Wähler aus Berlin, unter anderem Frank-Walter Steinmeier und seine Frau, Elke Büdenbender (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Bild: dpa

Bundestagswahl - Wahlbeteiligung in Berlin höher als vor vier Jahren

Rund 4,6 Millionen Berliner und Brandenburger sind aufgerufen, ihre Stimme für den neuen Bundestag abzugeben. Bis zum Mittag lag die Wahlbeteiligung in der Hauptstadt etwas höher als 2013, in Brandenburg etwa ebenso hoch. Allerdings sind die Briefwähler noch nicht berücksichtigt.

Bei der Bundestagswahl am Sonntag zeichnet sich eine ähnliche Wahlbeteiligung ab wie vor vier Jahren. Bis um 14.00 Uhr gaben 41,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, 0,3 Prozentpunkte weniger als 2013, wie der Bundeswahlleiter mitteilte. Die Stimmen der Briefwähler sind dabei nicht berücksichtigt.

Die Wahlbeteiligung insgesamt hatte vor vier Jahren 71,5 Prozent betragen. Bei der Bundestagswahl 2009 war sie auf den bislang niedrigsten Stand überhaupt abgerutscht und lag bei 70,8 Prozent.

Wahlbeteiligung in Brandenburg ähnlich wie vor vier Jahren

In Berlin gingen bis zum Nachmittag etwas mehr der rund 2,5 Millionen Wahlberechtigten wählen, als bei der Bundestagswahl 2013. Die Wahlbeteiligung bis 16 Uhr lag bei 60,3 Prozent und damit 1,9 Prozentpunkte höher als vor vier Jahren, wie die Landeswahlleiterin mitteilte. Die höchste Wahlbeteiligung wurde um 16.00 Uhr aus dem Wahlkreis 79 Steglitz-Zehlendorf gemeldet (64,3 Prozent), die niedrigste aus dem Wahlkreis 82 Neukölln mit 56,4 Prozent. Mancherorts mussten die Wähler am Mittag bis zur Stimmabgabe Schlange stehen.

In Brandenburg blieb die Wahlbeteiligung bis zum frühen Nachmittag in etwa ebenso hoch wie bei der vorangegangenen Bundestagswahl. Von den rund 2,1 Millionen wahlberechtigten Brandenburgern hatten am Sonntag bis 14 Uhr 38,3 Prozent ihre Stimme für die Bundestagswahl abgegeben und damit 0,1 Prozentpunkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt bei der Bundestagswahl 2013.

In der Hauptstadt geht es außerdem noch um den Volksentscheid zum Flughafen Tegel.


In Brandenburgs zweitgrößter Stadt Cottbus erklärte Wahlbüroleiter Andreas Pohle: "Es ist ein ständiges Kommen und Gehen." Auch in Frankfurt (Oder) ging die Stadtverwaltung nach einer Mitteilung am Vormittag von einer diesmal wohl insgesamt etwas höheren Wahlbeteiligung aus.

In 35 Brandenburger Städten und Gemeinden werden auch die Bürgermeister gewählt.

Kleine Stimmzettel-Panne in Brandenburg/Havel

Bei der Bundestagswahl ist es zu einer kleinen Panne in einem Wahllokal in Brandenburg/Havel gekommen. Dort gab es Stimmzettel-Fehldrucke, auf denen die Erststimme fehlte, wie die Landeswahlleitung in Potsdam am Sonntag bestätigte. Zuvor hatte die "Märkische Allgemeine" berichtet. Die Fehldrucke seien aber sofort aussortiert und erst gar nicht an die Wahlberechtigten ausgegeben worden, hieß es. Generell sei das nichts Ungewöhnliches. "Fehldrucke können vorkommen", teilte die Landeswahlleitung mit.

Die Wahllokale in Berlin und Brandenburg sind seit 8 Uhr und noch bis 18 Uhr geöffnet.

Lob für die Wahlhelfer in den Lokalen gab es am Morgen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er dankte den bundesweit rund 650.000 tätigen Wahlhelfern. Sie trügen auch in diesem Jahr zu einem reibungslosen Ablauf der Wahl bei, sagte er am Sonntag bei der Stimmabgabe in Zehlendorf.

Viele Suchanfragen zur Wahl auf Google

Ganz einfach allerdings scheint das "Hingehen und Ankreuzen" wohl nicht: "Wo wählen gehen?" war in den vergangenen sieben Tagen die häufigste Google-Suchanfrage zur Bundestagswahl.

Ohne Google aber kann jeder das mit wenig Mühe auch selbst herausfinden: Es steht in dem Schreiben, das jeder Wähler vor ein paar Wochen bekommen hat. 2,5 Millionen Berliner und 2,1 Millionen Brandenburger hatten eine solche Wahlbenachrichtigung im Briefkasten und dürfen am Sonntag über ihr neues Parlament abstimmen.

Rekord bei Briefwahl

An der Wahl zum Bundestag dürfen alle Deutschen teilnehmen, die mindestens 18 Jahre alt sind und hauptsächlich in der Bundesrepublik wohnen. Der Großteil nimmt den klassischen Weg ins Wahllokal um die Ecke, zwischen 8 und 18 Uhr kann man am Sonntag dort seine Kreuze machen.

Aber mehr Wähler als je zuvor haben das Ganze ohnehin längst zuhause erledigt, per Post. Nicht umsonst ist die zweithäufigste Suchanfrage zum Sonntag: "Wann Briefwahl abschicken?" Wer es verpennt hat, kann den Brief übrigens auch persönlich in seinem jeweiligen Wahlamt abgeben.

Häufigste Berufsbezeichnung: Student

Zur Wahl stellen sich in Berlin 330 und in Brandenburg 186 Frauen und Männer. Entweder hoffen sie auf ein Direktmandat via Erststimme oder auf ein Ticket per Zweitstimme in den Bundestag, über einen Listenplatz ihrer Partei. Die mit Abstand häufigste Berufsbezeichnung der Kandidaten in beiden Bundesländern lautet übrigens: Student oder Studentin.

GroKo oder "Jamaika" bislang am wahrscheinlichsten

Von wem werden die Deutschen in den kommenden vier Jahren regiert? Wieder von einer großen Koalition aus Union und SPD - oder zum ersten Mal von einem "Jamaika"-Bündnis aus Union, FDP und Grünen? Folgt man den letzten Umfragen, sind diese zwei Regierungsoptionen am wahrscheinlichsten.

Um eine Koalitionsaussage drückten sich die Politiker dieser Parteien auch in diesem Wahlkampf standhaft, um sich keine Machtoption zu verbauen. Grüne und FDP dürften noch darauf spekulieren, dass sie sich der Union mit genügend Stimmen als alleiniger Koalitionspartner anbieten könnten. Den letzten Umfragen zufolge ist geht es für die SPD darum, nicht das schlechteste SPD-Ergebnis der Nachkriegszeit von 23 Prozent (2009) zu unterbieten.

Spannend wird auch die Frage, wer hinter der CDU/CSU und den Umfragen zufolge der SPD die drittstärkste Kraft im Bundestag wird. In den letzten Umfragen vor der Wahl machten die Linke und die AfD das Rennen.

Rekord beim "Wahl-O-Mat"

Insgesamt stellen sich 42 Parteien zur Bundestagswahl, auch das ist ein neuer Rekord seit der Wiedervereinigung. Über ihre Positionen informierten sich so viele Menschen wie nie zuvor mit dem "Wahl-O-Mat": Die interaktive Internetseite, entwickelt von der Bundeszentrale für politische Bildung, ist bis Freitag 13,3 Millionen Mal genutzt worden.

Verabschieden müssen sich die Berliner, speziell aus Friedrichshain-Kreuzberg, vom altgedientesten Grünen-Politiker des Parlaments: Hans-Christian Ströbele wird dem neuen Bundestag nicht mehr angehören. Auch die Berliner Linken-Abgeordnete Halina Wawzyniak verlässt das Parlament. In Brandenburg wird unter anderen ein Nachfolger für den direkt gewählten Frank-Walter Steinmeier (SPD) gesucht, der sich als Bundespräsident ins Schloss Bellevue verabschiedet hatte.

Um 18 Uhr werden am Sonntag die ersten Prognosen über die Bildschirme flimmern. Wer es genau wissen will, sollte sich starken Kaffee kochen: Das vorläufige amtliche Endergebnis verkündet der Bundeswahlleiter dann zwischen zwei und vier Uhr morgens.

Sendung: Abendschau, 24.09.2017, 19.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

5 Kommentare

  1. 5.

    Ich freu mich drauf.

  2. 3.

    Heute Abend bei ARD und ZDF sitzen sie wieder in der ersten Reihe: Großes Theater mit exzellenten Laiendarstellern. Es spielen mit: Die Politgruppen CDU und CSU, SPD, GRÜNE und jetzt wieder dabei, die FDP. Neu ist die AfD, sie spielt den Retter.
    Rote Störer werden abgedrängt.
    Regie führen wie seit langem: Dax-Konzerne, internationale Kapitalgesellschaften wie Blackrock, Versicherungsgesellschaften und natürlich Investmentbanken. Regieassistenten sind
    Rüstungs- und Pharmaindustrie. Souffleusen der
    Springerpresse und des Bertelsmannkonzerns stehen bereit.
    Gute Unterhaltung.

  3. 2.

    Dürften wir nicht wählen, lebten wir nicht in einer Demokratie. Was allerdings die Qualität der bestehenden Demokratie anbelangt, scheint mir Kritik in vielerlei Hinsicht angebracht.

  4. 1.

    Falls die rechtsnationale, neoliberale, marktradikale AfD zweistellig wird, die US-hörige Merkel-CDU deutlich an Stimmen verliert und die Arbeitnehmer- und Rentner-Schänder-SPD auf tiefem Niveau noch weiter verliert und dann keine tiefgreifenden Konsequenzen in den verschiedensten Politikbereichen gezogen werden, dann ist dieser Bundestag mit dafür verantwortlich wenn sich im und außerhalb des Parlamentes immer mehr radikale und extremistische Gruppierungen ausbreiten. Die Probleme bei der unkontrollierten Zuwanderung, der extrem ungleichen Vermögensverteilung sowie der drohenden millionenfachen Rentenarmut müssen endlich konsequent angegangen werden.

Das könnte Sie auch interessieren