Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen (Archiv)
Video: Brandenburg aktuell | 19.04.2021 | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Bundestagswahl - Annalena Baerbock soll Kanzlerkandidatin der Grünen werden

Bei den Brandenburger Grünen begann ihr politischer Aufstieg, nun soll Annalena Baerbock ihre Partei als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen - als erste Grüne überhaupt in dieser Rolle. Glückwünsche kamen sogar von Kanzlerin Merkel.

Die Grünen gehen mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Der Bundesvorstand der Partei nominierte die frühere Vorsitzende der Brandenburger Grünen am Montag für den Spitzenposten. Die Entscheidung muss noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden, die Zustimmung gilt aber als sicher.

Baerbock wurde zuvor bereits als Spitzenkandidatin der Brandenburger Grünen nominiert. Ihr Bundestagswahlkreis umfasst Potsdam sowie Teile von Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming.

Zentrales Wahlkampfthema der Partei ist zugleich Baerbocks Fachgebiet, die Klima- und Umweltpolitik. "Klimaschutz ist die Aufgabe unserer Zeit, die Aufgabe meiner Generation", sagte Baerbock. Die Politik der neuen Bundesregierung müsse Klimaschutz für alle Bereiche zum Maßstab machen, um das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen.

Erste Kanzlerkandidatin der Partei

Die Grünen haben sich angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte damit erstmals für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Aktuellen Umfragen zufolge wären sie mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU/CSU und vor der SPD. Bei den Sympathiewerten lag die 40-jährige Baerbock hinter dem 51-jährigen Habeck, hat in den vergangenen Monaten aber aufgeholt.

Baerbock war am Samstag bereits vom Brandenburger Landesverband für die Bundestagswahl als Spitzenkandidatin nominiert worden, mit 106 von 109 Delegiertenstimmen. "Wir fordern die Union heraus", sagte die 40-Jährige. "In diesem Jahr ist alles möglich, in diesem Jahr ist alles drin." Sollte sie nun auch als Spitzenkandidatin der gesamten Partei gewählt werden, wäre Baerbock bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 erst die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich für das höchste Regierungsamt bewirbt.

Die am 15. Dezember 1980 in Hannover geborene Baerbock war von 2009 bis 2013 Landesvorsitzende der Grünen in Brandenburg, bevor sie in den Bundestag einzog. Bei den gescheiterten Jamaika-Sondierungen Ende 2017 machte sich die ehemalige Trampolin-Turnerin nicht nur in der Klima-, sondern auch der Europapolitik einen Namen. Im Januar 2018 wurde sie dann gemeinsam mit Habeck zur Grünen-Bundesvorsitzenden gewählt.

Parteichefin, Abgeordnete und Mutter

Als Manko könnte sich erweisen, dass die 40-jährige Baerbock bislang über keinerlei Regierungserfahrung verfügt. Spekulationen über eine mangelnde Durchsetzungsfähigkeit kontert sie selbstbewusst: "Drei Jahre als Parteichefin, Abgeordnete und Mutter kleiner Kinder stählen ziemlich."

Die studierte Völkerrechtlerin warnte davor, "Öko gegen Sozial" auszuspielen: Sie präsentierte sich einst als basisnahe Kämpferin, die für den Kohleausstieg "raus auf die Straße" will, aber auch das Gespräch mit Kohlekumpels sucht. In ihrem Wohnort Potsdam engagierte sie sich in einem Flüchtlingshilfeverein - und in der Corona-Krise besetzte die Mutter zweier Töchter frühzeitig das Familien-Thema.

SPD und CDU gratulieren

Die Berliner Grünen werten die Nominierung Baerbocks als "großartiges Signal". "Wir Grüne verbinden die Themen dieser Zeit mit der Kandidatin für diese Zeit", erklärten die Landesvorsitzenden Nina Stahr und Werner Graf am Montag. "Klimaschutz muss endlich oberste Priorität fürs gesamte Regierungshandeln bekommen - auf allen Ebenen."

Die SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans gratulierten Baerbock. "Wir freuen uns auf konstruktive wie auch kontroverse Dialoge und Diskussionen mit der Spitzenkandidatin und ihrer Partei um die besten Lösungen", sagten die beiden den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet gratulierte Baerbock zur Nominierung als Kanzlerkandidatin der Grünen und sicherte ihr einen "fairen Wahlkampf" zu. "Wir müssen menschlich fair miteinander umgehen", sagte er am Montag in Berlin. Das sei in diesen Zeiten der Pandemie ganz besonders wichtig. "Wir sollten unter Demokratinnen und Demokraten vom ersten Moment an respektvoll miteinander umgehen." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte der Grünen-Politikerin zu ihrer Nominierung. "Da kann ich gerne von hier aus einen Glückwunsch aussprechen von der Kanzlerin", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin, Ulrike Demmer.

AfD greift Baerbock scharf an

AfD-Vizechefin Beatrix von Storch warf Baerbock hingegen vor, mit "Harmonie-Soße" den
"Öko-Sozialismus des grünen Wahlprogramms" zu verschleiern. "Jung und weiblich soll sie zeitgeistgemäß Stimmen sammeln und dabei schönreden, was das grüne Wahlprogramm dem Land androht", mutmaßte der Parteivorsitzende Jörg Meuthen. Mit Baerbock und ihren Parteikollegen in der Regierung "drohen totalitäres Denken, orwellsche Sprachzwänge, technologische Irrläufe, Wohlstandsverlust und selbstmörderischer Klimafanatismus", fügte er hinzu.

Der Fraktionschef der FDP im Bundestag, Christian Lindner, sagte, er freue sich "auf den politischen Ideenaustausch im Wahlkampf mit Annalena Baerbock". Nun fehle nur noch die Union, "damit es endlich um Inhalte geht: Nie gab es mehr zu tun".

Gemischte Reaktionen in Brandenburg

Die Grünen in Brandenburg begrüßten die Nominierung Baerbocks. Die 40-Jährige sei entschieden und transparent, aber auch lernfähig und selbstkritisch, sagte Landeschefin Alexandra Pichl. "Und genau das brauchen wir jetzt – gerade wenn sich andere beim Führungspersonal zerstreiten", sagte sie mit Blick auf die Unions-Kandidatenkür.

CDU-Generalsekretär Gordon Hoffmann räumte ein, die Grünen hätten die Kandidatenkür relativ geräuschlos absolviert – anders als seine eigene Partei. Er habe allerdings das Gefühl, Baerbock sei das "freundliche, bürgerliche Gesicht für ein öko-sozialistisches Wahlprogramm", sagte er.

Das sieht Linken-Fraktionschef Sebastian Walther nach eigener Aussage eher als Chance. Er verwies auf den Politikwechsel, den Baerbock versprochen hat – sollte sie es tatsächlich ins Kanzleramt schaffen. Es brauche endlich eine gerechte Politik, die verhindere, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer werde, so Walther.

Peter Vida von den Freien Wählern sagte, Baerbock fehle die Regierungserfahrung. Die Entscheidung für eine solche Kandidatin zeige, dass der Politikstil der Grünen oft von Wunschdenken geprägt sei statt von inhaltlicher Substanz.

Die Kommentarfunktion wurde am 19.04.2021 um 15:27 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

Sendung: Inforadio, 19.04.2021, 15 Uhr

95 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 95.

    DANKE an die GRÜNEN für die super Entscheidung! Auch wenn ich sie beide toll finde: DANKE an Herrn Habeck für das NEIN und DANKE an Frau Baerbock für das JA!!! Ich hoffe ganz fest auf eine weitere Kanzlerin!

  2. 94.

    Wo spiegeln sich in den Kommentaren eigentlich die 20% Grünwähler wieder?
    Lese ich die knapp 100 Meinungen habe ich doch noch Hoffnung, dass die GRÜNEN nur UMFRAGE-KÖNIGE sind und nicht ernsthaft ins Kanzleramt einzehen werden. Ebenfalls angenehem: ich sehe mich in MEINER Sichtweise der GRÜNEN durch fast 100 Meinungen bestätigt. Wenn es jetzt noch zu einer Veränderung der Mehrheitsverhältniss im Berliner Senat durch die ebenfalls anstehende "Berliner"-Wahl kommt, ist nicht alle Hoffnung vergebens. R2G in Berlin sollte Mahnung und Warnung genug sein.

  3. 93.

    Für mich zählt nur Eins: Berufserfahrung, denn nur im Berufsleben kann man Erfahrungen sammeln, die notwendig sind um zu wissen was für ein Land man regiert, wie es im richtigen (also außerparlamentarischen) Leben aussieht und wie die Menschen denken. Hat Frau Baerbock in Ihrem Leben jemals richtig gearbeitet und für andere Verantwortung getragen? Hat sie jemals ein positives wirtschaftliches oder innovatives Ergebnis geliefert? Leider nein.
    Drei Jahre Als Hospitantin bei der Zeitung und zwar während des Studiums - das ist gar keine Berufserfahrung. Ich würde mir wünschen, dass sie die Führung einer GmbH übernimmt und zeigt, dass sie wenigstens ein Kleinunternehmen führen kann, bevor Sie die Führung des Landes mit 87 Millionen Einwohner übernimmt.
    Man spricht in den Kommentaren vom frischen Wind. Orientierungsloser Wirbelsturm ist allerdings auch eine Art Wind.

  4. 92.

    Ich sehe das schon kommen im Falle eines gewonnenen Wahl, dann werden wiir alle mit Klappspaten und ein Stück Land ausgestattet zwecks Anbau zur Selbstversorgung. Ab 60jährige kommen in Reservate , die sind für die Grünen unbrauchbar. Und Auto , Flugzeug gibt es nicht, man , zur Ostsee kann man lsufen.
    .

  5. 91.

    Da kann man ja gleich die dauerhysterische Elternsprecherin mit ihrem Tralala-Studium aus der Kita von nebenan zum Bundeskanzler machen wollen. Kein Scherz. Viel zu ernst das Thema!

  6. 90.

    Wie kommen die eigentlich darauf, dass Jemand von den Grünen oder der SPD den Kanzlerkandidaten stellen?

  7. 89.

    ....bei so einer schlechten Allgemeinbildung...na dann...

  8. 88.

    Hier ist ja was los in den Kommentaren. Warum regt ihr euch denn alle so auf? Es wurde hier nur Listenplatz 1 einer Partei vorgestellt. Wer sie nicht wählen will, soll sie nicht wählen. Wir leben in einem freien Land, vergesst das nicht!

    In den aktuellen Umfragen liegt die Partei stabil über 20%. Das sind eine Menge Leute, die ihre Stimme den Grünen geben möchten. Sir sollten alle mal mehr ins Gespräch kommen. Wir sollten alle mal über unseren Tellerrand schauen!

  9. 87.

    Ja, die Grünen. War mal "meins" - diesmal nicht mehr. War mal schön, als noch von unten nach oben abgestimmt wurde, sich Realos und Fundis fetzten, deutliche Worte in präsidialer Richtung gesprochen wurden - und nun - Einheitsbrei von oben nach unten - "die Spitze hat gewählt" und die Basis hat ... es entweder nicht mitbekommen oder wurde plattgequatscht. Nein, man streitet sich lieber über Aussagen zu Indianerhäuptlingen, lässt angebrachte Kritik an dem jetzigen Irrsinn eher in diplomatischen Dosen durch oder beteiligt positiv sich an fragwürdigen Beschlüssen. Nicht, das ich "entökologisiert" bin, aber wenn Ränder indiskutabel sind, Regierung und Opposition sich nicht gerade mit Ruhm bekleckern - was dann?
    Schön wäre, wenn CDU und CSU zusammen eine Partei gründen ... und diese dann ... mhh ... CSD nennen ;-). Ja, das wäre dann DIE PARTEI (übrigens 'n cooles Programm haben DIE schon).

  10. 86.

    Sie haben vollkommen recht.

    Eigentlich haben die Grünen doch so gewählt, dass sie ganz sicher KEINE/N Kanzler/in stellen werden. Bei Robert H. würde es meines Erachtens anders aussehen . Die Grünen wird das massiv Stimmen kosten, wenn sie Frau B. und nicht Herrn H. ins rennen schicken.

  11. 84.

    Vor allem die Grünen wollen alle Menschen zu Radfahrern machen und vergessen die Alten und Behinderten, die auf ihr Auto angewiesen sind!!!
    Und, ganz früher, als eAutos noch gut waren, waren sie für mich eine wunderbare Sache. Aber die verbrennen die Menschen, und fahren noch nicht mal bis zum Harz.
    Und die Straßen mit den Pop-Up Radwegen sind für die Anwohner die reinste Brandfalle. Wo soll die Feuerwehr halten? Auf dem Radweg? Nein, Radfahrer haben Vorfahrt! Was scheren uns die Menschen in den brennenden Häusern.

  12. 83.

    Vor allem die Grünen wollen alle Menschen zu Radfahrern machen und vergessen die Alten und Behinderten, die auf ihr Auto angewiesen sind!!!
    Und, ganz früher, als eAutos noch gut waren, waren sie für mich eine wunderbare Sache. Aber die verbrennen die Menschen, und fahren noch nicht mal bis zum Harz.
    Und die Straßen mit den Pop-Up Radwegen sind für die Anwohner die reinste Brandfalle. Wo soll die Feuerwehr halten? Auf dem Radweg? Nein, Radfahrer haben Vorfahrt! Was scheren uns die Menschen in den brennenden Häusern.

  13. 82.

    Aufregung ist fehl am Platze. Dass die Grünen eine Spitzenkandidatin nominieren und sie auch noch "Kanzlerkandidatin" nennen, ist zunächst mal deren eigene Angelegenheit. Es ist ja deshalb (noch) niemand gezwungen, die Grünen zu wählen. Bzw. wenn man den Rückfall in die Postkutschenzeit aktiv verhindern will, sollte man mit der eigenen Stimme Parteien stärken, die mit den Grünen und mit denen die Grünen garantiert nicht koalieren werden.

  14. 81.

    Ich hatte jetzt sehr lange eine weibliche Kanzlerin aus Brandenburg. Ich möchte jetzt einen männlichen Kanzler aus einem anderen Bundesland, schon wegen der Gleichheit der Geschlechter die von den Grünen propagiert wird

  15. 79.

    Bei einer zerstritten Union, einer Nazi verseuchten AfD, einer inhaltslosen FDP ,Linken und SPD fällt die Wahl nicht schwer.
    Ein weiter so geht jedenfalls gar nicht.

  16. 78.

    Die Friedrichshain-Kreuzberger Blase mit ihrer Missachtung jeglicher Gesetze will ja nun keiner auch noch im Bund.

  17. 77.

    Baerbock, Jarrasch usw. - na macht mal.... und viel Glück beim Häkelkreis in der internationalen Welt. Deutschland entwickelt sich gerade zu einem Walt Disney Träumerland, mit viel Geschwätz und wenig Ergebnis. Anna im Wunderland, toll...

    Das Programm der Grünen lädt völlig dazu ein - Viel Geplapper ohne Ziel.

    Die Grünen werden ihre Stimmen schon einfahren, dafür haben sie jetzt auch noch praktische Helfer wie der Bayernprinz und der Jeck aus NRW - Mahlzeit denn

  18. 76.

    Gott bewahre!
    An dem Tag an dem dieser "Mia san mia " Ein-Bundesland-Bayer der Bundeskanzler von 83 Mio. Bürgern wird,
    gebe ich meine Staatsbürgerschaft ab und lebe fortan als staatenloser im Kirchenasyl !!!