Wahl zur Spitzenkandidatin - Pau führt Berliner Linke in Bundestagswahlkampf - Wolf überraschend nicht auf Platz zwei

Petra Pau auf der Landesvertreterversmmlung der Berliner Linken am 13.3.2021 (Bild: dpa-news/Jörg Carstensen)
Video: rbb | 13.03.2021 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa-news/Jörg Carstensen

Keine Überraschung bei der Spitzenkandidatur der Berliner Linken, dafür aber umso mehr auf den übrigen Plätzen: Nicht etwa der favorisierte Udo Wolf konnte den begehrten Listenplatz zwei für sich behaupten, sondern ein 46-jähriger Bundestagsabgeordneter.

Die Berliner Linke zieht erneut mit Petra Pau als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Die 57-jährige Bundestags-Vizepräsidentin wurde am Samstag auf einer Vertreterversammlung in Neukölln auf Platz eins der Landesliste gewählt. Pau erhielt 125 Ja-Stimmen bei zehn Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen. Das entspricht einer Zustimmungsquote von 89,3 Prozent. Pau war bereits 2017 Spitzenkandidatin ihrer Partei.

Die Linke-Politikerin ist seit 1998 Mitglied des Bundestags und seit 2006 Vizepräsidentin des Parlaments. Ihren Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf hat sie seit 2002 fünf Mal in Folge direkt gewonnen.

Meiser gewinnt überraschend gegen Wolf

Auf Platz zwei der Landesliste wurde überraschend der 46-jährige Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser gewählt. Der Linke-Landesvorstand hatte den früheren Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Udo Wolf (58), dafür vorgeschlagen. Er galt in der Partei als Favorit. Meiser erhielt bei der Vertreterversammlung 73 Stimmen (51,4 Prozent), Wolf 66 (46,5 Prozent) bei zwei Enthaltungen und einer ungültigen Stimme.

Unter anderem hatte zuvor die Landesparteivorsitzende Katina Schubert ausdrücklich für Wolf geworben. Meiser hatte in seiner Rede unter anderem auf sein Engagement als Gewerkschafter und Streiter für die Rechte von Mietern hingewiesen, Wolf auf seine langjährige Erfahrung.

Lötzsch gewinnt Listenplatz drei

Wolf hatte das Amt als Berliner Fraktionschef erst vergangenes Jahr abgegeben. Nun kandidiert er für den Wahlkreis 76 in Pankow, den zuvor Stefan Liebich drei Mal hintereinander für die Linke gewonnen hatte. Auch Liebich hatte sich direkt vor der Wahl für Wolf stark gemacht. Der Ex-Fraktionschef bewarb sich anschließend für Listenplatz vier. Er bekam 103 Ja-Stimmen bei 26 Nein-Stimmen, einer ungültigen und zwölf Enthaltungen (72,5 Prozent).

Auf Platz drei der Landesliste steht Gesine Lötzsch. Sie ist seit 2002 Mitglied im Bundestag und hat seitdem das Direktmandat in Lichtenberg jedes Mal gewonnen. Sie erhielt mit 130 Ja- bei drei Nein-Stimmen und sieben Enthaltungen (92,9 Prozent) ein noch besseres Ergebnis als Petra Pau.

Helin Evrim Sommer (50) steht auf Listenplatz fünf. Sie sitzt für den Wahlkreis Spandau - Charlottenburg-Nord im Bundestag und ist entwicklungspolitische Sprecherin der Linke-Fraktion. Sie bekam 92 Ja- bei 28 Nein-Stimmen und 21 Enthaltungen (65,2 Prozent).

Der deutschlandweit bekannteste Berliner Bundestagsabgeordnete der Linken, Gregor Gysi, kandidierte nicht für die Landesliste. Er tritt erneut in seinem Wahlkreis Treptow-Köpenick an, den er beim vergangenen Mal direkt gewonnen hat.

Schubert rechnet mit hartem Wahlkampf

In Berlin sind am 26. September parallel Wahlen zum Bundestag und zum Abgeordnetenhaus. Die Berliner Linke will bei der Veranstaltung in Neukölln ihre Landesliste für die Bundestagswahl festlegen. Bei der Vertreterversammlung im Hotel "Estrel" galten am Samstag strikte Abstands- und Hygieneregeln inklusive Maskenpflicht. Für alle Teilnehmer war außerdem ein Corona-Schnelltest vorgeschrieben.

Schubert stimmte ihre Partei auf einen harten Wahlkampf ein. Das Ziel sei eine progressive Regierung im Bund wie im Land. "Dafür braucht es eine starke Linke", sagte Schubert. "Dazu haben wir als Berliner Landesverband eine besondere Verantwortung." Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte die Linke in Berlin 18,8 Prozent.

Sendung: Inforadio, 13.03.2021, 13 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Na wieder auf Tiefflug heut oder was soll das hier. Wenn sie sich mal ernsthaft mit den Kommunisten auseinander gesetzt haben werden sie ganz anders denken es sei denn sie verurteilen Menschen im vor raus.
    Wahrscheinlich das zweite . Und dazu brauch ich keine Glaskugel

  2. 15.

    Können Sie auch sachliche Beiträge verfassen oder nur andere Schreiber anpöbeln. Schreiben Sie doch mal zur Sache.

  3. 14.

    Dann müssten Sie genauso so gegen Cdu und Fdp vom Leder ziehen. Waren ja Blockparteien. Der Rest ihres Komnentares klingt eher nach Bildzeitung oft schlimmer.

  4. 12.

    Na, Genossin Breitenbach disqualifiziert sich wohl selbst mit ihrem Untreueverdacht, den die Staatsanwaltschaft verfolgt.
    @Alexander, ich stehe ganz bei Ihnen. Postkommunistische Bestrebungen der SED-Linken, Enteignung, Abschaffung der Geheimdienste, der Polizei, muss Einhalt geboten werden. Stasispitzel, Mauertote, herunter gekommene Industrie, verschuldeter Staat, Gefängnisse, Sippenhaftung, ... dürfen nicht vergessen sein.

  5. 10.

    Diese fast 19% werden wohl nicht mehr erreicht werden. Denn die Linke hat mit dem Teilrückzug von Gysi und dem Rückzug von Wagenknecht sich ihrer Zugpferde beraubt. Dafür bestimmen jetzt ehemalige Mitglieder linker westdeutscher K-Gruppen wie Breitenbach und Jelpke das Bild der Linken. Die PDS/Linke hatte Erfolg als Sprachrohr des Ostens und der teils ungerechten Auswirkungen der Einheit. Aber mit Randthemen wie Genderwahn und identitäre linke Politik ist kein Blumentopf zu gewinnen. Genau wie die SPD wird auch die Linke mit der Überbetonung dieser Nebenthemen ihre Wähler verschrecken und damit verlieren.
    Dazu kommt ein weiteres Problem. Die DDR Nostalgiker aus den staatlichen Organen der Ex DDR sterben langsam aus und somit fällt ein bedeutender Anteil der Wähler weg. Aber eine Politikerin wie Frau Wagenknecht, die diese Menschen noch angesprochen hat wurde weg gemoppt. Mit Frau Jelpke aber wird das nichts.

  6. 9.

    Ich hoffe auf genau gegenteiliges! Nämlich, das die Grüne Basis erkennt, das mit einer Spitze, die mit der cDu koallieren will, keine wesentlichen Umweltpolitischen Veränderungen möglich sind.
    Wollen die Grünen nun die neue sPd werden?
    Jeder der jetzt noch Grüne wählt, hilft unter Umständen der cDu beim Greenwashing!

  7. 8.

    Ich freue mich für Frau Pau ich kenne Sie persönlich und Sie ist eine sehr aufrichtige Politikerin.

  8. 7.

    Keine Macht den Kommunisten und ewig gestrigen .
    Wer Kriminelle (R94 ) unterstützt hat nicht verdient überhaupt gewählt zu werden.
    Um an die Macht zu bleiben würden die doch alles verraten und verkaufen

  9. 5.

    Warum in aller Welt hält sich eine Partei für "progressiv", die immer deutlicher 1989 rückgängig machen will?

  10. 4.

    Das Ergebnis wird aber höchstwahrscheinlich weder RRG noch GRR sondern eher Schwarz-Grün lauten. Und warum sollten Linke-Wähler/innen aus taktischen Gründen Grün wählen? Gerade auf Bundesebene gibt es doch gravierende programmatische Differenzen zwischen beiden Parteien.

  11. 3.

    Frau Pau ist für die Linke sicher eine gute Wahl.
    Da das Ergebnis aber Grün-Rot-Rot und nicht Rot-Rot-Grün sein sollte, bitte ich doch alle Wähler der Linken taktisch Grün zu wählen. Sorry, Frau Pau.

  12. 2.

    Da wird doch wieder gekungelt und geschummelt. Leute die sonst nix mit dem Wahlkreis zutun haben werden extra in sichere Wahlkreise gesetzt, die dort die Arbeit tun werden abserviert, damit sie auch ja in den Bundestag kommen.
    Also für mich ist das Wahlbetrug.

  13. 1.

    Herzlichen Glückwunsch