Die drei Spitzenkanditaten der Oberbürgermeisterwahl in Potsdam 2018, von links nach rechts: Martina Trauth (parteilos für die Linke), Götz Friedrich (CDU), Mike Schubert (SPD)
Audio: Antenne Brandenburg | 20.09.2018 | Karsten Steinmetz | Bild: rbb24/collage

Oberbürgermeisterwahl - Das sind die Favoriten im Potsdamer Wahlkampf

Potsdam wählt am Sonntag einen neuen Oberbürgermeister. Umfragen zufolge haben die Kandidaten von SPD, Linke und CDU die größten Chancen, zumindest die Stichwahl zu erreichen. Der Ton unter ihnen wird im Wahlkampf ziemlich rau. Von Karsten Steinmetz

Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam wählt am Sonntag einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin von Oberbürgermeister Jann Jakobs. Der SPD-Politiker hört nach 16 Jahren auf. Auch wenn auf den Sieger jede Menge Arbeit wartet – den Chefsessel im Rathaus wollen alle sechs Kandidaten gerne übernehmen.

Die Kandidaten sind zwei Frauen und vier Männer. Während die Bewerber von Grünen, "Die Andere" und AfD laut einer Umfrage vom August als Außenseiter ins Rennen gehen, können sich die Vertreter von SPD, Linke und CDU Hoffnungen machen, zumindest die Stichwahl zu erreichen.

Rauer Ton im Wahlkampf

Martina Trauth, die parteilose Kandidatin der Linken, und Mike Schubert (SPD) arbeiten beide im Potsdamer Rathaus. Sie als Gleichstellungsbeauftragte, er als Beigeordneter für Soziales. Jetzt im Wahlkampf sind sie Konkurrenten und schonen sich nicht. "Sie reden immer von Beteiligung, aber ich glaube, Sie verwechseln Beteiligung mit Information", sagt Trauth. Schubert entgegnet: "Es tut mir leid, Frau Trauth, soweit müssten Sie das System eigentlich kennen, wenn Sie Oberbürgermeisterin werden wollen."

CDU-Kandidat setzt auf das Thema Verkehr

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, hofft Götz Friederich. Der CDU-Kandidat findet, dass die bisherige Stadtspitze Potsdam in ein Verkehrschaos hineinregiert habe.

Friederich will nicht nur den öffentlichen Nahverkehr ausbauen, wie seine Konkurrenten, sondern auch den Bau einer Umgehungsstraße wohlwollend prüfen. "Ich verstehe nicht, warum das jahrelang von Rot-Rot-Grün blockiert worden ist", sagt Friederich. Nichtstun sei nicht die Lösung. "Bisher wurde nichts getan, jedenfalls in der Richtung", so der CDU-Politiker.

Linke und SPD setzen auf sozialen Wohnungsbau

Linke-Kandidatin Trauth sieht Versäumnisse der Stadt dagegen vor allem beim städtischen Wohnungsbau: "Das Schlimme ist, dass der soziale Wohnungsbau immer mehr zurückgedrängt wurde in der Stadt." Das sei eine fatale Entwicklung. "Ich möchte Teile von Potsdam in einer Zweckgemeinschaft ausgliedern, um einen gemeinnützigen Wohnungsbau zu fördern", erklärt Trauth.

Auf Pro Potsdam, die städtische Wohnungsbaugesellschaft, setzt auch SPD-Mann Mike Schubert. Denn auch er will, dass es in Potsdam künftig mehr bezahlbare Wohnungen gibt als bisher. Pro Potsdam und Genossenschaften sollten künftig insbesondere bei der Frage von Grundstücken ein Stück begünstigter sein, sagt Schubert. "Das haben wir in den letzten Jahren nicht so gemacht, das wäre ein Paradigmenwechsel", so der SPD-Kandidat.

SPD-Kandidat gilt als Favorit

Wohnen und Verkehr sind die großen Themen im Wahlkampf. Mit ihnen wollen Linken-Kandidatin Trauth und CDU-Mann Friederich den SPD-Kandidaten Mike Schubert in Bedrängnis bringen. Schubert gilt als Favorit, da seine Partei die Oberbürgermeisterwahl in Potsdam seit 1990 immer gewonnen hat.

Alle Kandidaten (in alphabetischer Reihenfolge)

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.09.2018, 14.00 Uhr

Beitrag von Karten Steinmetz

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ich halte die Unterscheidung zwischen Favoriten und Außenseitern auch für überholt. Gerade die französische Präsidentenwahl sollte da Vorsicht walten lassen. Wer hätte dann Emmanuel 'Macron vorher als Favorit gesehen?

    Argumente zählen unabhängig ihrer Anhängerschaft. Gleich, ob viel oder wenig. Dass nur die Argumente zählen sollen, wo die "Truppenstärke" am Stärksten ist - ich schreibe dies jetzt ganz bewusst so - das ist ja gerade das grundlegende Missverständnis der Demokratie.

    Schreibt unabhängig vom Gedanken an Mehrheiten! Gleich welche es auch sein mögen ...

  2. 5.

    spd für bezahlbare mieten. seit 20 jahren an der macht und plötzlich vor den wahlen wird dieses thema angesprochen. da frage ich mich, was hat die spd denn 20 jahre gemacht ausser die stadt zu verkaufen ,ein museeum daraus zu machen und geld für baumaßnahmen ausgeben die kein potsdamer wirklich braucht..
    vom verkehr und der infrastruktur braucht man erst garnicht anfangen.

  3. 4.

    "Auf Pro Potsdam, die städtische Wohnungsbaugesellschaft, setzt auch SPD-Mann Mike Schubert." - Na wie schön. Mein Vermieter ist Pro Potsdam und ich bekomme regelmäßig Mieterhöhungen, die auf den Cent (!) genau das gesetzlich mögliche Höchstmaß ausreizen. Was soll daran sozial sein? So eine Praxis ist das exakte Gegenteil von sozialem Wohnen MIke Schubert setzt hier eindeutig aufs falsche Pferd! Einzig Martina Trauth scheint einen vernünftige Ansatz präsentieren zu können, der nicht bereits verkrustete Strukturen einfach weiternutzt, sondern endlich mal für eine Entspannung am Wohnungsmarkt sorgen könnte.

  4. 3.

    Ich gebe Ihnen vollkommen Recht in dem, was Sie schreiben.
    Was aber passiert, wenn einer dieser "Aussenseiter" gewinnt und den "Etablierten", denen man schon unisono die besten Chancen einräumt gewinnt? Nach Missmanagement, Postengeschacher, dem negieren von Volkes Stimme - hier nehme ich mal das Abreißen alter DDR-Architektur und dem Wiederaufbau der Kirche, dem etablieren alt-preusischer Gebäude - haben die alten Stadtoberen gewisses Vertrauen verspielt. Auch hier wird die SPD um jede Stimme kämpfen.

  5. 2.

    Guten Morgen Herr Deile,
    können Sie uns erklären, warum jemand, der die letzten Wahlen gewonnen hat und Parteien/Politiker, die in Umfragen vorne liegen, nicht als Favoriten gelten sollen? Da können wir Ihre Argumentation leider nicht nachvollziehen.
    Beste Grüße
    rbb|24

  6. 1.

    Was für eine skandalös tendenzielle Berichterstattung. Und das bei einem so sensiblen Thema, wie OB-Wahlen. Da werden gleich mal 3 der Kandidaten zu Außenseitern erklärt. Und Schubert hat im Grunde schon gewonnen, weil das seit 1990 immer so war. In diesem Artikel werden nur die Positionen der zu Favoriten erklärten Kandidaten ausgeführt. Es ist nicht Aufgabe des robb auf der Zielgeraden in den Wahlkampf einzugreifen, sondern die Bürger*innen möglichst gut, breit und neutral zu informieren,damit sie sich eine Meinung bilden können. Entsetzlich!

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