Collage: Bettina Jarsch, Annalena Baerbock (Quelle: dpa/Kay Nietfeld/Annette Riedl)
Bild: dpa/Kay Nietfeld/Annette Riedl

Grüne Spitzenkandidatinnen - Frauen ganz nach oben

Mit der Benennung von Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin setzen die Grünen auch im Bund ihre Linie fort: Frauen an die Macht. Mit der Berliner Spitzenkandidatin Bettina Jarasch eint Baerbock allerdings noch ein bisschen mehr. Eine Analyse von Iris Sayram

Die Uhr war kaum von 10:59 auf 11:00 Uhr umgesprungen, da verschickte der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, die E-Mail mit der Ankündigung, dass Robert Habeck in Kürze im Namen des gesamten Bundesvorstands Annalena Baerbock als erste grüne Kandidatin für das Kanzler*Innenamt vorschlagen werde. Alles passt perfekt, bestens orchestriert. Im selben Moment stand Robert Habeck auch schon auf der Bühne und rang um die richtigen Worte.

Es war keine ganz große Überraschung, dass sich die Grünen auf Annalena Baerbock verständigen würden. Habeck gilt bei einigen Details manchmal als nicht ganz sattelfest. Es hängt ihm immer noch etwas nach, dass er beispielsweise die Pendlerpauschale in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" nicht richtig erklären konnte. Auch rhetorisch gilt die gerade 40-jährige Baerbock als die Stärkere. Doch bis zuletzt gab es einen Punkt, der von vielen Beobachtern Habeck als Vorteil zugeschrieben wurde: Die Regierungserfahrung. Denn Habeck war in Schleswig-Holstein Landwirtschaftsminister.

Bisher keine Regierungserfahrung

Doch Baerbock hat erst gar nicht versucht, diesen vermeintlichen Malus zu überspielen. Stattdessen ging sie heute in die Offensive: "Ich war noch nie Kanzlerin und ich war noch nie Ministerin", sagte sie. "Ich trete an für Erneuerung. Für den Status Quo stehen andere", so ihre kämpferische Haltung. Sie wolle auch ein neues Verständnis von politischer Führung etablieren.

Die Berliner Spitzenkandidatin Bettina Jarasch passt in dieses Verständnis nur all zu gut. Auch sie hat noch kein Ministeramt oder Senatorenposten innegehabt, was ihr bei der Nominierung im Ende vergangenen Jahres ebenfalls nicht als Nachteil angekreidet wurde. Es sei vielmehr ein Zeichen von Mut und auch Stärke, sich die Führung eines Landes zuzutrauen, nicht einfach den Männern zu überlassen und für sich zu beanspruchen, erklärt die Grüne Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus Antje Kapek. "Bei einem Mann, wäre sowas doch niemals ein Thema", zeigt sich Kapek sicher. Der Berliner Wahlslogan mit dem "B" für Bettina und Berlin habe heute mit "Baerbock" im Bund jedenfalls noch einmal Rückenwind bekommen, so Kapek. Die Zukunft der Politik sei weiblich.

Mit dem B-Plan ins Wahljahr

Es hätte sich tatsächlich kein Politikberater besser ausdenken können: Baerbock für den Bund, Bettina für Berlin. Aber die beiden Frauen eint mehr. Als Baerbock die Brandenburger Grünen geführt hat, war Bettina Jarasch Mitglied im Bundesvorstand. Sie gelten seither als eng verbandelt. Beide werden außerdem dem sogenannten Realo-Flügel zugeordnet.

Einige Wirtschaftsvertreter schrieben Jarasch allerdings mangelnde Wirtschaftskompetenz zu, nachdem sie den Abriss der A100 forderte. "Aberwitzig" sei es, Deutschlands meistbefahrene Autobahn abreißen zu wollen, empörte sich etwa der Unternehmensverband UVB. "Damit zeigt die Spitzenkandidatin der Grünen, dass sie in Sachen Wirtschaftskompetenz noch viel Luft nach oben hat", zitierte die "Taz" Verbandschef Christian Amsinck. Auch die Berliner CDU attestierte Jarasch, sich mit den jüngsten Parteitagsbeschlüssen aus der politischen Mitte verabschiedet zu haben. Doch das bisschen Gegenwind aus der Wirtschaft kann durchaus der eigenen politischen Positionierung guttun.

Die Grünen müssen Klischees abschütteln

Sowohl Jarasch als auch Baerbock sind studierte Politikwissenschaftlerinnen. Beide arbeiteten zunächst im Journalismus. Baerbock bei der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", Jarasch bei der "Augsburger Allgemeinen". Beide stammen zudem nicht unbedingt aus Haushalten, wo auf jeden Pfennig beziehungsweise Cent geachtet werden musste.

Das Label "Partei für Besserverdienende" haftet den Grünen ohnehin schon an. Zu teuer sei der von den Grünen propagierte Klimaschutz, zu wenig sozial ausgewogen, heißt es oft. Um als nächste große Volkspartei in Frage zu kommen, dürfte eine Herausforderung auch darin liegen, dieses Klischee abzuschütteln.

Das könnte etwas schwieriger sein, als Hinweise auf die die mangelnde Regierungserfahrung ihrer weiblichen Führungskräfte zu parieren. Letzteres hat zumindest Annalena Baerbock heute schon einmal gut gemeistert.

Beitrag von Iris Sayram

59 Kommentare

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  1. 59.

    Was für Halbwissen, sie weiß das Cobalt enthalten ist. Das ja wohl so offentsichlich, dass kein Kobold(deutsch) im Akku ist. Und jetzt vielleicht mal weiter überlegen, in der Chemie spricht man nur English, und da wird es Kobold ausgesprochen.

  2. 58.

    Ich wusste gar nicht, dass Trash-TV zum Vorbild genommen werden soll. Vielleicht sollten sie mal etwas normales sehen. Gibt da viele Sachen.

  3. 57.

    "nur wegen ihres Geschlechts ... ist dies diskriminierend" Frau Baerbock hat doch nicht wegen ihres Geschlechts die Kandidatur bekommen. Damit zeigen sie ja, dass es ihnen nicht um Kritik sondern Frauen-Bashing geht. Wahrscheinlich nennen sie sich deswegen Preuße, weil sie die alte Zeit herbei sehen, wo Frauen nicht mal wählen durften.

  4. 56.

    Denken sie mal drüber nach: Das Sein bestimmt das Bewußtsein. Weshalb zeigt man uns immer wieder wie Roberto Geissini mit seiner Familie lebt ? Sollen wir das alle erstreben ? :=0

  5. 55.

    "Bürger doch in der großen Breite viel bescheidener leben" kann ich leider nicht bestätigen. Bleibt wohl Wunschdenken.

  6. 54.

    Oh nein, dass war kein bloßes Verwechseln von Buchstaben. Wäre das nur einmal passiert, könnte man drüber hinwegsehen. Wenn der gleiche Fehler (z.B. Kobold in Akkus) aber gleich mehrfach wiederholt wird, dann ist das kein Versprecher mehr sondern bestenfalls gefährliches Halbwissen. Die Frau kommt ja einigermaßen sympathisch rüber, aber für das Amt der Bundeskanzlerin braucht es doch einiges mehr. Deutschland ist der wohl wichtigste Staat innerhalb der Europäischen Union. Da braucht es eines Kanzlers bzw. einer Kanzlerin mit breitem Wissen über Wirtschaft, Ökonomie, Gesellschaft, aber auch und vor allem internationaler Diplomatie. Ökologie ist auch wichtig, wird aber letztlich von der Ökonomie finanziert. Das vergessen die Grünen gern. Nur starke Volkswirtschaften können sich Umwelt- und Klimaschutz leisten. Jede Schwächung wird von der internationalen Konkurrenz gnadenlos ausgenutzt. Bestes Beispiel war die Produktion von Solarzellen.

  7. 53.

    Wo welches Frauen-Bashing? Sachliche Kritik ist also gleich Frauen-Bashing?
    Wenn Menschen nur wegen ihres Geschlechts und nicht wegen ihrer Qualifikation Jobs bekommen ist dies diskriminierend. Aber wenn es Männer oder Intersexuelle geht ist das bestimmt für sie okay.

  8. 52.

    Nein, dass war mit Sicherheit kein verwechseln von irgendwelchen Buchstaben. Diese Frau ist so. Habe sie öfter in Diskussionen gesehen und gehört. Nicht tragbar.

  9. 51.

    Hast du noch nie die Wechsstaben verbuchselt?
    Kluge Worte sind schwer. Ein einziger Buchstabe kann sie urinieren.

  10. 50.

    Mir ist es ziemlich egal ,ob Männlein oder Weiblein. Wichtig ist Können,Wissen,Erfahrung,REALITÄTSNAH ,wäre auch ganz angebracht. Was ich bei der guten Frau nicht sehe.

  11. 49.

    Dass die FDP nach der letzten Bundestagswahl abgesagt hat, dürfte an Frau Merkel gescheitert sein, die die FDP als reine Mehrheitsbeschaffer gesehen hat und ansonsten nur die Grünen als wirkliche Partner akzeptiert hat. Lindner hat, entgegen aller Kritik, damals richtig gehandelt. Wenn er freiheitliche Positionen nicht hätte durchsetzen können, war Mitregieren keine Option. Dass die Journalisten gern damals schon die Grünen in der Regierung gesehen hätten, ist kein Geheimnis. Denen hat halt Lindner einen Strich durch die Rechnung gemacht.
    In BW ist die Ampel nicht an der FDP gescheitert, sondern an Kretschmann, der den Schwaben wohl keine Beteiligung der SPD zumuten wollte. Wundert mich bei deren aktueller Ausrichtung auch nicht.

  12. 48.

    Ganz nebenbei ,ich werde niemanden auf die Tasche liegen,denn die Rente , was nur leider zu wenig für 45 Jahre als LKW Fahrer ist.das was ich zu wenig habe ,bekommen unsere neuen Mitbürger,und das nicht gerade wenig.Ohne auch nur ein Handschlag dafür gemacht zu haben.Und wenn sie nicht auf der Hut sind,dann werden sie uns wohl auch auf die Tasche liegen.
    Also nur noch Bei nächster Gelegenheit raus aus Berlin.

  13. 47.

    Machen sie sich mal keine Sorgen um andere.Ich habe 46 Jahre LKW gefahren und habe mir meine Rente warlich verdient und nicht auf kosten anderer gelebt.

  14. 46.

    Bitte, warum nicht jetzt schon? Niemand benötigt sie. Und wahrscheinlich liegen sie uns allen bald auf der Tasche. Ich arbeite lieber für die Rente von klugen netten Menschen.

  15. 45.

    Bitte, warum nicht jetzt schon? Niemand benötigt sie. Und wahrscheinlich liegen sie uns allen bald auf der Tasche. Ich arbeite lieber für die Rente von klugen netten Menschen.

  16. 44.

    Niemand zwingt sie in Deutschland zu bleiben. Türkei, Russland, China..vielleicht besser für sie? Aber Achtung, sie sind dann „Ausländer“. Kann also etwas ungemütlich werden. Und ne andere Sprache müssten sie auch lernen, schaffen sie das denn?

  17. 43.

    Sich versprechen oder zu verschreiben (Autokorrektur) ist natürlich viel schlimmer als Korruption (Masken, Aserbaidschan ect) oder Nazi (AfD) sein. Verstehe.
    Aber war nicht bei den blauen die Maus ausgerutscht, die Tastatur hat geklemmt..ist natürlich besser als ein witziger Koboldt-Versprecher.

  18. 42.

    Oh, das Frauen-Bashing hat schon begonnen. War nu kurz Popkorn holen. Aber was ich so lese..man, ihr müsst ja wirklich ein gestörtes Verhältnis zu euren Müttern haben, dass ihr Frauen diskriminiert.

  19. 41.

    Die FDP will doch gar nicht regieren, haben wir bei der letzten Bundestagswahl doch gesehen. Und das war auch der Grund in BW, dass dort kein Grün-Rot-Gelb zustande kam.
    "Der Staat soll Lenker sein, nicht Bestimmer." Ein Lenker muss etwas bestimmen. Der Satz macht also nicht richtig sinn.
    "Eigenverantwortung" klar, funktioniert aber nicht, sieht man bereits bei einfachen Sachen wie dem Straßenverkehr.
    Wenn der Staat sich nicht in die Wirtschaft einmischen soll, dann könnte man ja mal die Subventionen für Kohle mit denen für Solar gleichsetzen, dann wäre die Kohle aber schnell weg.

  20. 40.

    Etwas krasser und konkreter habe ich ähnliches zum Ausdruck gebracht. Ergebnis: Im Müll gelandet. Es ist doch derzeit nicht mehr so, dass uns irgend ein "Grünling" vorbeten muss wie es um unsere Erde steht. Ich behaupte nach wie vor, dass wir Bürger doch in der großen Breite viel bescheidener leben als Politikbosse aller Parteien. Die brauchen obendrein fast überall Berater. Da würde es eine elektrische Puppe im Kanzleramt auch tun.

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