Auftritt bei CDU-Landesparteitag - Armin Laschet beschwört in Brandenburg das linke Schreckgespenst

Armin Laschet, Bundesvorsitzender der CDU und Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl 2021, spricht während des 36. Landesparteitages der CDU Brandenburg in der MBS-Arena. (Quelle: dpa/S. Stache)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.09.2021 | Torsten Sydow | Bild: dpa/S. Stache

Drei Wochen vor der Bundestagswahl hat sich die Brandenburger CDU zum Landesparteitag getroffen. Mit dabei auch Kanzlerkandidat Armin Laschet. Er warnte vor einem rot-grün-rotem Bündnis. Ob das für eine Aufholjagd reicht? Von Markus Woller

Ein freundlicher Applaus zur Begrüßung, irgendwann gibt die Musik den Rhythmus vor. Viel mehr hätte Armin Laschet in der Potsdamer MBS Arena am Sonnabend auch nicht erwarten dürfen. Zu schlecht die Vorlage, die der Kandidat seinen Wahlkämpfern gerade bietet.

Den 200 Delegierten des Landesparteitages stecken die schlechten Umfragewerte noch in den Knochen. Einige von ihnen bangen in diesen Tagen selbst um ihre Wahl-Aussichten als Direktkandidaten. Gerade einmal 15 Prozent der Brandenburger sind noch bereit, der CDU bei der Bundestagswahl ihre Stimme zu geben. Fast jeder Dritte CDU-Anhänger würde eher für SPD-Herausforderer Olaf Scholz stimmen, als für den Nordrhein-Westfälischen Ministerpräsidenten. Das zeigen die Zahlen aus dem jüngsten rbb BrandenburgTrend.

Laschet will mit Braunkohle-Erfahrung punkten

Die Rede des Kandidaten dann routiniert, zunächst wenig brandenburg-spezifisch. Als Reaktion auf die Vorkommnisse in Afghanistan kündigt Laschet einen neuen Nationalen Sicherheitsrat an. In der Corona-Politik stehe er für offene Schulen. Die innere Sicherheit sei ohne die CDU in Gefahr. Soweit, so bekannt. Beim Brandenburg-Thema Kohleausstieg versucht Laschet mit persönlichen Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen zu punkten. Der Ausstieg 2038 sei verhandelt, Verlässlichkeit für die Betroffenen in den Revieren unabdingbar, das habe er zuhause gelernt.

Das Ruder in den kommenden drei Wochen bis zur Wahl soll für ihn erkennbar eine Kampagne gegen ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis rumreißen. Das Schreckgespenst der Linken in Regierungsverantwortung möge den Konservativen Einheit und einen gemeinsamen Feind bescheren. Auch wenn nicht nur Laschet an diesem Samstag in Potsdam betont, dass es sich nicht um eine Neuauflage einer "Rote-Socken-Kampagne" handeln soll - so recht wird man den Eindruck nicht los.

Attacken werden persönlicher

Olaf Scholz geht Laschet in seiner Rede gleich mehrfach an. Mit dem SPD-Kandidaten werde das Land unsicherer. Immer wieder zählt Laschet zudem vermeintliche Verfehlungen von Scholz auf. Die persönliche Attacke, soviel scheint klar, gehört spätestens jetzt zu den Waffen der Wahl.

Bei den Delegierten brandet selten wirklich Begeisterung auf. Die Skepsis darüber, ob das Gehörte reicht, um der neuerstarkten SPD noch Einhalt zu gebieten, scheint auch nach der 45-minütigen Rede nicht gänzlich genommen.

Stübgen als Landeschef wiedergewählt

Landesparteichef Michael Stübgen bekennt sich in seiner Rede einerseits klar zum Kandidaten, nennt ihn "den Richtigen". Zugleich zeichnet er ein düsteres Bild der letzten Wochen: "Die Stimmung ist schlecht. Sehr schlecht." Mitverantwortlich macht er auch die sehr geräuschvolle Suche nach einem Bundesvorsitzenden und später auch nach dem Kanzlerkandidaten. Dieses Gerangel habe dem Ansehen bei den Wählern geschadet. Nun aber beginne das Finale, so der Landeschef. Man habe noch die Chance gut abzuschneiden.

Dass die schlechten Umfragewerte der CDU in Brandenburg vor allem im Bund zu verantworten sind, das nehmen die Delegierten ihrem Chef offenbar ab. Mit gut 75 Prozent wird Michael Stübgen von ihnen erneut zum Landesvorsitzenden gewählt. Ein besseres Ergebnis als bei der letzten Wahl 2019, bei der er rund 71 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Sicher aber war es auch einfach nicht die rechte Zeit für parteiinterne Querelen, nur drei Wochen vor der Bundestagswahl.

So geht von dem Parteitag dann doch ein Signal des Aufbruchs aus: Jetzt noch einmal reinknien. Wenn's doch schiefgehen sollte, kommt die Zeit der Abrechnung noch früh genug.

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.09.2021, 7 Uhr

61 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 61.

    " Es geht ein Gespenst..... " durch Deutschland und grinst. Vielleicht doch die Grinsekatze und nichts Ernstes, was man mit dem Kreuz kennzeichnen müßte.

  2. 60.

    Ja, also einfach unerhört sowas. Schämen usw ....
    Übrigens: Wenn man nicht verballhornt "ach laschet" meint wird Laschet trotz seines tieferen Schwerpunktes gerne groß geschrieben.

  3. 59.

    Ich habe das Video auch gesehen, wollen Sie tatsächlich eine "Alternative Fakten" Diskussion aufmachen? RWE und die Schmierung von Unionsabgeordneten getarnt als Nebeneinkünfte sagen doch alles über diese Parteien. Wer hat eigentlich im Parlament volle Transparenz dazu verhindert?

  4. 58.

    Wohl wahr. Soziale Verwahrlosung nennt man das glaube ich, wenn Kindchen kein RA wird, sondern authentischer Rebell mit der Kohle der Vorfahren.

  5. 57.

    "Klar gibt es Fakten aber....."
    Das ABER ist zu viel, er nennt die Fakten und darüber gibt es nichts zu diskutieren denn eine Diskussion ändert nichts an den Fakten. Am besten gefällt mir das die Namen der Verhinderer und Blockierer in der Union genannt werden.
    Na ja, Frau Beer (FDP) unterste Gürtellinie oder besser auf Niveau Aluhutträger.

  6. 56.

    Ich habe das Video von Rezo längst gesehen es kann aber nicht überzeugen. Klar gibt es Fakten aber wie er sie auslegt und in welche Zusammenhänge er sie bringt, dazu dichtet und was er dabei weglässt ist schon abenteuerlich.
    Ich glaube er hätte genug Stoff um gegen seine linken Lieblinge mehrere Videos zu machen. Ansonsten scheint er ja durch und mit dem Kapitalismus ein klasse Leben zu führen. Mir fällt in dieser Sekunde der Name Karl Eduard von Schnitzler ein. Das Gehirn spielt einem manchmal schon komische Streiche.

  7. 55.

    Hier ging es um die Frage " Staat und Eigenverantwortung". Kurzum, wie viel Mündigkeit ist jedem Einzelnen zuzutrauen.



  8. 54.

    Weder in Russland, Nordkorea, Kombodscha etc. herrschte oder herrscht Sozialismus, belesen Sie sich über Sozialismus. In diesen Ländern herrscht wie Sie sagen der Terror aber das hat mit rein garnichts Sozialismus nichts zu tun.

  9. 53.

    Nach Ihrer Aussage ist lediglich die braune Truppe AfD wählbar, das lässt einen tiefen Einblick Ihrer Gesinnung zu.
    Das neue Rezo Video auf YouTube ist für alle Unentschlossenen eine Hilfe, besonders für die ältere Generation.

  10. 52.

    "Am besten die FDP". Lindner wollte einen Merkel-Untersuchungsausschuss wegen der 2015 Grenzöffnung. Dann ist er eingeknickt. Die Lindner FDP ist mindestens so unwählbar, wie die anderen Altparteien.

  11. 51.

    Sozialismus ist eine totalitäre Diktatur, genauso wie der Nationalsozialismus: menschenverachtend und verbrecherisch.
    Wer ihn „gar nicht so schlecht“ findet, hat ihn nicht erlebt oder überhaupt nichts begriffen (Kim-Jong-Un, Pol Pot und Stalin lassen grüßen).

  12. 49.

    "Wir wählen Programme...und keine Parolen. " - Gebt den Deutschen eine Parole und sie verfolgen ihre eigenen Leute härter als es ihre Feinde jemals tun würden....Bonaparte. Das mit den Andersdenkenden haben viele hier nun mal gar nicht gerafft und sie werden sich verwundert umschauen wenn es auf einmal sie betrifft....

  13. 48.

    Der Wunsch nach "Weniger Staat, mehr Eigenverantwortung " , durch dieses Raster fällt eindeutig die AfD, Die Linke und die Grünen.
    Am besten passt er zur FDP.

  14. 47.

    Wer selbst nichts kann, warnt vor anderen. Das ist kein Programm, sondern eine Bankrotterklärung. Die CDU bietet nichts für eine lebenswerte Zukunft.

  15. 46.

    Bisher haben sich die Unterschätzten durchgesetzt. Wir wählen Programme...und keine Parolen. Wenn sich jedoch moralische Ansichten gegenüber Andersdenkenden in staatliches Handeln niederschlagen sollte, „Gnade uns Gott“...

  16. 45.

    Zumal der Links-Ruck der CDU kurzfristig Stimmen brachte, aber nun ist es für CDU-Anhänger nur noch ein kleiner Schritt, zu SPD + Grünen zu wechseln.
    Ich glaube, die CDU wird durch die Panik jetzt noch unter 20% stürzen. Aber sind ja trotzdem alle versorgt mit Diäten bei bald 1.000 Bundestagsabgeordneten.

  17. 44.

    Ich denke nicht, daß es nur an Armin Laschet liegt.
    Es ist die komplette CDU die ein Tritt in den Hintern bekommen muss.

    Die ganze Coronazeit wurde nur mit Panik und Angst regiert, viele haben dadurch ihre Existenz verloren.
    Dann die Maskenaffäre und und und...

    Ansicht ist egal, wer gewinnt, es wird sich eh nichts zum besseren ändern....aber ich hoffe die CDU landet in der Opposition

  18. 43.

    "Die CDU ist ja leider kein Bollwerk mehr gegen Linksgrün.
    Eher wird Laschet noch mehr Wähler in die Arme von FDP + AfD treiben."

    Damit haben Sie vollkommen Recht, die einzigen Alternativen zu linker Politik sind FDP und AfD (und evtl. FW, aber die sonstigen Parteien werden uns fast immer nur als black box präsentiert). Allerdings könnten nach einer krachenden Niederlage der CDU dort die Karten neu gemischt werden, und da gibt es bestimmt jemanden, der ausprobieren will, ob aller guten Dinge drei sind...

  19. 42.

    Welche Parteien jenseits der FDP fallen dabei eigentlich nicht durch's Raster? Gerade das linke Spektrum, zunehmend auch die CDU, gehen ja nach dem Motto "Mehr Staat wagen!" vor und verneinen damit Eigenverantwortung.