Armbruster von Bündnis 90/Grüne, Götz Friedrich von der CDU, Martina Trauth von der Linken, Lutz Boede von Die Andere, Dennis Hohloch von der AfD, Mike Schubert von der SPD (Quelle: Collage:rbb24; Rathaus:dpa/Hirschberger)
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Video: rbb|24 | 19.09.2018 | Stefan Sperfeld/Tim Jäger | Bild: Collage:rbb24; Rathaus:dpa/Hirschberger

Sechs Kandidaten treten an - Wer folgt auf Jann Jakobs im Potsdamer Stadthaus?

Nach 16 Jahren mit Jann Jakobs (SPD) an der Spitze wählt Potsdam am Sonntag einen neuen Oberbürgermeister. Vier Männer und zwei Frauen kämpfen um die Nachfolge - mit offenem Ausgang: Jeder zweite Wähler in der Stadt ist noch unentschieden.

Knapp 150.000 wahlberechtigte Potsdamerinnen und Potsdamer können am 23. September die Weichen neu stellen: Sie bestimmen, wer die kommenden acht Jahre Oberbürgermeister der Landeshauptstadt sein wird.

Etwa die Hälfte der Wahlberechtigten weiß einer Umfrage aus dem August zufolge noch nicht, für wen der sechs Kandidatinnen und Kandidaten sie stimmen wird. Die Kandidaten von SPD, Linke und CDU gelten als Favoriten. Den Bewerbern von den Grünen, der Wählergruppe Die Andere und der AfD wird aber auch eine Überraschung zugetraut.

Wichtigste Themen: Verkehr, Wohnen und Bildung

Nach 16 Jahren tritt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) nicht noch einmal an. Zwei Frauen und vier Männer kämpfen um den Einzug ins Büro des Potsdamer Oberbürgermeisters. Alle haben sich der Themen angenommen, die den Potsdamern auf den Nägeln brennen: Verkehr, bezahlbarer Wohnraum und Bildung. Außerdem bewegt viele Bürger etwa die Frage, ob die Stadt Geld für den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche gibt.

Der Potsdamer Oberbürgermeister kann die meisten Themenfelder aber nicht im Alleingang bearbeiten. Ganz im Gegenteil: Das wichtigste Entscheidungsgremium ist die Stadtverordnetenversammlung. Als Oberbürgermeister ist er dann etwa dafür zuständig, dass deren Beschlüsse umgesetzt werden. Außerdem leitet er die Stadtverwaltung und ist oberster politischer Repräsentant Potsdams. Er vertritt die Stadt in Rechtsfragen und nach außen. Seit 1993 wird er von den Bürgern direkt gewählt.

Die sechs OB-Kandidaten

Hier erfahren Sie mehr über die vier Kandidaten und zwei Kandidatinnen (in alphabetischer Reihenfolge) und ihre Lösungsvorschläge:

Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl

Potsdam gilt als SPD-Hochburg

Seit der ersten Kommunalwahl nach der Wiedervereinigung im Mai 1990 war Potsdam stets SPD-regiert: Horst Gramlich war bis 1998 Oberbürgermeister, Matthias Platzeck regierte von 1998 bis 2002 im Potsdamer Stadthaus. Auf Platzeck folgte 2002 Jann Jakobs. Der Blick in die Geschichte zeigt aber, dass die SPD nicht völlig unangefochten ist. Denn Jakobs gewann 2002 nur sehr knapp – mit 122 Stimmen – gegen Hans-Jürgen Scharfenberg, damals Vorsitzender der PDS-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. 2010 war der Sieg wesentlich deutlicher – wieder gegen Scharfenberg, dessen Partei inzwischen "Die Linke" hieß.

Laut einer Umfrage liegen SPD, Linke und CDU vorn

SPD, Linke und CDU haben nach einer Forsa-Umfrage unter 1.000 Potsdamern im Auftrag der Märkischen Allgemeinen Zeitung [maz-online.de] die besten Chancen, den neuen Bürgermeister zu stellen. Unter den Befragten, die sich bereits im August für einen Kandidaten entschieden hatten, gab ein Großteil an, SPD-Kandidat Mike Schubert (29 Prozent), die parteilose Linken-Kandidatin Martina Trauth (25 Prozent) oder den CDU-Kandidaten Götz Friederich (18 Prozent) wählen zu wollen.

Eher als Außenseiter gelten demnach Lutz Boede (Die Andere) und Dennis Hohloch (AfD) mit jeweils 10 Prozent sowie Janny Armbruster (Grüne) mit acht Prozent. Allerdings war gut die Hälfte der Befragten im August noch unentschlosssen, wem sie ihre Stimme geben oder ob sie ins Wahllokal gehen werden.

Geringe Wahlbeteiligung bei der letzten Wahl 2010

Die Wahlbeteiligung ist in Brandenburg auch bei Oberbürgermeisterwahlen vergleichsweise gering. Nicht einmal jeder Zweite hat im Schnitt an den letzten Wahlen für (Ober-)Bürgermeister und Landräte teilgenommen. Bei der Stichwahl zur letzten Potsdamer Oberbürgermeisterwahl im Jahr 2010 gaben nur 27,4 Prozent der Wähler ihre Stimme ab. 

Oberbürgermeister gibt es in Brandenburg in den kreisfreien Städten: neben Potsdam auch in Brandenburg/Havel, Cottbus und Frankfurt (Oder). In amtsfreien Gemeinden heißt der Posten Bürgermeister.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.09.2018, 14.00 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Eine Frage, die ich an dieser Stelle noch hätte, wäre Folgende:
    Wer von den Kandidierenden würde sich tatsächlich dafür einsetzen, dass die oft prinzipiell ausgehobenen Gräben möglichst unterbleiben? Wer würde sich dafür einsetzen, dass ab der nächsten Stadtverordnetenwahl die Abgeordneten nicht mehr nach Fraktionen sortiert, sondern gemäß des Alpabets in der Stadtverordnetenversammlung sitzen? Nach der Wahl das Alphabet vorwärts, ab der Hälfte der Legislatur das Alphabet rückwärts.

    Das würde zwar Vorabsprachen nicht verhindern, allerdings bestünde ggf. eine andere Dynamik als die, die einen Arm-Hebenden vom jeweiligen Block beobachten ließen. Das Kommunalrecht kennt ja sowieso keine Koalitionsbildung, die Absprachen sind darum informelle, um einer möglichst reibungslosen TECHNIK des Regierens willen, die vom OB de facto seine Kreise zieht. Dabei ist er bzw. sie von der Idee her ja eigentlich nur Ausführender, allenfalls Stichwortgeber und die Tagesgeschäfte erledigend.

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