Armin Paul Hampel (AfD), Alexander Gauland, Spitzenkandidat der Partei Alternative für Deutschland (AfD) und Beatrix von Storch, stellvertretende Parteisprecherin der Partei Alternative für Deutschland (AfD) (l-r) reagieren am 24.09.2017 auf der Wahlparty ihrer Partei in Berlin nach der Veröffentlichung der ersten Prognosen. (Quelle: dpa/Stratenschulte)
Video: Brandenburg aktuell | 25.09.2017 | Rico Herkner | Bild: dpa

Bundestagswahl 2017 - AfD ist zweitstärkste Partei in Brandenburg

Die AfD hat in Brandenburg bei der Bundestagswahl massiv zugelegt. Die Rechtspopulisten sind, wie im Osten insgesamt, zweitstärkste Kraft nach der CDU. Zu den AfD-Hochburgen gehören Cottbus und der Süden des Bundeslandes.

Die AfD ist bei der Bundestagswahl in Brandenburg die zweitstärkste Kraft geworden. Sie kam auf 20,2 Prozent der Zweitstimmen, wie der Landeswahlleiter im Internet mitteilte. 2013 war die AfD noch bei 6,0 Prozent gelandet.

Die CDU erzielte mit 26,7 Prozent den ersten Platz (2013: 34,8 Prozent). Auf Platz drei kam die SPD mit 17,6 Prozent (23,1), gefolgt von der Linken mit 17,2 Prozent (22,4), die Grünen auf 4,5 Prozent (4,7) und die FDP auf 7,1 Prozent (2,5).

Bundesweit erreichte die AfD 12,6 Prozent (vorläufiges amtliches Endergebnis). Doch sichtbar ist eine klare Ost-West-Spaltung: In den ostdeutschen Bundesländern und dem Osten Berlins wählten 20,5 Prozent der Berechtigten die AfD, im Westen waren es 10,7 Prozent (Hochrechnung Stand 03:22 Uhr).

AfD-Hochburgen im Süden und Osten Brandenburgs

Zu den AfD-Hochburgen gehört Cottbus, Brandenburgs zweitgrößte Stadt. Dort wurden die Rechtsnationalen mit 24,3 Prozent stärkste Kraft, wie die Kommune mitteilte. Insgesamt konnte die rechtsnationale Partei in 23 Wahlbezirken stärkste Kraft werden.

Im gesamten Wahlkreis 64 - Cottbus mit dem Spree-Neiße-Umland -, landete die Partei nach Auszählung aller Stimmen mit 26,8 Prozent vorn, noch vor der CDU (24,1) - ein Stimmenzuwachs von fast 20 Prozentpunkten für die AfD gegenüber 2013. Auch die AfD-Direktkandidatin in dem Wahlkreis, Helene Spring-Räumschüssel, schnitt mit 25,3 Prozent gut ab, landete allerdings hinter dem Kandidaten der CDU, Klaus-Peter Schulze. Der frühere Bürgermeister von Spremberg gewann den Wahlkreis mit 28,4 Prozent der Stimmen.

Im benachbarten Wahlkreis 65 - Elbe-Elster – Oberspreewald-Lausitz II - holte die AfD mit 25,2 Prozent ebenfalls sehr viel mehr Stimmen als noch 2013 (5,9). Dort landete die Partei auf Platz zwei hinter der CDU, die 27,7 Prozent erzielte. Den Wahlkreis gewann aber CDU-Spitzenkandidat Michael Stübgen mit 29,5 Prozent. AfD-Konkurrent Peter Holger Drenske folgte mit 24,7 Prozent jedoch gleich dahinter.

Alexander Gauland, Spitzenkandidat der Partei Alternative für Deutschland (AfD), steht am 24.09.2017 in Berlin auf der Wahlparty seiner Partei (Quelle: dpa/Bernd Von Jutrczenka)
| Bild: dpa

Gauland holt seinen Wahlkreis nicht, will aber "Merkel jagen"

Im Wahlkreis 63 - Frankfurt (Oder)/Oder-Spree - im östlichen Brandenburg, der bisher schon als AfD-Hochburg galt, wählten 22,1 Prozent die AfD - plus 5,7 Prozentpunkte gegenüber 2013 und Platz zwei hinter der CDU (24,6).

Spitzenkandidat Alexander Gauland konnte den Wahlkreis aber nicht für sich entscheiden. Er holte 21,9 Prozent der Stimmen - der Wahlsieg aber ging an den früheren CDU-Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), Martin Patzelt, mit 27,1 Prozent.  

Dennoch wird Gauland über die Landesliste in den Bundestag einziehen. Er kündigte bereits starken Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an. "Wir werden Frau Merkel jagen." Die Partei werde sich "unser Land und unser Volk zurückholen."

Interessant wird, wer Gauland im Landtag nachfolgt: mutmaßlich der uckermärkische AfD-Kreischef Jan-Ulrich Weiß, gegen den die Justiz kürzlich Anklage wegen Steuerhinterziehung erhoben hatte. Gauland, bisher AfD-Fraktionsvorsitzender, hatte zuvor vergeblich versucht, Weiß wegen der Veröffentlichung einer als antisemitisch eingeschätzten Karikatur aus der Partei auszuschließen.

Grafik Bundestagswahl 2017 Brandenburg Wahlentscheidungsgründe (Quelle: Infratest dimap)
Bild: Infratest dimap

AfD-Landeschef Kalbitz: "Politischer Wendetag"

Brandenburgs AfD-Landeschef Andreas Kalbitz sprach mit Blick auf das Ergebnis von einem "politischen Wendetag". "Die AfD hat trotz aller Anfeindungen ein großartiges Ergebnis erzielt", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. "Das sehr gute Abschneiden der AfD ist aber auch ein großartiger Vertrauensbeweis der Wähler für die konsequente und konstruktive Oppositionsarbeit der AfD-Fraktion im brandenburgischen Landtag."

AfD-Wähler hatten sich langfristig entschieden

Fast jeder dritte Wähler in Brandenburg entschied sich erst am Wahltag (13 Prozent) oder "in den letzten Tagen" (19 Prozent) für eine Partei. Bei den AfD-Wählern war das anders: Jeder Zweite hatte langfristig vor, die AfD zu wählen. Das haben Befragungen der Wahlforscher von infratest dimap ergeben.

Fast 61 Prozent der Brandenburger AfD-Wähler sagten, sie hätten sich aus Enttäuschung über andere Parteien für die Rechtspopulisten entschieden. Nur 25 Prozent sagten, ihre Wahlentscheidung sei aus Überzeugung für die eigene Partei gefallen. Der Spitzenkandidat - also Alexander Gauland - war nur elf Prozent der AfD-Wähler in Brandenburg wichtig. 71 Prozent der Befragten sagten, das Programm der Partei habe sie überzeugt.

Grafik Bundestagswahl 2017 Brandenburg Koalitionstaktische Gründe (Quelle: Infratest dimap)
Bild: Infratest dimap

Jeder fünfte Brandenburger - 20 Prozent - traf seine Wahlentscheidung aus koalitionstaktischen Gründen. Am liebsten sähen die Märker die Fortsetzung der Großen Koalition (37 Prozent) oder Schwarz-Gelb (29 Prozent) - beides dürfte nicht eintreten. Wahrscheinlich ist eine "Jamaika"-Koalition aus Union, FDP und Grünen.

SPD und Linke zeigen sich entsetzt

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach angesichts des Abschneidens der AfD von einem bitteren Ergebnis. Brandenburgs Linken-Chef Christian Görke sagte, das AfD-Ergebnis in dieser Höhe sei besorgniserregend. "Dass CDU/CSU und Teile der SPD der AfD nach dem Munde geredet haben, hat sich nicht ausgezahlt."

In Brandenburg waren am Sonntag rund 2,1 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen.

Rund 1.000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen AfD-Wahlparty

Schon kurz nach Schließung der Wahllokale demonstrierten hunderte Menschen vor der Wahlparty der AfD am Berliner Alexanderplatz. Etwa 1.000 Menschen versammelten sich am Sonntagabend vor dem Hochhaus, wo die AfD in einem ersten Stock ihren Einzug in den Bundestag feierte.

Sendung: Ihre Wahl  2017, 24.09.2017, 20:15 Uhr

So hat Brandenburg gewählt

Kommentar

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21 Kommentare

  1. 20.

    Jetzt muss die AfD liefern! Was sie gestern in Form von Frau Petry lieferte war eher das Gegenteil von Demokratie :-( Was sie bis dato im Landtag Brandenburg lieferte ist nicht wahrnehmbar :-( Echte Alternativen sehen anders aus!

  2. 19.

    Jetzt brauchen Sie nur noch das Märchen kolportieren, der Gefreite sei "demokratisch gewählt" worden. Wenn Sie sich in Geschichte auskennen würden, wüßten Sie, daß er nicht gewählt sondern von Eliten willkürlich ernannt wurde. Seine Partei hatte in den letzten freien Wahlen nur 33% - bei fallender Tendenz.

    Und so vorzüglich, wie Sie sich in deutscher Geschichte auskennen, kennen Sie sich offensichtlich auch in Tagespolitik und Parteiarbeit aus. Da kann sich glücklich schätzen, wer Ihre vor Sachkenntnis strotzenden Ratschläge erhält.

  3. 18.

    "Am Wahltag" ist eine Teilmenge von "in den letzten Tagen" - jedenfalls nach den Gesetzen der Logik. Ich weiß ja nicht, welche Bedeutung Sie letzterer in Ihren Argumentationsversuchen beimessen. Doll kann's nicht sein. Viele liebe Grüße

  4. 17.

    Au weia. Hauptsache mal gepöbelt, ja?

    13 + 19 = wieviel?

    Wenn Sie das sachlicher fomuliert hätten, wär's jetzt nicht so peinlich.

  5. 16.

    In Anbetracht der Tatsache, dass Herr Gauland in einer rechtspopulistischen Partei ist, habe ich ein ungutes Gefühl, wenn er sagt: "Wir werden Frau Merkel jagen." Seine Brüder im Geiste haben 1933 auch Politiker gejagt und anschließend in "Schutzhaft" genommen. Was 1933 noch Kommunisten und Sozialdemokraten waren, ist heute einfach jeder andere Politiker.

  6. 15.

    Diese Entwicklung ist zwar bedenklich, es hätte aber schlimmer kommen können. Dass die AfD in den BT einzieht, war abzusehen. Jetzt hat der Wähler Gelegenheit das Desaster auch bundesweit zu erleben. Was wird sie als Totalopposition leisten oder zur Gestaltung der kommenden Legislaturperiode beitragen?

    Auch wenn die AfD ziemlich stark ist und regional in einigen Teilen Deutschlands sogar die meisten Zweitstimmen erhalten hat, ist es doch beruhigend zu wissen, dass gesamtgesellschaftlich gesehen eine Mehrheit den Thesen dieser Partei kritisch gegenüber steht. Bisweilen hatte man den Eindruck, dass einige Kommentatoren in Ihren Echokammern schon von einer absoluten Mehrheit geträumt haben. Dem ist aber nicht so. Sie ist stark - aber dennoch in der Minderheit.

  7. 14.

    Die AFD zweitstärkste Kraft in Brandenburg, einer SPD-Hochburg früherer Zeiten mit absoluter Stolpe-Mehrheit in den 90er Wendejahren. Einziger SPD-Direktwahlsieg in Potsdam mit Manja Schüle gegen die AFD-nahe CDU-Kandidatin (der einzige Lichtblick an diesem Abend). Diverse Bürgermeister-Direktwahlen im Land. Und was läuft zu besten Sendezeit im RBB - ein Quizz mit Jörg Pilawa. Hat er auch ein Mandat gewonnen?
    Ein Armutszeugnis für den RBB.
    Selbst der MDR hatte eine eigene Wahlsendung mit regionalem Bezug.
    Was sagt die Leitung des RBB dazu?

  8. 13.

    Tja - anstatt vernünftig zu argumentieren versuchen Sie gleich mit unsachlichen Worten zu kontern.
    Schade - lesen Sie sich meinen Kommentar am besten nochmal durch und überlesen dabei nicht das Wort "gestrige" vor dem Massenwahn.
    Sind Sie in Geschichte ein wenig bewandert? Dann wissen Sie was ich meine.
    Da leider zu wenige sich die Mühe machen, in den sog. etablierten Parteien eine gute und vernünftige Oppositionsmeinung zu vertreten und sich dann beeindrucken lassen, um das Vorhaben stillzulegen, anstatt weiterzumachen, weil die "alteingesessenen" Politwracks mit ihrer Mimi-Politik immer weitermachen wollen und sich in ihrer eingelullten Position wohlfühlen - so lange wird sich nichts ändern.
    Die Änderung muss von unten/innen heraus geschehen, auch junge Leute braucht´s, die gegen die Politsenioren anstinken - und das meinen Sie mit Elfenbeinturm?
    Ziemlich platt Ihre Argumentation :-)

  9. 12.

    Vollkommen richtig! Übrigens: Bei letzter Landtagswahl lag die Wahlbeteiligung unter 50%. Frage: Wie demokratisch legitimiert ist die Regierung Woidke? Wie demokratisch legitimiert ist Potsdams OB Jann Jakobs? Da ging auch nicht mal die Hälfte zu letzter OB Wahl.

  10. 11.

    Das war leider zu erwarten. Zu verantworten hat dies Ergebnis die Landesregierung! Sie regiert schon lange an den Belangen der Bürgerinnen und Bürger Brandenburgs vorbei :-

  11. 10.

    Zitat: "fast jeder dritte Wähler in Brandenburg entschied sich erst in letzter Minute für eine Partei: am Wahltag (13 Prozent) oder "in den letzten Tagen" (19 Prozent)"

    Lieber RBB, ja, ich weiß, daß das bundesdeutsche Schulsystem nicht das Gelbe vom Ei ist - und es auch vor Jahrzehnten nicht war. Aber vielleicht befassen Sie sich doch noch mal mit Prozentrechnung? Bei mir ist 19 Prozent etwa jeder Fünfte - und nicht jeder Dritte. Von 13 % ganz zu schweigen.

  12. 9.

    Selten solch einen Unfug in derart geballter Form gelesen.

    Seit wann stehen Kleinparteien für "Massenwahn"? Die Masse hat gestern immer noch die Altparteien gewählt. Seit wann kann man effektiv Oppositionsarbeit betreiben, wenn man nur alle 4 Jahre seine Stimme abgeben darf - oder selbst als einfaches Parteimitglied an der Basis? In welchem Elfenbeinturm leben Sie eigentlich?

  13. 8.

    Die Bürger in den Neuen Bundesländern tappen 28 Jahre nach dem Mauerfall immer noch im Dunkeln. Herzlichen Glückwunsch!

  14. 7.

    Hat denn Keiner kapiert, dass der Grundstein für die AfD schon weit vor der Asylkrise gelegt wurde. Nämlich als zuerst Heinz Buschkowsky für seine Integrationsanalysen niedergetrampelt wurde und danach Tilo Sarrazin. Darüber wurde nicht diskutiert, es wurde niedergetrampelt. Man war schon ein Nazi oder Rechter wenn man über Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" nur diskutieren wollte, ohne diese Meinung zu teilen. Der Mainstream hat in der Annahme, dass sich das von selbst erledigen wird voll daneben gelegen und gestern die Quittung bekommen!

  15. 6.

    Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

  16. 5.

    Nein, dass sind nur Leute, die dem gestrigen MAssenwahn hinterherhecheln.
    Wer Patriot ist, der kann dies auch als Mitglied in der SPD, der CDU, den Linken, Grünen und der FDP.
    Wer keinen Mumm hat dies so zu machen um etwas wirklich zu verändern, der wählt den Weg des geringsten Widerstands - den mit der Stimme für die AfD. Denn, wer nur deren Polemik seinen Glauben schenkt, der ist meines Erachtens schwach in eigener Kommunikation.
    Idioten sind sie nicht - vllt nur ein wenig schwach eigene Wege zu gehen. Der sich bildenden Masse hinterher rennen, weil man da nicht auffällt ist doch einfacher, als echte Opposition im eigenen Lager zu betreiben. Dann in dieser MAsse die Klappe aufzureissen ist doch so leicht - Opium für´s Volk - Schuss gehört?
    Und stellen Sie sich nicht in die Opferrolle sondern machen Sie konstruktive, friedliche und patriotische Opposition - aber nicht in der AfD.

  17. 4.

    Jetzt gibt es nur eins: Die Roten müssen eine starke Opositionsarbeit leisten, und dies am besten gemeinsam, um Schwarz bei der nächsten Wahl aus der Regierung zu drängen. Das Desaster, dass AfD so stark wurde, liegt insbesondere an der Verweigerungspolitik der CDU. Der Krach mit der CSU ist unerträglich. Die CDU sollte lagfristig in Bayern einen Landesverband gründen und Seehofer mit seiner CSU ins Abseits stellen. Bin gespannt wie der, jetzt kurz nach der Wahl, wieder gegen die CDU und die Kanzlerin arbeiten wird. Die CSU mit ihren Machtbesessenen braucht kein Mensch in diesem Land.

  18. 3.

    Wer 20% der Einwohner als Idioten hinstellt, die zu blöde zum wählen sind, hat das Prinzip von Demokratie nicht verstanden.

  19. 2.

    so so , die ach so toleranten "Linken" demonstrieren gegen ein demokratisch gewählte Partei .. komischen Demokratieverständnis ...
    und die Linken betreiben dann wohl auch die eigene Ausradierung, wenn sie Plakate hochhalten mit " We love Volkstod". Ich denke in Nordkorea sind sie ganz gut aufgehoben .

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