Kampagne in Großstädten - Grüne wehren sich gegen Anti-Grünen-Plakate

Ein beschädigtes Plakat mit den Schriftzügen "Wohlstandsvernichtung" und "Klimasozialismus" hängt am Straßenrand (Bild: dpa/Oliver Berg)
Bild: dpa/Oliver Berg

Eine Plakat-Kampagne gegen die Grünen erhitzt die Gemüter - wohl auch, weil die Plakate denen der Partei optisch sehr ähneln. Die Grünen sprechen von einer "rechten Schmutzkampagne" und "Fake News". Die AfD streitet derweil jede Verantwortung ab.

In Berlin und weiteren Großstädten in Deutschland sind seit einigen Tagen große Plakate zu sehen, auf denen unter dem Motto "#GrünerMist 2021" Stimmung gegen die Grünen gemacht wird. Mehrere Spitzenpolitiker reagierten am Donnerstag empört auf die Plakate. Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, spricht inzwischen von von einer "rechten Schmutzkampagne", hinter der "AfD-nahe Akteure" steckten.

Optisch aufgemacht sind die Plakate wie Werbung für die Grünen, versehen sind sie aber mit Wörtern wie "Wohlstandsvernichtung", "Klimasozialismus" oder "Ökoterror".

In einer E-Mail an Unterstützer der Partei erklärte Kellner, rechtlich könne man nichts gegen die Plakate tun. Doch zeigten sie, dass die Angst der Rechten spürbar sei und man sich davon keinen Millimeter zurückdrängen lasse - im Gegenteil, man werde doppelt so hart kämpfen, doppelt so viele Plakate aufhängen und an doppelt so vielen Türen klopfen. "Keine Fake News Kampagne, keine gefälschten Zitate oder Bilder, keine rechte Desinformation, kein noch so schmutziger Wahlkampf wird uns aufhalten", schrieb Kellner.

Die SPD stellte sich an die Seite der Grünen und verurteilte die Schmäh-Plakate. "#GrünerMist ist #Rechtermüll. Demokraten halten zusammen", twitterte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am Donnerstag. Auf einer rot-grünen Kachel stand "In den Farben getrennt, in der Sache vereint gegen Rechts". Grünen-Bundesgeschäftsführer Kellner antwortete auf den Tweet: "Gemeinsam gegen Hass und Hetze".

Hamburger Firma steckt hinter Kampagne

Hinter der Kampagne steckt das Hamburger Unternehmen "Conservare Communication GmbH", wie deren Inhaber und Geschäftsführer David Bendels der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Bendels ist ein ehemaliges CSU-Mitglied und nach eigenen Angaben jetzt parteilos. Bei der Aktion handele es sich um eine "zugespitzte 'Anti-Grünen'-Kampagne". "Wir hoffen, dass wir vielen Wahlberechtigten verdeutlichen können, dass von den Grünen eine massive Gefahr für Deutschland ausgeht", so Bendels.

Inhaber ist Herausgeber AfD-naher Publikation

Bendels ist auch Herausgeber des AfD-nahen "Deutschland Kurier". Zudem ist er Vorsitzender des "Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten". Dieser wird mit früheren Kampagnen für die AfD sowie die rechtspopulistische Schweizer SVP in Verbindung gebracht, wegen deren Finanzierung es Ermittlungen wegen illegaler Parteienfinanzierung gab. Der Bundestag verhängte deshalb Strafzahlungen gegen die AfD.

Die nun gestartete Plakat-Kampagne ist verknüpft mit einer Internet-Seite, auf der in Videoclips unter anderem die Publizisten Hagen Grell und Matthias Mattusek auftreten. In einem Video rückt Grell die Grünen in die Nähe Stalins und des kambodschanischen Schreckensherrschers und Massenmörders Pol Pot.

Geleugnet werden auf der Seite auch der menschengemachte Klimawandel und dessen Folgen, stattdessen ist von einer "Klimahysterie" die Rede, für die wiederum die Grünen verantwortlich seien.

Grell werden Verbindungen zur rechtsextremen Identitären Bewegung vorgeworfen. Mattusek bekennt sich zur AfD und äußerte sich wiederholt lobend über die Identitären.

AfD: "Keinerlei organisatorische, finanzielle oder sonstige Verbindung"

Die AfD bestreitet. etwas mit der Kampagne zu tun zu haben. "Nein, es gibt keinerlei Verbindung zwischen der AfD und der in Rede stehenden Anti-Grünen-Kampagne", teilte die AfD dem ARD-Hauptstadtstudio am Donnerstag mit. Demnach verschickte die AfD zudem ein Rundschreiben, darin heißt es: "Obgleich diese Kampagne inhaltlich sicher begrüßenswert ist und mehrere Punkte unseres Bundestagswahlprogramms anspricht, existiert keinerlei organisatorische, finanzielle oder sonstige Verbindung zur Alternative für Deutschland."

Werbeunternehmen Ströer in der Kritik

Die Kampagne wird insbesondere auf Flächen des Werbeunternehmens Ströer verbreitet. Auch dabei werden den Grünen unter anderem eine Nähe zu Totalitarismus oder "Ökoterror" unterstellt sowie weitere angebliche Ziele, die mit dem Wahlprogramm der Partei nichts zu tun haben.

Der schleswig-Holsteincheis Umweltminister und Vize-Ministerpräsident Jan Philipp Albrecht (Grüne) forderte das Ströer auf, die Auftraggeber der Kampagne zu nennen, und drohte andernfalls mit einem Entzug öffentlicher Werbeaufträge.

Ein Sprecher von Ströer sagte "tagesschau.de", das Unternehmen sei für Inhalte von Werbung nicht verantwortlich. Es seien aber einige im Rahmen der Kampagne auch geplante Motive abgelehnt worden, die als nicht rechtskonform eingestuft worden seien.

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9 Kommentare

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  1. 9.

    Erschreckend, wie niedrig das Niveau des diesjährigen Wahlkampfes ist! Die Demokratie nimmt Schaden, wenn keine sachlichen und inhaltichen Debatten mehr stattfinden, sondern es nur noch um Stimmungsmache, Falschdarstellungen und persönliche Angriffe geht.

  2. 8.

    "Es seien aber einige im Rahmen der Kampagne auch geplante Motive abgelehnt worden, die als nicht rechtskonform eingestuft worden seien."

    Hmmm, hier wo es schmutzig und verwerflich wird... meine Neugier ist nun geweckt!

  3. 7.

    Darf nicht jeder - und ich meine JEDER - eine eigene Meinung haben und wenn er mag Geld dafür ausgeben, diese auf großen, öffentlichen Plakaten zur SChau zu stellen?
    Würden sich auch so viele "empören", wenn auf den Plakaten für den Weltfrieden geworben würde?

    Demokratie heisst, die Meinung von Andersdenkenden zu respektieren und zu ertragen, solange sie nicht beleidigend ist.
    Und das kann ich in den "Anti-Grünen-Plakate" nicht erkennen.

    Auch wenn es manchen der etablierten "Demokraten" schwerfällt: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“

  4. 6.

    „Klimawandel anzweifeln“? Kann ich aus den Plakaten so nicht erkennen. Dort steht nur das, was passieren kann, wenn eine bestimmte Partei unser Land regieren kann.

  5. 5.

    Mal wieder merkt man, dass die Grünen keine Kritik ertragen können.
    Statt mit Argumenten zu kommen, wittern sie wieder Rechte Verschwörungen.
    Leider stehen auch einige Wahrheiten auf den Plakaten?
    Oder sollen jetzt noch Unliebsame Meinungen verboten werden???

  6. 4.

    Die spd sollte ganz ruhig sein! Ich sage nur das Matroschka-Video! Seid auch nicht besser!

  7. 3.

    Wie kann auch nur der Verdacht aufkommen die AfD hätte was damit zu tun.....Sarkasmus aus.

  8. 2.

    Immer wieder verstörend zu lesen, dass es immer noch Leute gibt die den Klimawandel anzweifeln. Außerdem erschreckend, wie sehr sich auch bei uns die Rhetorik (im Wahlkampf) zuspitzt.

  9. 1.

    Ich denke mal, dass es für die Parteien ein leichtes sein sollte, sich gegen derartige Kampagnen zu stellen. Schließlich sind ja all die wohlwollenden und überzeugenden Argumente auf deren Seite und finden beim Gegenüber immer ein offenes Ohr und reichlich Verständnis. Oder ist das jetzt zu naiv gedacht?

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