"Polittalk aus der Hauptstadt" - Scholz räumt Fehler in der Pandemiebekämpfung ein

Annalena Baerbock und Olaf Scholz beim "Politiktalk aus der Hauptstadt" (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
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Die Kanzlerkandidaten von SPD und Grünen, Olaf Scholz und Annalena Baerbock, haben sich am Montagabend einen Schlagabtausch im rbb geliefert. Dabei räumte Scholz auch Fehler in der Pandemiebekämpfung ein. Streit gab es beim Thema Klima.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat Vizekanzler Scholz Fehler eingeräumt. Es habe falsche Entscheidungen gegeben, sagte der SPD-Kanzlerkandidat am Montagabend im "Polittalk aus der Hauptstadt" von Inforadio und "Süddeutscher Zeitung", unterstützt von der Bertelsmann-Stiftung.

Beispielsweise sei es falsch gewesen, zu Beginn der Pandemie die Schulen zu schließen. Auch die Situation in Altenpflegeeinrichtungen mache ihn nachhaltig traurig, so Scholz. Da sei nicht rechtzeitig das Richtige geschehen. Außerdem kritisierte Scholz die Organisation der Impfstoffbestellung in der EU im vergangenen Jahr. Dies habe zu lange gedauert. "Es hätte anders laufen müssen", sagte Scholz. Darüber müsse geredet werden.

Politik sollte vorausschauender planen, so Baerbock

Die Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock sagte in der Sendung, man könne nicht nur die regierenden Parteien zur Verantwortung ziehen. Alle demokratischen Parteien müssten selbstkritisch sein. Die größte Lehre aus der Corona-Pandemie sei, konkrete Pläne zu machen und nicht immer auf Sicht zu fahren. Jetzt müsse man sagen, "damit machen wir Schluss. In Zukunft schauen wir wirklich voraus und sagen, was brauchen wir in den nächsten Jahren", so Baerbock.

Das gelte auch für die Flüchtlingspolitik. Man könne nicht immer sagen, "wir machen einfach die Augen zu, die Welt um uns herum dreht sich weiter", so Baerbock. Sie forderte einen Zusammenschluss mehrerer europäischer Staaten, um eine gemeinsame Integrationspolitik zu realisieren.

Streit beim Thema Klimapolitik

Auch Scholz, der Kanzlerkandidat der SPD bei der bevorstehenden Bundestagswahl, sprach sich für eine europäische Strategie aus. Nötig sei eine "pragmatisch humanitäre Flüchtlingspolitik". Das bedeute einerseits unter anderem politisch Verfolgte aufzunehmen. Gleichzeitig müsse auch gesagt werden, "diejenigen, die keine Schutzansprüche haben, können nicht bleiben".

Beim Thema Klimaschutz warf der SPD-Kanzlerkandidat den Grünen vor, zu unkonkret zu bleiben. Wenn man Steuern auf Diesel erhöhen wolle, solle man das auch so sagen. Gleichzeitig forderte Scholz, Strom billiger zu machen. Nur so könne die Energiewende gelingen.

Die Bundesregierung habe den Ausbau erneuerbarer Energien jahrelang verhindert, kritisierte Baerbock. Planungsprozesse müssten vorangetrieben werden. Dazu gehöre, die Bürger von Anfang an stärker zu beteiligen.

16 Kommentare

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  1. 16.

    Die einen sorgen für die Finanzierung und die anderen für kostenlose Sendezeit. WinWin

  2. 15.

    und Herr Hofreiter mit einem Ministerposten liebäugelt, löst beim grauenhafte Vorstellungen"
    Nun bleiben Sie mal fair: Sie sind halt durch Herrn Dr. (ex) Scheuer und andere in den letzten Jahren ganz schön verwöhnt worden. Also zumindest was Sachkenntnis und Glaubwürdigkeit angeht.

  3. 14.

    Wie durch den Mietendeckel Investitionen nicht mehr stattfanden und viel weniger Wohnungen neu gebaut und vermietet wurden, wird es auch passieren, wenn rot und grün seine Ideen umsetzt. Dann wird sich die Wirtschaft und das Kapital Stück für Stück, unbemerkt woanders hin verlagern, wie wir es z.B. schon bei Solarzellen und jetzt bitter bei Medikamentenherstellern realisiert haben und plötzlich wachen wir auf dem wirtschaftlichen Niveau von Rumänien auf. Aber Hauptsache wir haben dann Radwege, weil Autos kann man sich dann ja nicht mehr leisten und in Urlaub erledigt sich mangels Job's ganz automatisch.

  4. 13.

    "Beispielsweise sei es falsch gewesen, zu Beginn der Pandemie die Schulen zu schließen. Auch die Situation in Altenpflegeeinrichtungen mache ihn nachhaltig traurig, so Scholz. Da sei nicht rechtzeitig das Richtige geschehen. Außerdem kritisierte Scholz die Organisation der Impfstoffbestellung in der EU im vergangenen Jahr. Dies habe zu lange gedauert."

    Schulen:
    Wer hatte sich hier aufgrund welcher Erkenntnisse und Beraterempfehlungen durchgesetzt?

    Altenpflegeeinrichtungen:
    Kümmert Euch um die Alten war eine der allerersten Forderungen (Stichwort: Bologna).

    Impfstoff:
    Die gravierenden Fehler bei der Beschaffung nur mit "zu lange gedauert" zu beschreiben, ist fast schon ein Euphemismus. Ganz zu schweigen von der Organisation der Impfkampagne in Deutschland.

    Und:
    Sonst war alles ganz okay? Ja?

  5. 12.

    Herr Scholz hat in letzter Zeit öfter mal Erinnerungslücken! Nicht nur bei diesem Punkt! Siehe Cum-Ex-Affäre!

  6. 11.

    Genauso ist es!
    Warum ist Herr Scholz am Kabinettstisch oder bei den Sitzungen mit den MP nicht aufgestanden und hat gesagt dass das mit Schulen und Altenheimen so nicht geht. Sich jetzt hinzustellen und zu sagen "es seien Fehler passiert" ist etwas zu billig und unglaubwürdig.

  7. 10.

    Ich habe mit Befremden gestern in der Sendung sehen müssen, dass Sie als regional aufgestellter Sender Mineralwasser aus Italien auf den Rednertischen platzierten. Es gibt hervorragende Sorten aus der Region. Leider hat auch keiner der Politiker diesen Ball aufgegriffen, um über konkrete Maßnahmen zum KLIMASCHUTZ zu sprechen. Muss Wasser 1000 km in Europa herum gefahren werden ?
    Es mag wie eine Kleinigkeit wirken, aber dort fängt politisches und verantwortliches Handeln für mich an.

  8. 9.

    Herr Scholz har wohl vergessen, dass die SPD mitregiert hat ? deshalb sind seine Aussagen für mich nicht Glaubwürdig und zur Not in den Koalitionsvertrag schauen.

  9. 8.

    Den Ausbau der EE haben jahrelang grün dominierte Klientel verhindert, welche in unzähligen BIs und Verbänden gegen ebenso zahlreiche Projekte geklagt und gekämpft haben.
    Euros wurden jedenfalls genug verbrannt, mit praktisch keinem Nutzen.

  10. 7.

    Die Grünen sind und bleiben für mich Traumtänzer. Allein der Gedanke das Frau Baerbock Ambitionen auf das Kanzleramt hegt und Herr Hofreiter mit einem Ministerposten liebäugelt, löst beim grauenhafte Vorstellungen. Auch die Grünen werden in kürzester Zeit Politik ohne Rückhalt der Menschen machen. Herr Scholz reist ja nun auf eine ganz billige Masche. Es wurden Fehler gemacht??? Er saß doch an den Schalhebeln, er hat doch die Maßnahmen mit den Altenheimen mit vertreten und auch er hat für die Schulschließungen plädiert. Seine Frau hat diese Dinge mit umgesetzt. Nun kommt er mit der Mitleidsmasche und die Ecke und geht auf Stimmenfang. Wenn er als möglicher Kanzler so arbeitet wie als Regierender Bürgermeister von Hamburg oder so aufklärt wie imFall Wirecard, dann kann ich liebend gerne verzichten. Das Problem ist, das es bei den anderen Parteien nicht besser aussieht.

  11. 6.

    Wieder nur Gerede. Man müsste, man sollte. Fakt ist doch, es muss sich in diesem Land was ändern und da sollte man den Wählern klar sagen, was das kostet und wie diese Kosten verteilt werden. Bisher wurden Kosten immer nur auf die Kleinen verteilt und die Schere zwischen Arm und reich geht immer weiter auseinander. Klimaschutz und auch das Flüchtlingsproblem lässt nur weltweit lösen. Das schafft Deutschland nicht allein. Was die Grünen betreiben ist Zweckaktionismus und Wunschdenken.

  12. 5.

    Wieder nur Gerede. Man müsste, man sollte. Fakt ist doch, es muss sich in diesem Land was ändern und da sollte man den Wählern klar sagen, was das kostet und wie diese Kosten verteilt werden. Bisher wurden Kosten immer nur auf die Kleinen verteilt und die Schere zwischen Arm und reich geht immer weiter auseinander. Klimaschutz und auch das Flüchtlingsproblem lässt nur weltweit lösen. Das schafft Deutschland nicht allein. Was die Grünen betreiben ist Zweckaktionismus und Wunschdenken.

  13. 4.

    Oje, ich sehe schwarz für unser Land! Bei Beiden fehlen ganz einfach Persönlichkeit und Charisma! Sieht bei Laschet(CDU/CSU-Spitzenkandidat) aber auch nicht anders aus! Sollte eigentlich den Parteien zu denken geben!

  14. 3.

    Schön... Die Frau Kanzlerinanwärterin glaubt auch an das, was sie sagt.
    Ich kann diesem naiven Geplapper irgendwie so gar nichts abringen. Nur eins glaube ich den grünen - es wird richtig teuer...

  15. 2.

    Politisches Geschwätz ohne Fakten...Keiner der Beiden ist wählbar! Und warum stellt die SPD überhaupt einen Kanzlerkandidaten bei den Umfragewerten?? Aber bei den Grünen will ich erst gar nicht anfangen...ko××

  16. 1.

    Das war die beste Wahlkampf-Sendung, die ich je gesehen habe im Laufe der Jahrzehnte. Korrekte, faire Fragen, sachliche und verständliche Antworten, geprägt aus gegenseitigem Respekt.
    Danke für diese erhellende Sendung, Dank an die Kandidaten. Und Herrn Olaf Scholz wünsche ich viel Glück!

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