Heiße Phase des Wahlkampfs eingeläutet - Wie "bereit" ist die grüne Kanzlerkandidatin Baerbock?

Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin, steht zur Enthüllung eines Großflächenplakats der Grünen vor dem Plakat mit der Aufschrift "Unser Land kann viel, wenn man es lässt", das Teil der Grünen-Kampagne "Bereit, weil Ihr es seid." ist. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Bild: dpa/Fabian Sommer

Zwei Wochen vor dem Start der bundesweiten Kampagne hat Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock den Wahlkampf in Brandenburg eröffnet. Sie tritt im wohl spannendsten Wahlkreis Deutschlands an - und hat es sich schon selbst schwer gemacht. Von Markus Woller

"Bereit, weil ihr es seid" - dieser Slogan soll die erste grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock durch den Wahlkampf tragen. Am Montag hat sie ihn zusammen mit der Plakatkampagne in ihrem Potsdamer Wahlkreis vorgestellt. Mit dabei Deutschlands versammelte Hauptstadtpresse.

Seit der Bekanntgabe ihrer Kandidatur für das Amt der Bundeskanzlerin haben auch solche vermeintlich kleinen Anlässe Gewicht. Jede Kleinigkeit wird kritisch beäugt, geprüft, bewertet. Heute ist es das leichte Zittern auf ihrer Wange, wenn sie sich zu konzentrieren versucht. Die Frage, warum neben ihr als Frontfrau auch Robert Habeck überlebensgroß vom Plakat strahlt. Die Goldwaage wird umso genauer geeicht, je öfter der Kandidatin Ungenauigkeiten und Pannen nachgewiesen werden können.

"Ja, ich habe Fehler gemacht"

Denn so "bereit", wie der Partei-Slogan vermitteln soll, schien die Kandidatin in den vergangenen Monaten nicht zu sein. Eben Ungenauigkeiten und Pannen haben ihr und ihrer Partei einen Sinkflug in den Zustimmungswerten beschert. In ihrem Buch "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern" hat sie sich mehrmals der geistigen Vorleistungen anderer Autoren bedient. Sonderzahlungen der Partei hatte sie verspätet an den Bundestag gemeldet. Außerdem mussten Angaben in Baerbocks Lebenslauf korrigiert werden.

Erst jüngst hatte sie nun auch noch das N-Wort in einem Interview verwandt und um eine nachträgliche Korrektur gebeten. "Ja, ich habe Fehler gemacht und das Wichtige ist für mich, daraus zu lernen und es in Zukunft gemeinsam besser zu machen", sagt die Kandidatin bei der Vorstellung ihrer Kampagne.

Die 40-Jährige will nun endlich Themen statt Schlagzeilen setzen: Umweltfreundlicher öffentlicher Nahverkehr, besserer Katastrophenschutz, die Vereinbarkeit von Klimaschutz und Wirtschaft. Ob sie damit den Abwärtstrend brechen kann? Das hängt wohl davon ab, ob es ihr gelingt, weitere Fettnäpfchen zu vermeiden.

Erstes Direktmandat in ostdeutschem Flächenland?

Definitiv "bereit" scheint hingegen Baerbocks Parteibasis in Brandenburg zu sein. Die ist so stark wie noch nie: In den vergangenen vier Jahren ist die Mitgliederzahl von Bündnis 90/Die Grünen um mehr als das Doppelte angewachsen: von 1.200 auf heute fast 2.500 grüne Mitglieder im Landesverband.

Zu verdanken ist das zum einen der immer sichtbarer werdenden Klima-Krise. Aber auch Baerbock selbst hat ihren Anteil daran. Die Nominierung der ersten grünen Bundeskanzler-Kandidatin hatte im April geradezu eine Eintritts-Welle bei den Grünen in Brandenburg ausgelöst.

Nun muss die Kandidatin aber auch liefern. Denn die Ansprüche sind parallel zu den Mitgliederzahlen gewachsen. Die Brandenburger Landeschefin Julia Schmidt hat ein ambitioniertes Ziel ausgegeben: Ein zweistelliges Ergebnis, mindestens drei Mandate im Bundestag sollen es sein. Baerbock selbst legt die Latte für ihren Wahlkreis sogar noch ein bisschen höher. "Wir haben hier die Möglichkeit, im Wahlkreis 61 zum ersten Mal in unserer Geschichte ein Direktmandat in Ostdeutschland in einem Flächenland zu gewinnen".

Der interessanteste Wahlkreis Deutschlands

Leicht wird das ganz sicher nicht, tritt sie doch in und um Potsdam in einer echten SPD-Hochburg an - noch dazu gegen einen anderen Kanzler-Kandidaten, Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Vor Baerbocks Pannenserie schien ein Sieg hier sogar möglich. Momentan sehen Wahlkreisprognosen den SPD-Kandidaten deutlich vorn.

Und auch die anderen Kandidaten dort sind Hochkaräter: Unter anderem treten die Bundes- und Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig (CDU) oder die ehemalige FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg (FDP) im Wahlkreis 61 an. Immerhin steht Baerbock auf der Landesliste auf Platz eins.

Trotzdem dürfte der Kampf um den Potsdamer Wahlkreis der interessanteste in ganz Deutschland sein. Die Hürden also sind hoch. Die heiße Wahlkampfphase beginnt spätestens jetzt. Annalena Baerbock wird nun zeigen müssen, ob sie wirklich so "bereit" ist wie ihre Wähler.

Die Kommentarfunktion wurde am 27.07.2021 um 10:46 Uhr geschlossen

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Beitrag von Markus Woller

47 Kommentare

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  1. 47.

    Die Wahl hatte Herr Habeck nicht, er musste der Frau Baerbock den Vortritt lassen.

    Das hat diese Pertei davon, wenn sie die Auswahl vom Geschlecht der Person abhängig macht, und nicht von der Eignung für das angestrebte Amt.

  2. 46.

    Die GRÜNEN hatten bei der letzten Bundestagswahl lediglich 8,9% der Stimmen von den Menschen die auch wählen gegangen sind. Mit diesen nur 8,9% wollten sie schon damals das ganze Land auf den Kopf stellen, sich ihrer Wahlquote wohl nicht ganz im Klaren. Zum Glück zog die FDP die Reißleine! Nun bemühen sich die GRÜNEN abermals um einen Regierungsauftrag und wieder glauben sie, die Menschen mit Bevormundungen und einer "Denk- und Sprachdiktatur" für sich zu gewinnen. Bis 1989 war ich Bewohner eines Landes, was mir versuchte die Staatspolitik zwanghaft einzutrichtern und mein Denken mit Sanktionen und Reglementierungen bestimmen zu können. Vor solchen erneuten Zuständen, dass man mir vorschreibt, wie ich mein Leben zu gestalten habe, habe ich Angst und deshalb wähle ich nicht grün. Ich möchte essen was ich will, ich möchte verreisen wie ich will und ich möchte reden dürfen wie ich mag ohne an den Pranger gestellt zu werden und das nach den Regeln des deutschen Dudens.

  3. 45.

    ich mag Fr. Baerbock, die grundsätzliche Ausrichtung der Grünen erscheint sinnvoll und zukunftsgerichtet.
    Die alte-Herren-Truppe der anderrn Parteien dürfen gerne in den Ruhestand gehen und z.B. golfen oder angeln. Das wäre für mich o.k.

  4. 43.

    Da ich am Polit-Horizont keine sonstige annehmbare Wahlmöglichkeit erkennen kann, wähle ich Frau Baerbock. Die Entschulidigung für das N-Wort fand ich allerdings völlig übertrieben. Sie hat zwar eine plausible Begründung dafür geliefert, nämlich die diskriminierende Bezeichnung und die damit zusammenhängenden Konnotationen reproduziert zu haben. Gerade diese Argumentation ist gefährlich, weil sie tatsächlich zu einer Sprachkultur der Angst führt - was darf ich noch sagen, auch wenn es in bester Absich geschieht? Das ist völlig abgehoben. Die Grünen werden aber nur auf Regierungsstärke vorankommend klettern, wenn sie ihre "Selbstgerechtigkeit" mal kritisch refklektieren und auch die nichtakademische Wählerschaft anspricht. Was ich Baerbock vor allem vorwerfe, ist das finanziell gemütliche Leben einer halbherzigen Promovendin, weil die Diss. großzügig durch Stiftungsgelder gesponsert wurde.
    Andere müssen sich dafür den Hintern aufreißen und evtl. wg. Geldmangel aufgeben.

  5. 42.

    Eine Sache fällt mir seit langem auf. Die Grünen versuchen immer nur mit Klima-Themen sich zu positionieren. Keiner achtet auf ihre angestrebte Aussenpolitik. Diese wird sehr bzw. ausschließlich an amerikanischen Interessen ausgerichtet sein. Damit bekommen wir in Europa sehr viel Unruhe rein. Dagegen sollte endlich wieder mehr Annäherung und Zusammenarbeit , statt Konfrontation sein.

  6. 40.

    Um die bessere Ausgangslage haben sich die Grünen selbst gebracht, indem die unerfahrenene Frau dem erfahrenen Mann vorgezogen wurde. Wer nicht die "besten" nominiert, bekommt auch nicht die beste Performance.
    Die haarsträubenden Fehler von ACAB tun ihr Übriges...

  7. 39.

    Schon der erste Satz im Artikel Ihres Mitarbeiters Woller - " Zwei Wochen vor dem Start ... hat (A.C.A.B., Annalena Charlotte Alma Baerbock)...
    eröffnet" - zeigt den laxen Umgang und die fehlende Akkuratesse Ihres Mitarbeiters in Bezug auf seine Muttersprache. Die große Frage, was hat den A.C.A.B. eröffnet, einen Fahrradladen, einen Massagesalon, einen bioökölogischen Kindergarten und dergleichen, bleibt offen. Na, Hauptsache, Sie stellen im "Tschändern" neue Rekorde auf, alles andere ist dann zweitrangig.

  8. 38.

    Oh man, sie blamieren sich mit ihrem Gejammer über die Kritik an den Grünen.
    Dies gehört, solange nicht starfrechtlich relevant, in einer Demokratie dazu.
    Sie selbst erheben sich, andere zu belehren den Klimawandel nicht verstanden zu haben, nur weil Sie ihrer Argumentation nicht unkritisch folgen.

  9. 36.

    Egal ob Bundestagswahl oder die Wahl in Berlin, die Kandidaten sind einfach das letzte Aufgebot. Entweder haben sie dreck am Stecken oder lügen sich durch das Leben oder sind unscheinbar. Das ist eigentlich ein Armutszeugnis für unser Land, denn es erschreckend, das Inkompetenz das Land regiert.
    Eine Wahl hat der Bürger nicht, weil egal wo das Kreuz landet, es wird nicht besser.

  10. 35.

    Gut das Fr. Baerbock für das Kanzleramt kandidiert, so haben die Grünen keine Chance. Bis zur nächsten Kanzlerwahl wird man die Bürger so viel abgezockt haben das von den Grünen niemand mehr etwas Wissen will. Ich habe nichts gegen Klimaschutz, aber was hier abgeht ist nicht mehr normal. Nur noch Verbote, Verbote, Verbote!!! Deutschland rettet das Weltklima, Toi, Toi, Toi....

  11. 34.

    Der Herr Habeck ist echt clever. Die Frau Baerbock wird es dieses Mal nicht schaffen, weil sie in den Augen der meisten Menschen nicht "bereit" ist wie sie ja auch bereits schon mehrfach bewiesen hat.. Sie wird nach der Wahl dann Platz machen für den Herrn Habeck und er wird es dann beim darauffolgenden Mal schaffen. Interessant zu beobachtende "Schauspiel", aber sehr nachvollziehbar und clever.

  12. 33.

    Wir hassen die Grünen nicht, wir wollen nur nicht,dass die unser Land zugrunde richten. Denn niemand braucht eine Gruppe von Personen, die uns vorschreiben will wie wir zu leben,zu reden,zu denken und was wir zu essen haben.

  13. 32.

    Lieber Ulf,

    Das Problem bei den Grünen ist, dass die zwar den Klimawandel als Thema haben und dagegen jede Menge Geld ausgeben wollen. Leider kommen die gesamten Forderungen aus großstädtischen Wohlstandsblasen und müssen am Ende von Leuten bezahlt werden, die nicht das Privileg haben, den ÖPNV im 5-Minutentakt vor der Haustür zu haben. Wo bleiben die Projekte der Grünen zur ANPASSUNG an den Klimawandel, denn es wird ja unumwunden zugegeben, dass die CO2-Maßnahmen frühestens in einigen Jahrzehnten Wirkung zeigen. Und mir fehlen von Seiten der Grünen auch praktische Vorschläge, um Mobilität zu vermeiden - Corona hat gezeigt, dass eben nicht alle Leute zentral in den Firmen sitzen müssen, man könnte Abteilungen auch dezentraler ansiedeln.
    Auch ist zu bemerken, dass es beim grünen Spitzenpersonal keine Meteorologen oder Klimatologen gibt.

  14. 31.

    Wenn man die Kandidaten der Parteien als Hochkaräter bezeichnet, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Frau Ludwig von der CDU hat nur große Worte, sonst nichts. Herr Scholz ist für mich wegen seiner Trickserei bei Wirecard und Warburg aus dem Rennen. Mit Frau Baerbock hätten wir vielleicht eine gute Kandidatin, wenn sie nicht so viel lügen würde. Lebenslauf, Bezüge, Buch, dass alles ist ein bisschen viel in relativ kurzer Zeit. Außerdem vermisse ich bei ihr eine gewisse Berufs- und Lebenserfahrung. Sie kommt mir bei ihren Auftritten immer vor wie ein schreiendes Kind, dem das Spielzeug weggenommen wurde.

  15. 30.

    Dem stimme ich voll zu und nach dem sie Ungeimpften noch mit Einschränkungen droht, wird sie wohl ganz verloren haben

  16. 29.

    Das habe ich damals von den Amis und Trump auch gedacht. Und was passiert ist haben wir ja gesehen.

  17. 28.

    Ja, die Grünen sollten es lieber lassen....

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