Vincent, Tara und Jakob haben die Veranstaltung "Triff Deinen Politiker" am 12.09.2017 in Prenzlauer Berg, Berlin, mitorganisiert (Quelle: rbb/Annette Miersch)
Audio: rbb | 11.09.2017 | Annette Miersch | Bild: rbb/Annette Miersch

Jugendliche treffen Bundestagskandidaten in Pankow - Testwählen im Jugendclub

Kurz vor der U18-Wahl können Teenager in Berlin-Pankow lokale Politiker befragen, die bei der Bundestagswahl antreten. Vertreter von sechs Parteien haben für Mittwoch zugesagt. Organisiert haben das Treffen die Jugendlichen selber - mit viel Mühe. Von Annette Miersch

Früh übt sich, wer an demokratischen Prozessen teilnehmen möchte. In diesem Sinne findet am Freitag bundesweit die Jugendwahl U18 statt. Minderjährige können hier ausprobieren, wie es ist, seine Stimme für den Bundestag abzugeben.

Um Mädchen und Jungen zu motivieren, finden in diesen Tagen republikweit viele Informations-Veranstaltungen statt - in Berlin-Prenzlauer Berg zum Beispiel gibt es bereits am Mittwoch ein Erstwählerforum. Titel: "Triff Deinen Politiker". Das Besondere hier: Organisiert wird das Forum von Jugendlichen für Jugendliche.

Mit Heimvorteil

Entsprechend stolz und immer noch ein wenig ungläubig stehen Tara (17), Vincent (17) und Jakob (18) im großen Saal ihres Jugendclubs "Königstadt". Ein alter Backsteinbau, Industrieromantik, große Scheinwerfer hängen von der Decke. Am Mittwoch werden diese Strahler ein Event in Szene setzen, an dem die Zwölftklässler rund ein halbes Jahr mitgetüftelt haben.

Tara zeigt auf die große Bühne und kann sich kaum vorstellen, dass hier fast 200 Menschen stehen und lauschen sollen. Jakob meint auch: Mit 100, 150 Kindern und Jugendlichen als Publikum wären sie schon "voll zufrieden". Auf der Bühne gibt es dann echte Politiker: Kandidaten aller sechs Parteien, die Aussicht haben, in den neuen Bundestag zu kommen.

Die Politiker treten allesamt im Wahlkreis Pankow an. Tara meint, dieser Heimvorteil ziehe bei Jugendlichen: "Wenn man denen sagt: 'Das sind Deine Politiker aus Deinem Wahlkreis. Du kannst sie wählen. Du kannst dadurch einen viel tieferen Einblick kriegen, wie sie zu bestimmten Themen stehen'." Wichtig sei natürlich auch, dass die Diskussion kein "blödes Hin- und Her-Gefrage" wird, sondern knackig und auf den Punkt. Als Moderatoren wollen die Schüler genau das umsetzen: knackig nachfragen und eine Brücke zum Wähler-Nachwuchs bauen.

"Die Absagen aus den Büros waren alle total nett"

Ganz allein waren die jungen Leute bei den Vorbereitungen aber nicht. Sozialarbeiter vom "U18-Netzwerk Berlin" haben das Projekt angestoßen und begleitet. Es gibt Fördergeld aus dem Jugend- und-Demokratie-Fonds Berlin. Hilfe, die Tara, Jakob und Vincent schätzen. Allerdings mussten auch sie ganz schön kämpfen, um ihr Podium vollzukriegen, berichtet Jakob.

Anfangs hätten sie noch größer gedacht, da war von "lokal" noch keine Rede. Damals wollten sie noch Politik-Promis wie Claudia Roth und Ursula von der Leyen einladen: "Die Absagen aus den Büros waren alle total nett", berichtet Jakob. "Die sagten uns, dass die schon Wahlkampfauftritte hätten und außerdem stammen die ja alle aus Bayern und sonst woher."

Bei den Berliner Landesverbänden der Parteien schließlich gingen die Türen leichter auf. Auch hier mussten sie zwar öfter persönlich nachhaken, hartnäckig bleiben - doch das hat sich gelohnt. Vincent ist überzeugt, dass ihr Einsatz einen echten Mehrwert bringt. Bei dem Erstwählerforum gehe es darum, mit einer Meinung oder auch gar keiner Meinung anzutreten, zuzuhören und dann zu schauen, was passiert: Vielleicht ändert sich ja eine Meinung, vielleicht nicht: "Wir wollen die Angst nehmen, zu wählen und sich zu informieren."

Vor und nach der Diskussion kann gewählt werden

Ob und wie sich die Meinungen im Publikum verändern, können alle gleich vor Ort rausfinden: Vor und nach den Diskussionsrunden findet je eine Jugend-Test-Wahl statt. Auf die Ergebnisse sind Tara, Jakob und Vincent sehr gespannt.

Und was denken diese drei selbst so kurz vor der Bundestagswahl? Was braucht Deutschland? Vincent findet Courage wichtig, "und ein offenes Ohr für die Jugend und alte Menschen". Tara meint, dass Deutschland mehr Interesse braucht - Menschen, die sich mit den Dingen auch wirklich auseinandersetzen.

Jakob schließlich wünscht sich engagierte und unterschiedliche Menschen, die sich gegenseitig ergänzen. Dann könne etwas Großes entstehen, sagt der 17-Jährige: "So wie hier. Wir sind alle ziemlich unterschiedlich, aber trotzdem entsteht hier was Großes."

Beitrag von Annette Miersch

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